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Filterobligatorium würde Feinstaub um 20% senken

Der Tagi berichtet heute über eine neue Studie, welche die Feinstaubproblematik in Zürich unter die Lupe genommen hat. Schwarz auf weiss ist nun belegt, was hier schon seit langem geschrieben wird:

Pro Jahr gelangen landesweit 21 000 Tonnen PM 10 in die Luft [..]. Davon stammen heute 21 Prozent aus dem Strassen- und 5 Prozent aus dem Schienenverkehr, der Rest aus Industrie, Gewerbe, Haushalten, Landwirtschaft und Flugverkehr. Je nach Standort und Jahreszeit weichen die Anteile aber stark von diesem Gesamtwert ab. An der Westtangente in Wiedikon trägt der Strassenverkehr zum Beispiel 64 Prozent zur PM-10-Fracht bei [..]. Heute leiden in der Schweiz 40 Prozent der Bevölkerung unter zu hohen Feinstaubbelastungen – ohne Strassenverkehr wären es weniger als 1 Prozent. Im Kanton Zürich sind 91 Prozent der Bevölkerung von zu hohen Werten betroffen, in Zürich praktisch alle Einwohnerinnen und Einwohner, besonders gravierend entlang den grossen Verkehrsachsen.

(Quelle: Tagesanzeiger 13.06.2006)

Die logische Konsequenz aus diesen Resultaten ist ein Filterobligatorium, zumindest an denjenigen Tagen und Orten an denen erhöhte Feinstaubwerte die Menschen besonders belasten. Hier auf die Selbstregulierung der Automobil- und Lastwagenindustrie zu zählen ist verlorene Zeit. Auch die FDP reagiert hier nur mit ausgesprochenen Dummheiten. Es muss etwas geschehen damit die Freiheit der Stadtbewohner, saubere Luft zu atmen, nicht weiter mit Füssen getreten resp. mit Rädern überrollt wird!

Dieser Artikel wurde von Sandro am Dienstag, 13. Juni 2006 in der Rubrik Allgemein und zu den Stichwörtern , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

14 Kommentare zum Artikel “Filterobligatorium würde Feinstaub um 20% senken”

  1. Pirelli am 13. Juni 2006 um 13:42

    Zur Begriffsklärung:
    “PM10″ bezeichnet allgemein alle Partikel, die kleiner/gleich als 10 Mikrometer sind. Am gefährlichsten sind aber die Nanostäube, die weniger als einen Mikrometer messen. Von diesen stammt der Löwenanteil aus Verbrennungsmotoren.

    Doch damit nicht genug: Auch Stickstoffdioxid, von dem die Diesler über 20-mal mehr emittieren als Benziner und über 100-mal mehr als Gasmotoren, ist ein starkes Gift. Ihm fallen viele der über 60000 jedes Jahr neu an chronischen, durch die Luftverschmutzung bedingten Atemwegsleiden erkranken (davon mehr als die Hälfte Kinder!), zum Opfer. Dagegen hülfe der harnstoffbasierte DeNox-Kat, eine Technologie, die vor 30 Jahren schon patentiert wurde. So viel zu Verantwortungsbewusstsein und Initiative der Industrie.

    Und jetzt kann hier wieder fleissig getrollt werden, ich äussere mich nicht mehr dazu. Merke aber an, dass mein Unwillen gegenüber der Uneinsichtigkeit mancher Poster und meine Aggressivität gegenüber dem MIV stetig steigt. Es wurden genug Worte gewechselt, nun werden Taten Folgen müssen.

  2. sense2 am 13. Juni 2006 um 13:44

    ich bin immer noch für ein obligatorium für neuwagen…

  3. Dreckfilter am 13. Juni 2006 um 13:45

    Wenngleich die FDP-Vertreterin mit ihrer Aussage nicht gerade mit Sachkenntnis brilliert, scheint auch in dieser politischen “Ecke” die Einsicht zu wachsen, dass gegen den Feinstaub Massnahmen angezeigt sind.

    Nebst den Dieselmotoren im Strassenverkehr sind jedoch insbesondere auch die anderen “Feinstaubproduzenten” in die Pflicht zu nehmen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass das einheimische Transportgewerbe gegenüber dem ausländischen nicht übermässig benachteiligt werden darf zur Sicherung der Arbeitsplätze, was beispielsweise mit einer reduzierten LSVA bei filterbestückten LKW erreicht werden könnte. Ausländer werden wohl bei einer Filterpflicht aufgrund der bestehenden Transitvereinbarungen erst nach langer Uebergangspflicht ins Recht gefasst werden können.

