Weiterhin viele goldene Nasen mit Waffen
Dieses Jahr wieder ein Drittel mehr Waffenexporte! Mir gefällt es nicht ein Spieler im “global War on Terror” zu sein. Und ist es wirklich neutral, so viele Waffen zu verkaufen? Auf der Webseite des Initiativkomitees gegen Kriegsmaterial-Exporte ist zu lesen:
Mehr als die Hälfte des exportierten Kriegsmaterials ging auch dieses Jahr wieder in Länder, welche sich am sogenannten “global war on terror” im Irak oder in Afghanistan engagieren. Mit ihren Waffenlieferungen an die kriegführenden Staaten beteiligt sich die Schweiz an diesem Krieg um Ressourcen. [..] Auch dieses Jahr gingen wiederum Schweizer Waffen an Länder, welche Menschenrechte verletzen (Saudi Arabien, Indien, Ägypten) oder welche – unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten – vieles an Hilfe benötigen, sicherlich aber keine Schweizer Waffen.
Für die Produzenten dieser Waffen und die Lieferanten habe ich nur eins übrig: Verachtung. Die Initative wird immer dringender.

Hmmm… ich kann mit mir selbst nicht einig werden, ob diese Initiative etwas gutes bewirken würde.
Einerseits sterben viele Leute, klar.
Andererseits kann die Bewaffnung von Minderheiten Völkermorde verhindern.
Sind alle Waffenlieferungen “unethisch” oder “böse”?
Was ist mit Konflikten, wo es weder Böse noch Gute gibt (religiös/ethnisch), aber nur eine Seite hat Waffen und löscht die andere aus?
An dieser Stelle bleibt nichts anderes, als zwei alte Clichés aus der Schublade holen:
- Waffen können gut oder schlecht eingesetzt werden
- Wenn wir nicht liefern, können es andere
Ich glaube aber, das was die meisten Poster in diesem Forum und Blog am meisten stört ist, dass es einen Waffenmarkt gibt, dass man also mit diesem Handel und der Produktion von waffen Geld verdienen kann.
Massenmördernde Kapitalistenschweine!
Ich bin hingegen eher davon überzeugt, dass eine solche Massnahme kontraproduktiv ist, aus folgenden Gründen:
- Die Gewaltbereitschaft nimmt durch ausbleibende Waffen nicht ab (siehe Macheten in Afrika)
- Friedliche Völker laufen die Gefahr, durch gewaltbereite Völker ausgelöscht zu werden, weil diese sich schon viel früher bewaffnet haben
- Am Ende werden durch eine solche Massnahme gewaltbereite Länder unterstützt, wenn die Waffen statt hier dort gekauft werden (Nordkorea, Iran, …) – wer weiss, was die dann mit dem Geld anfangen
- Unsere Länder haben dann wieder einen neuen Wirtschaftszweig, der anderweitig beschäftigt werden muss
Ich bin also gegen ein Verbot von Waffenexporten.
Man könnte sich auch eine Art “Kommission” verstellen, die eine ethische überprüfung der Exporte vornimmt, und die Exporte dann genehmigt. Abgesehen von der Bearbeitungsdauer solcher Anträge (Waffen werden meistens sehr dringend benötigt), fürchte ich, dass solche Entscheidungen dann nicht ethisch sondern politisch motiviert werden.
@ manarak
Ethik und Moral lassen sich nicht mit Geld aufwiegen. Nur weil sonst jemand anderes was Schlechtes tut legitimiert noch lange nicht, es selber zu machen. Ausserdem ist es sehr schwierig, darauf zu achten, dass die Waffen nicht in falsche Hände fallen. Gutes Beispiel sind die jüngst im Irak aufgetauchten österreichischen Sniper-Gewehre, die ganz woanders hin verkauft wurden aber inzwischen in Händen von Widerstandskämpfern einigen US-Soldaten das Leben gekostet haben.
Das Argument, mit Waffenverkäufen edel Völkermorde verhindern zu können ist auch etwas schwach. Meinst du die armen Leute, die einer Massanabschlachtung ins Auge sehen hätten das Geld um schweizer Waffen zu kaufen? Wohl kaum.
