Schmutziges Geschäft mit der Wasserkraft?
Die Schweiz ist stolz auf ihre enormen natürlichen Ressourcen im Bereich der Wasserkraft. 509 Wasserkraftwerke wandeln die Kraft des Wassers in wertvollen Strom um. Rund 60% des gesamten Schweizer Energiebedarfs wird mit der “sauberen” Wasserkraft gedeckt. Als zukunftträchtigstes System gilt laut Axpo das Pumpspeicherkraftwerk. Doch dahinter steckt leider nicht die vielbeschworene und zitierte Natürlichkeit und Nachhaltigkeit, sondern eiskalte Gewinnoptimierung. Und das funktioniert so:
Der Vorteil der Wasserkraftwerke ist, dass Sie genau dann Strom produzieren können, wenn dieser auch benötigt wird. Das ist ein lukratives Geschäft, denn die Strompreise variieren von wenigen Rappen pro kW/h bis zu 50 Rappen zu Spitzenzeiten während des Tages. Und genau aus dieser Differenz schlagen unsere Pumpspeicherkraftwerke ihr Kapital. Sie liefern den Strom zu Spitzenzeiten zu Spitzenpreisen und pumpen das Wasser in der Nacht mit billigem, schmutzigem Strom aus Kohlekraftwerken aus dem Ausland wieder in die Speicherseen!
Aktuellstes Beispiel, welches diese Gewinnoptimierung ad absurdum führt ist das Pumpkraftwerk Linth-Limmern. Dieses Kraftwerk wird momentan ausgebaut und soll bis 2015 seine Maximalproduktion aufnehmen können. Das Problem: Nach dem Ausbau wird das Kraftwerk unter dem Strich mehr Strom verbrauchen als produzieren! Und das nur um den teuren “sauberen” Strom zu verkaufen. Das Krafwerk wird dann mehr Energie verbrauchen als alle Haushaltungen des Kanton Glarus zusammen.
Auf diesem indirekten Weg verbrauchen wir, ohne es zu wissen, Milliarden von KW/h schmutziger Energie aus schlechten, ausländischen Kohlekraftwerken. Doch das steht natürlich in keiner Broschüren der AXPO. Dort lachen uns klare Bergbäche, sprudelnde Flüsse und idyllische Bergseenlandschaften entgegen. Was für eine Lüge!
Einen interessanten Bericht zu diesem Thema findet ihr im letzten Kassensturz

Ohne Lenkungsabgaben und zuschläge für Ökostrom würde sich so etwas nicht so gut Rechnen.
Aber das ist die Politik die von den Grünen täglich vorangetrieben wird, es ist zwar nicht genau das was sie Wollen, aber es ist das was sie ereichen.
Es soll sagoar Leute geben die für diesen Strom mehr bezahlen als andere, tststs
Abgesehen davon wie soll man dieses Kraftwerk sonst Nutzen? das Wasser das von Natur aus den Berg herunterkommt reicht nicht aus um das Kraftwerk Wirtschaftlich zu betreiben, für ein Reines Wasserkraftwerk ist dies der falsche Strandort, daher wurde ja auch ein Seicherkraftwerk gebaut.
LoL
Pipo hast du dich schonmal näher mit dem Sinn der Pumpspeicherkraftwerke auseinadergesetzt?
Deren sinn is es nicht saubere Energie zu produzieren sondern die energie die man hat möglichst optimal auszunutzen.
Ohne Pumpspeicherwerk müsste man die “schmutzigen” Kraftwerke einfach grösser bauen nämlich um spitzenlasten zu brechen.
das PSW sorgt also lediglich dafür das die anderen Ernergieträger optimal arbeiten können und nicht einmal fast leer laufen und das andere mal im überlastbereich.
Indirekt sorgt das PSW also schonwieder für sauberere Energie dadurch das die Kraftwerke in ihrem optimalen Wirkungsbereich laufen können.
Denn du kannst ein AKW in der Nacht nicht einfach abstellen, also isses doch sinnvoll es weiterzulaufen und mit der übrigen Energie vorräte anzulegen für den nächsten Tag damit man es am nächsten tag nicht mit mehr leistung laufen lassen muss.
mfG René
Wie gut ist eigentlich der Wirkungsgrad der Wasserpumpen?
