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Fairtrade- Produkte kaufen – Weltarmut bekämpfen

Kolumne von Bela Gisin (Junge Grüne Zürich), Bereits erschienen im P.S.

Heute in linken Kreisen zum Konsum von Fairtrade- Produkten aufzurufen ist trivial. Jedem ist klar: Fairtrade ist super und unterstützenswert. Doch wie konsequent kaufst Du tatsächlich Fairtrade- Produkte? Wie konsequent vertreten wir überhaupt unsere moralisch- politischen Überzeugungen? Zum Beispiel bei der Armutsbekämpfung. Zugegeben, der Kampf gegen die Armut ist in Punkto Konsequenz der moralisch- politischen Überzeugungen ein undankbares Thema. Kann man in der Beziehung, als einigermassen reflektierter Mensch, überhaupt genug konsequent sein, wenn täglich 20′000 Kinder an Unterernährung und heilbaren Krankheiten sterben während wir ohne den angewöhnten Luxus gar nicht mehr auskommen?

Es ist ein unangenehmes Thema, aber angesichts seiner Wichtigkeit wird es viel zu wenig diskutiert. Andere darauf hinzuweisen, dass sie auf etwas verzichten sollen, ist eine mühsame Angelegenheit, das wissen vor allem wir Grünen nur zu gut. Und natürlich muss man immer mit gutem Beispiel vorangehen, sonst ist man von vornherein unglaubwürdig. Leider habe auch ich mein Ziel, von dem Geld, das ich zur Verfügung habe, einen grossen Teil zu spenden nicht wirklich erreicht. Das mit dem Spenden ist nochmals so eine Geschichte, ich weiss, aber wer meint, Spenden sei keine effektive Armutsbekämpfung, der kann ja alles Mögliche tun, zumindest seine Zeit damit verbringen, herauszufinden, wie man Armut am besten bekämpfen soll. Wie gesagt, gespendet habe ich auch zu wenig, aber dafür kann ich zwei andere Geschichten erzählen, die mit verzichten zu tun haben.

Ich bin seit fast einem Jahr, eigentlich immer noch probehalber, Veganer, das heisst, ich verzichte aus Freiheitsliebe (Freiheit für alle) auf jegliche tierischen Produkte. Das müsst Ihr nicht verstehen. Ich bin mir selbst nicht sicher, ob das wirklich nötig ist. Ich wollte es einfach einmal ausprobieren. Das Erstaunliche ist, dass es gar nicht so schlimm ist, wie ich selbst gedacht habe und alle meinen. Klar bedeutet das Verzichte, aber keine weltbewegenden. Das Interessante ist, dass ich, weil ich nur noch wenig Süsses essen darf z.B. einfache schwarze Schokolade (Max Havelaar) total neu entdeckt und schätzen gelernt habe.

Ähnlich ist es mit Gemüse und Früchten. Ich kaufe seit ca. zwei Jahren mit wenigen Ausnahmen nur noch Schweizer Bio- Gemüse und –Früchte. Nicht nur, dass ich mich so jedes mal freue, wenn in der Schweiz im Sommer wieder Tomaten und Auberginen geerntet werden, ich freute mich auch aussergewöhnlich als ich gemerkt habe, dass ich mit gutem Gewissen Max Havelaar Bananen kaufen kann oder als ich im Coop Letzipark das erste mal Max Havelaar Avocados gefunden habe.

Je mehr man auf gewisse Dinge verzichtet, mit Vorteil auf ökologisch und sozial unverträgliche, desto mehr schätzt man den Luxus, den wir uns dank gerechtem Handel und ökologischer Produktion nicht nur leisten können, sondern leisten sollten.

