Swisscom: Ohrfeige für Merz und Blocher
Die Liberalisierungsturbos im Bundesrat haben gestern vom Parlament eine Ohrfeige erhalten. Zurecht wurde ihre Privatisierungsvorlage abgeschmettert. Die CVP hat zum Glück den Unsinn erkannt und die Alles-oder-nichts-Privatisierung abgelehnt. Klar muss sich etwas ändern bei der Swisscom, dass sie jedoch an Ausländische Heuschreckenschwärme vertickt wird, halte ich für die falsche Lösung. Möglichkeiten gäbe es genug. SP Politiker und ISP – CEO Fredy Künzlers Vorschlag von einer Trennung von Infrastruktur und Service halte ich für einen vernünftigen Ansatz. Die Grundversorgung mit Telekommunikationsinfrastruktur (Leitungen, letzte Meile) übernimmt eine eine Firma, welche vollständig in Bundesbesitz ist, und dann auch alle Dienstleister mit dem selben Service und den selben Preisen bedient. Der Dienstleistungsbereich der Swisscom kann danach natürlich zu hundert Prozent privatisiert werden. Damit wären gleich zwei Probleme gelöst. Einerseits wäre die Infrastruktur bis auf die letzte Alp gesichert, und Ex-Monopolist Swisscom könnte expandieren wohin sie möchte, ohne dafür die Schweizer Telekommunikationsinfrastruktur aufs Spiel zu setzen.
Diskussion hier im Forum:

Sorry, dies wäre eine Pseudolösung ohne Zukunft (ausser zukünftigen Kosten). Es ist ja schon haarsträubend (oder ognorant), wenn Leute, die im Alltag moderne Kommunikationsmittel nutzen, die staatliche Unterschutzstellung von Kupferkabeln verlangen.
@fragenspeck
Erklär mir doch bitte, wie ein Wettbewerb bei Festnetz, Schienen oder Wasserleitungen funktionieren soll… Das geht einfach nicht! Wettbewerb kanns doch nur dort geben, wo sich mehrere Anbieter um Kunden bemühen müssen. Es kann aber nur eine Wasserleitung/Stromleitung/Telefonleitung geben, ergo gibt es hier keinen vernünftigen Wettbewerb.
Bei den darauf Basierenden Dienstleistungen ist jedoch sehr wohl ein Wettbewerb möglich, ja sogar nötig. Aber bitte nicht bei der Infrastruktur.
Wie geht der Wettbewerb bei Schienen:
Eine Möglichkeit von vielen:
Der Bund unterhät das ganze schienennetz (analog wie bei den AB und NS).
Jede Gesellschaft die die Schienen nutzt zahlt eine Gebühr die sich nach Gewicht und Strecke errechnet.
So würden die Züge auch nur auf den Strecken verkehren wo es angebracht ist, und jeder kann selber entscheiden ob er mit Gesellscaft A oder B reist.
Die Gesellschaften müssten sich die Abschnitte halt reservieren, was aber nach dem fifo-prinzip kein Problem wäre.
Es gäbe dann vielleicht auch kein allgemeingültiges GA mehr, aber das heutige GA ist auch nicht überall Gültig.
In Japan funktioniert das bestens und die Bahn wirft dort sogar Rekordgewinne ab.
@Chevy
Genau das fordere ich auch bei der Telekommunikationsinfrastruktur. Dann gäbe es auch überall nur eine UMTS Antenne und nicht drei…
>Dann gäbe es auch überall nur eine UMTS Antenne und nicht drei…
dafür ne 3x stärkere… omg
als sunrise mitarbeiter solltest du wissen wie das mit den antennen funktioniert und weshalb es soviele davon gibt
es kommt ziemlich genau auf dasselbe drauf an ob man jetzt an einem standort 3 antennen von 3 anbietern hat oder eine grosse antenne wo alle drauf connecten
In ein paar Jährchen wird die Swisscom wegen Alles-Over-IP zum reinen Internetprovider geworden sein, an der Börse nur noch einen Bruchteil ihres heutigen Wertes haben und keinen Rappen mehr an den Staat abliefern, sondern im Gegenteil wahrscheinlich noch Sanierungspakete verlangen. Dann kommt man vielleicht zur Einsicht, dass der günstigste Verkaufszeitpunkt schon eher länger verstrichen ist.
