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Köppelscher Absolutismus

Wunderbar. Ich empfehle allen die aktuellste Weltwoche zu lesen.

Die immer dünner werdende Weltwoche, die ja seit einiger Zeit zum köppelschen Sprachrohr mutiert ist, verkriecht sich in ihr Scheincredo, das Weltgeschehen aus einem “anderen” Blickwinkel zu betrachten. Die aktuelle Ausgabe zeigt, wo es hinführt, wenn man sich zwingen muss anders zu sein. Hierzu ein paar Auszüge und Kommentare.

Beispiele aus der aktuellen Ausgabe:

Im Kommentar von Roger Köppel preist die Weltwoche, sprich Köppel selbst, das “Erfolgsmodell Schweiz”. Was den Leser auf den ersten Blick schmeichelt, entpuppt sich beim Lesen als Wahlpropaganda für die SVP. Sätze wie: “[...] der Freisinn dirftete nach links, die Sozialdemokratie drückte die Staatsausgaben nach oben. Denkverbote prägten die Diskussionen.” Dann kam die grosse Wende und alles dank wem? Sie haben es erraten. Der lieben SVP in Form von einer Revolution des Büezers! Uns geht’s heute wunderbar und wer hat den Büezern unter die Arme gegriffen? Sie werden natürlich nicht beim Namen genannt aber Multimillionär und Durchlaucht Blocher erhält goldene Lorbeeren von seinem Journi-Compagnion. Dass das Erfolgsmodell Schweiz vielleicht genau deshalb so toll ist, weil’s eben nicht nur die SP oder die SVP ist, die regiert, sondern eine Politik der Mitte mit mehreren Regierungsparteien gefahren wird, bleibt völlig ausser Acht. Köppel sagt zwischen den Zeilen, dass es, hätten nicht die geblendeten Linken und Netten alles so schlimm gemacht, heute alles noch viiiiiiiiel besser wär’. Ich sage aber – It’s all in the Mix.

Weiter in derselben Ausgabe: “Blocher des Rap”
Hier wird mit scharfen Waffen auf die beiden Rapper Stress und Gimma geschossen. Zur Erinnerung. Die beiden Rapper kontern momentan die Angriffskampagne der SVP (“Gewalt durch ausländische Jugendliche”), die durch ein Sujet “glänzt”, dass ein Konterfei eines Rappers zeigt, der grimmig in die Kamera guckt, mit ihren Waffen, der kommerziellen Musik. Das ruft natürlich die Scheinmoralisten der SVP auf den Plan. Die Texte seien gewaltverherrlichend, sagt die SVP. SVP Grossrat Thomas Fuchs möchte sogar, dass der Staatsanwalt aktiv wird. haha. Ist schon lustig. Da will eine Partei, dass man öffentlich seine Meinung sagen kann – uneingeschränkt. Ich errinnere daran, dass die SVP auch fordert, dass man öffentlich andere Rassen diskriminieren darf und sich auf Grund der Ethnie abfällig über Menschen äussern darf. Und jetzt fliegt mal ein etwas gröberer Ball in Richtung SVP und schon drohen Sie mit dem Staatsanwalt. Das ist einfach nur noch schizophren. Wenn ich die Anzeigensujets der letzten 15 Jahre der SVP anschaue, sehe ich eigentlich nur Hass, Frust, Angst und Panikmache. Der Ueli Maurer wollte sich zu diesem Thema übrigens nicht äussern – das sei unter seinem Niveau. Hat er da nicht vergessen, dass seine Werbeagentur Goal mit viel Enthusiasmus Statistiken gefälscht (Musliminserat) hat, Informationen unterschlägt (Gewaltanstieg unter schweizer Jugendlichen) und auf Minderheiten (alles Scheininvalide) rumgetrampelt hat… die Liste der Geschmacklosigkeit ist endlos Lang. Wo ist denn da das Niveau bitteschön? Immer schön mit gleichen Ellen messen, aber das war ja noch nie die Stärke der SVP und auch nicht die von Köppel, der das SVP gesäusel schön nachbetet.

Dann folgt noch etwas EU-Bashing, etwas internationale Politik, etwas gesundes Essen, ein zartes Portrait über Pascale Bruderer, noch einmal EU-Bashing, dann ein grosser Bericht über Britney Spears und zu guter letzt ein Interview mit Nigel Lawson, früherer Schatzkanzler und Urgestein aus Thatchers Zeiten.

Im Interview geht es um den vieldiskutierten Klimawandel. Und die Weltwoche titelt stolz “Im Grossen und Ganzen Mumpitz”. Die haben doch tatsächlich jemanden gefunden, der überzeugt ist, dass der Klimawandel ein ein Konstrukt ist, um von den wahren Problemen der Politik abzulenken. So was kann aber wirklich nur aus dem Munde eines pensionierten Journalisten kommen. Ein Journalist kann übrigens der einstimmigen Meinung von 2500 Wissenschaftlern widersprechen – und das mit nur zwei Sätzen: “Niemand hat Zahlen[...], die tausende Jahre zurückgehen. Dies ist also reine Spekulation.” Aha, der Journi weiss es also besser als alle Wissenschaftler dieser Welt. So ein Schwachsinn hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Dann folgt das Panikargument, ein bisschen Wahlkampfstrategie (wo er ausnahmsweise nicht ganz Unrecht hat -> siehe grünes Mäntelchen 1 und 2 ) und fertig ist der Komplott. Wie damals bei der Mondlandung, da sollen ja auch 400′000 Wissenschaftler und Beobachter (unter anderem Chinesen und Russen) unter einer Decke gesteckt haben um die Mondlandung der Amerikaner vorzutäuschen.

