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Müllimport: Halbe Million Tonnen jährlich!

Es scheint, dass der Import von ausländischem Müll eine richtige Wachstumsbranche ist, wie der Beobachter schreibt:

Waren es vor drei Jahren noch rund 50’000 Tonnen Güsel, die importiert und in einer der 28 Anlagen verfeuert wurden, bewilligte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) für 2006 bereits 480’000 Tonnen – fast das Zehnfache. Der Müll wird oft über Hunderte Kilometer in die Schweiz transportiert,

Man Stelle sich mal vor, wieviele Lastwagen voller ausländischem Müll täglich über unsere Autobahnen rauschen, um irgendwo ein nicht ganz ausgelastetes KVA zu “beliefern”. Damit importieren wir auch gleich das CO2, welches bei der Verbrennung des Mülls entsteht:

Hält man sich dabei an die neuesten Bafu-Zahlen aus dem Jahr 2004, betrug der klimaschädigende CO2-Ausstoss aller KVA nicht weniger als 1,59 Millionen Tonnen.

Es wird argumentiert, dass dies (für die Welt) immernoch besser sei, als wenn der Müll in Italien oder sonst wo auf einer Deponie verrottet, denn dabei entstehe Methan, was ja auch nicht erwünscht, respektive massiv klimaschädlich ist. Doch sinnbefreit ist es auf jeden Fall, wenn das Bündner KVA Trimmis Siedlungsabfälle aus Stuttgart verbrennt. Kann ja nicht sein, dass wir zur “Auslastung” der offenbar massiv überdimensionierten Verbrennungsannlage jeden Abfallsack 300 Kilometer oder mehr in der Welt herumkarren, bloss um ihn zu verbrennen.

Doch auch innerhalb der Schweiz gibt es gemäss dem Beobachterartikel ähnliche Dummheiten. So verfügt der Kanton Tessin noch immer nicht über eine eigene Verbrennung und liefert deshalb seine 100′000 Tonnen Müll nach Thurgau und Zürich!

Hier müsste der Staat unbedingt eingreifen und diesen Mülltourismus mittels der Internalisierung von externen Kosten derart verteuern, dass sich der Transport von Abfall über solch grosse Distanzen nicht mehr rechnet. Alternativ wäre auch eine Vorschrift, Mülltransporte zwingend per Eisenbahn durchzuführen. Doch vielleicht erledigt sich das auch von selber, sobald der Ölpreis eine Höhe erreicht, bei der sich der Transport für die Müllproduzenten nicht mehr lohnt.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Mittwoch, 6. September 2006 in der Rubrik Wirtschaft und zu den Stichwörtern , , , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

8 Kommentare zum Artikel “Müllimport: Halbe Million Tonnen jährlich!”

  1. Dreckfilter am 6. September 2006 um 13:29

    Wer sagt denn, dass der Müll mit Lastwagen transportiert wird? Das meiste kommt mit dem Zug! Der Vergleich mit den Lastwagen hinkt gewaltig!

    Im übrigen sind die schweizerischen Kehrichtverbrennungsanlagen europaweit einheitlich auf bestem Standard. Jede Verbrennung anderswo würde die Umwelt mit mehr Schadstoffen belasten.

    Dass im Tessin aufgrund von Projektierungs- und anderen Fehlern keine Verbrennungsanlage steht, kann übrigens nicht der Politik angelastet werden, welche die Gelder und alles übrige schon längst bewilligt hat.

    Fazit @ Sandro: Nur weiter staatliche Lenkungsmassnahmen fordern, ohne eine Ahnung von der Materie zu haben, und ja nicht versuchen, über die eigene Nasenspitze hinaus zu denken! Und schön brav weiter staatliche Eingriffe verlangen, möglichst laut ;-) !

  2. Sandro am 6. September 2006 um 13:41

    Hast du den verlinkten Text gelesen? Offenbar nicht, denn dort steht schwarz auf weiss:

    Von den insgesamt 3,1 Millionen Tonnen Abfällen, die in der Schweiz Jahr für Jahr verbrannt werden, gelangen 1,15 Millionen mit der Bahn zu den KVA – knapp zwei Millionen Tonnen werden auf der Strasse verfrachtet.

    Zwei Millionen Tonnen Fracht verursachen in meinen Augen einen nicht zu vernachlässigenden Dreck. Hier bei uns. Ob bei hohen Feinstaub- oder Ozonwerten…

    Von wegen “…ohne eine Ahnung von der Materie zu haben…”

    Und dass die im Ausland keine sauberen KVA’s haben ist ehrlichgesagt ihr Problem, nicht meins. Wieso muss ich versiffte (Schweizer)Luft einatmen weil die Italos nicht im Stande sind eigene saubere KVA’s zu bauen?

    Manch mal wünsch ich mir, dass jeder Mensch sein eigenes Kontingent saubere Luft hätte und jeder damit machen kann was wer will. Darwins Theorie zufolge würde ich überleben… Doch leider verpesten die Italos und Deutschen mit ihrem Müll MEINE LUFT.