Swissair/Swiss lässt grüssen…
Sonst ist man doch auch so staatsgläubig. Bis jetzt konnte mir aber noch niemand schlüssig erklären, was in aller Welt denn dagegen spricht, die Telcos per Gesetz dazu zu zwingen, ihre Leistungen flächendeckend anzubieten.
und, der alder wusste schon warum er nicht mehr will, swissair/swiss jetz folgt die swisscom.
Fredy hat auch einen guten Vorschlag.
Wenigstens ist er ein SPler, der auch was von der Materie versteht.
@thomas.me: Ich glaube nicht, dass die Swisscom Verluste schreiben wird, solange sie in Besitz ihrer Leitungen bleibt. Die Leitungen sind das (einzig) wertvolle an der ganzen Bude.
Deshalb ist es wichtig, dass dieser Draht bis in alle Ewigkeit dem Volk gehört. Welche Dienste darüber von Privatfirmen angeboten werden, ist egal. Solange diese dem Staat Geld zahlen, den Draht zu benutzen, ist alles im Butter. Mit den Gebühren werden die Leitungen in Stand gehalten und technologisch erneuert. Wie aus dem Lehrbuch Ökonomie.
@chevy: Gelaber. Überleg’ dir zuerst einmal, ob dann überhaupt noch jemand ein GA kaufen würde. All das hatten wir im 19. Jahrhundert, weshalb ein vorausschauender FDPler kam und (fast) alle Bahnen der Schweiz unter einem Dach vereinigte. Erst auf dieser Grundlage haben die SBB ihren weltweiten qualitativ hochstehenden Ruf erarbeitet.
Und denk daran: Den dichtesten Fahrplan Europas (der Welt?) bringt man mit 100 Splitterbahnen nie und nimmer hin.
Und um noch gleich eines drauf zu setzten: Verschiedenen Bahngesellschaften würden sich nur um die grossen, rentablen Linienverbindungen streiten und die Kleinen Orte hätten entgültig das nachsehen…
@Süchu
Mann könnte die Gesellschaften dazu verpflichten solche Orte zu bedienen, währe aber wenig sinvoll.
Warum soll auch ein kleiner Ort jede halbe Stunde mit einem Massenbevörderungsmittel versorgt werden das 3 mal mehr Leute fasst als dort überhaupt Wohnen?
Ich sehe es bei unserem Bahnhof, obwohl dieser für 3 Gemeinden ist stehen Tagsüber sehr selten mehr als 2 oder 3 Personen. Währe hier ein Bus nicht besser?
Jede halbe Stunde ist vielleicht zuviel, alle Stunde tuts ja vielleicht auch. Doch hier vertrau ich den Sbb, dass sie dass schon immer besser in den Griff kriegen.
Ich finde, wenn man schon ein vorhandenes Bahnnetz + Bahnhof hat, sollte man diesen auch nutzen. Busse sind mühsamer als einen Zug, als Reisender (zumindest empfinde ich es als so). Vergessen darfste auch nicht, dass dieser Zug bei weitem nicht nur diese Haltestelle bedient, sonderns wohl auch grössere Orte.
In diesem Falle Gesellschaften zu irgendwas zu verpflichten ist wirklich nicht Sinnvoll. Wenn man schon die Konkurrenz installieren will, sind Verpflichtungen nur hemmend.
Schliesse mich der Meinung von thomas.me an.
Die swisscom wird nie mehr soviel rentieren.
Telekommunikation ist längst nicht so Kapitalintensiv wie Schienenverkehr etc.
Man kann eine Service-Public-Abdeckung mit der Lizenzvergabe verlangen.
Einerseits funktioniert die Swisscom noch, sie spürt aber mittlerweile auch die grössere Marktmacht von privatisierten Anbietern. Klar ist, die Swisscom würde International schnell untergehen. Gut ist aber auch die Invtervention des Bundesrats beim Kauf der maroden irischen Telekombude Irecom. Wie der Chef der englischen Telekom so schön sagte: “Dann können die sich dann ja Swissire nennen”. Naja. ich weiss echt nicht was besser wäre.
fredy künzlers vorschlag ist meiner ansicht nach der einzig sinnvolle weg – und derart offensichtlich dass ich ernsthaft an der intelligenz der politiker zweifeln muss dass das nicht endlich gemacht wird. swisscom wholesales dem staat – der rest privatisieren.
dann werde ich als kunde bei einem leitungsproblem auch nicht von sunrise an tele2 und von dort zu telecom habasch verwiesen weil alle sagen, ihre infrastruktur funktioniere…