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Justizskandal um Fifa-kritisches Buch “Foul!”

Das Zürcher Obergericht hat ein Buch verboten, ohne dessen Inhalt zu kennen. Im soeben erschienenen Buch “Foul!” vom englischen Sportjournalisten Andrew Jennings, werden schwere Vorwürfe gegen die Fifa und insbesondere deren Präsident Josef “Sepp” Blatter erhoben.

So wird dem Präsidenten des Weltweiten Fussballverbandes der Kauf von Stimmen für seine Präsidentschaftswahl vorgeworfen. Weiter wird der Fifa die Zahlung von Bestechungsgeldern (vom Schweizer Bundesgericht bestätigt, von der Fifa als “fälschliche Zahlung abgetan) sowie die Manipulation von Ticketpreisen vorgeworfen.

Im Interview mit der Rundschau (Real Video) kommt der Skandal ans Licht: das Zürcher Obergericht hat das Verbot offenbar verhängt, ohne vom genauen Inhalt des Buches Kenntnis zu haben. Denn das Buch war zur Zeit des Verbots noch gar nicht verfügbar! Sogar der Autor selber hatte es bis dann noch nicht. Es ist auch schwer zu glauben, dass der Journalist tatsächlich strafrelevante Passagen im Buch gelassen hat. Seinen Angaben zufolge hat er nach fünf Jahren Recherche noch neun Monate lang mit Anwälten jedes Wort des Buches umgedreht und auf seine hieb- und stichfestigkeit überprüft. So dumm ist der Mann nicht, dass er seine Reputation bei einem derart brisanten Buch aufs Spiel setzt.

Auch ist die Schweiz das einzige Land, in dem dieses Buch nun verboten ist. Wo bleibt da die Pressefreiheit? Ich glaube ehrlich gesagt dem Journalisten mehr als dem “schmierigen” Joseph. Für mich riecht dieser Typ schon meilenweit gegen den Wind nach Korruption. Wenn man dann noch seine ausweichenden Antworten und die Massnahmen gegen Jennings betrachtet fällt eigentlich nur fehlende Transparenz auf. Wenn Blatter nichts zu verbergen hat, wieso nimmt er nicht Stellung und dem Journalisten damit sämtlichen Wind aus den Segeln? Das Verbot ist für Jennings Buch die Bestmögliche Werbung, mindestens hier hat Blatter bös gepatzt.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Freitag, 5. Mai 2006 in der Rubrik Wirtschaft und zu den Stichwörtern , , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

4 Kommentare zum Artikel “Justizskandal um Fifa-kritisches Buch “Foul!””

  1. driv3r am 6. Mai 2006 um 03:56

    Also da muss ich ausnahmsweise zustimmen – es erstaunt mich immer wieder dass die sehr mächtige und absolut intransparente Fifa-Organisation nicht häufiger in den Medien ist – dort liegen imho potentiell deutlich mehr Leichen im Keller als bei den üblichen medialen Prügelknaben (e.g. Banken, Chemiefirmen, usw.).

    Ich befürchte weitreichende Verstrickungen mit diversen politischen Aktueren – schliesslich dürfte es auch den Politikern recht sein, wenn sich das tumbe Volk mit Fussball beschäftigt anstatt mit den Leistungen ihrer “Vertreter”. Es würde mich also nicht sehr erstaunen, wenn schon unglaubliche Summen an Stuergeld mehr oder weniger indirekt an die Fifa geflossen wäre.

    Aber wenn es um Fussball geht, getraut sich scheinbar niemand, Fragen zu stellen oder sich gar kritisch zu äussern – sei es zu fragwürdigen Prestigebauten (Dolder..), beim Neubau von noch mehr Stadien, wo noch mehr Leute ihre Freizeit verheizen können, oder gar bei den Salären von Fussballern (Ich vermute, da
    könnte eventuell sogar Herr Ospel neidisch werden..).

    Bin gespannt, was andere so meinen zur Fifa.

  2. derVerstellvertreter am 6. Mai 2006 um 07:24

    Ich glaube, dass bei unserer Justiz mehr Leichen im Keller liegen als bei der Fifa und Konsorten. Leichen die gut einbalsmiert warten bis man sie betrachten darf. Hier geht es nicht um die Fifa, hier geht es um einen Justizskandal, Mister driv3r. Ich bin gespannt was andere so meinen zu unserer Justiz. Hat man sich auch schon Gedanken gemacht, dass wir hier in der Schweiz eine MilitärPolizeiJustiz-Mafia haben könnten?

  3. AlphaPapaGolf am 6. Mai 2006 um 12:09

    Blatter herrscht über die Fifa im Stile eines absolutistischen Fürsten.
    Seine Reisen rund um die Welt, gleichen den Reisen Louis IXV in die französischen Provinzen. Ein Tross von plappernden und duckmäuserisch wieselnden Hofschranzen, die dem Herr und Gebieter nach dem Mund reden.
    Der Palast zuoberst auf dem Zürichberg ist nichts anderes als ein bizarres Neu-Versaille, von dem aus die Fussball-Sklaven in aller Welt regiert und domestiziert werden.
    Kritiker werden brutal mundtot gemacht. Der treue Gefolgsmann Blatters in der Zürcher Stadtregierung, der fussballverrückte Ledergerber, bietet politischen Schutz für dieses Gebaren.
    Dass man jetzt Bücher verbietet, gemahnt an düstere Zeiten in der europäischen Geschichte.
    Salman Rushdie wurde von den Ayatollahs zusätzlich noch zum Abschuss freigegeben. Aber das ist der einzige Unterschied.

  4. Georg Meier am 6. Mai 2006 um 13:55

    Ledergerber hat mit seiner Privat-Praxis für chirurgische Eingriffe in die Bau und Zonen-Ordnung für den FiFA-Bunker am Zoo Zürich das Mass definitiv überschritten.

    Der Entscheid des Zürcher Obergericht ist ein skandalös;
    Berlusconien ist nah – FIFA-Korruption und das Zürcher Obergericht: offensichtlich glaubt man das gesamte Volk sei schon im bierseligen Fussballwahnsinn eingelullt: Das Zürcher Obergericht und die FIFA haben sich damit geirrt; das wird Folgen haben.

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