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Hooligan-Gesetz hätte nichts genützt

Das umstrittene Gesetz gegen Gewalt an Sportanlässen hätte den Fussball-Krawall von Basel nicht verhindert. Dies sagt das Referendumskomitee. Es pariert damit Sportminister Schmid.

Bundesrat Samuel Schmid verurteile die Ausschreitungen nach dem Fussballspiel in Basel «aufs Schärfste», sagt am Tag danach sein Informationschef Jean-Blaise Defago. Er war beim Match dabei und ist (auch als ehemaliger Funktionär beim Freiburger Eishockeyklub) durchaus geneigt, über Verantwortlichkeiten zu reden.

So übt Defago persönlich Kritik: an den Basler Verantwortlichen, die einen hohen Zaun ums Spielfeld abgelehnt hatten, an den Klubs generell, die mehr Verantwortung gegenüber ihren Fans wahrnehmen müssten, und auch am Boulevardblatt «Blick», das die Stimmung vor wichtigen Spielen gerne hochschaukle. Doch offiziell darf er als Informationschef den Analysen nicht vorgreifen, die sein Chef Samuel Schmid erst später auswerten will – insbesondere mit Blick auf die Euro 08.

Und so bleibt es bei einer pauschalen Reaktion zu politischen Zwecken: Für Bundesrat Schmid seien die Krawalle «der beste Beweis, dass es das Hooligan-Gesetz braucht». Nur durch den darin vorgesehenen Ausschluss von Randalierern werde in den Stadien wieder Ruhe einkehren. Ähnlich tönen auch andere Reaktionen aus Sport und Politik. Die Ausschreitungen werden zwar bedauert, scheinen aber doch willkommen – als Argument für die Gesetzesrevision, gegen die 26 Fangruppen zurzeit Unterschriften sammeln.

Doch Ruben Schönenberger vom Referendumskomitee fühlt sich eher bestärkt: «Die Vorfälle haben gezeigt: Das so genannte Hooligan-Gesetz hätte nichts gebracht.» Denn die Randalierer von Basel hätten offensichtlich kein Stadionverbot gehabt, weil sie zuvor nicht negativ aufgefallen waren. Sie wären folglich auch im Stadion gewesen, wenn die Gesetzesrevision bereits in Kraft gewesen wäre. «Sie nützt also nichts, ist aber rechtsstaatlich sehr bedenklich», sagt Schönenberger. (Tagi)

Was in Basel geschah, hätte natürlich nicht passieren dürfen – Idiot bleibt Idiot.

Sich aber deswegen ohne weiter nachzudenken hinter das Hooligan-Gesetz zu stellen, spricht auch nicht gerade für die Abwesenheit der Idiotie.

Dieser Artikel wurde von Pirelli am Montag, 15. Mai 2006 in der Rubrik Schweiz und zu den Stichwörtern , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

13 Kommentare zum Artikel “Hooligan-Gesetz hätte nichts genützt”

  1. mad4you am 15. Mai 2006 um 11:20

    Irgendetwas muss getan werden, zumindest hier sind sich alle einig. Die Frage ist höchstens: Was tun wir? Und da scheiden sich die Geister.

    Ich persönlich halte es für illusorisch, Personen auf eine schwarze Liste zu setzen und nicht mehr ins Stadion zu lassen. Einerseits verzögert man so die Wartezeit beim Anstehen, andererseits ist überhaupt nicht gewährleistet, dass Chaoten nicht trotzdem reinkommen.

    Einzige Lösung: Implantierung eines Microchips, der sofort Alarm schlägt, sobald man eine Schranke am Stadion durchläuft ;-) Anyone?

    Das Problem wird aber so nicht gelöst, wenn – wie von Pirelli vermutet – bisher unauffällige Randalierer am Werk waren. Ich kenne die Szene zu wenig, um diese Aussage beurteilen zu können.

    So oder so – die Fans machen sich den Fun selber zu Nichte. Ob sie jetzt völlig unschuldig sind, oder das ihre zur Lösung des Problems beitragen könnten.

