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Wo Jugendgewalt entsteht und was die SVP vorschlägt

Der Fall Rütli-Hauptschule in Berlin – Neukölln ist wohl der eindrücklichste und schwerste, der in letzter Zeit den Weg in die Medien gefunden hat, aber nicht der einzige.

Das Phänomen beschränkt sich aber ganz und gar nicht auf diese eine Schule oder Deutschland. Die Gewalt unter Jugendlichen nimmt seit Jahren stetig zu. Die Zahl der Tatverdächtigen stieg im letzten Jahr um 9 Prozentpunkte auf 3467. Jugendkriminalität ist aber längst nicht nur ein Problem junger Imigranten der ersten und zweiten Generation, wie von der politischen Rechten immer wieder propagiert wird.

Jugendgewalt ist ein sehr komplexes Thema, welchem nur beigekommen werden kann, wenn verschiedenste Massnahmen ineinandergreifen. Die Gründe für Gewalt unter Jugendlichen reichen von Armut über schlechte Ausbildungs- und Berufschancen bis zur dadurch resultierenden Mittelknappheit und Perspektivlosigkeit.

Und jetzt die SVP/SD: Die Antwort kann nur lauten mehr Polizeipräsenz. Überall und immer. Einbuchten die kleinen Verbrecher, damit sie’s nie mehr machen! Doch damit schiesst man definitiv am Ziel vorbei und betreibt einmal mehr den Lieblingssport der SVP – Symptombekämpfung. Soziale Einrichtungen, Jugendhäuser und Schlupfhäuser sollen geschlossen und Jugenarbeiterstellen gestrichen werden, Steuern senken zu jedem Preis. Nachzulesen in jedem Wahlbroschürchen der rechten und ultrarechten Szene der Schweiz. Uniformen müssen her! Super!

Das man diesen Problemen nicht mit Polizeigewalt Herr wird sieht man eindrücklich an den Beispielen von Deutschland und Frankreich.

So, und jetzt hätt ich gerne triftige Gründe der SVP-WählerInnen weshalb man trotzdem die Repressionskeule schlagen, soziale Projekte einstellen und Jugendarbeiterstellen streichen soll, obwohl Experten aus ganz Europa nachhaltige und jugendgerechte Massnahmen auf Ebene Bildung, Jugendarbeit, Integration und Arbeitsmarkt fordern.

Ach ja, noch was. Die SD fordert, dass keine Lehrstellen an immigrierte Jugendliche und Asylbewerber verteilt werden. Da dies die Integration fördere. Ich glaub’ ich bekomme ein Magengeschwür! Hier nachzulesen, Seite 6 2. Abschnitt (PDF)

Weiterführende Links und Quellen:
Schweizerische Kriminalprävention
Ärzte Zeitung
Tages-Anzeiger

Dieser Artikel wurde von pipo am Mittwoch, 5. April 2006 in der Rubrik Allgemein und zu den Stichwörtern , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

16 Kommentare zum Artikel “Wo Jugendgewalt entsteht und was die SVP vorschlägt”

  1. Beat am 5. April 2006 um 21:11

    Man sollte mal die Gewalt nach Konfessionen oder Religionen aufschlüsseln.

    Wieso blos würden Holländer, Engländer und co. prozentual eher hinten stehen?

  2. fehldruck am 5. April 2006 um 23:14

    Vielleich, weil Holländer und Engländer aus einem anderen Kulturkreis stammen? Vielleicht, weil sie 100 mal einfacher einen Job erhalten? Vielleicht, weil es deutlich weniger Imigranten aus Holland und England als aus bspw. Jugoslavien gibt?
    Fragen über Fragen…

  3. Georg Meier am 6. April 2006 um 00:18

    “Wieso blos würden Holländer, Engländer und co. prozentual eher hinten stehen?”

    Meinst Du etwa die engländischen und holländischen Hooligans?

  4. Beat am 6. April 2006 um 08:32

    10 Personen aus Land A – 1 Verbrechen
    2 Personen aus Land B – 5 Verbrechen

    In diesem Stil sollte man es erfassen.

