Schon wieder! Radioaktive Flüssigkeit aus französischer Atomanlage ausgetreten
Atomenergie ist sauber, fortschrittlich, ungefährlich und sowieso seligmachend. Die Atomgläubigen predigen immer und immer wieder das selbe Märchen, in der Hoffnung es würde endlich wahr werden. Aber denkste. In letzter Zeit zeigt sich auffällig, dass es an allen Ecken und Enden leckt.
Nur eineinhalb Wochen hat’s gedauert, nachdem 18’000 Liter Reinigungsflüssigkeit mit 74kg Uran aus dem Kraftwerk Tricastin ausgetreten sind und in zwei Flüsse gelangten. Ein neuer Zwischenfall:
Aus einem undichten Kanalisationsrohr einer Brennstäbefabrik in Romans-sur-Isère trat radioaktive Flüssigkeit aus. Offenbar steht noch nicht fest, wie schwer das Problem wiegt. Offenbar klar ist, dass die Leitung vermutlich schon vor mehreren Jahren gebrochen ist.
Selbstverständlich sagt man präventiv – es bestünde keine Gefahr für die Umwelt, obwohl noch nicht einmal die ausgetretene Menge radioaktiv verseuchten Materials abgeschätzt werden kann. Aber eine Gefahr besteht ganz, ganz sicher nicht – wer’s glaubt wird selig.
Quellen: Tages-Anzeiger

Ich begreifs nicht.
Gesamtenergetisch machen Atomkraftwerke so einen verschwindet kleinen Anteil aus.
Trotzdem wird dieses massive “Restrisiko” von den Behörden einfach geduldet resp. ignoriert.
Ein autofreier Sonntag spart gleichviel Energie wie ein abgeschaltetes Atomkraftwerk.
Wenn keine neuen AKWs mehr gebaut würden, dann würden die teuren, steuerzahlerabhängigen Beamten der IAEA und der Euratom ihre Stellen verlieren.
Ausserdem könnten dann Diktatoren nicht mehr mit dem Deckmantel der Energieproduktion Anreicherungsanlagen betreiben, was wiederum zur Folge hätte, dass das Bedrohungspotential von solchen Diktaturen abnehmen würde. Das hätte aber wieder zur Folge, dass es schwieriger wird hohe Militärauslagen zu rechtfertigen und wir Steuerzahler noch weniger geschröpft werden können.
“Wenn keine neuen AKWs mehr gebaut würden, dann würden die teuren, steuerzahlerabhängigen Beamten der IAEA und der Euratom ihre Stellen verlieren”
… und einige Politiker ihre äusserst lukrativen Verwaltungsratsmandate.
http://www.blick.ch/news/energie/artikel57014
http://www.woz.ch/artikel/rss/15359.html
Das KKW Tricastin gehört über eine Tochter dem Atomkraftkonzern Areva.
Vor drei Wochen setzte sich Frankreich mit der Übernahme seiner halbjährigen EU-Präsidentschaft medienwirksam in Szene indem der Eiffelturm blau und in der Abspreizung mit den gelben EU-Sternen ausgeleuchtet war. Anderntags leuchtete das Wahrzeichen in bedeutenden Tageszeitungen der EU-Mitgliedländer in fast seitengrossen Annoncen weiter. Der Sponsor dieser Inseratenkampagne gab sich auch zu erkennen: Areva.
Wo sich die EU doch eben gerade noch gerühmt hat, für die rund 15000 Lobbyisten in Brüssel strenge Regeln erlassen zu haben …
Einmal mehr zeigt sich, dass die Schweiz ihre Energieprobleme selbst lösen sollte. Augen zu und weiterhin Atomstrom aus Frankreich importieren? Nein, das ist zu einfach. Entweder wird nun richtig Energie gespart (Hoffnung sehr klein) oder die sich abzeichnende Stromlücke wird mit nach Volkes Gnaden gefüllt. (AKW, Gaskraftwerk, massive Förderung der alternativen Energien)
Und in 20 Jahren heisst es dann “… oder die sich abzeichnende Stromlücke wird …”
Ja, und Mühleberg erhält in 20 Jahren wohl die 15. Betriebsverlängerung.
Dass wir von Leckagen wie in Tricastin auch in Zukunft nicht verschont sein werden, zeigt folgendes aktuelles Beispiel:
In Finnland wird derzeit ein KKW der neuen Generation gebaut mit 1600 MW Leistung (zum Vergleich: Gösgen hat 970 MW Nennleistung). Hauptauftragnehmer des finnischen KKWs Olkiluoto 3, das 2011 ans Netz gehen wird, ist der französische Atomkraftkonzern Areva in Kooperation mit Siemens (Anm.: etwas weiter unten lässt sich etwas über die kürzliche europaweite Werbetätigkeit von Areva erfahren). Für die Bauarbeiten des neuen KKWs, das – geht es nach den Wünschen der Atomlobby – in Europa die KKW-Renaissance einläuten soll, zeichnet das gleichfalls französische Unternehmen Bouygues verantwortlich.
Wie am 12.08.2008 im finnischen TV öffentlich gemacht wurde, ist die Arbeitsqualität auf der Baustelle Olkiluoto 3 teilweise sehr mangelhaft. Im Besonderen werden die Schweissarbeiten beanstandet, die seit September 2007 ohne kompetente Überwachung sind. Der dannzumal aus dem Dienst geschiedene Verantwortliche zeichnete über die ihm präsentierte aktuelle Situation ein äusserst düsteres Bild zur Qualität der Bauarbeiten. Die Schweisser arbeiten schon seit Monaten ohne baustellenbezogene Anweisungen. Im Besonderen gibt es keine einzuhaltenden Temperaturober- und -untergrenzen. Der von der finnischen Strahlungsüberwachungsbehörde STUK für das im Bau befindliche KKW verantwortliche Inspektor hinterliess in der Sendung den Eindruck, nicht eben auf dem Laufenden zu sein (STUK hat die Oberaufsicht über Bau und Betrieb der finnischen KKWs).
Laisser faire, ein französischer Begriff. Nur eben: bei Olkiluoto 3 handelt es sich um einen Prototypen. Und bei solchen gibt man sich meistens besonders Mühe. Zumal KKWs solcher Grössenordnung in Simulationstests bislang nie problemlos funktioniert haben.
Agenturmeldung (Radio/TV Finland, Yle) v. 13.08.2008:
Greenpeace is calling for construction at the new Olkiluoto nuclear reactor to be suspended. The Radiation and Nuclear Safety Authority, or STUK, is seeking to assuage fears of the problems of Olkiluoto III.
On Tuesday, a YLE current affairs programme reported that welding work at the site had been carried out without proper supervision or a qualified manager. Greenpeace says the unsupervised welding work has been going on for months. It says it has documents to prove it.
“Breaking safety codes when building nuclear reactors could have catastrophic consequences. Construction must be halted immediately and the site must undergo an independent, international inspection,” says Lauri Myllyvirta of Greenpeace Finland.
Minister of Trade and Industry Mauri Pekkarinen, who is responsible for supervising the project, has demanded an explanation on the matter from the Radiation and Nuclear Safety Authority.