  4. Pirelli am 13. Juni 2006 um 13:50

    Filterpflicht für Ausländer: In den Städten der EU ist saubere Luft einklagbares Recht. Dort wirds mit der Filterpflicht schnell vorwärts gehen.

  5. bluefox am 13. Juni 2006 um 16:08

    ich bin absolut dafür, dass man alles technisch machbare tun soll, um den feinstaub zu verringern. die aussage “Hier auf die Selbstregulierung der Automobil- und Lastwagenindustrie zu zählen ist verlorene Zeit” ist hingegen polemisch, gegenwärtig passiert sehr viel auf dem gebiet, es kann sich eigentlich keine autofirma mehr leisten, ihre autos ohne partikelfilter herzustellen.
    auch die werbung hat diesen punkt aufgenommen, “serienmässig mit partikelfilter” ist ein argument beim autokauf. hersteller die das nicht kapiert haben, müssen vermutlich wirklich gezwungen werden.

    ein fragezeichen mache ich bei den lastwagen, haben die neuen überhaupt filter eingebaut? hier besteht zusätzlich noch das problem, dass diese eine längere einsatzdauer haben. ausserdem ist der transitverkehr schwer kontrollierbar, und wenn ich sehe, was da (vor allem aus osteuropa) zu uns kommt wird mir buchstäblich schwarz vor augen.

    was jedoch nicht vergessen werden darf sind jene 80% (je nach studie) feinstaub die eben nicht vom verkehr kommen. die gleichung Feinstaub=Dieselautos zieht nämlich nicht. also bitte nicht nur wieder auf den autos rumhacken, sondern auch alle anderen verursacher mit ins bild nehmen.
    kleine bemerkung am rande: kürzlich wurden im Misox Messungen gemacht, die gezeigt haben, dass dort im Winter die Belastung durch holzfeuerungen bis zu vielrmal höher war als jene des verkehrs. http://www.psi.ch/medien/Medienmitteilungen/mm_feinstaub/mm_feinstaub.html
    es kommt eben auch immer draufan wo man misst, dass direkt an der westtangente zürich der feinstaub den grössten anteil ausmacht ist ja logisch.

  6. Pirelli am 13. Juni 2006 um 17:27

    Bluefox, lies noch mal (resp. überhaupt) mein Posting ganz unten. Dort gehe ich auf die Partikelgrösse ein und vor allem auf die Freiwilligkeit der Industrie. Mercedes hat den DeNox-Kat vor 30 Jahren patentieren lassen, weil die Firma damals schon das Gefahrenpotenzial der Stickoxide erkannte. Als die Politik aber nicht auf die Luftverschmutzung einging, liess Mercedes den Kat schnell in der Schublade versinken.
    Dann entsinne dich der endlosen Trötzeleien der Industrie, als es um die Einführung des Katalysators ging – obwohl der in Nordamerika schon seit langer Zeit Vorschrift war. Also eingeführte, bewährte Technik.
    Dann nimm in Rechnung, wie sich die Rückrufe industriell gefertigter Produkte in den letzten Jahren verfünffacht haben: Wegen der immer schnelleren Produktzyklen sind wir KonsumentInnen zu Versuchskaninchen degradiert.

    Auf die Freiwilligkeit der Industrie zu warten, ist tatsächlich verlorene Zeit. Um die Gefährlichkeit des Feinstaubs weiss man spätestens seit der Londoner Studie 1971. Und in der Schweiz warnen Empa und Bundesamt für Messwesen seit 1985 (sic!).

    Ich empfinde dein Statement als uninformiert und naiv. Hast du wirklich das Gefühl, der Filter wäre Verkaufsargument geworden, hätten nicht umweltbewusste Kreise den Feinstaub dauernd in die Medien gehievt? Die Industrie hätte das dann selbst getan?

    Übrigens produziert ein Diesler mit Filter immer noch 20- bis 50-mal mehr Partikel als ein moderner Benziner. Und das betrifft nur die Neuwagen. Nachgerüstete Diesler emittieren immer noch das Mehrhundertfache.

    Also: Erste recherchieren, dann denken – und dann auf das Posten am besten verzichten.

