SVP macht aus Freunden Feinde
Das hat man ja selten gelesen. Die Wadenbeisserpartei SVP mit den unmoralischsten Wahlkampfsujets der Politgeschichte startet bissig in den Wahlkampf. Die Diskussion um innenpolitische Themen wird im Ausland losgetreten, auf Minderheiten eingehackt und der Weg der Bilateralen torpediert, doch das sind wir uns ja längst gewöhnt. Und jetzt? SVP-Parteisekretär Claudio Zanetti distanziert sich vom höhnischen Stil, den seine Partei seit JAHREN betreibt. Wieso diese Kehrtwende?
In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger zeigt sich klar, wohin diese Strategie der Mässignung aus dem Munde Zanettis hinzielt. Wahlkampf. Die SVP hat in den letzten Jahren den Bogen in punkto Radikalismus und Tonalität ihrer Botschaften weit überspannt. Es wurde munter auf die Verbündeten geschossen, so wurden die Freisinnigen zum Beispiel als “Weichsinnige” beschimpft. Und dies hat natürlich Folgen. Zanetti sagt wörtlich: “Vor allem auf Seiten der Freisinnigen. Dort gibt es namhafte Leute, die Schaum vor den Mund bekommen, wenn von der SVP auch nur die Rede ist.”Die Chefstrategen der SVP haben nun eingesehen, dass sie sich so ins eigene Fleisch schneiden. Just zum Wahlkampf scheinen die rechten Wölfe urplötzlich zu harmoniesüchtigen Schäfchen zu werden, suchen das Gespräch und üben Selbstkritik (haha, dass ich nicht lache). Der Zeitpunkt dieses Outings ist ein wenig zu offensichtlich. Eine Partei, die sich nicht einmal öffentlich und geschlossen gegen Rechtsradikalismus stellt, kann ich eine solche Versöhnungspolitik schlicht und einfach nicht abnehmen. Zu viele diffamierende Äusserungen, zu viel Hohn, zu viel Agressionen gegenüber diversen Minderheiten sind in den letzten Jahren gesät worden. Ich hoffe die FDP reagiert intelligent genug und geht der SVP-Versöhnungslüge nicht auf den Leim.
Als Zückerchen hier das Tagimagi-Interview mit dem britischen Völkermord-Historiker Donald Bloxham. Im Interview zeichnet der international anerkannte Historiker ein sehr zwielichtiges Bild des Blocherlieblings Halaçoglu. Und zeigt ausserdem, dass das Antirassimusgesetz ein sehr, sehr wichtiges Instrument ist und in der Praxis äusserst behutsam und bedacht eingesetzt wird. Eben genau nicht so wie uns die SVP vorzulügen versucht.

[...] Auf ignoranz.ch kommt ein Thema zur Sprache, deren Inhalt sich die Menschen, und Institutionen, um die es geht, nicht zu Gemüte führen lassen können. Sie sind schlicht nicht in der Lage dazu. [...]
Kopft eigentlich auf ignoranz.ch auch einmal jemand, dass es in unserem Land auf der politischen Agenda auch noch andere und viel wichtigere Themen zu diskutieren gibt als nur Blocher, Rechtsradikalismus und Antirassismusgesetz? Zitat @RonaldCH: Glücklich die Linken, wenn Blocher furzt. Dann können sie sich herrlich aufregen, Medien-Geilheit markieren und die Medien kassieren natürlich zünftig. Wie recht er doch hat!
Die SVP ist nun mal die ignoranteste Partei der Schweiz. Seit Jahren versuchen sie mit Binsenwahrheiten und reisserischen Headlines Politik zu machen. Hauptsache das Parteiprogramm passt in 48Pt. Schrift auf eine Anzeige! Die neuste Strategie, die Claudio Zanetti lanciert hat, ist nur eine weitere Finte im Kampf gegen eine sinnvolle Sachpolitik. Aber eben, es ist ja Wahlkampf, da kommen Sachpolitische Diskussionen eben etwas unpassend.Pfui.
und @rlarsson: ignoranz.ch ist nicht der Welten Retter und auch keine Partei. Wir müssen uns nicht um Sitzanteile bemühen und können uns deshalb getrost darum kümmern was die SVP alles so tut um im Rampenlicht zu stehen. Und übrigens den Linken Mediengeilheit vorzuwerfen finde ich sehr vermessen. Schliesslich war’s der Blocher, der sich sehr gekonnt aus dem Fenster gelehnt hat und die Antirasissmusdiskussion auslöste. Wohlverstanden als gezielter PR-Akt der SVP.
Nun, das Vorgehen von Zanetti lässt sich mit einem Wort beschreiben: “Heuchelei”.
@pipo
Reisserische Headlines? Die Medien legen gerne auch noch eins drauf und machen aus einer Maus einen Elefant. Jetzt bitte nicht gleich wieder das billige PR Geschwafel! Linke beherrschen PR in Zusammenarbeit mit linken Medien super gut! Steht ihr nicht vielleicht auch im Rampenlicht? Warum soll man das der SVP verbieten, was ihr schon längst mit tatkräftiger Unterstützung unserer Medien völlig legitim dürft? Der SVP die Medien entziehen und das Maul verbieten, das fehlt gerade noch! Leben wir eigentlich im Kommunismus?
@rlarrson
Ich sehe einen fundamentalen Unterschied zwischen journalistischer Aufbereitung, sprich ob und wie die Medien berichten und andererseits, wie die Parteien auf ihren Anzeigen und Plakaten kommunizeren. Und diese sind bei der SVP unter aller aller aller Sau. Ich erinnere an die krimminelle Anzeige “Vermuslimisierung der Schweiz” oder die “Messerstecher”, es gibt dutzende von Beispielen, die jegliche Grenzen von Anstand unterschreiten. Denn diese Sujets haben schlicht und einfach keinen Realitätsbezug und dienen lediglich der Hetze.
Eine deutsche Freundin von mir kam das erste mal in der Schweiz, als sie an SVP-Wahlplakaten vorbei ging. Sie rief mich an und fragte mich, was das soll und ob das überhaupt erlaubt sei, bei ihnen in D hätte die NPD kein Geld für so grosse Plakate und Anzeigen. Als ich antwortete, dass dies die Anzeigensujets von einer grossen Regierungspartei seien, reagierte sie völlig konsterniert und konnte das fast nicht glauben.
Wir sind uns einfach schon zu viel gewöhnt, und so kann die SVP immer noch härter und rassistischer werden, schleichend. Einfach noch ein Fragezeichen hinter den Text und schon ist’s erlaubt. Da werd ich grün im Gesicht!