Nettigkeiten statt Neuigkeiten
Eine Zeitung druckt Neuigkeiten. Doch die Zeitung muss ja auch ihre Journalisten bezahlen und etwas Gewinn abwerfen, der Preis der Zeitung reicht dafür schon lange nicht mehr. Also druckt man in der zweiten Hälfte der Zeitung bezahlte Werbung ab. Dieser zweite Teil muss klar sichtbar vom ersten Teil abgetrennt werden, damit der Leser die Werbung nicht für Neuigkeiten hält und die Neuigkeiten respektive die verfassenden Journalisten ihre Glaubwürdigkeit bewahren. Dies steht auch so im Kodex des Schweizerischen Presserates, quasi der moralischen Instanz der Schweizer Journalisten:
Paragraph 9 der Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten
Sie vermeiden in ihrer beruflichen Tätigkeit als Journalistinnen und Journalisten jede Form von kommerzieller Werbung und akzeptieren keinerlei Bedingungen von seiten der Inserenten.
Doch “Bergpirat” gibt in einem Kommentar zu einem Artikel des Pendlerblog zu, dass es zumindest in einem nicht genannten Wochenblatt, anders läuft:
Wenn jemand sich eine halbe Seite oder mehr als Anzeige kauft, dann besteht die möglichkeit dass ein Reporter ohne speziellen Grund in das Geschäft geht, und die tollsten Geschichten über das Geschäft in die Zeitung bringt.
Wenn Sie sich also das nächste Mal fragen, was denn genau das Neue an einer bestimmten Neuigkeit ist, denken Sie daran, dass der Geschäftsinhaber womöglich bloss eine Anzeige geschaltet hat. Die Pendlerzeitung 20 Minuten hat diese Art von Journalismus ja zum Business-Modell erhoben, wie die vielen, nicht als solche gekennzeichneten Artikel Anzeigen im redaktionellen Teil beweisen: Gelbe Liste der 20min-Anzeigenkunden, die nicht als solche gekennzeichnete Anzeigen kaufen
Ach übrigens, haben Sie gewusst, dass unter Werbern für “Anzeigen” im redaktionellen Teil einer Zeitung der vierfache “Wert” einer gleich grossen, gekennzeichneten Anzeige gerechnet wird?

ohne Nettigkeiten kein Geld für Neuigkeiten.
Ist nichts Neues. Gibt es sogar in der WoZ. “Kohle für Hohle” ist der Grundsatz, der die Welt in Schuss hält.
ich weiss nicht. ich bin ja sonst sehr auf eurer seite, aber mit der werbung unterhalb des titels geht ihr doch in die selbe richtung… die werbung nach dem artikel finde ich korrekt, aber die unter dem titel befindet sich doch auch im redaktionellen teil, und bei der hier (ja wahrscheinlich eh zufällig, da google) musste ich also zweimal hinschauen um zu begreifen, dass das nicht dazu gehört.
Stimmt, hab das korrigiert (bin laufend am testen mit der Werbung). Allerdings stehe ich in keiner Beziehung zu den Anzeigenkunden. Folglich schreibe ich auch keine Nettigkeiten…
Danke trotzdem für das Feedback.
@ fragenspeck:
Ich glaube nicht, dass mit “der Wochenzeitung” die WoZ gemeint war! Ich lese die WoZ regelmässig und hätte solche Artikel bestimmt bemerkt. Zudem ist auf der Homepage von Bergpirat, welcher den Kommentar geschrieben hat, keinen Hinweis zu finden, wie dieser an Informationen kommen kann!
Es kann schon sein, das Bergpirat eineN BekannteN oder VerwandteN hat, welcheR als Journalist in einer Wochenzeitung tätig ist und dadurch die Information zu Tage kommt, aber es kann sich genau so gut um eine Ente handeln.
Klar denke ich, dass auch der Redaktion bekannt sein dürfte, wer bei Ihnen Inserate schaltet und wenn eine Story um ein Unternehmen aufgebaut werden soll, wird dieses Unternehmen berücksichtig, welches auch schon ein grösseres Inserat geschaltet hat! Zum Beispiel Gentechfrei Initiative und Baer. Aber das ist auch als Information interessant. Aber auch negative Berichte können Inserate generieren, weil dann die entsprechende Firma bei dem Publikum wieder sein Image aufbessern muss.
Ob Bergpirat die WoZ gemeint hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich habe die WoZ gemeint. Ich hatte die WoZ während zehn Jahren abonniert 1992-2002 und habe solche Sachen erlebt – auch wenn ich mich nun nicht mehr an die Details erinnern kann.
Du beschriebst selber sehr gut, wie das tatsächlich in einer redaktion abläuft. Es gibt bei diesem Thema eben nicht schwarz und weiss – Skandal und guter Journalismus, wie man uns hier Glauben machen will.
Also ich sehe hier irgendwie keinen Grund zur Empörung.
Fest steht: 20minuten ist ein kostenloses, qualitativ lausiges Müllblatt, welches jeder Werbekunde mit ausreichend hohen Investitionen praktisch nach belieben “mitgestalten” kann. Da die Konsumenten von 20min gegenüber regulärer Werbung offensichtlich schon ziemlich abgestumpft sind, wird die Werbung natürlich mit den Inhalten vermischt, was subtiler ist und womit eine intensivere mentale Beschäftigung des Lesers mit dem jeweiligen Objekt erreicht wird. Soweit zum relativ simpel gestrickten Geschäftsmodell von 20minuten.
Aber wo liegt jetzt das Problem? Wie kommt jemand, der keinen Rappen an so ein Produkt zahlt dazu, Forderungen oder Reklamationen irgendwelcher Art abzusetzen? Irgendwer hat mal gesagt “You get what you pay for”. Das trifft zwar nicht immer zu, passt zu diesem Fall aber wie die Faust auf’s Auge.
Kauft euch doch einfach eine richtige Zeitung, da habt ihr definitiv mehr davon auch wenns ein paar Franken kostet. Dafür liegt dann auch ein echter Mehrwert in Form von Wissen vor, im Gegensatz zur Lektüre von 20min, womit nur (eure) Zeit totgeschlagen wird, ganz gewiss aber nicht eure Wissenslücken.