Doch noch einmal zu dem leidigen Thema der Armutsbekämpfung. Wir lieben wahrscheinlich alle das geniale Lied von Mani Matter: „Dene wo’s guet geit gieng’s besser…“ aber wir verhalten uns trotzdem nicht anders, oder nicht so, wie wir sollten. Haben wir immer noch nicht verstanden, wie gut es uns geht (materiell), verglichen mit anderen Menschen auf dieser Welt. Einige von ihnen (über-)leben sogar in der Schweiz oder gar nicht so weit weg, der grösste Teil aber weit weg im Süden. Oder finden wir uns einfach damit ab, dass es halt nicht so einfach ist, die Armut zu bekämpfen, wie verschiedene Entwicklungsprobleme gezeigt haben, an denen wir uns zu laben scheinen, weil sie unser Gewissen beruhigen, das insgeheim weiss, dass wir mehr von unserem Geld spenden sollten?

Oder erliegen wir immer noch dem gefährlichsten aller Hindernisse solcher Entwicklungen? Dem „Ich will doch nicht der einzige sein, der das macht – die anderen sollen doch mal beginnen“?
Ich glaube, dass es uns einfach zu schwer fällt, uns von unserem angewöhnten Luxus zu trennen. Den vielen Annehmlichkeiten mit denen wir unsere „kleinen“ Probleme, die für unser Leben eben nicht zu klein sind, erträglicher machen. Dabei merken wir nicht, worauf es wirklich ankommt.

Zum Glück, und zwar nicht nur zu unserem, sondern auch dem, der unter Armut leidenden Bevölkerung, gibt es nun eine „neue“ Möglichkeit, die Weltarmut zu bekämpfen: Der Konsum von Fairtrade- Produkten. Durch die Zusicherung eines fairen Preises erhalten von Armut bedrohte Bauern ein Existenz sicherndes Einkommen.
Erfreulicherweise sind Fairtrade- Produkte Weltweit auf dem Vormarsch und wir Schweizer sind Weltmeister, was den Konsum solcher Produkte angeht.

Doch bereits gibt es skeptische Stimmen. In einem Artikel im „Economist“ (Ausgabe vom 7.12.06) „Voting with your trolley“ wird angezweifelt, ob der Konsum von Fairtrade- Produkten der richtige Weg sei, die Armut zu bekämpfen. Von einzelnen Exponenten wird sogar behauptet, Fairtrade- Produkte schadeten vielen Bauern und vor allem Plantagenarbeitern (die nicht Fairtrade produzieren) mehr als sie den anderen nützten.

Für mich als Nicht-Ökonomen ist es schwer, diese Argumentation nachzuvollziehen, und auch der Artikel im „Economist“, den ich trotzdem allen empfehlen möchte, leistet keine grosse Hilfe zur Aufklärung. Aber selbst wenn diese Kritiker Recht haben sollten, was ich nicht glaube – meine Vermutung ist, dass ihre Argumentation an einer einseitigen Orientierung an einer Art Gesamtgewinnmaximierung, von der wiederum ein kleine Gruppe profitiert, krankt – ist die Idee des fairen Handel keineswegs zu verwerfen. Der freie Handel, falls wir ihn überhaupt brauchen, darf nicht ungebremst zu Armut führen. Dass wir das nicht wollen, zeigen wir, wenn wir Fairtrade- Produkte kaufen und wir können es nicht genug zeigen.

Konsequenter Fairtrade Konsum ist angesagt und das heisst vielleicht auch ab und zu auf die, zugegeben, sehr leckeren Lindor Schokolade verzichten und sich mit der leckeren Max Havelaar Schokolade zufrieden geben. Statt irgendeinem Süssgetränk sollte man seinen Gästen den neuen Max Havelaar Eistee servieren. Ausserdem sollte man sich darüber informieren, was es schon alles Fairtrade zu kaufen gibt.

