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Möchtegernmörgeli Lukas Reimann schreibt über Asylmissbrauch

SVP Jungpolitiker Lukas Reimann durfte ein Textlein für die SVP Webseite schreiben. Wollen wir mal schauen, was dabei rausgekommen ist. Nicht viel Sinnvolles, soviel ist schon zum Vornherein klar.

Schon der Titel lässt wenig gutes ahnen:

Notorischer Asylmissbrauch: Wie reagieren die Jungen?

Asylmissbrauch ist wohl nur bei der SVP notorisch. Er belastet weder das Schweizer Staatsbudget noch tut er jemandem weh. Nur weil die SVP kein anderes Thema hat ist das Problem Asylmissbrauch noch lange kein notorisches. Und ja, wie sollen denn die Jungen drauf “reagieren”, das nimmt mich auch wunder, da bin ich ja mal gespannt.

Die Schweizer Jugend bekommt die grassierende Jugendgewalt besonders zu spüren. Ob in Herisau, Horn, Sargans, St. Gallen oder Wil. Ob auf den Schulweg, auf dem Pausenplatz, im Lehrbetrieb, am Bahnhof oder nach dem Fest am Wochenende. Beinahe täglich geschehen nicht nur in der Ostschweiz Fälle von Jugendkriminalität. Diese richtet sich besonders häufig auch gegen unbescholtene Junge.

Hä? Ist das Thema jetzt Jugendgewalt oder notorischer Asylmissbrauch? Oder will Nachwuchsmörgeli Reimann hier einfach in guter alter SVP Manier verschiedenste Themen mischen? Offenbar, denn ich sehe absolut keinen Zusammenhang zwischen Jugendgewalt und Asylmissbrauch…

Gewalt, Bedrohungen und Kriminalität sind zu einem festen Bestandteil des Lebens von Jugendlichen geworden. Darunter leiden 99 Prozent aller Jugendlichen. Ihre Lebensqualität und ihr Sicherheitsgefühl sind stark beeinträchtigt.

Hat hier ein unabhängiges Institut eine repräsentative Umfrage gemacht, oder hat Herr Reimann seinen Zeigfinger in die Luft gehalten und eine grobe SVP-Schätzung vorgenommen? Ich tippe auf zweiteres.

Ein Kern des Problems der ganzen Jugendgewalt liegt in der verfehlten Asyl- und Ausländerpolitik der Schweiz.

Herr Reimann hat also einen der verschiedenen “Kerne” des Problems Jugendgewalt ausgemacht, und zwar bei der Asyl- und Ausländerpolitik. Da kommen wir zwar zumindest von den Wörtern her in Richtung “Asylmissbrauch”, aber was Jugendgewalt nun konkret mit Asylmissbrauch zu tun hat lässt Reimann weiterhin offen.

Während einheimische Jugendliche kaum häufiger zur Kriminalität neigen als früher, wird die Jugendgewalt stark von Ausländern und Eingebürgerten geprägt. Dies geht aus den Statistiken ganz klar hervor. Und hier muss dringend der Hebel angesetzt werden.

Ich bin sicher, Reimann hat für diese Aussagen ebenfalls unabhängige Studien konsultiert. Schöne Worthülsen wie “kaum häufiger als früher” und “stark von Ausländern und Eingebürgerten geprägt” zeigen zudem Reimanns tiefen Sinn für Lyrik. Oder Moment mal, sind denn Eingebürgerte keine Einheimischen? Sind Einheimische nur die mit lokalen Vorfahren?

[..] Ursachen für die Probleme sind unter anderen zu viele illegal Anwesende und Asylsuchende, die keine Asylgründe haben; schlecht qualifizierte ehemalige Saisoniers aus früheren Jahren und schlecht integrierte ausländische Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten sowie lückenhafte Grenzkontrollen und Kriminaltouristen.

Rundumschlag gegen alle Fremden in der Schweiz. Doch was die “schlecht integrierten ausländischen Jugendlichen mit schulischen Schwierigkeiten” oder “schlecht qualifizierte ehemalige Saisoniers aus früheren Jahren” nun mit dem Asylmissbrauch zu tun haben, ist mir schleierhaft. Reimann lässt uns weiterhin im Dunkeln stehen.

Und jetzt kommt er (hoffentlich) noch auf den Punkt, um die im Titel gestellte Frage zu beantworten:

Hoffnung auf neue Gesetze

Dies alles sind spürbare Massnahmen, die ihre Wirkung nicht verfehlen werden.