Weder die Initiative noch eine Ethikkommission werden das Problem lösen, vielmehr wird beides einzig dazu führen, dass Kriegsmaterial in der Schweiz nicht mehr hergestellt wird. Die paar Arbeitslosen mehr verträgt das gut ausgebaute Sozialsystem ohne weiteres…..
Entschuldigung für die Ironie
!
Erst der Mensch macht aus Geräten eine Waffe durch die Einsatzweise. Solange es Menschen gibt, welche bestimmte Gerätschaften zum Töten anderer Menschen einsetzen wollen, werden diese Geräte hergestellt werden, insbesondere, wenn der Einsetzer es nicht selber kann / will.
@Babylon
Ich sehe das nicht so, dass es OK ist es zu tun WEIL sonst jemand anderes es tut.
Ich meine dass man es tun sollte, weil sonst der andere mit dem erhaltenen Geld womöglich noch schlimmeres anstellt.
Wenn die Waffe einmal verkauft ist, befindet sie sich im Markt. Es ist dann ziemlich egal ob sie aus der Schweiz, Österreich oder Nord-korea kommt, und Kontrollmöglichkeiten gibt es nicht.
Eine verkaufte Waffe hat keine Identitiät mehr. Man regt sich ja auch nicht darüber auf, dass Drogen mit schweizer Spritzen injiziert werden.
Es gibt durchaus Beispiele, wo Waffenlieferungen Völker gerettet haben. In Afrika gab es den Fall mehrmals (wenn ich recherchiere, kann ich herausfinden wo und wann das gewesen ist).
In Bosnien wurde durch die Bewaffnung der Bosnier auch schlimmeres vermieden, da die UNO ja nicht in der Lage war zu intervenieren.
Die Bezahlung dieser Lieferungen wird meistens von anderen Staaten (oder Unternehmen!) übernommen, die ein direktes Interesse daran haben, dass die eine oder andere Partei sich durchsetzt (z.B. wegen Zusicherung von Abbauerlaubnissen von Bodenschätzen, Zusicherung zur Einrichtung einer Militärbasis, usw.).
Die Finanzierung dieser Deals liegt also meistens in “der westlichen Welt”: USA, Europa … auch Russland, China, … Saudi Arabien… Iran, Nord Korea.
Die Lieferungen passieren nicht wegen des Geldes, sondern wegen den geopolitischen Interessen.
Da kann es auch Mal vorkommen, dass Waffen über die israelische Regierung in den Iran geliefert werden (Irangate).
Auf deutsch heist das “Realpolitik”.
…und nebenbei werden Waffendeals mit der stillschweigenden Zustimmung der Regierungen durchgeführt.
Die Regierung stimmt nicht zu, sondern das Geschäft wird ihr “informell” gemeldet. Wenn sie nicht reagiert, kann fortgefahren werden.
@manarak
Dein Grundvertrauen möcht ich haben. Es sind ja nicht gerade bestandene Demokratien, welche nach Waffen lechzen. Waffen gehen dorthin, wo ein Markt dafür existiert. Und das sind naturgemäss Krisenregionen und Staaten, die ihre Zivilbevölkerung im Griff haben wollen.
Muss da die Schweiz wirklich mittun? Sie hat im zivilen Bereich viel mehr zu bieten und dort soll sie sich auch weiter engagieren. Es ist absurd, wenn Projekte der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) sabotiert werden, weil letzteres nur den Aussenhandel interessiert.
@kyri
Meinst du mit “Grundvertrauen” meine Ansicht, dass die vermeintlich “guten” sowie auch die “bösen” beliefert werden, und sich damit gegenseitig bekriegen und umbringen?
Es ist richtig, dass Krisenregionen und Länder mit autoritären Regimen beliefert werden. Aber das bedeutet ja nicht, dass nur die Diktatoren beliefert werden. In den meisten Ländern war ein Krieg oder ein Putsch der Anfang der Demokratie.
Diktatoren sind flink mit dem Ausverkauf der Reichtümer ihres Landes und werden dann auch schnell mit Waffen beliefert, aus Ländern, die die Rohstoffe benötigen.