Wenn wir Fairtrade- Produkte kaufen bekämpfen wir nicht nur direkt Armut, unser Konsum taucht auch in Verkaufszahlen, in Statistiken und Jahresberichten auf. Je mehr Fairtrade- Produkte verkauft werden, desto mehr wird sich der faire Handel ausbreiten.
Fairtrade- Produkte zu kaufen ist eine politische Meinungsäusserung, die zwar anderweitiges politisches Engagement, vor allem die Armutsbekämpfung, nicht ersetzt, aber immerhin hervorragend ergänzt.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Freitag, 12. Januar 2007 in der Rubrik Allgemein und zu den Stichwörtern , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

11 Kommentare zum Artikel “Fairtrade- Produkte kaufen – Weltarmut bekämpfen”

  1. Beat am 12. Januar 2007 um 20:07

    Also bei Bananen z.B. geb ich die paar Rappen mehr gerne aus.

    Hat jemand eine gute Übersicht? Nach Möglichkeit ohne ständigen Ausflug ins Speziallädeli

  2. ninatest am 12. Januar 2007 um 21:11

    Warum nicht im “Speziallädeli” einkaufen? Ist das zu kompliziert für dich?

  3. Beat am 12. Januar 2007 um 22:24

    Ist manchmal eine Frage der Zeit ;)

  4. Encephalon am 13. Januar 2007 um 13:14

    Wünschenswert wäre, wenn unsere Damen und Herren Politiker dies auch so sehen würden. Leider arbeitet die westliche Agrarpolitik genau gegenteilig. Mit Export-Subventionen bei uns und Import-Zoll-Verboten in Entwicklungsländern werden die dortigen Agrarmärkte gezielt zerstört und somit etlichen Bauern die Existenz genommen. Wieder ein “nettes” Beispiel dazu, wie die Politik heutzutage lediglich noch für die Interessen der Wirtschaft, statt für die, der Menschen arbeitet. Die Kapitalmacht lässt grüssen.

  5. ninatest am 13. Januar 2007 um 21:47

    Fürchterlich und irgendwie auch pervers: da sterben täglich 20′000 Kinder an Unterernährung/Krankheit und trotzdem nimmt die Weltbevölkerung jedes Jahr um 73 Mio. zu.

    In 30 Jahren, 2037, beträgt die Welt- bevölkerung 2.2 Milliarden Menschen mehr, heute leben auf diesem Planeten 6 Mia. Leute. Wie wollen wir die dann ernähren?

  6. ninatest am 13. Januar 2007 um 22:04

    @Encephalon: Du machst es dir viel zu einfach. Du plapperst nur nach,was man dir erzählt. Schalte doch mal deine Gehirnwindungen ein.

    Die Leute in den Drittweltländern haben vergessen, was es heisst Nahrungsmittel selber anzubauen. Jetzt sind sie auf Importe angewiesen. Warum das?

    Weil die Industrieländer mit ihrer landwirtschaftlichen Überschussproduktion fast jahrzehntelang die ganze Überproduktion in die Entwicklungsländer entsorgten. Damit ist jetzt Schluss. Europa wird innert 3 Jahren gar nichts mehr exportieren. Und das ist auch gut so. Hier in Europa brauchen wir die Ernten jetzt selber. Auch für Biotreibstoff. Denn unsere Ölvorräte gehen zu ende. Und da ist auch noch die CO2 Problematik.

    Da müssen die Afrikaner dannn endlich sich selber helfen müssen.

  7. leuthold am 17. Januar 2007 um 10:43

    “Fairtrade” ist genauso unsinnig wie das Subventionieren unserer Bauern. Man soll Konkurrenzfähigkeit fördern und nicht jene subventionieren, die am Markt vorbei produzieren.

