HY-Lights in der Forschung und ein Offroaderboom auf der Strasse
Artikel von Gastkolumnist Bastien Girod:
Sollte China die gleiche Verkehrsdichte wie in Europa erreichen,
würde das eine weltweite Verdopplung zugelassener PKW bedeuten.
Umweltexperten schätzen, dass der daraus resultierende erhöhte
CO2-Ausstoß die Durchschnittstemperaturen auf dem Erdball um vier Grad
ansteigen lassen würde. Die Klimakatastrophe wäre perfekt! Deshalb ist
es von enormer Bedeutung, wie viel Treibstoff die einzelnen Fahrzeuge
verbrauchen. Schaffen leichte, sparsame Autos den Durchbruch? Oder
nimmt der Offroader-Boom überhand?
Das Hyperauto kommt – so oder so
Mit diesem Titel kündigt Ernst Ulrich von Weizsäcker 1995 in seinem
Buch „Faktor vier“ an, dass unsere Blechautos von einer Welle der
Innovationen hinweggespült werden und durch ultraleichte, extrem
sparsame Autos ersetzt werden. Weizsäcker zitiert hoffnungsvoll
Experten, welche prognostizieren, dass im Jahre 2005 praktisch alle
Neuwagen einen Elektroantrieb haben und die meisten davon
Hybridantriebe.
Ein Blick auf die Strasse zeigt: Die Prognose, welche eher einem Wunsch
entsprach wurde in keinster Weise erfüllt. Auch wenn das PSI (Paul
Scherrer Institut) mit dem HY-Light ein absolut zukunftsfähiges Auto
entwickelt hat und aufzeigt, dass der Treibstoffverbrauch von
Fahrzeugen massiv reduziert werden kann, die sieht Realität anders aus:
Schwere und damit durstige Autos sind immer beliebter. Wieso werden die
Innovationen der Forschung im motorisierten Individualverkehr nicht
umgesetzt? Kommt der Wandel zum ultraleichten, extrem sparsamen Auto
noch?
Ultraleichte Autos sind nicht von Interesse
Ein schwerer Geländewagen verbraucht in der Stadt etwa 20 Liter auf 100
km, ein ultraleichtes Auto käme noch auf maximal 3Liter auf 100 km. Das
sind 17Liter umgerechnet 25 Fr pro 100km. Wieso sind viele bereit 25Fr
auf 100km zu bezahlten um zwei Tonnen Blech mitzubefördern?
Wer gut verdient hat mehr Geld als nötig und muss deshalb das gesparte
Geld irgendwo ausgeben, da liegt auch eine unnötige Investition gut
drin. Man sucht sogar nach einer unnötigen Investition, da man so
zeigen kann, dass man viel oder eben zuviel verdient. Deshalb sind
Golduhren, Villen und schwere Geländewagen zu Prestigeobjekten
geworden, letzteres Beispiel hat den Vorteil, dass auch optische
Überlegenheit demonstriert werden kann. Dass ein solches Auto eine
grosse Gefahr für jene ist, welche sich umweltfreundlicher Fortbewegen,
das heisst mit einem kleineren, leichten Auto, zu Fuss oder mit dem
Velo unterwegs sind, ist vielen Käufer anscheinend egal – der
übertriebene Benzinkonsum und die damit verbundene Klimabelastung keine
Überlegung Wert. Die Tatsache, dass es beim Autokauf darum geht zu
zeigen wie viel Unnötigkeit man sich leisten kann, macht ultraleichte,
Benzin sparende Autos sehr unattraktiv, den bei effizienten Fahrzeugen
wurde eben gerade alles das weggekürzt, was unnötig ist!
