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Journalismus a la 20 Minuten

Das Posting im Pendlerblog erschien schon am 29. Mai. Er betrifft den 20Min.ch Artikel mit dem Titel:

Palästinensischer Selbstmordattentäter getötet

Ich hab mich zuerst gefragt, was jetzt mit diesem Artikel nicht ok sein soll. Die Antwort darauf hat mir dann Griesgram im Kommentar darunter geliefert:

Tatsächlich wirft dieser Fall grosse Fragen auf. Ist denn ein Selbstmordattentäter vor seinem Attentat schon ein Selbstmordattentäter, weil zu diesem Zeitpunkt hat er ja weder Selbstmord noch Attentat begangen. Wenn er das wirklich durchziehen will, wäre er ja eher ein angehender Selbstmordattentäter. Kommt hinzu, dass man gemäss Medienrecht niemanden als “Täter”, “Mörder” oder ähnliches bezeichnen darf, solange er nicht vom Gericht in letzter Instanz rechtskräftig verurteilt ist. Vorher heisst es “mutmasslicher Täter” bzw. “mutmasslicher Mörder” etc., auch wenn er vor zwanzig Zeugen jemanden erschossen hat. Die Fragen, die sich da stellen: Laufen Attentäter auch unter Medienrecht oder eher unter Guantanamorecht, wo alles ein bisschen anders ist?

Medienrecht? Journalistenkodex? Gibts wohl nicht in der 20min Redaktion…

Dieser Artikel wurde von Sandro am Freitag, 2. Juni 2006 in der Rubrik Medien und zu den Stichwörtern , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

11 Kommentare zum Artikel “Journalismus a la 20 Minuten”

  1. mess-anger am 2. Juni 2006 um 14:44

    Handelt sich sowieso um eine Meldung von einer ausländischen (wahrscheinlich israelischen) Quelle/Zeitung. Dann macht man einfach copy/paste und fertig ist die Meldung. Ausserdem wird ja der Name nicht genannt, ein Bild wird auch nicht gezeigt.

    [i]Nach palästinensischen Angaben handelt es sich bei dem Toten um ein 24-jähriges Mitglied des radikalen Volkswiderstandskomitees[/i]

    Solange man sich auf die Quellen bezieht finde ich das in Ordnung.

    [i]Palästinensischer Selbstmordattentäter getötet[/i]

    Hier handelt es sich einfach um eine reisserische Schlagzeile. Im Text steht dann nur “militanter Palästinenser erschossen”. Ausserdem ist 20min ein Gratisblatt, da stelle ich keine hohen Ansprüche an die Genauigkeit einer Schlagzeile. Wer alles glaubt was da drin steht ist selber schuld. Für “richtigen” Journalismus muss man halt bezahlen.

  2. quadour am 2. Juni 2006 um 20:51

    Die “Journalisten”, welche auf ihrem fetten Arsch den ganzen Tag im Büro sitzen und für diese Pöbelzeitung arbeiten gehören ausgeschafft. Leider gibt es diese nichtsnutzigen Typen immer mehr. Das Fach “Publizistik” ist an der UNI Zürich ja seit mehreren Jahren ausgebucht. Publizistik = Selbstverwirklichung.

  3. _driv3r_ am 2. Juni 2006 um 21:32

    lol, ich kann es vor allem nicht verstehen dass jemand noch 20min liest geschweige denn ernstnimmt.

  4. quadour am 2. Juni 2006 um 21:35

    Ich muss gottseidank fast nie mit dem ÖV fahren. Aber wenn ich es tue, dann sicher ohne Gratiszeitung. Ich würde mich schämen.

  5. Thomas am 2. Juni 2006 um 23:03

    Aber Hallo! Ein Publizistikstudium bildet NICHT zum Journalisten aus. Bevor du, quadour, solche Halbwahrheiten verbreitest: besser recherchieren – genau das, was du den Journalisten vorwirfst, fällt auf dich selber zurück. A propos: An den «20 Minuten» interessieren mich ohnehin nur die Comics…

  6. felixkohl am 4. Juni 2006 um 17:39

    Solche Käseblätter sind nicht mal das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind.
    Der Ringier-Verlag hat nun auch “heute” auf dem Markt geworfen.

    Sie dienen lediglich der Verbreitung von Werbung.

    Gefährlich wird es, wenn die “Leser” glauben informiert zu sein.

  7. erdnanu am 5. Juni 2006 um 16:38

    @felixkohol:

    20 Min. ist sicher kein hochstehendes Blatt. Aber für eine Kurzinfo am Morgen ist die Zeitung ganz brauchbar. Der Informationsgehalt ist jedenfalls viel grösser als bei “heute”.

    Mir ist lieber, wenn die Jugendlichen 20 Min. lesen, als überhaupt keine Zeitung.

  8. fragenspeck am 6. Juni 2006 um 15:58

    Ganz klar eine zulässige Verkürzung im Titel (die im Text dann schon sehr problematisch wäre). Ähnliches ist bereits seit langem zulässig:

    Titel: Schlafzimmer-Mord: Täter gefasst!
    Text: Die Polizei hat gestern im Wald von bachwangenrütihubelbad Kuno Guggisloch gefasst. Der 28jährige steht unter Verdacht, vor einer Woche seine Ehefrau im Schlaf erwürgt zu haben…

  9. felixkohl am 6. Juni 2006 um 18:15

    @erdnanu

    Falls Du zfälligerweise heute morgen 20min. in den Händen hieltest. Welche Information kriegtest Du?

  10. erdnanu am 7. Juni 2006 um 14:47

    @felixkohl:

    Der Informationsgehalt von 20min ist für ein Gratisblatt beträchtlich (vgl. http://www.20min.ch).
    Allerdings ist es billige Newsverbreitung und nicht eigentlicher Journalismus. Ich bin deshalb froh, dass ich daneben auch noch zwei anständige Tageszeitungen abonniert habe.

    Tendenziell werden aber die bezahlten Tageszeitungen wohl leider verschwinden. Die breite Masse deckt ihre Info-Bedürfnisse anders ab.

  11. klartextreden am 10. Juli 2009 um 11:00

    Jetzt lasst mal die Kirche im Dorf: Nicht mal eine New York Times, eine NZZ oder eine FAZ wird in einem Fall wie dem oben geschilderten von einem “mutmasslichen Selbstmordattentäter” reden. Und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens hat der Täter dies in einem Schreiben selbst bekundet, zweitens ist auf Grund der Umstände und der Sachverhalte klar, dass es so war.

    Wer ausserdem eine guantitative Analyse vornimmt stellt fest, dass eine NZZ verhältnismässig mehr Agenturmeldungen bringt als Eigenbeiträge. Der Agentur-Anteil ist sogar relativ höher als bei 20 Minuten.

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