  8. Renee am 18. Januar 2007 um 13:23

    Leider hört das ja beim Konsumieren von Fairtrade-Produkten hier(!) nicht auf. Das ganze Thema lässt sich gleichfalls auf den Konsum vor Ort übertragen. Also wenn wir Westeuropäer/innen in den Urlaub fahren – und womöglich nicht bei den Einheimischen konsumieren, sondern alles beim Reiseveranstalter unserer Wahl, sprich Hotelanlage. Es ist nämlich nicht nur so, dass Afrikaner unsere Lebensmittel importieren, weil sie “verlernt” haben, sich selbst zu versorgen, sondern dass der grösste Teil der Lebensmittelversorgung von Touristikveranstaltern importiert wird, weil das billiger ist, als die Sachen regional zu beziehen. Und zum Einwand von Fairtrade: ich höre da ein gewisse Ignoranz heraus: Fairtrade sagt eigentlich nichts darüber aus, wie sinnvoll oder nicht auf einen Markt hin produziert wird, sondern dass den Produzenten faire Preise gezahlt werden. Fairtrade hat weniger mit Subventionen denn mit fairer Bezahlung für die Produktion nach gefragten(!) Gütern zu tun.

  9. mefalda am 28. Januar 2007 um 17:54

    @ninatest

    Der Welternährungsbericht der UNO belegt, dass wir zur Zeit 12 Milliarden Menschen mit 3000 Kalorien pro Tag ernähren könnten. Komm also bitte nicht mit der sozialdarwinistischen These, es sie gut wenn die Armen Teufel sterben, weil wir sie eh nicht ernähren könnten!
    Jeder der Heute an Hunger stirbt wird ERMORDET!!

  10. jozsi am 31. Januar 2007 um 19:22

    Nachhaltiger Schwachsinn.

    Am besten beginnt man mit den Kleiderspende-Sammelunternehmen, denn das größte und beste solche Großunternehmen hat einen verdammt guten Namen ausgewählt. Dieser Name ist Bestandteil eines sehr ausgereiften Marketingkonzeptes. Jährlich machen sie einige Aktionen in Afrika, wo sie ein paar Projekte zustande bringen, die sie überhaupt nichts kosten, weil sie alle von der Steuer abschreiben können. Sie zahlen nämlich dort die Steuer, wo sie so viel wie möglich abschreiben können, also bestenfalls zahlen sie gar nicht.
    Weil Entwicklungshilfe und Unterstützung für die dritte Welt unserem eingefleischten Unrechtsbewusstsein als Erste Welt-Menschen ein Ablasshandel sind, unterstützen die Medien dieses Unternehmen nach Kräften und rühren eifrig die Werbetrommel. Auf des Spendenunternehmers Sammelcontainer haben sie geschrieben: SPENDEN FÜR ENTWICKLUNG. Sie haben einen kleinen Teil vergessen: Spenden für unsere FIRMENENTWICKLUNG! Für ihre Handelsware geben sie keinen Cent aus! Diese wird von fleißigen Händen aussortiert. Was für die Retrowelle brauchbar scheint und Kleider die in gutem Zustand sind, wandern in die über ganz Österreich verstreuten Second Hand Geschäfte, wo sie – nicht gerade billig – an den Mann oder die Frau gebracht werden. Der Rest geht meistens nach Ost-Europa oder in ärmere Länder und wird dort verkauft. Die restlichen Kleider verschenken sie nach Afrika. Solche nirgendwo verkaufbaren Kleider bezeichnen die Gebrauchtkleidersortiererbetriebe, die vom Roten Kreuz gesammelte Kleider weiter verkaufen, als „Afrikaware“. Das Kilo wird heute um 2 Cent gehandelt. Wenn die „Afrikaware“ Kleider unverkäuflich sind, wird der Rest vom ständig wachsenden Kleiderberg sogar verschenkt, was noch immer billiger ist als sie zu entsorgen. Man könnte darüber einen Dokumentarfilm drehen, bei dem brennende Gummischuhe und Plastik-Kleider sichtbar sind und für den ich folgenden Titel vorschlagen würde: Die europäische Müllbeseitigung. Das Rote Kreuz ist an dem Betrug am spendenwilligen Bürger ebenfalls beteiligt. Die gespendeten Kleider werden nämlich an die Sortierbetriebe weiterverkauft, und für dieses Sammelrecht streicht das Rote Kreuz das Geld ein um seine Hilfsprojekte zu finanzieren, aber bei Sammlungen vom Roten Kreuz nehmen Privatpersonen keinen Cent ein, wie das bei Containerspenden-Sammlerunternehmen der Fall ist .Die Spenden von dem Roten Kreuz sind die richtigen Spenden, weil die werden von der Steuer nicht abgeschrieben. Das Geld vom Verkauf des Sammlerrechts geht in die Staatskasse. Die Roten-Kreuz-Kleider gehen so oft durch zehn Hände bis sie beim Kunden landen. Man braucht sich keinen Illusionen hinzugeben. Es ist ein Business von dem viele profitieren, es werden nicht wenig Steuern bezahlt und Arbeitsplätze geschaffen. Und weil es ein profitables Business ist, raufen sich immer mehr „gemeinnützige Spendenunternehmen“ darum, die gebrauchten Kleider abzuzapfen. Alles was man braucht ist schlussendlich eine Geschäftsidee und ein Marketingkonzept. Leider hat die Second Hand Branche kaum eine Zukunft, was eigentlich der wichtigste Teil einer nachhaltigen Entwicklung wäre. Nur die Unternehmen mit „human“, „karitativ“ und ähnlichen Eigenschaften in ihrem Slogan, haben durch ihre guten PR noch eine gute Chance. Im Jahr 2006 hatten sie noch kein gutes PR-Management. Des Hordenführers Wiener Zeitung „Best of Vienna“ schrieb über sie nicht einmal einen Bericht. Hat er vom Second Hand schon die Schnauze voll? Ist ihm seine Schulindustrie wirklich so wichtig? Wo er doch kaum Profit erwirtschaften kann, wenigstens kann er die Studenten da zur Vergötterung des Hordenführers erziehen. Die jungen Künstler und Designer werden in den Snob-Kulturen sehr hoch geschätzt, und ihre Meinung ist vielen Menschen sehr wichtig. Sie bekommen sogar Privilegien, zum Beispiel dürfen sie ein winziges Geschäft betreiben, obwohl der Hordenführer kleine Produzenten und Geschäfte, mit denen Hedgefunds und PE nichts anfangen können, sonst eigentlich hasst und verachtet. Seine Lieblingskinder sind jetzt die Fair Trade Produzenten und Händler. Die haben im Vergleich zu Spendensammler-Unternehmen ihr Marketing und PR-Management zusätzlich noch mit Parteien-Lobbys gespickt.
    Ich habe auch sofort angefangen Fair Trade Produkte herzustellen: in Bangladesh.
    Ich bin total fair!
    Du bist mein Freund lieber Leser! Ich habe Vertrauen zu dir, deshalb erzähl bitte die Wahrheit über Fair Trade nicht weiter! Bitte nie! Du darfst keinen so großen Vertrauensbruch bei den beschränkten romantischen Spießern verursachen!

