Sind Dörrbohnen aus China wirklich nötig?
Es fällt mir kein vernünftiger Grund ein, warum die Schweiz Dörrbohnen aus China beziehen müsste. Ich bin ziemlich sicher, dass die meisten KäuferInnen dieses Gemüses sich nicht bewusst ist, wie weit her dieses Gemüse kommt. Hier wäre eine Energieetikette, wie z.B. hier gefordert, eine willkommene Aufklärung des Konsumenten. Bei den Grossverteilern hat der Wechsel auf Chinesische Produzenten offenbar ein gewisses System:
Darüber rege ich mich auf, weil ich in der Schweiz während Jahren Jahren mit Erfolg Biobohnen produziert habe, bis der Anbauvertrag plötzlich nicht mehr erneuert wurde, wegen angeblichen Überschüssen…
(Quelle: Auswandererblog)
Überschüssen in China? Ein irsinniger Auswuchs der Globalisierung.

Zitat:
Es fällt mir kein vernünftiger Grund ein, warum die Schweiz Dörrbohnen aus China beziehen müsste.
Vielleicht sind sie ja besser im Geschmack und der Konsistenz? Vielleicht wird zuverlässiger Produziert oder geliefert, ich weiss es auch nicht. Am ehnsten der Preis? Vielleicht Jammern die Chinesischen bauern weniger als Schweizer Bauern? Hier hast Du 5 mögliche Gründe die Vernünftig sind.
kauf doch einfach schweizer Dörrbohnen und das Problem ist gelöst, dann bleibt Migros und Coop auf den Chinesischen Dörrbohnen sitzen. Sei ehrlich, wiviele Kg Dörrbohnen kaufst Du pro jahr?
Es ist ja so dass viele Produkte die in den Lebensmittelläden aus aller Welt importiert werden, darunter auch sehr viele die als Halbprodukte von Lebensmittelhersteller weiterverarbeitet werden.z.b. Pilzsaucen.
Es ist ein wahnsin aber Realität.
Du wirst mühe haben beim alltäglichen Einkauf dass du nichts kaufst (oder ein Teil davon) das nicht von einem anderen Kontinent hergekommen ist.
Wie sieht denn die Ökobilanz aus?
Produkte, die weit entfernt produziert und dann in die Schweiz produziert werden, haben nicht notwendigerweise eine weniger erfreuliche Ökobilanz als Produkte, die in der Schweiz produziert werden.
Nebenbei: Bei “Claro” und anderen Anbietern findet man viele Produkte, die weit entfernt produziert und dann in die Schweiz transportiert werden… :->
@sandro: “Überschüssen in China?”
So wie ich das verstehe hat er in der Schweiz Produziert und konnte wegen angeblichen Überschüssen nicht mehr.
Es gibt nur einen Grund, wieso Grossverteiler wei Migros und Coop das machen: Der Preis.
Die zunehmend internationale Konkurrenz (Aldi, Lidl, Carrefour etc) und die zunehmende “Geiz-ist-Geil” Mentalität in der Schweiz zwingen die dazu. Die Menschen vergessen einfach, dass mit Preisdruck auch druck auf die Produzenten und letztendlich auf die Arbeiter ausgeübt wird. Das wiederum führt zu schlechteren Arbeitsbedingungen oder dem Verlust von Arbeitsplätzen. Oder glaubt einer, dass Management leidet?
Lieber etwas mehr für Bohnen bezahlen, dafür kommen sie aus der Schweiz und wurden unter fairen Arbeitsbedingungen produziert.
Wie du gesagt hast Sandro, das ganze ist ein irsinniger Auswuchs der Globalisierung. Dem kann ich mich nur anschliessen.
“Geiz ist geil”?
Wie wär’s mal mit einem Reality Check?
Die meisten Menschen sind nicht geizig, im Gegenteil, sie sind äusserst konsumfreudig. Und sie versuchen ihren Konsum selbstverständlich zu optimieren. Aber das ist natürlich kein Geiz…
Wer “Geiz ist geil” schreibt, sollte wieder einmal nachschlagen, was “Geiz” eigentlich bedeutet…
Den Begriff “Geiz ist geil” habe nicht ich erfunden. Er stammt aus der Deutschen Werbung von der Saturn-Kette. (Saturn Elektronik-Discounter wie Media Markt)
Er hat auch bereits einzug in die Deutsche Sprache gefunden… Interviews, Nachrichten taucht der Begriff auf.
Soviel zum Realitätscheck.
Discounter wie MM oder Saturn wollen uns weismachen, dass beim Kauf nur der Preis zählt. Konsumoptimierung wie das Leuthold nennt. Sprich: bestes Produkt zum besten Preis. Das am Preis aber mehr hängt als einfach nur ein “schnäppchen” gemacht zu haben vergessen die meisten.
Genau: Das beste Produkt zum besten Preis, sprich der Preis allein ist nicht entscheidend, wenn selbstverständlich auch wichtig. Und wieso in der Schweiz produzieren, was anderswo offensichtlich effizienter möglich ist?