    Wegen dem Job:
    Wieso ist das wohl so? Glaubst du wirklich ein Arbeitgeber ignoriert die Qualifikation und schaut nur auf Konfession/Herkunft?

  5. sense2 am 6. April 2006 um 09:29

    ich finde die lösungsvorschläge von pipo gewaltig!

  6. zauberflöte am 6. April 2006 um 10:31

    in erster linie halte ich diese ausschreitungen für ein männer problem. interessant, dass frauen/mädchen welche seit hunderten von jahren benachteilt werden, sich so nicht aufführen!

    jugendliche, egal welcher herkunft und welchen alters brauchen ein anderes männerbild_denn randale, zerstörung und gewalt ist männlich.

    die frage nach den jobs wäre vielleicht auch leichter zu lösen, wenn die herren bereit wären in sozialen einrichtigen bzw. sozialnahen dienstleistungen zu arbeit_und diese qualifikation dazu könnten sie von ihren müttern lernen”!”

  7. Chevy am 6. April 2006 um 10:34

    Das man den Problemen entgegen von Pipos aussage mit Polzei und Sicherheitsdiensten Herr werden kann Beweisen die USA mit mit der Polizei an der Schule und mit Bootcamps für die harten. In der Schweiz haben wir nicht eine Institution für Jugentliche die so wenig rückfällige hervorbringt.
    Ich bin überzeugt das dass effektiver ist als die Arbeit von Sozialarbeiter mit der gschpürsch mi methode, die Sozialarbeiter haben ihren Ruf bei den Jugentlichen längst verspielt und sind ihr Geld nicht wert.
    Ich denke das Bootcamps wahrscheindlich auch der kosteneffektivere Weg wären.
    Da das natürlich alles nicht Gratis ist sollten die Jugentlichen später wenn sie Erwachsen sind und Arbeiten eine wiedergutmachungssteuer Zahlen.
    Es ist doch krank das jeder der sich normal benimmt dafür bezahlen darf das andere sich wie Möchtegerngrambos an Schulen aufführen.

  8. Chevy am 6. April 2006 um 10:40

    @zauberflöte

    Bestehen Mädchengängs (die in der Brutalität um nichts nachstehen, und Psychisch meisst noch einen Schritt weitergehen) aus Transen? oder sind das Mädchen die eigentlich Jungen spielen?

    Frauen und Mädchen führen sich genau so auf, nur wird der % anteil geringer sein.
    Und was für ein Männerbild brauchen die Jungs von heute denn?

  9. RobertoKa am 6. April 2006 um 11:15

    @chevy
    In der USA leben rund 2% der Bevölkerung im Gefängnis. Jeder vermutliche Kleinstkriminelle wird jahrelang eingesperrt. Fehlurteile sind an der Tagesordnung. Dölf Ogi würde sagen: Polizeistaat herrscht!
    Willst du das wirklich hier realiseren bzw. unterstützen?

  10. Chevy am 6. April 2006 um 12:09

    @RobertoKa

    wäre um vieles besser als der jetztige Zustand, und Fehlurteile sind bei uns viel seltener als in den usa.
    Und was ist daran falsch Kleinstkriminelle für Jahre wegzusperren? ich finde das I.O.
    Man bräuchte noch eine Finanzierung für das ganze, erstrebenswert ist natürlich eine selbstragende Institution, und das ein Gefangener nichtmehr mehr Geld vom Staat fürs Essen bekommt als ein Rekrut.

  11. RobertoKa am 6. April 2006 um 13:11

    @Chevy
    Das war ein sauberer Übergang zum Thema:
    Schweizer Kinder im Folterlager

  12. Chevy am 6. April 2006 um 13:57

    @RoberKa

    Willst Du die Jugentlichen noch belohnen für Ihr verhalten?
    Die Jugentliche foltern auch gleichaltrige, demzufolge haben die kein Problem damit.
    Ich bin gegen Folter, aber nur Gespräche und Freizeitenzug sind keine Strafen die heute noch wirkung Zeigen.