    Ich habe über 20 Millionen Euro Kredit aufgenommen, den ich pünktlich zurückzahlen muss! In Bangladesh werde ich immer als reicher Mann behandelt! Sie erwarten von mir Großzügigkeit. Großzügig muss ich auch sein und zwar wegen meines Images. Schließlich musste ich mich zuerst einmal sehen lassen. Zuerst kaufte ich mir den Stoff dort wo er am billigsten ist. Der Händler von dem ich den Stoff gekauft habe, erzählte mir, dass ich nicht der erste Fair Trade Produzent sei der bei ihm den Stoff eingekauft hat. Ich dachte nach: sie werden nicht nur den Stoff auf solche Weise kaufen, sondern?
    Danach kaufte ich die anderen Bestandteile für die Hosen, dort wo sie am billigsten zu haben waren. Meine Gedanken gingen weiter: meine Konkurrenten lassen sicher nicht alles in den teuren Fair Trade Betrieben machen, sondern dort wo es am billigsten ist. Ich muss mit meinen Fair Trade Konkurrenten den Kampf aufnehmen. Heute werde ich höchsten 20 – 30% der Herstellung in meinem Betrieb anfertigen lassen.
    Mein Gewissen ist rein! Überleg! Der Preis, und wo und wie die Waren hergestellt werden ist nicht wichtig, nur das Ziel! Ich erziehe den blöden Spießer zum Humanismus. Die Spießer schwimmen im Geld. Wenn sie ihr Geld für meine teuren Waren ausgeben, können sie weniger für anderes ausgeben, der Konsum insgesamt sinkt und die Umwelt lacht, weil weniger weggeworfen wird, weil man an den teureren Dingen eben ein bisschen mehr hängt. Das ist richtige nachhaltige Entwicklung! Die Spießer sollen für meine Erziehungsarbeit auch etwas zahlen, denn niemand macht heute noch etwas umsonst! Jetzt haben wir uns schon angekleidet, also können wir etwas essen und trinken gehen.