  7. Dschungeljango am 13. Juni 2006 um 17:44

    Die Partikelfilter werden so oder so kommen, die Technik ist vorhanden und wird sich auch durchsetzen.
    Geiz ist Geil wird es möglich machen das sich bald auch der letzte Knauser einen Brandneuen sauberen Diesel leisten kann.
    Die alten Karren aus dem Verkehr ziehen ist das probateste Heilmittel für unsere Luft.

    http://www.presseportal.ch/de/story.htx?nr=100507011

  8. _driv3r_ am 13. Juni 2006 um 19:53

    lol, hört doch endlich auf mit dem Feinstaubzirkus, das ist ja wirklich lächerlich. Umso mehr wenn man bedenkt dass hier nicht etwa die wahren Verursacher drangenommen werden sollen, sondern einmal mehr die Automobilisten den Sündenbock auf sich nehmen sollen.

  9. liberal am 17. Juni 2006 um 13:03

    Da verwechselt jemand Feinstaub mit dem Saharastaub.
    Schon den Gartentisch abgewaschen heute ?
    ……………………………….
    Herr BR Leuenberger mit der Feinstaubphobie
    Aber eben um Wahlen zu gewinnen ist ja alles recht/ens……

  10. Georg Meier am 17. Juni 2006 um 15:59

    Wie gross die Ignoranz ist beweist das Zitat von FDP-Stadträtin Rita Bernoulli Dübendorf im Zusammenhang mit Massnahmen gegen den Feinstaub. «Die Stadt könnte neue Wischmaschinen anschaffen, die den Feinstaub aufnehmen können.»
    Fortschrittliche FDP?

  11. bluefox am 17. Juni 2006 um 16:47

    Georg,
    es ist auch eine form von ignoranz, die aussage einer einzelperson zu nehmen, und von dieser auf eine ganze partei zu schliessen.

    die offizielle FDP vertritt im bezug auf massnahmen gegen feinstaub unter anderem folgende meinung:

    “…Dieses Problem lässt sich aber mit einer Filterpflicht für Dieselfahrzeuge lösen. Das UVEK ist gefordert, geeignete Massnahmen vorzuschlagen… ”
    http://www.fdp.ch/page/content/index.asp?Menu=2&Item=1.5.8.5&ID=37221&ConID=37221&View=

    Episode am rande, im positionspapier der grünen findet man zum thema feinstaub… nichts ;-)
    http://www.grüne.ch/d/politik/pp/verkehrspolitik_d.pdf

  12. My Weblog » Blog Archive » Filterobligatorium würde Feinstaub um 20% senken am 19. Juni 2006 um 12:46

    [...] Filterobligatorium würde Feinstaub um 20% senken: “Für grosse Teile des Feinstaubs ist der motorisierte Strassenverkehr direkt verantwortlich. Es ist nun Zeit für wirksame Massnahmen!” [...]

  13. John am 31. Mai 2007 um 22:32

    Feinstaub kommt nicht nur von Fahrzeugen sondern auch von sogenannten “umweltfreundlichen” Pellets Heizungen … da kann man den Feinstaub nur sehr unzureichend kontrollieren, weil man nicht jedes Haus einzeln überprüfen kann (das würde zu teuer und schaft auch Umweltverschmutzung, weil die Inspektoren auch nicht mit dem Velo kommen…). Daraus folgt: induviduelle Lösungen sind auch nicht die wirkliche Lösung.

  14. Pirelli am 31. Mai 2007 um 23:15

    John, die Filter werden auch für Holzheizungen Pflicht. Allerdings sind die in Holzheizungen entstehenden Partikel wesentlich grösser als Russaerosole und somit wesentlich weniger gefährlich. Wie ich schon zu Beginn schrieb (tatsächlich schon ein Jahr her!). Zudem transportieren Russpartikel Giftstoffe aus dem Motor in den Körper, und zwar bis ins Hirn (kleine Russstäube können die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
    Ferner verbrennt Holz in einem korrekt eingestellten Ofen ab 700 Grad quasi rückstandslos – und diese Temperatur wird bei Pellets mit ihrer riesigen brennenden Oberfläche schnell erreicht.

    Es gibt mehrere Techniken zur Rauchreinigung, bei Grossfeueranlagen werden sie schon lang verwendet.

    Fazit: Holzheizungen sind nicht das Problem.

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