Fazit: Ich finde es wertvoll, wenn es in der Presselandschaft Publikationen gibt, die das Weltgeschehen auch mal polarisierend und kritisch beurteilen. Im Falle der Köppelwoche verkommt dieses Credo leider zu einer gesuchten, einseitigen, platten und undifferenzierten Berichterstattung. Aber lest selbst in der aktuellen Weltwoche.

Dieser Artikel wurde von pipo am Donnerstag, 22. Februar 2007 in der Rubrik Politik und zu den Stichwörtern , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

11 Kommentare zum Artikel “Köppelscher Absolutismus”

  1. Bialystock am 23. Februar 2007 um 03:02

    Wenn Du schon von gleichen Ellen sprichst; Ich wusste ja bis anhin gar nicht, dass die SVP zum Mord an Andersdenkenden oder Auslaendern aufgerufen hat. Aber dafuer hast du ja sicher ein paar Beispiele.
    Ansonsten finde ich es einfach nur gut dass es eine Wochenzeitung gibt die aus einem etwas anderen Blickwinkel berichtet als alle anderen. Und dies nicht nur wenn, wie in diesen Tagen, die neueste Oekosau durchs globale Dorf getrieben wird. In diesem Sinne – ja, lest die Weltwoche und sei es auch nur Online.

  2. sudsy am 23. Februar 2007 um 10:25

    das ist ein lesegenuss Sandro !…leider nicht die fakten, oder klöppeleien, doch so ein zusammenfassungsblog würd ich gerne
    abonnieren, am besten die meldung die prensa hatte keine ausgabe,
    …..was läuft denn in zuri so ? die wewo wird wohl nicht alles sein :D

    ich fands sehr gut geschrieben ….gern gelesen

  3. Beat am 23. Februar 2007 um 10:41

    Niemand muss die Weltwoche lesen.

    Ich würde mich freue wenn der Müll vom Gimma aus dem Verkauf gezogen würde.

  4. sudsy am 23. Februar 2007 um 10:58

    http://myspace.com/gimmasmusic

    Mutual Respect Gimma
    g’ve my5

  5. Beat am 23. Februar 2007 um 12:15

    Seine Fans sind wohl so “hirnamputiert” wie er.

    Unabhängig ob er jetzt linksradikal ist oder nicht: Das ist einfach keine Musik sondern Krack.

    Aber wenn ich wie er Drogen nehmen würde fände ich Hip-Hop auch toll

  6. Pia am 23. Februar 2007 um 14:12

    Ich finde nicht, dass das etwas mit “schizophren” zu hat, was da abgeht. Du meintest wohl, es sei “widersprüchlich”. Viele aus den SVP-Kreisen agieren öffentlich in der Tat in sehr grobschlächtiger und rüpelhafter Weise, was die Gefahr mit sich bringt, dass sie ebenso grobe Rückmeldungen kriegen (wie jene von Gimma). Es steht jedem frei, solche Rückmeldungen oder die Art und Weise, wie sie geschehen, ebenso zu kritisieren. Mich persönlich beeindruckt Gimmas Antwort nicht besonders, weil sie sich allzu sehr an der Art und Weise orientiert, wie die SVP agiert. Zudem fehlt mir in dem Song der Schalk, der z.B. das SVP Plakat ins Lächerliche zieht und einen Rapper zeigt, der 365 Tage im Jahr darüber bestürzt und empört ist, dass ihn die SVP nicht liebt o.ä. Denn das ist ja bei der SVP besonders auffallend: Die extreme Dauerempörung über manche Dinge, die m.E. so künstlich wirkt.

  7. Beat am 23. Februar 2007 um 14:16

    Tony Brunner und Stress mögen sich doch (Der Match)

    Brunner ist noch relativ jung. Der soll mit Stress ein Podium zum Thema Jugendgewalt machen.

  8. FEW things am 25. Februar 2007 um 21:59

    Ich möchte, ich könnte die SVP so poetisch in die Sätze bringen, wie es Gimma tut. Der Typ hat Chi, während sich die SVP mit Klöpplern zufrieden geben muss…

  9. Encephalon am 27. Februar 2007 um 19:28

    @Beat

    Deine Äusserungen sind genau beispielhaft für die SVP. Du scheinst mir ein richtiges SVP-Musterknäblein zu sein.
    Die SVP erlaubt sich einfach alles. Und wenn mal wer zurück gibt, ist es “Müll”, muss verboten werden und alle, die anders denken sind “hirnamputiert”. Aber wie du in den Wald rufst, so ruft es halt zurück.

    Das ist einfach nur lächerlich und wirkt äusserst infantil.

    U made my day, jo!

  10. Walti am 5. März 2007 um 21:58

    Da können wohl einige Hirnamputierte die Wahrheit nicht mehr ertragen. Recht hat er, der Köppel. Sehr gut geschrieben. Die Weltwoche hat wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen. Weiter so. Endlich eine Zeitschrift, die sagt, was zu sagen ist. Allerdings keine aufbauende Lektüre für Faulenzer, Drückeberger, Staatsschmarotzer und anderes Gesindel.

  11. Pirelli am 6. März 2007 um 00:35

    “Allerdings keine aufbauende Lektüre für Faulenzer, Drückeberger, Staatsschmarotzer und anderes Gesindel.”

    Lach! Was ne Werbung für das Blatt!

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