    Warum werden unsere landwirtschaftlichen Produkte vom EU-Herstellerland und vom EU-Budget auch noch subventioniert? Wenn die ärmeren Länder dann noch immer billiger sind, wird von der EU ein Strafzoll verordnet. Deswegen können die landwirtschaftlichen Produkte aus der EU immer noch billiger sein. Warum protestieren die Fair Trade Anhänger nicht dagegen? Die ärmeren Länder sollen nur ihre Rohstoffe nach Europa exportieren, Kakao, Kaffee, Bananen, Südfrüchte, Dinge, die bei uns nicht wachsen und die man früher Kolonialwaren nannte. Ist Fair Trade nicht auch ein Kolonialwarenhändler? Warum mischen wir uns in ihr Wirtschaftssystem mit den Fair Trade Waren ein? Wir sollten einfach lernen, fair zu handeln!

    Warum fördern wir da eine privilegierte Schicht? Ist das nicht schädlich für die nicht gerade privilegierten Menschen? Wer bekommt diese privilegierten Rechte? Könntest du dir vorstellen, in einem Unternehmen in Bangladesh zu sein, das seine Mitarbeiter vergleichsweise gut bezahlt? Du könntest doch gar nicht soviel für deine Ware verlangen wie der Fair Trade Produzent, weil du als „unfair“ abgestempelt bist! Ich habe auch schon öfters ähnliches erlebt, als meine Kunden vom Spendenunternehmer gekaufte Kleider bei mir für Besseres tauschen wollten, oder umsonst etwas haben wollten, wie es in Nix Kost Läden gewöhnlich ist, schließlich besitze ich den „Fair“ oder „Human“ Stempel nicht, bin also sicher ein Steuerhinterzieher und Betrüger, der auf ihre Kosten handelt… Im Fair Trade Vertrieb mischt sich eben auch die Politik ein. „China darf nicht so schnell weiter wachsen“, sagt euch der Hordenführer, und deswegen müssen die Chinesen 20% Strafzoll für ihren T-Shirt- Export in die EU bezahlen. Die arme chinesische Arbeiterschicht verdient damit 20% weniger, aber 20 Cent pro Stunde sind doch für sie sowieso viel zu viel, oder nicht? Ich verrate euch: in China legen die Bürger immer mehr erspartes Geld in der Bank an, wogegen die Bürger in den USA wegen ihrer Konsumsucht insgesamt über 13 Billionen Dollar Schulden haben. Wer ist dann reicher?
    Entschuldigt meine Abschweifung vom T-Shirt.
    Warum müssen beispielsweise die Mexikaner keinen vergleichbaren Strafzoll für ihre T-Shirts abgeben? Ich sage es euch: Das sind die Interessen der USA, doch die Arbeitslöhne in Mexiko sind auch kaum höher, und die Arbeitsbedingungen sind noch schlechter als in China. In Mexiko werden viele Frauen auf dem Weg zum Arbeitsplatz entführt, ermordet oder vergewaltigt, was in China wegen der wesentlich besseren Polizeikontrollen und der Mentalität der Chinesen fast nicht möglich ist. Die illegalen Mexikaner auf den Pflanzenplantagen in den USA bekommen durchschnittlich 2 Dollar pro Stunde, haben keine Krankenversicherung und müssen oft 16 Stunden am Tag arbeiten. Nachts schlafen sie zu 20-30 Personen in einem Stall. Wenn sie schwer krank sind, können sie dort sterben, weil sie die amerikanische Krankenhausbehandlung nicht bezahlen können. Aus solchen Agrar-Unternehmen bezieht übrigens McDonalds den Großteil seiner Rohstoffe. Sollte man da McDonalds nicht sabotieren, wie Kleider Bauer? Stattdessen wurde ich von einer Österreicherin sabotiert.
    Sie verweigerte mir kürzlich den Kauf mehrerer T-Shirts, als ich ihr sagte, diese seien in China hergestellt worden. Ich wurde öfters gefragt, ob ich meine gebrauchten Kleider vom Roten Kreuz beziehe. Manche denken wohl, ich bekäme meine Ware umsonst, und meine T-Shirts sind mit Kinderarbeit belastet. Sonst ist in Asien und sogar weltweit China eines der Länder mit der wenigsten Kinderarbeit, wegen der in den 70er-Jahren in China eingeführten Ein-Kind-Familie. Jetzt stecken die Eltern all ihr Geld in das Studium ihrer Kinder, und in zehn Jahren werden die Chinesen auch in der Forschung an der Weltspitze sein.