Nein, Herr Reimann, was Sie aufgezählt haben sind nicht “spürbare Massnahmen” sondern subjektive und unbelegte Probleme. Ich weiss, der Unterschied zwischen “Massnahme” und “Problem” ist für einen SVP Politiker nicht ganz einfach zu verstehen aber ein gutes Wörterbuch hilft da gerne und gratis weiter.

Diejenigen Jungen – die genug haben von Asylmissbrauch, Kriminalität und Gewalt – setzen grosse Hoffnungen auf das neue Asyl- und Ausländergesetz und werden sich mit aller Kraft dafür einsetzen. Und diese Jungen werden mit jedem unnötigen Verbrechen, das durch griffige Gesetze hätte verhindert werden können, zahlreicher!

Ich habe auch “genug” von Kriminalität und Gewalt, aber “Asylmissbrauch” ist für mich ehrlichgesagt kein Problem. Herr Reimann jedoch will sich mit diesem Wort profilieren und hat dafür fast zwei A4 Seiten vollgeschrieben, ohne auch nur eine einzige sinnvolle Zeile. Er hat uns weder den “notorischen Asylmissbrauch” näher gebracht oder belegt, noch hat er uns erklärt, wie “Jugendliche darauf reagieren”. In meinen Augen glatter Etikettenschwindel. Typisch SVP halt…

Dieser Artikel wurde von Sandro am Mittwoch, 28. Juni 2006 in der Rubrik Politik und zu den Stichwörtern , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

19 Kommentare zum Artikel “Möchtegernmörgeli Lukas Reimann schreibt über Asylmissbrauch”

  1. Grimsdottir am 28. Juni 2006 um 17:00

    Super Sandro. Toll gemacht.

  2. AlphaPapaGolf am 28. Juni 2006 um 17:41

    Die Gewalt kam ein Beizer in der Wetsschweiz zu spüren, als er einen Drogenhändler aus der Beiz spedierte. Danach zerstörte ein steuer- und sozialgelderverzehrendes Rollkommando aus Afrika die Beiz bis auf die Grundmauern.
    Ein Abbild was passiert, wenn noch mehr solche Typen massiert in kleine Gemeinden verschoben werden. (und dort von den Gutmenschen im Glauben gelassen werden, sie könnten nun straflos Drogen handeln, Gewalt ausüben und weisse Frauen anmachen)

  3. fehldruck am 28. Juni 2006 um 18:12

    SVP-Texte zu zerlegen ist immer wieder ein Spass (mit bitterem Nachgeschmack).
    Danke Sandro für die Mühe.

    @apg
    “… und weisse Frauen anmachen”? Hast du einen Knall, oder was?

  4. Jack am 28. Juni 2006 um 18:32

    In meinem Job als Zugchef sehe ich tagtäglich, wieviele Probleme uns Ausländer und aus dem Ausland stammende Mitbewohner dieses Landes machen. Was sich hier abspielt, sind längst keine Bagatellen mehr.

    Ohne weiteren Kommentar:
    - Von den letzten 15 Schwarzfahrern, die ich hatte, war gerade einmal einer ein Schweizer…
    - Die drei “Fahrgäste”, welche bisher gegenüber mir gewalttätig wurden, waren allesamt Ausländer…

  5. Moni am 28. Juni 2006 um 18:33

    @APG
    Ich frage mich wie Du jeden einzelnen Tag hinter Dich bringen kannst. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das wirklich Dein Gedankengut ist das Du von Dir gibst.

  6. fehldruck am 28. Juni 2006 um 18:49

    Soweit ich das verstanden habe, geht es in diesem Beitrag nicht um Ausländer, sondern um die SVP, die mit billigsten rhetorischen Mitteln gegen Ausländer im Allgemeinen, und die anstehende Initiative im Besonderen hetzt.

  7. sudsy am 28. Juni 2006 um 19:07

    würde gerne Jack fragen, ob es seine aufgabe ist sich über details
    aus seiner arbeit zu äussern, da es doch klar gegen das rassismus
    gesetz verstösst, indem eine einfache ordnungsbusse nicht einfach
    abgewickelt wird, sondern die erkenntnisse aus der arbeit werden
    in eine billige und unwürdige polemik eingebunden, welche schon
    ziemlich dreist daher kommt.
    ich bin sehr schockiert darüber, wie und wo hier überall geschnüfelt
    wird, und schäme mich wirklich, und das sage ich jedem, Ausländischen Gast, und da noch eine Idee, für die Wirtschaft.
    wir leben also schon lange vom Tourismus, und bitte denkt ihr
    diese Menschen merken das nicht.

    Jede Diskriminierung ist doch für nichts . .