  13. Süchu am 8. April 2006 um 09:56

    Hm, ich weiss nicht. Vielleicht nützen solche Bootcamps was in schweren Fällen, aber man sollte nicht vergessen, dass nicht alle gleich Folterknechte und Gangster sind. Des weitern glaub ich entschieden nicht, dass Sozial- und Jugendarbeiter für nichts sind! (Und auch nicht, dass sie bei den Jungen nicht ankommen.)
    Höchstwahrscheinlich kommen viele Gründe der Gewalt aus dem Umfeld der Jugentlichen. Und schliesslich hängt dieses Thema auch direkt mit den Problemen “Gewalt im Fehrnsehen und in den Games ect.” zusammen. Und das ist schon ein ganzes Kapitel für sich.

  14. Hephaistos am 10. April 2006 um 15:08

    Wieso nicht mehr polizei? Ich wäre froh gewesen, wenn die Polizei zur Stelle gewesen wäre als mein Kollege und ich von einem Mob Ausländischer Jugendlicher spitalreif geschlagen wurden. Nur weil ihnen unsere “Schweizerfresse” nicht gefallen hat! Ein Monat Krankenhausaufenthalt war das Resultat! Und wenn ich dann lese: Diese, ach sooo armen, Jugendlichen sind Opfer weil sie keine Perspektive haben und mann muss ihnen ein Sozialarbeiter zur verfügung stellen damit sie ihre Probleme ausdisskutieren können. Dann fühle ich mich im Stich gelassen und verarscht.
    Solche Leute muss man einsperren oder ausschaffen, Punkt. Meistens sind wir ja eh selber Schuld, wegen unserer ach so schlechten Integrationspolitik! Wie dumm sind wir eigentlich, dass wir nicht merken, dass diese Leute sich nicht integrieren wollen, egal wie gut/schlecht unsere Integrationspolitik ist!

    Diese Jugendlichen, welche sich anstrengen bekommen ihre Chance in der Schweiz. Ich bin Trainer einer Fussballmannschaft mit über 90% Ausländern aus dem Balkan. Alles nette Leute, die entweder eine Lehre machen oder die Kantonsschule besuchen. Aber sie lachen über die Schweiz. Uns nehme neimand ernst weil wir zu weich seien, so der Tenor. Stellt euch mal vor was die Polizei mit euch macht, wenn ihr in Albanien oder sonst wo ein Verbrechen begeht. Bestimmt kein schöner Anblick, aber diese Sprache wird, leider, auf der ganzen Welt verstanden!

    Mehr Polizei mit mehr Rechten (vom Gesetz zugestandene Rechte, nur damit keine Missverständnisse entstehen), auch mal wirklich mit dem Schlagstock durchgreiffen zu dürfen, klingt da sehr vernünftig. Egal von welcher Partei dieser Vorschlag kommt.

  15. Forum Politik » Jugendgewalt - nicht nur ausländische Jugendliche sind gewaltätig am 24. Mai 2006 um 17:20

    [...] Diese Erkenntnisse zeigen einmal mehr das Unvermögen der rechten Schweizer Parteien, besonders jenes der SVP und der SD, komplexe Themata zu begreifen und als solche zu behandeln. Für solch vielschichtige soziale Probleme gibt’s eben keine Hauruck-Lösung, deren Beschreibung auf einem Bierdeckel Platz hätte. [...]

  16. Julie am 2. September 2007 um 18:05

    Jugendgewalt. Ein Thema, das alltäglich ist und über das andauernd diskutiert wird. Was ist Jugendgewalt und weshalb existiert sie?

    Jeder Mensch ist von einem Umfeld umgeben. Ein Umfeld kann je nach Person schwerwiegendere, oder weniger grosse Auswirkungen auf die Persönlichkeit eines bestimmten Menschen haben. Das liegt einerseits an der Persönlichkeit an sich und andererseits an der Stärke jedes einzelnen.
    Zudem gibt es ein nahes und ein verbreitetes Umfeld. Das Nahe muss nicht zwanghaft die Familie eines jeden sein, weil man sich vielleicht mit anderen Leuten viel vertrauter vorkommt. In der Kindheit ist jedoch die Familie das dominierende Umfeld und daher oft ausschlaggebend für die weitere Entwicklung. Oft kopieren Kinder die Gewohnheiten ihrer Eltern. Darum finde ich die Erziehung ein sehr wichtiger Bestandteil des Lebens.