Die Logik der automobilen Aufrüstung
Eine Koexistenz von ultraleichten Autos und schweren Personenwagen ist
kaum möglich. Die Physik eines Frontalcrashes kann auch mit den besten
Innovationen nicht verändert werden. Leichte Autos haben bei einem
Zusammenstoss mit schweren Autos immer das Nachsehen. Aus diesem Grund
ist ein Wandel zu leichten Autos unwahrscheinlich. Wenn es einen Wandel
gibt, dann eher eine Aufrüstung, bei welcher jeder gemäss der Logik der
automobilen Aufrüstung seine eigene Sicherheit auf Kosten der anderen
erhöht. Opfer dieser Aufrüstung ist, wer nicht mit aufrüsten kann oder
will, sprich vernünftige oder schlecht verdienende Autofahrer,
Velofahrer, Fussgänger und die Umwelt.
Der hohe Erdölpreis wird das Problem nicht lösen
Wenn gewisse Leute bereit sind 30Fr auf 100km fürs Benzin zu bezahlen,
bräuchte es einen Benzinpreis von 10Fr pro Liter damit diese Leute ein
3-Liter-Auto kaufen.
Doch soweit wird es von alleine nie kommen. Denn der Erdölpreis macht
nur 40Rappen des Preises von einem Liter Benzin aus, der Rest sind
Raffinierungskosten und Steuern. Auch bei einer Verzehnfachung des
Erölpreises würde ein Literbenzin in der Schweiz demnach „nur“ ca. 5
Franken kosten. Doch eine derartige Erhöhung des Erdölpreises ist
höchst unwahrscheinlich. Denn ein hoher Erölpreis führt zu einem
Rückgang der Nachfrage. Nicht in den kaufkräftigen Industrieländer,
sondern in den Schwellen und Entwicklungsländer, welche das Erdöl
eigentlich dringend für die wirtschaftliche Entwicklung bräuchten.
Zudem würde Erdöl durch andere Treibstoffe substituiert, wenn der
Benzinpreis sehr hoch wäre. Arnold Schwarzenegger hat bereits den
ersten Wasserstoff betriebenen Hummer (Geländefahrzeug) in
Zusammenarbeit mit GM produziert. Doch es wäre ein Fehler zu glauben
wenn die schweren Autos mit Kompogas, Wasserstoff und ähnlichen
Treibstoffen betrieben werden, sei das Problem gelöst. Die Energie,
welche im motorisierten Verkehr verschwendet wird fehlt an anderen
Orten und die Energienachfrage erhöht sich unnötig. Da auch im 21.
Jahrhundert die Energiegewinnung aus Uran und Kohle ohne
Internalisierung der externen Kosten wirtschaftlich sehr günstig ist,
werden diese bei hoher Energienachfrage wieder verstärkt zum Einsatz
kommen – mit allen negativen Nebenwirkungen dieser Energiequellen.
Fazit:
Wenn wir nicht mit ganzer Kraft die HY-Lights aus der Forschung auf die
Strasse bringen, werden auch in Zukunft schwere Boliden den
motorisierten Individualverkehr beherrschen, mit der Konsequenz, dass
zukünftige und junge Generationen mit unnötigen Umweltproblemen von
verheerendem Ausmass belastet werden.

Wo oft muß man dir noch sagen, das ein wie du es nennst schwerer Geländewagen keine 20 Liter auf 100 km braucht ?
Die braucht er max auf 200 km.
Stefan
In den hier verlinkten Forenbeiträgen von Geländewagenfahrern ist aber anderes nachzulesen… 20 Liter auf 100 km ist also keine Ausnahme.
Es gibt immer mehr Menschen, welche die Ignoranz im Alltag thematisieren…;-)
Siehe gute Kolumne: http://www.vorstadt.ch/kolumne/kolumne.cfm?vID=23
SUV phobie – schon wieder! Ich kann garnichtmehr zählen wie oft.
Schon gehört? VW stellt die Produktion des 3l Autos Lupo ein. Keine ausreichende Nachfrage. Ihr steht auf verlorenem Posten…
Laßt euch vom Psychologen auf eure SUV-Phobie behandeln