  8. quadour am 28. Juni 2006 um 22:21

    Ich bin eindeutig für das neue Ausländer/-Asylgesetz. Und ich glaube, dass die Abstimmung mit 65% Ja über die Bühne geht.

    Natürlich ist das Geschreibsel von diesem Reinman lächerlich. Aber der ist doch auch noch sehr jung. Dass ihr den dermassen in die Bedrouille werft… na ja, finde ich nicht so toll.

    Als voll durchdenkende Hirne solltet ihr doch auch vor so einem Kindskopf etwas Respekt bewahren.

  9. spargeltarzan am 28. Juni 2006 um 22:30

    @quadour

    Herr Reimann ist ein bisschen älter als ich, aber bei einem solchen Aufsatz gäbe es ein “ungenügend”, sprich eine 3 oder, wenn er Glück hätte, eine 3,5. Das Alter ist keine Entschuldigung für einen schlechten Beitrag. Natürlich wächst mit dem Alter die Erfahrung im Schreiben, aber das Konzept These-Antithese-Synthese bleibt dasselbe, hier versagt Reimann kläglich. Sogar der Titel ist am Textkörper vorbeigeschrieben, oder eher der Textkörper am Titel.

    so long
    sprageltarzan

  10. spargeltarzan am 28. Juni 2006 um 22:31

    PS: Wie aus meinem Beitrag ersichtlich sein sollte, teile ich Herr Reimanns Meinung keineswegs!

  11. konstantin am 29. Juni 2006 um 13:15

    Als SVPler finde ich es schon langsam beschämend, auf welchem Kindergartenniveau unsere Parteibonzen schreiben. Das macht die ganze Position unglaubwürdig, auch wenn das Anliegen vielleicht richtig ist.

    In der Sache hat Herr Reimann nämlich sogar recht: es gibt Fälle von Asylmissbrauch, die man bekämpfen muss. Bspw. die kriminelle Asylbewerberfamilie in Rüschlikon, deren Sohn einen 25-jährigen Schweizer am Bahnhof Horgen brutal niedergestochen hat. das pikante daran, alle Familienmitglieder des Messerstechers sind kriminell vrobestraft und hielten sich 2 Jahre lang illegal in der Schweiz auf. Solche Dinge sind nachweislich passiert und darf man auch zurecht kritisieren.

    Wo ich aber kein Verständnis habe ist, wenn man dann schreibt 99 Prozent der Bevölkerung seien davon betroffen. Das ist völliger Humbug und kann ja offensichtlich nicht stimmen. Da wäre ja jeder von uns Diskutierenden schon mal von einem Ausländer überfallen oder verprügelt worden. Also wenigstens an der Wahrheit halten sollte man sich dann schon!

    Herr Reimann sollte das Thema Asylmissbrauch wenigstens so seriös angehen, dass er echte Zahlen und Fakten nennt, statt einfach etwas zu behaupten. Aber bei der egozentrischen SVP St. Gallen redet man da ja gegen eine Wand.

    Für einmal sage ich, Sandro, in Stilfragen sind wir uns da einig.

  12. fragenspeck am 29. Juni 2006 um 13:16

    Reimann schreibt einen absoluten Schmaren zusammen, soviel ist klar. Seine Jugend sei ihm verziehen – schlimmer finde ich, dass man das auch noch veröffentlicht.

    Betr.: Eingebürgerte: In der Ostschweiz soll es bereits normal sein, dass man zwischen “Schweizern” udn “Eidgenossen” unterscheidet. Letztere müssen fünf Generationen Schweizer aufweisen… *kopfschüttel* und *doppeltkopfschüttel*, dass da niemand eingreift.

  13. fragenspeck am 29. Juni 2006 um 13:18

    Ach ja: Und viel ignoranter als die kommunistischen Trolle, die sich im Forum breitmachen, ist er übrigens nicht. Genau die gleiche verkürzte Denkart, das gleiche polemisch-ignorante Verfallen in einfache Denkschemen (die in der harten Pubertät Halt geben), etc.

  14. Encephalon am 29. Juni 2006 um 14:25

    @quadour

    Ich bin eindeutig für das neue Ausländer/-Asylgesetz. Und ich glaube, dass die Abstimmung mit 65% Ja über die Bühne geht.

    Geh weiter schlafen! Es ist so ermüdend, wie die SVP immer daher kommt und meint a. sie sei “das Volk” und b. ihr politischer Erfolg sei vorprogrammiert.
    Hallo? Was hat denn die SVP in den vergangenen eidg. Abstimmungen schon wieder alles gewonnen?

    *lol*

    Diese Vorlage geht den Bach runter, denn “das Volk” ist doch einiges vernünftiger, als dass die SVP gemeinhin anzunehmen scheint.