    Man spricht von Jugendgewalt, aber ist es gerecht von der Jugend zu reden, beginnt denn diese Gewalt nicht schon viel früher? Meist nimmt die Gewalt ihren Anfang in der Familie. Wird man zum Beispiel vom Vater täglich verprügelt, wird das zur Normalität und verliert Bedeutung. So hat es dann auch keine Bedeutung, wenn diese geschlagene Person mit anderen das Gleiche macht. Gewalttätige Jugendliche werden oft vernachlässigt. Sie haben keine Arbeit oder sonstige Beschäftigungen, weshalb sie oft aus reiner Langweile Gewalt ausüben.

    So empfinde ich Gewalt als etwas, wovon ich befallen werde und das von mir Besitz ergreift, auch wenn ich das vielleicht gar nicht will. Ich möchte damit aber nicht das Handeln einiger Leute entschuldigen, denn man kann zumindest versuchen, sich gegen die Gewalt zu stellen.

    Jeder verspürt manchmal den Drang, etwas auf den Boden zu schmeissen, auf etwas zu schlagen, wenn es auch nur der Tisch ist, oder andere gewalttätige Handlungen auszuüben. Die Frage ist nur, wie weit kann man gehen? In gewisser Hinsicht muss man sich zusammenreissen und die Selbstkontrolle nicht zu verlieren.
    Selbstbeherrschung ist eine wichtige Voraussetzung um die Gewalt besiegen zu können. Man sollte die Schuld nicht bei den anderen suchen, sondern bei sich selbst anfangen. Wieso möchte ich auf den Tisch schlagen, weil mir jemand etwas gesagt hat, was mich total aus der Bahn geworfen hat? Aber was hat denn der andere gesagt? Vielleicht etwas, das ich einfach nicht gerne höre, weil er Recht hat?
    Das sind auch Gedanken, die mir vielleicht mal in den Sinn kommen sollten, wenn ich sehr wütend bin.

    Eine weitere Frage, die ich mir Stelle ist, wie Gewalt zu definieren ist. Wenn ich den Begriff Gewalt höre, denke ich gleich an Brutalität im Zusammenhang mit einer Prügelei. Aber es gibt noch viele andere Möglichkeiten von Gewalt. Zum Beispiel physische Gewalt, wie etwa Vergewaltigungen und diese sind wohl eher schlimmer. Das ist also physische Gewalt. Aber gibt es auch psychische Gewalt? Ich würde sagen, ja. Leute können jemandem gravierende, psychische Gewalt zufügen und das geschieht nur schon über die Sprache. Etwas Alltägliches. Wenn dir jemand sagt: „ Du bist ein verdammtes ‚Arsch’ und hast keine Ahnung vom Leben!“ Wie wirst du reagieren? Man wird wohl anfangen, an sich zu zweifeln und sich Gedanken darüber zu machen, ob er Recht haben könnte. Und vielleicht war doch der, der dir das vorgeworfen hat, selbst das ‚Arsch’ und du machst dir sinnlose Gedanken. Das ist doch Gewalt, oder? An sich zweifeln, das tut doch weh?
    Man kann natürlich sagen, dass diese Gewalt viel harmloser ist, denn sie fügt einem ja keine blutige Nase zu. Aber das macht doch keinen Sinn, denn die Nase wird wieder heilen und damit ist das vorbei. Was ist jedoch mit den Gedanken, den Zweifeln? Die werden eventuell viel länger andauern. Vielleicht zerbricht man auch daran. Es ist möglich, dass solche Angriffe tiefe Wunden hinterlassen, die nie richtig verheilen werden.

    Ich komme zum Schluss und möchte festhalten, dass es viele verschiedene Arten von Gewalt gibt und jede ist auf ihre Art brutal. Man handelt so, wie man sich gerade fühlt. So braucht es viel, um sich gegen die Gewalt zu stellen, jedoch ist es jedem möglich, wenn dieser genug Wille dazu hat. Darum kann ich die Menschheit nur bitten, aufzuhören mit dieser sinnlosen Brutalität, denn sie macht niemanden glücklich, weder die Betroffenen noch die Täter.

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