Arbeitsteilung nennt sich das.
Schwachsinn nennt sich das, und zwar im Anbetracht der durch die unnötigen Transporte enststehenden Emissionen.
Wie viel Öl (von welcher Qualität) braucht ein grosser Frachter pro Stunde? 50’000 Liter?
Soweit mir erinnerlich, stehen bei Claro nur die exotischen Lebensmittel in den Gestellen, die nicht bei uns produziert werden können. Bei uns wächst z.B. kein Kaffee. Und bei anderen Lebensmittelns wie Honig unterstützt man nachhaltige Landbewirtschaftung im Herkunftsland. Dies ist bei der Ökobilanz einzubeziehen.
@Leuthold: Wenn jemand billiger produziert bedeutet das noch lange nicht, dass er das effizienter macht.
Global gesehen produziert das Land am billigsten, das die niedrigsten Löhne und Lohnebenkosten (Sozialkosten) hat. Da ist China soviel ich weis ganz vorn dabei.
“Es fällt mir kein vernünftiger Grund ein, warum die Schweiz Dörrbohnen aus China beziehen müsste.”
Mir auch nicht.
Doch… vermutlich betreiben die beiden grossen Beinahe-Duopolisten und Pseudo-Genossenschaften hier wieder mal Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Umwelt und der Konsumenten.
Ist ja lächerlich:
“Darüber rege ich mich auf, weil ich in der Schweiz während Jahren Jahren mit Erfolg Biobohnen produziert habe, bis der Anbauvertrag plötzlich nicht mehr erneuert wurde, wegen angeblichen Überschüssen…”
Selber schuld wenn er unfähig ist, preislich und qualitativ mit der chinesischen Produktion mithalten zu können. Soll er halt Toiletten reinigen.
Protektionismus hat noch nie einer Volkswirtschaft genützt, sondern unter dem Strich immer geschadet. Der Grund des “relativen Produktivitätsvorteils” ist durchaus vernünftig.
*Wenn* sich Güter mit geringer Umweltbelastung und geringem Energieverbrauch um die Welt transportieren lassen, ist eigentlich auch nichts dagegen einzuwenden. Und jetzt kommt der grosse Haken: Umweltbelastung und Energie sind leider immer noch fast gratis.
So kommt’s, dass die Volkswirtschaften durch den Ressourcenverschleiss und die Umweltzerstörung einen höheren Schaden erleiden, als sie durch den freien Handel Nutzen generieren. Und *das* ist widersinnig und gehört unterbunden.
Sobald wir dies im Griff haben (sinnvolle Energiepreise, Umweltbelastung muss bezahlt werden) können wir m.E. mit gutem Gewissen den Markt spielen lassen.
Aber dazu müssten einige Ewiggestrige über die eigene Nase hinausschauen und aufhören, griffige Massnahmen zu verhindern und zu verschleppen.
g.
“Selber schuld wenn er unfähig ist, preislich und qualitativ mit der chinesischen Produktion mithalten zu können. Soll er halt Toiletten reinigen.”
Ignoranter geht es nicht mehr!
gumbyan bringt es auf den Punkt…
Die schönen Worte des Gumbyman kenne ich zu genüge aus den VWL-Büchern.
Eine vollständige Internalisierung externer Kosten wird es aber nie geben!
Selbstverständlich ist die Frage nach der Notwendigkeit von China-Bohnen durchaus berechtigt. Die wesentliche Antwort darauf kommt aber nicht von Ökos, sondern von den Konsumenten.
Interessant ist auch der Ansatz der Energie-Ettikette. Eine saubere Rechnung, welche alle relevanten Positionen auf das einzelne Produkt schlüsselt, ist aber in meinen Augen schlicht nicht möglich.
Es würde eventuell schon reichen wenn man die Ursprungsangabe unübersehbar aufführen müsste. Ähnlich wie die Warnhinweise bei Zigaretten.
Ich bin überzeugt, dass sehr viele Konsumenten vieles nicht kaufen würden wenn gut sichtbar das Ursprungsland aufgeführt wäre. Dass man im Coop nicht bei jedem Produkt genau schaut woher es kommt ist ja klar. Aber grad bei sowas “normalem” wie Dörrbohnen denkt doch niemand dass die aus China kommen…
–Umweltbelastung und Energie sind leider immer noch fast gratis.–
Das ist wohl einer der grossen Hacken an der ganzen Sache.
Ich erinnere mich an eine Meldung im letzten Herbst:
“Weil das Pulen von Krabben in Westeuropa ziemlich teuer ist, werden die Meerestierchen ins Ausland gekarrt. Eine schottische Firma will nun ihre halbe Belegschaft entlassen – neun Wochen Fahrt nach Thailand und zurück sind billiger als die maschinelle Verarbeitung in Schottland.”
Wenn du dich wegen dem langen Transportweg über chinesische Dörrbohnen aufregst, lässt du hoffentlich auch die Finger von Fairtrade-Honig aus Guatemala…