  2. Sandro am 15. Mai 2006 um 12:01

    So oder so – die Fans machen sich den Fun selber zu Nichte.

    Fallsch. Richtig wäre:
    “Einige Idioten machen den Fun der anderen zu Nichte”.

  3. driv3r am 15. Mai 2006 um 12:16

    Ich bin froh dass diese Gewalttäter in Basel gleich selbst die beste Werbung für gesetzliche Massnahmen geliefert haben.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: grundsätzlich ist es mir wurscht, wenn sich irgendwelche depperten Sportfans gegenseitig vermöbeln, und wenns auch einen “normalen” Fan erwischt, tja, das ist halt das Risiko bei solchen Massenveranstaltungen.

    Aber wenn Strassen rund ums Stadion gesperrt werden müssen und Fahrzeuge zerstört werden, wenn der Steuerzahler gigantische Polizeieinsätze finanzieren muss, ist ein Schlussstrich nötig.

    Solche Gewalttäter gehören identifiziert, in einer Datenbank verwaltet und bei negativem Auffallen ein für allemal von -allen- öffentlichen Sportanlässen ausgeschlossen. Dann würde das mit der Gewalt vermutlich schnell aufhören.

  4. Metro | Basel - Krawalle in der Oberliga-Nord-West? am 15. Mai 2006 um 12:38

    [...] Krawalle in der Oberliga-Nord-West? Von Redaktion  Basel am Montag, 15. Mai 2006 Die Basler Fankultur hat Oberliga-Nordost-Niveau erreicht. Eine Randnotiz ist dies auch der Frankfurter Allgemeinen und dem Australian Daily wert. Mindestens 100 Treffer erzielt man hingegen mit “FCB & Krawalle” auf Google-News-Schweiz. Soviel zum Thema Innen- und Aussenwahrnehmung. Die inhaltlich spannenden Fragen haben sich hingegen längst in die ‘Blogosphäre’ verabschiedet: Wo ist Gigi? Frägt sich neben dem “Runden Leder” auch Arlesheim-Reloaded-Blogger Manfred Messmer. Die Antwort: Morgen auf Telebasel. Oder: Wie weiter mit dem verfassungsrechtlich fragwürdigen Hooligan-Gesetz? Trotz Bärendienst der Krawallmacher, Buchiblog, Akte Surveillance oder Ignoranz.ch unterstützen das Referendum weiterhin. Die vielleicht überraschendste Analyse liefert heute hingegen Klaus J. Stöhlker. [...]

  5. operator am 15. Mai 2006 um 13:08

    Sie sagen “Hooligans” meinen aber andere. Das Gesetz heisst den auch: “Bundesgesetz zur Wahrung der Inneren Sicherheit”. Das Referendumskomitee hat völlig recht, wenn es sagt, dass die Hools gar nicht das Problem sind. Spätestens seit sich ein Departements- Mensch für die Aufgabe der Unterschriftensammlung stark gemacht hat (ziemlich Beispielslos übrigens), müsste mensch eigentlich wissen, wo Hase läuft.

    Die Damen und Herren in Blau haben selbst gesagt, dass die netten Herren welche so saudumm (die Schweine mögen mir ihre Herabsetzung verzeihen) und unvermumt den Rasen gestürmt haben, bis dato unbekannt waren. Es erstaunt überhaupt nicht, dass Faschos sich immer wieder um die Anwerbung von Fussball Hools bemühen. Wer ein guter Fussball Hool ist, qualifiziert sich in grossem Masse für eine Zukunft als Fascho.