Bis in die 90er wurden sie von USA, Frankreich, Grossbrittanien, usw. entweder beliefert oder finanziert.
Heute liefern die “grossen” verdeckt, und die neuen Lieferanten wie Nord-Korea, China, Iran, Indien, usw. sind dazu gekommen.
Und wie organisiert sich jetzt der Wiederstand?
Der wiederstand braucht einen Liferanten, der politisch auf einer anderen Linie steht als das Land, dass den Unterdrücker beliefert hat.
“Oh Gott, schweizer Waffen wurden an ‘böse’ verkauft, und damit wurden Menschen umgebracht”
Die Initiative will, dass die Schweiz wegen dieses Risikos sich völlig aus dem Geschäft zurückzieht.
Das wäre ein pures “Warmduscher”-Verhalten, weil die Gewalt wird damit nicht abnehmen.
Die Schweiz würde dann einfach zusehen, wie unsere politischen Gegner von geopolitischen Gegenspielern bewaffnet werden.
Das bedeutet:
- Darfur wird ohne Gegenwehr ausgelöscht
- In Somalien kommen die Islamisten zurück
- In der Elfenbeinküste werden Islamisten an die Macht kommen
- Im Tschad übernehmen die Stämme des Nordens (von Khaddafi unterstützt) die Macht
usw.
Wollt ihr das?
Wie naiv sind diese Leute eigentlich? Glaubt wirklich jemand von denen, dass sich in diesen Ländern irgend was ändert, wenn die kleine Schweiz da keine Waffen mehr hin liefert?
Wenn die Schweiz nicht mehr liefert, dann liefern halt die USA, Frankreich, Russland, China oder wer auch immer.
Am Ende hat niemand was gewonnen aber vielleicht ein paar Leute in der Schweiz ihren Arbeitsplatz verloren.
@manarak
So ein Seich, sorry. Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, ohne schweizer Waffenleiferungen fänden deine Szenarien statt und mit Waffenlieferungen nicht? Das glaubst du doch selber nicht.
Ob das “Warmduscherverhalten” ist oder nicht spielt keine Rolle, das ist eh Ansichtssache. Der einzige Unterschied wäre, (wenn man keine Waffen exportierte), dass kein Blut am Export kleben würde. Und ich finde, das reicht als Grund.
Warum setzt du dich so sehr dafür ein? Bist du in einem Rüstungsbetrieb tätig?
@ driver
Dann müssen die Firmen halt was weniger martialisches proiduzieren. Die Waffenexporte sind ohnehin nicht ein massgeblicher Exportfaktor. Wie gross ist das Volumen?
Ausserdem hat niemand behauptet, dass ohne waffenlieferungen weniger Gewalt auf der Welt herrschte. Im Gegenteil, manarak behauptet sogar, mit Waffenlieferungen den Frieden zu unterstützen!
Klar liefert sonst ein anderer wenn wirs nicht tun, nur hat man dann hierzulande sein Geld nicht mit dem Leid anderer verdient. Wenn das nicht reicht als Grund?
@ Babylon
“sein Geld nicht mit dem Leid anderer verdient”
Dann dürfte man auch keine Medikamente entwickeln, produzieren und verkaufen. Selbst Schokolade wäre wohl schon problematisch, wenn man die Lust auf Süsses als “Leid” qualifizieren würde. Irgendwie riecht deine Argumentation nach Helfer- (im SVP-Jargon: Gutmensch-) Syndrom, sorry. Träumen soll weiter erlaubt sein, abger nicht unbedingt auf dem Buckel von Arbeitskräften…
@ Dreckfilter
Blablabla. Waffen und Medikamente gleichsetzen, Schokolade auch noch.. mal im Ernst: Was soll ich auf so ein Statement antworten? Du bist auch einer dieser vollgefressenen selbstverliebten Schwätzer, deren einziger Qualitätsmassstab die Kohle darstellt, und die – nur weil sie das Glück hatten, hier geboren zu sein – das Gefühl haben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Sind Waffenexporte etwa ein entscheidender Zweig der schweizer Wirtschaft (im Gegensatz zu den Medikamenten, die du nennst)? Und dann komm nicht wieder mit SVP-Vokabular, da bin ich allergisch drauf.
