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Puff am Gotthard: unverhältnismässig

Leser Marcel J. schreibt uns folgendes:

Wieso hab ich hier noch nichts über die Gotthard-Sperrung gelesen? Ich dachte, das wäre doch eine tolle Gelegenheit, mal zu zeigen, wie unverhältnismässig das alles ist: Nur weil alle paar Jahre ein Steinchen auf die Strasse rollt, sollen nun für Millionen Franken teure Verbauungen gebaut werden, die das verhindern…Wenn doch nur jedesmal soviel Geld verlocht würde, wenn ein Fussgänger von einem Autofahrer angefahren wurde. Aber wir kämpfen halt lieber gegen die Natur, als gegen Autos. Ich meine, wenn ich Angst habe, dass mir ein Stein im Gebirge aufn Kopf fällt (was halt ein Gebirge so an sich hat), dann meide ich die Berge. Wenn ich Angst habe, dass mir ein Baum auf den Kopf fällt, geh ich einfach nicht in den Wald und nehm mir nicht ne Motorsäge und holze jeden Baum in meinem Umkreis um. Aber die Autofahrer müssen natürlich den Wald oder die Gebirge einebnen, damit sie sicher ans Ziel kommen. Baut doch gleich nen Tunnel durch die ganze Schweiz, damit die Urlauber mit ihrem Auto sicher ans Mittelmeer kommen. Wieso fliegen sie nicht, oder fahren mit dem Zug, wenn es ihnen soviel Angst macht, durch ein Gebirge zu fahren? Noch besser, bleibt gleich zuhause. Kaum ist der Gotthard gesperrt, werden Rufe laut, den Verkehr schon an der Grenze umzuleiten oder das Nachtfahrverbot aufzuheben. Für mich ist das die beste Chance, mehr Güter auf die Schiene zu verlegen. Und die Urner freut’s eh, dass sie mal drei Wochen saubere Luft atmen können.
Ich wünsche allen ein friedliches Zusammenleben.

Ju

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Mittwoch, 7. Juni 2006 in der Rubrik Allgemein und zu den Stichwörtern , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

6 Kommentare zum Artikel “Puff am Gotthard: unverhältnismässig”

  1. sense2 am 7. Juni 2006 um 20:39

    naja, ich weiss nicht ob alle leute an 2 meter hohen betonmauern entlang der trottoires freude habe..

  2. bluefox am 8. Juni 2006 um 00:41

    wenn der liebe leser marcel allem aus dem weg gehen will, was eine potentielle gefahr birgt, rate ich ihm, einfach nicht zu leben.
    selten so einen stuss gelesen.

  3. thomas.me am 8. Juni 2006 um 01:05

    Die Vorstellung von der unberührten und unschuldigen Natur ist so eine fixe Idee von Stadtbewohnern. In der Stadt gibt es halt vor allem Beton, da will man dass wenigstens der Rest des Landes möglichst unberührt ist. Wer auf dem Land wohnt (z.B. in Uri) findet Strassen super, weil sonst kommt man ja nicht dorthin wo man will. Kulturland verganden lassen? Wir wollen doch nicht im Urwald leben!

    In diesem Sinne: Autobahnen sind für all die Leute, die nicht in Einmalumfallendistanz zum Opernhaus, Hallenstadion oder nächsten Kino wohnen, sondern irgendwo in irgendwelchen Käffern, aber vielleicht trotzdem auch mal in die Stadt wollen oder müssen, extrem praktisch und lebensnotwendig. Für irgendwelche KMUs oder Handwerker. Lebensadern sozusagen. Und wenn so eine unterbrochen ist dann wird halt darüber geredet.

    Auch wer in der Stadt ohne Auto mit Velo und ÖV und allem Ökoschnickschnack was du willst wohnt ist doch genauso abhängig davon dass der ganze Verkehr im Land reibungslos funktioniert wie alle anderen auch. Gegen Strassen zu sein ist meiner Meinung nach einfach Augenwischerei, wir brauchen diese Dinger.

  4. Süchu am 8. Juni 2006 um 08:03

    @thomas: ok, gut, für die auf dem Land… Es geht aber auch (und gerade am Gotthard und im Uri) um den Durchfahrtsverkehr. Und das ist ne andere Sache. Der Durchgangsverkehr könnte sich ohne Probleme auf Zügen verladen und so durch den Gotthard rasseln… Und ich glaub, auch die Urner auf dem Land mögen den Zug mehr als eine andauernd verstopfte, lärmige und stinkende Autobahn…

  5. mess-anger am 8. Juni 2006 um 13:51

    Leider ist der Öv in Italien nicht so gut ausgebaut wie in der Schweiz. Sonst könnte man tatsächlich per Zug ans Meer. So muss man aber das Auto nehmen. Alle Autos mit dem Zug verladen ist ziemlich aufwendig. Die derzeitigen Kapazitäten reichen leider nicht aus um alle Fahrzeuge per Bahn zu Transportieren.
    Das “positive” am Steinschlag (ich kann die 2 Opfer nicht lebendig machen, ich kann nur versuchen die Situation zu verbessern) ist wenigstens, dass einigen bewusst wird das wir ein Nadelöhr haben. Vielleicht kann man so besser über Road-Pricing diskutieren (zur Finanzierung der Umbau- und Reperaturmassnahmen?).
    Vielleicht kriegen wir aber auch einfach mehr Unterstützung von der EU für die NEAT, wenn den umliegenden Ländern klar wird, wie wichtig der Gotthard auch für sie ist.

  6. quadour am 8. Juni 2006 um 22:31

    Da sieht man einmal mehr, wie viel zu billig “Energie” eigentlich ist. Die Preise unseres Suchtmittels Öl sind um die 70% geklettert. Aber Auto fahren tun alle noch wie zuvor. Als wäre nichts gewesen. Da gebe ich dem iranischen Präsidenten recht. Die Ölpreise entsprechen noch nicht dem Gleichgewicht.

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