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Samstag Nachmittag vor dem Coop

Heute Nachmittag habe ich Martin Abele in seinem Friedensrichter-Wahlkampf unterstützt. Ich war mit ihm zusammen auf der Strasse vor dem Coop in Zürich Albisrieden und habe seine Flyer an Passanten verteilt. Ich mache das ziemlich gerne. Damit halte ich Kontakt zum “Volk”. Viele Interessante Begegnungen, Gespräche und Kontakte sind das angenehme Resultat eines solchen Nachmittags.

Was mich jedoch immer wieder verwundert, sind die vielen, komplett desinteressierten Passanten. Sie schauen weder mich, noch meinen Handzettel an, winken mit einer Hand ab und laufen mit gesenktem Kopf weiter. Das ist natürlich ihr gutes Recht und ich möchte das in keiner Art wertend verstanden wissen. Dennoch frage ich mich, was die Ursache für das Desinteresse ist. Meine Partei kann es nicht sein, denn weder war ich auf den Kleidern angeschrieben, noch hatte unser Stand ein Logo.

Da stellen sich mir schon einige Fragen. Hätten Diese Menschen lieber eine Monarchie oder gar eine Diktatur? Dann müssten Sie sich nicht um Entscheidungen zur Zukunft des Quartiers, der Stadt oder des Landes kümmern. Ist das ein Luxusproblem der wohlhabenden Schweiz? Müsste es den Menschen ganz allgemein schlechter gehen, damit sie sich mit diesen Fragen auseinandersetzen würden. Oder sind die politischen Geschäfte, mit denen sich eine Stimmbürgerin oder ein Stimmbürger auseinandersetzen muss zu kompliziert? Wie könnte man das denn vereinfachen? Grad im Fall eines (Quartier-)Friedensrichters, den man noch viel weniger oft in der Zeitung oder gar dem Fernsehen sieht und hört als z.B. ein Nationalrats- oder Stadtratskandidat wäre es doch interessant, ihm vor dem Coop ein paar Fragen zu stellen und ihn als Menschen kennenzulernen. Genau deshalb steht er sich dort ja Samstag für Samstag die Füsse platt.

Naja, auch wenn mir diese Fragen oft auf der Zunge gelegen sind und ich die Leute am liebsten frech gefragt hätte, habe ich ihre Entscheidung natürlich respektiert und sie in Ruhe ihren Samstagseinkauf machen lassen. Ist ja auch ein Recht in einer Demokratie, sich nicht dafür zu interessieren. Schlussendlich, so ein Zitat eines nahen Verwandten von mir, werden durch die 50-60% der Wahl- und Stimmabstinenten Schweizerinnen und Schweizer die Stimmen der anderen umso wichtiger und wertvoller. Wenn Sie nicht mitbestimmen wollen, überlassen sie das halt den anderen…

Dieser Artikel wurde von Sandro am Samstag, 17. Januar 2009 in der Rubrik Gesellschaft und zu den Stichwörtern , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

7 Kommentare zum Artikel “Samstag Nachmittag vor dem Coop”

  1. Kommunista am 17. Januar 2009 um 23:13

    Am Wochenende ist viel zuviel los. Ausserdem gibt es viel zuviele Passanten, die einem belästigen. Einige Beispiele:

    Bettler, Sektenmitglieder oder junge Grüne, die einem den Offroader verbieten wollen….nein Danke, auf sowas kann ich verzichten. Einem intoleranten Grünen würde ich meine Stimme ohnehin nicht geben. (Gewissen Leuten sieht man einfach an, dass sie Linke sind. Besondere Parteiabzeichen wie Hammer und Sichel, roter Stern bzw. Sonnenblume ist da gar nicht mehr nötig.)

  2. Guetu am 19. Januar 2009 um 00:55

    @Kommunista:

    …oder junge Grüne,…
    Nun, ich bin kein Grüner, ich bin ein “linker und netter”, wie man so schön sagt. Aber ich denke, das gleiche könnten die Grünen auch über die bürgerlichen und die rechten denken.

    Ich denke aber, die, die so denken sind nur eine Minderheit. Die Hauptprobleme sind meiner Meinung:

    1. es ist (wie bereits von Kommunista geschrieben) zuviel los
    2. die Menschen haben selber ihre eigenen privaten Probleme und Sorgen
    3. die Menschen interessiert nur ihr eigenes hier und jetzt
    4. die Menschen interessieren (verstehe ich zwar auch nicht) ganz einfach nicht für Politik
    5. es gibt auch Leute, die sind zu faul um sich zu informieren, oder sogar solche (wie meine Arbeitskollegin), die haben schlicht keine Ahnung von Politik.

