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Klimawandel – Erster Massenexodus in den USA

Umweltkatastrophen infolge der Erderwärmung haben in den USA zu einem ersten massenhaften Exodus geführt. Experten bezeichnen in einer Studie die «Katrina»-Evakuierten als erste Klimaflüchtlinge in den USA.

Die Flucht von hunderttausenden Menschen nach dem Hurrikan «Katrina» an der Golfküste der USA vor einem Jahr sei die erste dokumentierte «Massenbewegung von Klimaflüchtlingen» gewesen, heisst es in einem in Washington vorgestellten Bericht des Earth Policy Institute.

Eine Untersuchung habe ergeben, dass sich mindestens 250 000 der Geflohenen inzwischen anderswo angesiedelt haben und nicht an die hurrikangefährdete Golfküste zurückkehren, heisst es in der Studie.
Diese Menschen wollten sich nicht länger den persönlichen Traumata und finanziellen Risiken in Zusammenhang mit dem ansteigenden Meeresspiegel und immer verheerenderen Stürmen aussetzen. Deshalb seien diese Menschen nun als Klimaflüchtlinge zu bezeichnen, sagte Institutsdirektor und Worldwatch-Gründer Lester Brown.

Bislang waren Umweltexperten davon ausgegangen, dass die ersten Massenfluchten infolge der Klimaerwärmung wahrscheinlich die kleinen Inselstaaten im Pazifik treffen würden, die nur wenige Meter über den Meeresspiegel herausragen und bei einem Ansteigen der Meere verschwinden könnten.
Mit den USA habe nun ausgerechnet dasjenige Land die grösste Hurrikan-Zerstörung erlitten, das in erster Linie für die Erderwärmung verantwortlich sei. Die Gefahr durch Wirbelstürme in den Küstenregionen werde eine anhaltende Abwanderung auslösen, sagte Brown weiter.

Das Earth Policy Institute definiert den Begriff «Klimaflüchtling» in der Studie als Angehörigen einer grösseren Gruppe, die wegen vom Menschen verursachten Umweltveränderungen ihre Heimat verlassen müssen.
Darunter fallen nach Angaben der Experten auch Millionen Menschen im Norden und Westen Chinas, die wegen der Versteppung der Böden infolge von Überweidung ihre Dörfer verlassen mussten. (Quelle)

Äusserst interessant. Die grossen Versicherungsgesellschaften haben den Klimawandel ja längst als fixe Grösse in ihre Berechnungen integriert – und sind natürlich nicht unglücklich über die Gewinnvermehrungsperspektiven.

Es stellt sich einmal mehr die Frage, wie lange wir uns noch blindstellen wollen.

Natürlich bringt es nichts, wenn wir hier zum hundertsten Mal die alten Positionen neu beziehen. Vielleicht diskutieren wir zur Abwechslung mal mögliche Perspektiven?
Was geschieht, wenn Afrika weiter versteppt? Was, wenn Skandinavien unbewohnbar wird? Was, wenn auch bei uns Trinkwasser plötzlich zum Luxusgut wird?
Und wie sollen wir mit Zeitgenossen umgehen, die immer noch jegliche Notwendigkeit eigenen Handelns brüsk von sich weisen?

Dieser Artikel wurde von Pirelli am Donnerstag, 17. August 2006 in der Rubrik Umwelt und zu den Stichwörtern , , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

6 Kommentare zum Artikel “Klimawandel – Erster Massenexodus in den USA”

  1. mess-anger am 17. August 2006 um 15:30

    [i]“Diese Menschen wollten sich nicht länger den persönlichen Traumata und finanziellen Risiken in Zusammenhang mit dem ansteigenden Meeresspiegel und immer verheerenderen Stürmen aussetzen.”[/i]

    Ich würde eher sagen, sie sind arm, nicht versichert und haben in New Orleans keine Chance auf Arbeit. Die paar Grossfirmen, die die Milliarden-Zuschläge für den Wiederaufbau erhalten haben (z. B. Halliburton), lassen “Illegale” die Arbeit erledigen.

