Susi Gut (SVP): Die SVP ist wie eine Sekte

Die SVP Gemeinderätin Susi Gut, hat in einem Leserbrief im heutigen Tagesanzeiger bestätigt, was wir hier im Politik Forum seit anderthalb Jahren schreiben: Die SVP ist wie eine Sekte. Das ehemalige Parteimitglied der Schweizer Demokraten schreibt sich da den Frust vom Leib:
Wie die SVP-Rennleitung Zürich mit ihren “eigenen” Leuten umgeht, ist voll daneben. Gewisse “Chefs” (Anm. d. Red.: Damit ist wohl der neue Fraktionspräsident Mauro Tuena gemeint.) benehmen sich wie in einer Sekte, entweder man gehorcht oder man muss gehen oder wird bestraft. (..) Meinungsfreiheit vor dem Volk zu predigen, selber aber nicht danach zu handeln, ist nicht gerade ehrlich.
Frau Gut, da haben sie aber lange gebraucht um darauf zu kommen. Politiker, die aufgrund von geänderten Fakten, neuen Informationen oder sonstigen Faktoren die Meinung korrigieren oder anpassen, werden in der SVP seit jeher wie Landesverräter behandelt. Frecher Stil, Hinterhältigkeit und unehrlichkeit gehöhren bei der SVP schon immer zum guten Ton. Sie haben das jahrelang wohlwissend unterstützt!
Weiter ist in ihrem Leserbrief zu lesen:
Die Abwahl von Markus Schwyn (Anm. d. Red: als Fraktionspräsident der SVP) wurde hinter seinem Rücken vorbereitet. So geht man nicht mit Menschen um! Diese feige Art ist nicht mehr meine SVP!
Aber Sie, Frau Gut, haben keine Skrupel abgewiesene Asylbewerber im Winter tagsüber auf die Strasse zu werfen? Sie haben keine Skrupel, den Ärmsten unserer Gesellschaft das Geld zu kürzen und auf dem Buckel von Wehrlosen Wahlkampf zu treiben? Ein Hohn, wenn derart unmenschliche, kalte PolitikerInnen “Menschlichkeit” fordern. Oder zeigen Sie, dass Sie es ernst meinen undtreten Sie aus der SVP aus!

Ein Fressen für de TA. Dieselbe Zeitung schweigt aber, wenn es um interne Querelen bei der SP geht. Neutrale Berichterstattung?
Rudolf
Rudolf, ein Leserbrief ist keine (redaktionelle) Berichterstattung. Aber wie immer bei euch, wenn die Argumente fehlen auf die Quelle schiessen. Gerne hätte ich von dir einen inhaltlichen Kommentar zur Meinung von Frau Gut gehört.
Die SVP verzeichnete im Sog des sehr erfolgreichen Menschen, Politikers, Wirtschafts- und Miltitärmannes Christoph Blocher den Zuzug von einigen leider auch zweifelhaften Figuren.
Das Powerpaket Blocher schleppte auch diese Mitläufer die nun, nach dem Einzug von Christoph Blocher in den Bundesrat, relativ dupiert und ratlos in der politischen Landschaft herumstehen.
Die kreative Ideenmaschine aus Herrliberg weilt in Bern und verschwendet kostbare Zeit mit Deiss, Calmy-Rey und Leuenberger, derweil die Anhänger von BR C.B. in Zürich hungernd auf geistige Nahrung warten.
Die Folge dieses geistigen “Hungerastes” sind denn auch solche Interviews und auch andere Ausrutscher auf dem politischen Parkett. Man darf nicht vergessen, diese Personen sind noch nicht Meister ihres Faches, sondern bestenfalls Lehrlinge im dritten Lehrjahr.
Es ist ihnen zu verzeihen.
“derweil die Anhänger von BR C.B. in Zürich hungernd auf geistige Nahrung warten.”
Das klingt ja wirklich nach Sekte..!