Das Prinzip der Speicherkraftwerke ist in Ordnung, aber man müsste die Pumpen nicht unbedingt mit Strom aus Kohlekraftwerken betreiben.
René hat das Prinzip kapiert. PSKW sind die “Akkus” der “dreckigen” Kraftwerke. kann seine aussage vollumfänglich unterschreiben.
den wirkungsgrad einer solchen pumpe kenne ich nicht. aber es ist nun mal so das die pumpen um die menge x an wasser in den speichersee zu pumpen mehr energie benötigen als die turbinen mit der gleichen menge wasser erzeugen können.
wenn man eine batterie mit einem ladegerät auflädt, pumpt man auch mehr energie rein als man jemals aus der batterie ziehen kann.
klar müssen die pumpen nicht mit strom aus kohlekraftwerken betrieben werden. mit strom aus atomkraftwerken funktionierts genauso
Wie gross ist das Verhältnis von Eigenproduktion zu Pumpspeicherung bei der angestrebten Kapazität von 1240-1340 Megawatt? Mit welchem Wirkungsgrad wird bei der Pumpspeicherung gerechnet?
Beide Fragen müssten beantwortet werden, um sagen zu können, ob der Netto-Energieaufwand des Pumpspeicherbetriebs wirklich grösser ist als die Eigenproduktion des Kraftwerks.
Die nötigen Angaben sucht man aber sowohl im Kassensturzbeitrag als auch auf der NOK-Site vergeblich.
Auf welchen Angaben basiert deine Behauptung, pipo?
Meine Behauptungen stützen sich auf die Aussagen des Energieforscher Christian Bauer, der folgendes sagt:
Jede Kilowattstunde Strom ist mit 155 Gramm CO2 belastet. Letztes Jahr verbrauchten Schweizerinnen und Schweizer über 60 Milliarden Kilowattstunden Strom. “Im Jahr 2005 betrug der CO2-Ausstoss im Schweizer Stromverbauch knapp 10 Millionen Tonnen. Das ist fast gleich viel, wie der private Personenverkehr verursacht”
Für Axpo-Konzernchef Heinz Karrer hingegen macht es natürlich Sinn, 200 Millionen Kilowattstunden Strom zu verbrauchen, wenn sich im Gegenzug die Leistung des Kraftwerks auf 1200 Megawatt erhöht. Der Grund: Die Schweiz brauche künftig mehr Strom. “Der Leistungsbedarf ist da. Und um diese Leistung zu installieren gibt es drei Möglichkeiten: Ein neues Speicherkraftwerk mit einem neuen Staudamm, was unrealistisch ist, Gas, das aber wiederum die CO2-Emissionen erhöht oder dann ein Pumpspeicherwerk”, sagt Karrer. Eine total verkehrte Argumentation, findet Energie-Experte Glauser. Erstens würden, so Glauser, Pumpspeicherwerke den ohnehin schlechten Wirkungsgrad von thermischen Kraftwerken nochmals reduzieren. Und zweitens bestehe keinerlei Bedarf für zusätzliche Leistungen in der Schweiz. “Wir haben schon mit unseren Speicherseen ein unglaubliches Potential. Und davon exportieren wir jeden Mittag dreimal die Leistung von Gösgen.
Das sind für mich keine haltlosen Argumente.
Kann der Wirkungsgrad eines Kohlekraftwerks, bedingt durch den diurnalen Rhythmus (Nacht etc.), mittels Bau eines PumpsKW erhöht werden, ist dieses auch legitim.
Fakt ist, dass die Energieausbeute durch PKW gemindert wird. Aber es “könnte” sein, dass damit Energie gerettet würde, die sowieso “verloren” ginge.
Mich dünkt jedoch, dass Alternativen z.B. verbesserte Steuerung der KKW, effizienter wären, bin aber kein Fachmann.
Ausserdem beschleicht einen der Verdacht, dass “schmutzige” Energie auf diese Weise “gewaschen” wird – analog der Wäsche krimineller Gelder. Letztere auch als saubere Wasserkraft zu vermarkten und verkaufen ist auf alle Fälle Betrug. Sie soll weiterhin deklariert werden, als was sie ist: Kohleenergie (“Kohlekraft”).
