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Prostitution an der WM: Miserable Berichterstattung von 10vor10

Das Flaggschiff der Leutschenbachjournalisten, die Nachrichtensendung 10vor10 wird immer seichter respektive boulevardesker. Ein gutes Beispiel für den tiefen Fall dieser Sendung war gestern der Bericht über Prostitution in Deutschland (Real Video), dem Austragungsort der Fussballweltmeisterschaften. Anstatt das Thema kritisch anzugehen und zum Beispiel denn sprunghaft angestiegenen Frauenhandel anzusprechen wurde ein fast fünf Minuteb langer Werbespot für Bordelle ausgestrahlt. Alle Nutten sind happy und der Betreiber des grössten Berliner Puffs wird mit Anfragen von willigen Liebesdienerinnen überhäuft, so der Tenor des Berichts. Leider hat die Prostitution an der WM massive Schattenseiten. Dagegen kämpfen in Deutschland viele Frauenorganisationen:

«Ab-Pfiff – Schluss mit Zwangsprostitution!» Mit diesem Slogan hat der deutsche Frauenrat für die Fussballweltmeisterschaft eine Kampagne gegen den Frauenhandel lanciert. [..] Gestartet worden ist die Kampagne just vor der Fussball-WM wegen der Befürchtung, eigens für diesen Grossanlass könnten bis zu 40 000 Frauen aus Osteuropa nach Deutschland geschleust und zur Prostitution gezwungen werden.

(Quelle: Tagi vom 27. Mai 2006)

Kein Wort davon bei 10vor10.

Das globale Sportereignis lässt den kriminellen Menschenmarkt boomen. Dahinter stehen grausame Schicksale junger Frauen, teils noch Kinder, die mit Arbeit in Haushalten, Hotels oder in der Kinderbetreuung aus ihrem Elend gelockt werden, um dann an Zuhälter verkauft zu werden. Nach Schätzungen werden alleine in Deutschland etwa 30 000 Frauen zur Prostitution gezwungen.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung 23. Mai 2006)

Dies wären Informationen welche die Schweizer WM-Besucher und damit auch die potentiellen Freier darunter von einer seriösen Nachrichtensendung wie 10vor10 erhalten müssten. Nicht billige Werbespots für Lustoasen! Pfui 10vor10.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Freitag, 9. Juni 2006 in der Rubrik Schweiz und zu den Stichwörtern , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

8 Kommentare zum Artikel “Prostitution an der WM: Miserable Berichterstattung von 10vor10”

  1. operator am 9. Juni 2006 um 13:11

    unverständlich sowas – kein wort über die schattenseiten der prostitution. zumal wahrscheinlich eher wenige fussballfans 300 stuz bezahlen können um gewisse leistungen einzukaufen. statt ins edelbordell werden wohl eher die hinterhof etablisements berücksichtigt. und da ist die chance wohl gross zwangsprostitution zu fördern.

  2. Sandro am 9. Juni 2006 um 13:19

    Habe folgenden Brief per E-Mail an SF geschrieben:

    Die gestrige Berichterstattung zur Prostitution in Deutschland war eine skandalöse Werbesendung für die Luxusbordelle in Deutschland. Weder das Thema Zwangsprostitution noch Frauenhandel wurde dabei erwähnt. Dabei wird geschätzt, dass zwischen 30′000 und 40′000 Frauen zwangsprostituiert werden für die Fussballfans in Deutschland. Sind sie eigentlich noch eine Nachrichtensendung oder schon ein Boulevardmagazin? 10vor10 fällt immer tiefer. Alles den Quoten zu liebe?

    Habe übrigens darüber geschrieben, würde mich über eine Stellungnahme von offizieller Stelle freuen:
    Link

    Sandro Feuillet

    Mal schauen ob sich jemand meldet.

  3. RonaldCH am 9. Juni 2006 um 13:32

    @Sandro
    Gut gemacht, Sandro, dieses E-Mail an die 10vor10 Typen. Ich kann das Geschwätz Klapproths schon gar nicht mehr hören. Lass uns wissen, was sie dir geantwortet haben.
    R.

  4. _driv3r_ am 9. Juni 2006 um 18:09

    Dass 10v10 ein miserables Magazin ist und es doch schafft, immer noch schlechter zu werden, ist ja hinlänglich bekannt.

    Mir geht diese Beschönigung von Prostitution in den Medien auch auf den Geist. Ich meine ich bin nicht prüde, aber irgendwo muss ich sagen, dass es nicht Aufgabe der Medien ist, das Rotlichtmilieu zu promoten. Auch die ganze krampfhafte und permanente Fixierung der Medienlandschaft auf Sex ist irgendwodurch nicht mehr normal.

    Wertvolle Steuergelder sind für solch seichten Müll jedoch definitiv nicht nötig, das kann ein privater besser.

    Deshalb: RUNTER MIT DEN SRG GEBUEHREN! ODER SOGAR: PRIVATISIERT DIE SRG!

  5. felixkohl am 10. Juni 2006 um 02:17

    “eigens für diesen Grossanlass könnten bis zu 40 000 Frauen aus Osteuropa nach Deutschland geschleust und zur Prostitution gezwungen werden.”

    Ist doch wohl ein Quatsch.

    Tatsächlich gehören die erwähnten Schattenseiten diskutiert und geahndet.
    Auf der anderen Seite möchten Frauenorganisationen und andere nicht wahrhaben, dass dies die logische Konsequenz einer “Nachfrage und Angebot”-Wertehaltung ist.

    Viele Frauen im horizontalen Gewerbe sind Deutsche oder Westeurpäerinnen und jene aus dem Osten sind nicht so dämlich, wie vorgegeben wird.

    Dass man mit süffigen Stories Einschaltquoten bzw. Zeitungen verkauft wissen wir schon längst. Bei den meisten Beiträgen ist die Qualität der Reportagen hinlänglich bekannt (siehe TA-Magazinartikel vor ca. 6 Wochen zu fröhlichen BorellbetreiberInnen – bereits hier einmal kurz diskutiert).
    Auch hier gilt Nachfrage und Angebot.

  6. AlphaPapaGolf am 10. Juni 2006 um 14:12

    Die Prostituierte reisen immer dort hin, wo ihre Kunden sich hinbegeben.
    Also überall dort wo Grossveranstaltung stattfinden.
    Ich behaupte : Auch ans WEF in Davos reisen Dutzende von Prostituierten.
    Ich vermute : Es handelt sich dabei um gut situierte Prostituierte.

  7. Forum Politik » Prostitution an der WM: Antwort vom Schweizer Fernsehen am 13. Juni 2006 um 11:48

    [...] Der Verantwortliche Redaktor hat mir eine Antwort auf die Vorwürfe geschrieben: Sehr geehrter Herr Feuillet [...]

  8. Abigail am 27. August 2006 um 10:12

    Ausführliches zum Thema “freiwillige” und “Zwangsprostitution” findet sich in dieser Neuerscheinung im LIT Verlag:

    Martin Auer: Hurentaxi – Aus dem Leben der Callgirls

    Zitat: “Wenn eine Arbeiterin in einer deutschen Schuhfabrik in Rumänien unter 100 Euro im Monat verdient, eine Volksschullehrerin gar um die 50 Euro, dann braucht es gar keine Schlepperbanden und verbrecherischen Zuhälter, um den Nachschub an jungen Mädchen und Burschen zu garantieren.”

    Mehr: http://hurentaxi.kwikk.info

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