@ Babylon
Deine Allergie ist offensichtlich. Danke für die Komplimente, du irrst dich gewaltig, nicht nur hinsichtlich meiner Person (und qualifizierst dich zum Glück selber)…
@ Dreckfilter
Die “Komplimente” waren die Retourkutsche auf deine hausfrauenpsychologische Deutung mit Hilfe von SVP-Vokabular. Sowas macht mich automatisch etwas verstimmt. Deine Person kann ich nicht einschätzen, nur das was du schreibst, darum hoffe ich du nimmst es nicht persönlich.
Sorry, hab nen schlechten Tag heut.
Ich qualifiziere mich selbst? Wofür? Für die olympischen Spiele?
@Babylon
Schlechten Tag? Das tut mir leid für Dich.
Ich finde Deine Argumentation klar und deutlich und für jeden nachvollziehbar (ausser den … naja Du weisst schon…)
es gibt da nichts zu beschönigen erst recht nicht mit Arbeitsplätzen.
Vom Schreiben her, und nur vom Schreiben her solltest Du mehr “schlechte” Tage haben
Gruss und schönes und friedliches Wochenende
@Babylon
Ich halte Deine Einstellung einfach für naiv.
Was ist es Wert, ein gutes Gefühl zu bekommen, weil die Schweiz keine Waffen exportiert?
Ich betone hier das Wort “Gefühl” – denn mehr als ein gutes Gefühl bei Dir und den Befürwortern der Initiative wird es an positiven Auswirkungen nicht geben.
Alles andere auf der Welt bleibt gleich, sogar dass sich dann dieselben Schweizer eine goldene Nase bei Waffendeals verdienen, aber dann eben mit Waffen die nach schweizer Bauart im Ausland hergestellt werden (so ähnlich wie heute die AK47 in China, Vietnam, Iran, Nordkorea, usw. hergestellt wird).
Das ganze müssen dann ein Paar schweizer Arbeiter ausbaden.
Bilanz der Initiative:
- Abnahme von Morden und Kriegen: neutral – Waffen werden
- Auswirkung auf Waffenhändler: neutral
- Einfluss der schweizer Regierung: leicht negativ
- Handlungspotenzial der schweizer Regierung: leicht negativ
- Auswirkung auf Waffenhersteller und Aktionäre: neutral – Produktion wird ins Ausland verlegt, da werden noch Kosten gespart!
- Auswirkung auf Arbeitnehmer: negativ (die verlieren ihren Job)
- Auswirkung auf Wirtschaft: leicht negativ (Exporte nehmen ab, der Franken wird leicht geschwächt, Arbeitslosengelder und fehlende Saläre belasten die Kaufkraft sowie die Steuereinnahmen)
- Gutes Gefühl von Babylon & CO: positiv – die sind dann wirklich gut drauf
Ausserdem: wer beliefert dann den Vatikan ???
Wohahahaha…. Schokolade mit Waffen vergleichen. Der ist ja noch besser als der, der in einem anderen Thread Waffen mit PC’s verglichen hat. *gröhl*
Ich bin ja ein absoluter Kriegs- und Waffengegner. Aber leider muss ich hier der Gegenseite recht geben. Es würde kaum was nützen. Auch eine eventuelle Signalwirkung durch die Medien würde meiner Meinung nach im Getöse der Tote-im-Irak-Mitteilungen untergehen.
Es wäre effektiver, wenn wir alle Gelder der Staatsangehörigen von Kriegstreibenden Staaten einfrieren würden (inkl. USA, GB). Aber ich vermute da würden wir uns “schnurstraks” selbst ein einem Krieg wiederfinden. Wetten?
Das Waffengeschäft ist ein Business wie jedes andere auch. Es generiert Arbeitsplätze es generiert Geld und ein Fernbleiben von diesem Markt verhindert keinen einzigen Krieg.
Die Initiative versucht zu suggerieren, dass wir uns schuldig machen am Leid auf der Welt. Aber wie sagte schon Mark Twain: “Beklage Dich nicht über die Welt, sie war vor Dir da.”