Es ist nicht von vorneherein klar, ob so ein PSW nun “gut” oder “schlecht” ist. Sicher ist aber, dass es aus Sicht des Energieversorgers Sinn macht. Der Leistungsbedarf im Stromnetz schwankt dauernd, und es ist ein Mords-Aufwand, sich diesem ständig durch rauf- und runterdrehen irgendwelcher Kraftwerke anzupassen. Spitzenleistung durch einen solchen Speicher lokal zu erzeugen (oder auch zu absorbieren) statt über hunderte Kilometer transportieren, ist ev. die bessere Lösung.
Wieso hier auf Kohle-Kraftwerken und ähnlichem rumgeritten wird, ist mir schleierhaft. In der Schweiz haben wir rund 40%Atomstrom und der Rest Wasserkraft – nicht vergessen: auch ein Flusskraftwerk liefert Bandenergie, die u.U. gespeichert werden will! Und: gerade Alternativ-Energien wie Wind, Sonne usw. sind schlecht planbar bzw. brauchen einen Speicher, um den (zufälligen) Ertrag an den wechselnden Bedarf anzupassen – und da eignet sich ein PSW halt hervorragend.
Mit einem PSW kann man natürlich durch “Veredelung” (Energie billig einkaufen und als teure Spitzenenergie wieder verkaufen) viel Geld verdienen, was an sich schon wieder verdächtig ist – dass das etwas mit Lenkungs-Abgaben und Ökostrom zu tun hätte, ist blanker Unsinn.
“Edelstrom” aus Pumpspeicherwerken
Wie edel ist er wirklich?
Es berührt bei näherer Betrachtung eher eigenartig, wenn bezüglich Pumpspeicher-Wasserkraft versucht wird, grossen Optimismus zu verbreiten und grundsätzlich falsche Hoffnungen zu wecken. Ist der Pumpstrom nun wirklich die ökologisch saubere, nachhaltige Wasserkraft, wie von Wirtschaft und Presse oft behaupten wird, oder gar eine Irreführung?
Von Leo Arnold
Betrachten wir das Beispiel um das sistierte Projekt Oberems-Argessimo. Gross stand vor ein paar Monaten in der Presse unter dem Aufhänger: “Bauprojekt von 250 Millionen für ein Pumpspeicherwerk” der Titel “Markante Steigerung der Produktion”. Mit den hohen Investitionen zu einem Pumpspeicherwerk umgebaut, soll unter der weiteren Nutzung des heutigen Wasseranfalls das Pumpspeicher-Werk am Schluss – man staune: Mit einem jährlichen Stromeinkauf von 508 GWh eine Strommenge von 420 GWh produzieren. Vom “markant” mehr Produktion unter Einbezug des eingekauften Pumpstromes kann wohl kaum gesprochen werden. Im Gegenteil: So resultiert eine markanter Stromverlust von 88 GWh durch das Hochpumpen von Wasser in den Speichersee.
Wasserkraft mit Wasserdampfkraft?
Wenn man dann noch den Satz im Leitartikel der WB-Ausgabe vom 30. April liest, so wirkt dieser Optimismus für einen Laien sicher ansteckend und zukunftsfähig. Dort steht bezüglich des geplanten Pumpspeicherwerkes von “Nant de Drance”, Zitat: “Die gigantische Investition von 900 Mio. Franken steht einmal für den Wert der Wasserkraft. Der Entscheid wird auch weiteren Projekten neuen Schub verleihen, die eine ähnliche Stossrichtung verfolgen, nämlich die Veredelung und damit marktmässige Zusatzaufwertung der elektrischen Energie aus erneuerbarer, sauberer Wasserkraft.” Ende Zitat. Und gerade diese Interpretation der Art von Energieerzrugung ist weitab jeglicher “erneuerbarer, sauberer Wasserkraft”.