@ Rudolf:
Ich glaube, kein Parteimitglied von SP, Grüne, FDP, CVP, EVP würde die eigene Partei als Sekte empfinden. Diese Parteien wissen, dass ihre Mitglieder Menschen mit einer eigenen Meinung sind und dass diese auch das Bedürfnis haben, die eigene Meinung kund zu tun, auch wenn diese nicht der Parteimeinung entspricht. Da die SVP jeden, der nicht gerade ihre Meinung vertritt als dumm, zu nett und links darstellt macht sie dies auch mit ihren eigenen Mitglieder, wenn diese einmal eine andere Meinung haben. Den die SVP argumentiert immer nur mit Prinzipien, Ideologie und Personen und meistens nur am Rande mit der Sache. Es ist auch klar, dass ideologisch die Mitglieder einer Partei sehr nahe sein müssen, da bleibt aber trotzdem immer noch Platz für sachliche Diskussionen und genau dieser Spielraum gewährt die SVP ihren Mitglieder eben nicht. Von ihrer Ideologie weicht die SVP in der Regel nur dann ab, wenn sonst eine Autobahn vor Partei Gott Christoph Blocher’s Haustüre gebaut werden sollte. Konflikte bei den anderen bürgerlichen Parteien sind eigentlich immer eine Frage der Anwendung der gemeinsamen Ideologie, Liberalismus, Christliche Werte, je nach Partei.
Die Meinungs Differenzen bei SP und Grünen laufen meistens anders rum. Diese haben in der Regel tatsächlich eher zwei ideolische Lager, die sich aber aus verschiedenen Gründen im Ziel einig sind. Aber wie dieses Ziel zu erreichen ist, da wird jeweils Partei intern heftig gestritten, es gibt bei SP und Grünen einen eher liberalen Flügen und einen eher gewerkschaftlichen, kenianistischen Flügel. Die Konflikte zwischen diesen Flügeln sind eigentlich immer latent vorhanden, sie brechen aber bei der SP nur dann wirklich aus, wenn es um Liberalisierungsdebatten geht. Dieser Konflikt hat in Zürich dazu geführt, dass die Grünliberalen sich von den Grünen abgespalten haben und dies wurde auch ausführlich im Tagesanzeiger thematisiert.
Klar, das ist meine persönliche Einschätzung und ich Teile persönlich die Meinungen der SVP selten bis gar nie.
Die Zürcher SVP versucht von ihrem Image als Partei der unanständigen Rotzlöffel wegzukommen (siehe Nachfolger von Good und Abwahl von Schwyn). Dass sich jetzt jene Kräfte zu Wort melden, die sich bis anhin im Schweinetrog wohlgefühlt haben, muss nicht verwundern. So z.B. Susi Gut, die mit ihren zahlreichen sinnlosen, Steuergelder verschleudernden Interpellationen und Postulaten bekannt wurde, womit sie wohl den Sturkopf Danowski übertrumpfen möchte. Ihr Leserbrief ist nichts anderes als der Ausdruck der Angst, in ihrer Partei an Ansehen und Einfluss zu verlieren. Geschickt dreht sie dabei die Verhältnisse um, indem sie die «neue» SVP als Sekte darstellt, während ja wohl eher die «alte» SVP einen Sektencharakter hat – kurz: Sie stellt sich als unschuldiges Opferlamm dar. Am Schluss noch ein bisschen täubelen: «Diese feige Art ist nicht mehr meine SVP!» Wer bei so vielen Krokodilstränen noch Mitleid hat, ist zu bemitleiden…
Das Susi Gut es wagt ihrer eigenen Partei kritsich zu sein, hat damit auch zu tun, weil sie früher mal den Schweizer Demokraten angehört hat. Vielleicht hat sie auch gemerkt, dass die SVP nicht nur der ausländischen Bevölkerung, sondern auch den eigenen Schweizern abweisend gegenübersteht. Aber was ich nicht ausschliesse, dass Susi Gut denkt, jetzt kann ich mich wieder den Schweizer Demokraten anschliessen, die sind ja schliesslich wieder im Gemeinderat vertreten.
Sandro: Offensichtlich hast du mit der SVP nicht das Heu auf der gleichen Bühne. Aus welchen Gründen verlangst von deinen politischen Gegnern denn, dass sie Geld für deine Anliegen (abgewiesene Asylbewerber) ausgeben? Ist es nicht vielmehr deine Aufgabe, dein eigenes Geld dafür zu verwenden?