  3. Don Omar am 19. Januar 2009 um 09:33

    @Guetu

    habs ja schon lange gesagt. Die grosse Mehrheit des Schweizer Volk ist dumm und hätte auch nichts dagegen unter einer Diktatur zu leben. Ein typischer durchschnittsschweizer will arbeiten (viel viel viel arbeiten) und mit seinem Geld materialistische Dinge kaufen, obwohl er solche Dinge auch nicht richtig geniessen kann weil im schlicht die Zeit fehlt.

    Ich habe mich auch mal für Politik interessiert, jetzt nicht mehr, stimme schon seit Jahren nicht mehr ab. Hab die Hoffnung aufgegeben…

  4. H2 am 19. Januar 2009 um 12:28

    Die Hauptprobleme sind:

    Wenn ich in den Coop gehe will ich einkaufen und nicht über irgendwelche Ideologien diskutieren, seien diese grün, rot, schwarz oder braun. Schon vorallem deswegen, weil es sich dabei nie um eine Diskussion sondern immer nur um ein “ich überzeuge Dich von meiner Meinung, denn diese ist unverrückbar” handelt.

    Wenn ich dies möchte, dann gibt es dafür genügend Orte um dies zu tun.

  5. CF77 am 20. Januar 2009 um 12:17

    Sandro, ich kann Dir sagen wieso das so ist.

    Wenn ich in Winterthur nach Hause komme und über den BHF gehe, insbesondere am Freitag (wenn man wirklich eifach nur nach Hause will) gibts etwa 400 Leute die einem irgendwas verkaufen / andrehen / besprechen wollen.
    Rekord waren wirklich 4 verschiedene Organisationen, die irgendwas von mir wollten. Greenpeace, die SVP, Cablecom, Tele2, “Tierfreunde-irgendwas”, “helft-den-hungernden-Afrikanern” etc.

    Es ist einfach too much teilweise. Und wenn man ständig diese Erfahrungen macht, wird man irgendwann “abgestupft”. Bei mir läuten sofort die Alarmglocken wenn ich jemanden mit Flyer sehe. “Schon wieder jemand der mir was andrehen will”.

    Ist leider so. Denke nicht, dass dies eine gute Lösung ist. Die Sache mit einem öffentlichen Stand, wo sich Leute freiwillig informieren können, das ist besser.

    Gruss
    CF77

  6. Guetu am 21. Januar 2009 um 00:32

    Es gibt auch Leute (wie Don Omar), die resigniert haben, weil es ihnen abgelöscht hat. Die sagen dann meist, dass es auf ihre Stimme alleine ja doch nicht ankommt und dass sie alleine nicht massgebend seien; dass sie nichts ändern oder bewirken können.

    Aber ich mache nun einen Aufruf an alle junge, an alle, die so denken:
    Interessiert euch, stimmt ab, politisiert aktiv, macht und redet mit! Wenn jeder sagt auf seine Stimme kommt es nicht an, dann könnt ihr tatsächlich nichts ändern.
    Ich zeige ein Beispiel auf: Wenn bei einer Abstimmung 30 Leute abstimmen, ist es bereits bei 16 Leuten die Mehrheit. Hier kommt es auf jede einzelne Stimme darauf an. Das ist nur eine Stimme mehr. Ein anderes Beispiel: Wahlen: Nur eine Person geht wählen. Diese Leute, die auf seiner Liste stehen sind gewählt. Hier kann man sagen, es kommt auf seine eine Stimme darauf an. Nur 1 einzige Stimme braucht es für die Mehrheit!
    Natürlich sind das nur theoretische und sehr abstrakte Beispiele. In der Realität sind es sehr viel mehr Leute, die abstimmen und vor allem auch meist viel deutlichere Resultate. Aber theoretisch ist es so! Wenn Du bei einer Abstimmung mit 38 % zu den Verlierern gehörst, bist Du bei der nächsten Abstimmung vielleicht mit 63 % bei den Gewinner.

  7. Beresina am 23. Januar 2009 um 15:45

    Es liegt nicht an Desinteresse oder Politverdrossenheit!

    Samstag Nachmittag:

    1. Ich will meinen Einkauf erledigen und dies möglichst schnell.
    2. Man ist eh schon knapp dran weil man a) bis um 13:00 oder 14:00 geschlafen, oder b) den halben Tag schon die Wohnung geputzt hat und um 17:00 schon wieder was vor hat!
    3. Es ist kalt draussen und man trägt 2,3 Taschen mit sich.
    4. Vor dem Coop ist nicht der richtige Ort um über Politik und Weltgeschehen zu diskutieren!

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