  6. derVerstellvertreter am 15. Mai 2006 um 18:52

    fussball ist schon eine runde sache, aber angesichts der krawalle und gewalt, die immer heftiger werden, gibt es nur eine einzige lösung. das fussball spielen ist gänzlich zu verbieten. wäre das fussballspielen eine pflanze, die eine solche wirkung auslösen könnte, wenn man sie essen oder inhalieren würde, die wäre schon lange verboten. natürlich würden alle clubpräsidenten, trainer und spieler kleine menschenverachtende dealer sein, die schuld hätten an dem moralischen untergang unserer gesellschaft. diese dealer würden in einen hungerstreick treten, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, die hardliner hätten nichts dagegen, wenn diese dealer durch den selbstverschuldeten hunger zu tode kämen. manche dieser sogenannten hardliner hätten dann wieder freie fahrt auf den strassen und die sachbeschädigungen wären auch weniger. also ich bin schon dafür das fussball spiel zu verbieten.

  7. AlphaPapaGolf am 15. Mai 2006 um 18:54

    Das war gute Propaganda für ein starkes Hooligan Gesetz.
    Gesetzliche Grundlagen die es ermöglichen solche Gewalttäter vorsorglich einzubuchten hätten das ganze Drama verhindert.

  8. Beat am 15. Mai 2006 um 19:43

    Tolle finde ich die Lügen, mit denen Vischer und co. gegen das Gesetz mobil machen.

    Das Volk ist nicht dumm. Es happert ja schon bei den Unterschriften

  9. Shaggy am 15. Mai 2006 um 21:55

    Also bitte, wer ernsthaft gegen dieses Gesetz ist, kann entweder nur selber ein Hooligan sein, oder hat Tomaten vor den Augen. Andere Länder (Deutschland) schützen das Spielfeld schonlange in allen Stadien mit Gittern. Die Schweiz nicht. In der Schweiz glaubt man an die Vernunft der eigenen Fans. Tolle Aussage der Stadionssicherheit: “Also unsere Fans haben sich bei den letzten spielen daheim immer ruhig verhalten.” Toll die haben ja auch 59 mal nicht verloren.

    Im Tagesschau hat einer des Referendumskomitees mit Fachwörtern hermugeschmissen, selber aber scheinbar kein einziges verstanden. “Ein bisschen weniger Repression davor mehr Prävention”. Repressein bedeutet ja im weiteren Sinne Abschreckung durch Strafe und Prävention sollte auch klar sein. Ein solches Gesetz ist Prävention. Jeder weiss, wer mist baut, wird in dieser Datenbank aufgenommen. Aber Aussagen wie “Die heutigen Gesetze reichen” kann man nicht ernst nehmen. Nein sie reichen eben nicht. Und nicht nur bei den Türken unten, sondern eben auch bei uns.

  10. rostlaube am 15. Mai 2006 um 22:11

    Die Fussballveranstalter werden in Zunkunft viel härter bestraft werden müssen. Sie müssen den angerichteten Schaden ersetzten. Mal schauen, wie lange solche idiotischen Veranstaltungen noch durchgeführt werden.

  11. Shaggy am 15. Mai 2006 um 22:17

    @rostlaube: ich wage mal zu behaupten, dass diese Veranstaltungen dein Leben über dauern werden, und auch meines. Fussball ist ein riesen Hype und wird sicher nicht durch ein paar Idioten einfach abgesetzt und vergessen.

  12. Sandro am 16. Mai 2006 um 09:00

    Gesetzliche Grundlagen die es ermöglichen solche Gewalttäter vorsorglich einzubuchten hätten das ganze Drama verhindert.

    APG, du hast offenbar eine Glaskugel zuhause. Könntest du mir noch die Lottozahlen vom nächsten Samstag durchgeben? Wenn nicht, ist wohl auch deine Prophezeiung nichts als wertlose Bytes.

  13. caesar am 17. Mai 2006 um 11:51

    SVP und die Hooligans
    Die SVP soll doch in Zukunft für Ordnung in den Fussball-Stadions sorgen. Die SVP kennt ja vermutlich die meisten dieser Chaoten und rechtsextremen Brüder, welche ja in den letzten Jahren von dieser Partei gezüchtet worden sind. Es würde mich nicht erstaunen, wenn es sich sogar um Partei-Mitglieder handelt (AUNS etc.).

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