    Was geschieht, wenn…

    Bei diesem Thema ist man schnell im Doom-Gloom.
    Aber Hungersnöte und Völkerwanderungen wird’s sicher geben. Wo kann man wohl nicht genau sagen. Aber die Frage ist wie soll man damit umgehen? Können Klimafüchtlinge Asyl erhalten? Schliesslich werden sie von niemandem verfolgt… Da haben wir in 20 Jahren die nächste Asyl-Abstimmung.

  2. Moni am 17. August 2006 um 16:00

    Wäre gespannt auf diese Abstimmung, was die, die heute schon vielen Flüchtlingen unterstellen zu lügen und betrügen dann als Argumente nehmen würden… Wobei dann für das BFM andere Probleme kommen würde, denn sie müssten ja wissen, welche Gebiete gewisser Länder betroffen sind…

    Ich denke, Gründe für den “Massenexodus” gibt es verschiedene die dazu führen, dass Menschen ein Gebiet verlassen indem sie schon immer gewohnt haben. Der letztjährige Sturm hat vielleicht das Fass zum überlaufen gebracht.

  3. Encephalon am 17. August 2006 um 22:07

    Ich würde eher sagen, sie sind arm, nicht versichert und haben in New Orleans keine Chance auf Arbeit. Die paar Grossfirmen, die die Milliarden-Zuschläge für den Wiederaufbau erhalten haben (z. B. Halliburton), lassen “Illegale” die Arbeit erledigen.

    @mess-anger:
    Es würde mich nicht wundern, wenn dort in 15, 20 Jahren vorallem Konsumtempel, Ferienressorts, Büro- und Luxuswohntürme aneinander gereiht stehen. Ein paar “Sponsoren” für einen “richtigen” Damm werden sich doch sicher finden lassen, nachdem der Mob dort komplett verschwunden wor.. ähm ist.

  4. quadour am 19. August 2006 um 20:49

    Das Earth-policy-institute unter Federführung von Lester Brown (vormals Worldwatch) bringt ganz sicher wichtige Themen aufs Parkett. Aber man sollte sich auch bewusst sein, dass diese Leute das Extreme, oder eben das Doom and Gloom lieben. Sämtliche von diesen Leuten prognostizierten Katastrophen sind NICHT eingetreten. Zum Beispiel Nahrungsmittelknappheit in China, welche von Lester Brown in seinem Buch 1995 progonostiziert wurde. Im Gegenteil, die Chinesen fahren zurzeit wieder Rekordernten ein. Wie das geschieht? Niemand weiss es wirklich.

  5. thomas.me am 21. August 2006 um 12:12

    Die Niederlande werden ständig von Sturmfluten bedroht und auch heimgesucht, deswegen muss dort niemand seine Heimat verlassen.

    Wirbelstürme mögen vielleicht durch die Erderwärmung intensiviert werden, die Katastrophe von New Orleans ist aber vor allem auf den völlig verantwortunglosen und unfähigen Umgang mit der Bedrohung (vor und nach ihrem Eintritt) zurückzuführen.

    Für mich ist es einfach einmal mehr erstaunlich, wie die USA, die sich auf vielen Gebieten mit atemberaubender Dynamik entwickeln, auf anderen Gebieten völlig unterentwickelt sind.

  6. Richard am 25. August 2006 um 19:08

    Zitat: “Die Niederlande werden ständig von Sturmfluten bedroht und auch heimgesucht, deswegen muss dort niemand seine Heimat verlassen.”

    Warten wirs mal ab. Ich wette, dass in 50 Jahren inofolge des ansteigenden Meeresspiegels nur noch 2 Drittel der Niederlanden bewohnbar sein wird. Es sei denn, die NL können (mit EU-Hilfe) für zig Milliarden riesige Dämme vor ihren Hütten bauen.

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