    Und dass ich da nach dem Staat rufe ist mein gutes Recht. Ich bin für meine Kinder verantwortlich und will ihnen in die Augen schauen können. Mir wurst wie du deinen Kindern die Welt hinterlassen willst.

  3. mat am 6. September 2006 um 14:55

    Der Mülltransport wird in Zukunft hoffentlich massiv zurück gehen. Eigentlich ist dies nur ein vorübergehendes Problem, da in Deutschland seit einiger Zeit ein striktes Deponieverbot erlassen wurde und sie deshalb nicht genügend KVAs haben. Es wäre aber ökologisch äusserst bedenktlich wenn diese Transporte zum Standart werden. Denn viele KVAs in der Schweiz haben keinen Bahnanschluss und Müll sollte eigenltich sowieso kein Handelsgut sein.

  4. Dreckfilter am 6. September 2006 um 15:06

    @ Sandro
    Vorsicht mit der Aufteilung: per Lastwagen wird praktisch nur auf Kurzstrecken (“Güselwagen”) transportiert, die Bahn befördert insbesondere aus dem Tessin und dem Ausland. Der Bericht verfälscht die Realitäten und du hinterfragst ihn wieder mal nicht. Korrekt und repräsentativ wäre einzig eine Angabe in Tonnen pro Kilometer.

    Wir würden die “dreckigere” Luft aus Deutschland ja nicht einatmen müssen und die Umweltbelastungen aus unseren Nachbarländern hat keinen Einfluss auf die Schweiz :-( . Eine schwächere Argumentation habe ich noch nie gehört aus deinem Mund, oder glaubst du etwa wirklich, dass verschmutzte Luft an der Grenze halt mache? Auf welchem Planeten lebst du? Oder träumst du nur noch grün?

  5. fragenspeck am 6. September 2006 um 16:06

    Ist ein ordnungspolitisches Problem. Solange der Staat solche Infrastrukturen erstellt und die Betreiber sich nicht am wirtschaftlich nötigen ausrichten müssen, wird zu gross gebaut.

    Damit dann die Betriebskosten nicht allzurot werden, wird Müll herumgekarrt.

  6. Pete am 6. September 2006 um 17:17

    Nach der Personenfreizügigkeit folgt halt die Müllfreizügigkeit.
    Wo ist das Problem, wenn Müll aus BaWü in die Schweiz importiert wird? Schliesslich kann hier der Kehrricht umweltgerecht entsorgt werden. Das ist doch ein Vorteil für alle.

  7. plop am 11. September 2006 um 01:05

    ich denke mal , dass sich keiner der hier anwesenden gedanken dazu gemacht hat warum dies so praktiziert wird und woher dieses phänomen rührt!

    der hauptgrund für diese mülleinkäufe und-importe ist eigentlich , dass durch die strikte mülltrennung und recyclingwirtschaft nicht mehr genug brennbares material in den brennöfen landet und diese dann meist nur noch minderwertige materialien welche die anlage verkleben, verrußen und meist auch giftige gase freisetzen…
    dies führt dazu , dass die temperatur in den verbrennungsanlagen nicht die nötige prozesstemperatur erreicht oder die angeschlossenen fernheiz-systeme nicht genügend abwärme liefern können…

    desweiteren sind fehlende materialien in den bga´s verantwortlich für fehlerhafte zersetzungsprozesse wodurch die gesamte anlage zum stillstand kommt…

    ebenso wird auch müll aus polen nach deutschland importiert!!!
    ebenfalls aus den eben genannten gründen…

    ich arbeite in einem ingeneursbüro und wir entwerfen unter anderem solche anlagen

    allerdings erwarte ich einen solchen weitblick auch nicht von fanatischen umweltschützern die anscheinend nur so weit denken wie sie eine waschmaschine schmeissen können…

    aber hauptsache dagegen….das sytem ist schuld…
    ist doch fast schon albern ….als ob man das rad mal eben neu erfinden könnte…
    hat alles natürlich rein kommerzielle hintergründe…
    also lasst uns die kräfte vereinen und captain planet rufen…

  8. ghandi am 18. September 2006 um 20:56

    Man könnte meinen ihr produziert keinen Müll!

    Man sollte einmal für 2 Wochen keinen Müll entsorgen damit die Bevölkerung wieder sieht wieviel Müll sie produzieren!

    Nur wer Müll nicht einkauft und darauf achtet nichts verpacktes zu kaufen, hilft mit zu reduzieren.

    Nebenbei muss ich noch sagen das die Millionenteure Studie von 1980 “Aktion saubere Schweiz” eine menge gute Lösungen erbrachte, davon sind alle ohne Ausnahme, trotz warnung durch die Politik in den Wind geschossen Worden.
    z.B. Pet,
    Man hat den Aufwand der rücknahmen und reinigung durch Pet ersetzt und die Kosten den Konsumenten auferlegt inkl. Abfallensorgung!

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