Woher kommt denn der eingekaufte Strom zum Hochpumpen des Wassers? Mit Sicherheit nicht aus Wasserkraft. Oder man nennt den mit Uran oder Kohlenkraft erzeugten Wasserdampf, der die Dampfturbinen samt Stromgeneratoren in einem von der BKW geplanten Kohlekraftwerk in deutschen Landen antreibt, im übertragenen Sinne auch Wasserkraft?
Pumpstrom ausgeblendet?
In diesem Zusammenhang sei an das Referat von Dr. Martin Carlen, das er am 6. Mai in Brig hielt, erinnert, wo er eine Tabelle zeigte, die die “reine” Wasserkraft ohne Pumpeinsatz mit einem Wirkungsgrad von 90% darstellte und diejenige aus Pumpspeicherwerken mit 70% bis 80%. Letztere ist insofern missverständlich, als der für den Pumpenbetrieb schon einmal produzierte Strom schlichtweg ausgeblendet wird. Pumpspeicherwerke sind wohl Stromveredelungs-Anlagen im wirtschaftlichen Sinne, die den mit solchen Werken erzeugtem Strom keinesfalls in irgend einer Form ökologisch “veredeln”, sondern mit ihm reine lukrative Aspekte zu Ungunsten der Ökologie verfolgten. Er wird wider besseres Wissen von den einschlägigen Interessentengruppen nebst den wirtschaftlichen Aspekten auch als “erneuerbare, saubere Wasserkraft” dargestellt. So auch explizit von der KWO mit der Staumauererhöhung der Grimselwerke. Weiter war unter anderem auch zu lesen von einem geplanten Hochpumpen des Rhonewassers in den Lac des Dix.
Betrachten wir einmal den extremsten aber durchaus realistischen Zukunftsfall, dass der billige Pumpstrom von Kohlekraftwerken im Ausland importiert wird. In solchen thermischen Kraftwerksanlagen wird der Strom mit einem primären Wirkungsgrad von etwa 40% erzeugt. 60% gehen dort schon verloren. Diese 40% werden weiter über ein Pumpspeicherwerk mit einem mittleren Wirkungsgrad von 75% zu “veredeltem” Spitzenstrom transformiert. Dies würde in der Realität bedeuten, dass dieser so genannte Spitzenstrom in diesem Fall als eine der “schmutzigsten” und vor allem CO2-intensivsten Stromarten überhaupt bezeichnet werden muss. In solchen Fällen ist diese so gerühmte Pumpspeicher- Wasserkraft unter der hier beleuchteten umfassenden Betrachtungsweise ökologisch um einiges schlechter als der Kohlestrom selbst, der direkt der Endverwertung zugeführt wird, da er keiner verlustreichen “Zwischenveredelung” unterworfen ist.
Miserable CO2-Bilanz für den Pumpstrom.
Noch nichts war zu vernehmen, was mit der Frage der CO2-Emissionen zusammenhängt. Systembezogen emittiert der Pumpstrom in der Schweiz kein CO2, wie übrigens auch die Atomkraft nicht. Beide Energiearten lassen ihre Produktions-Emissionen weitab der helvetischen Haustüren in die Luft.
Auch unter dieser Betrachtungsweise fällt es schwer, zu verstehen, warum GuD-Gaskraftwerke (GuD = Gas und Dampf) gerade mit der Begründung der CO2-Emissionen in Ungnade gefallen sind. Solche Kraftwerke wären, wie die Wasserkraft, schnell zu- und abschaltbar, als ebenso schnell regulierbar. Die CO2-Emissionen sind spezifisch um etwa 30% tiefer als beispielsweise bei Steinkohle und der Wirkungsgrad der GuD-Kraftwerke liegt um die 60%. Also doppelt so hoch wie beim Einsatz von Pumpstrom aus Kohlekraftwerken. Und die Investitionen wären um Faktoren tiefer als bei adäquaten Pumpspeicherwerken.
Es geht hier nicht darum, den GuD-Gaskraftwerken bzw. dem Einsatz von Erdgas das Wort zu sprechen. Es geht aber darum, auch einmal etwas hinter die Kulissen der Stromwirtschaft zu blicken, wo die Fäden in die Richtungen gezogen werden, wie sie die Strom-Wirtschaft sehen will und wie sie nach deren werbetechnischen Stossrichtung der Konsument zu sehen hat.
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