  15. Moni am 29. Juni 2006 um 15:31

    Das schlimme an solchen Berichten ist, dass viele Leute den Mist auch noch glauben, meist weil sie es glauben wollen und nicht einmal hinterfragen.

    Auch wenn es Einzelfälle von Missbrauch gibt wird ein Ja am 24. September keine Missbräuche eliminieren, die werden genauso geschehen wie bis anhin. Es werden die falschen Leute bestraft, wobei es hier auch um Leben und Tod geht.

    Ich hoffe wirklich, dass das Volk vernünftig genug sein wird, dass diese Vorlagen den Bach runter gehen.

    Also wenn Eidgenossen nur solche sind, die mindestens seit 5 Generationen Schweizer sind, dann habe ich wohl pech gehabt… Die haben ja wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank!

  16. lee-chan am 29. Juni 2006 um 20:07

    dä bricht kani nöd ernst neh. i finds eifach schad, dasses einigi lüt git, wo das glaube wönd.

    und noch was: i bi sit minere frühst chindheit fo eim ort zum andere züglet: philippine -> Wales in Grossbritannien – Balgach im Rhintl (SG) -> Sulzbach (AI) ob Berneck, Oberegg (AI) -> wieder is Rhintl uf Widnau (SG) -> uf Rheineck (SG) -> und ez sit anderthalb johr wohni im Thurgi… I ha mi also no bi keinere Gmeind könne um dä Schwizer Pass bewerbe. dSchwiez isch aber mini einzig heimat gworde (kei familie in England, uf dä philippine bini i mim ganze leba fillicht 3 mol xi).

    Und ez muni mir sorge mache, dass wenn i mi endlich dörf ibürgere loh und ade direkte demokratie ka teilneh (bi stolz druf, dass mir ide schwiez das händ!), i denn trotz allem eifach nur dä Usländer bin… (“Usländer und d’Ibürgerte”)

    i könnt hüle! :(

  17. bliss am 30. Juni 2006 um 05:33

    Als ueberzeugter Liberaler und denkender Mensch kann man solches Geschwaetz nur als Unfug betrachten. Solche Typen wie Reimann (Wird an der Jus-Fakultaet der UniZH die Methodik Wissenschaftlichen Arbeitens nicht gelehrt??) und in Bern der Hess sind wirklich der Polit-Abschaum. Gut, der Hess ist entschuldigt, der ging nie zur Schule *duckundweg*
    Nicht, dass ich gegen ein entschiedenes Durchgreifen gegenueber kriminellen Auslaendern waere (wer ist das nicht), aber insbesondere das Auslaendergesetz ist dazu voellig untauglich. Ich will meine Nicht-EU-Verlobte moeglichst bald einbuergern lassen, sollte ich ueberhaupt wieder mal in die CH zurueckkommen.

  18. sudsy am 30. Juni 2006 um 08:55

    ich sehe chancen gegen die ueberalterung in der schweiz, was ist
    so einfach wie eine rechtsstaatliche einbürgerung ? ? ? und mit rechtsstaatlich denke ich an einen modernen rechtsstaat wo dann
    die gemeinden kantone und sogar die bundesämter sind alle
    über IT TheInternet the www. V E R B U N D E N ! und dann schreibt
    eine ortschaft ein mail an die andere wenn zum beispiel Lee Chan
    zügelt, dann können das schweizerische administrationen
    aufnehmen und dann bekommen ALLE die das möchten den Pass !
    was soll das eigentlich ? . . wieso wird da so ein theater gemacht !
    ich werde böse, weil es sehr nach dummen kriterien aussieht welche
    bedient werden .

    btw es ist nun nicht so, dass nur ausländer furchtbar schlecht behandelt werden. es ist zwar schon zeiten her, doch ich befürchte,
    heute ist es noch schlimmer, aber ich finde es nicht richtig, wenn
    schwangere frauen, hochschwangere frauen, ebenfalls bekannterweise, vor verschiedenen ämtern heulen müssen, um
    überhaupt ein dach über dem kopf zu bekommen. wir rieten
    einander nun musst du heulen gehn ! ! ! ja ja es gibt viele menschen
    die gar nichts verstehen, da musst du heulen fletschen und machen.
    das ist sehr bedenklich ! ! ! an die macho gesellschaft der imperialistischen jasager ! : ( : ( : (

  19. Forum Politik » Dossier “Nein zum Asylgesetz, Nein zum Ausländergesetz” am 29. August 2006 um 18:56

    [...] Möchtegernmörgeli Lukas Reimann schreibt über Asylmissbrauch [...]

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