    In Wahrheit kaufen wir Weltbürger doch verdammt viel unfaire Ware ein. Ich sage euch: Es gibt keine fairen Handys. Meine lieben Leser, nimmt das Handy in die Hand, geht zum Mülleimer und schmeißt es rein. Aber später nicht wieder rausholen! Nein, das ist nicht gut. Hol dein Handy aus dem Mülleimer, nimm es in die Hand, gehe auf die Straße und wirf es mit aller Kraft gegen den Bordstein. Vielleicht ist es einfacher, wenn du dir gleich einen Hammer besorgst und so lange damit auf das Handy einhämmerst, bis da nur noch kleine flache Metallteile zu sehen sind. Tust du das nicht, bist du unfair. Den Fair Trade Handel kann man mit dem Kommunismus vergleichen: Der Kommunismus wurde auch mit voller Gutmütigkeit gegründet, und ist am Ende das unehrlichste System geworden, weil der Mensch egoistisch ist und nur im eigenen Interesse handelt.
    Statt diesem Fair Trade Schwachsinn sollten wir mehr in Osteuropa produzieren lassen. Da verdient man schon ca. 2€ pro Stunde, oder ist das noch immer unfair?

    Davon hätte doch Ost- und Westeuropa auch viele Vorteile. Oder wollen wir einfach einen wirtschaftlichen Selbstmord begehen? Leider wird es diese osteuropäischen Fair Trade Waren nie geben, weil die Fair Trade Hersteller und Händler eine sehr stark betonierte Lobby haben. Ihre Wurzeln sind schon fest in Wirtschaft, Schwarzwirtschaft und Steuerhinterziehung verankert. Die Grünen und die Grünen-Medien müssen etwas Besseres erfinden. Ich werde noch einmal an einem Beispiel zeigen, wie die Medien den armen Bürger auf den falschen Weg führen können. Die seriöse Zeitschrift „Der Spiegel“ schrieb vor ein paar Wochen, das Rote Kreuz mache große Geschäfte mit gespendeten Kleidern und betröge so den armen, ehrlichen Bürger. Was glaubt ihr? Wurde der Artikel von so einem gemeinnützigen Spendenkleidersammlungs-Unternehmen subventioniert, das gerade die afrikanische Entwicklung „fördert“, oder hat der Spiegel einfach nur sehr kurzsichtige Journalisten? Es gibt da noch eine Möglichkeit: man wollte einfach die Doppel-Moral wecken: „für uns muss alles organisiert werden“. Spontan und selbständig können wir nicht spenden, wir brauchen ein Spendeunternehmen, das unsere Wünsche befriedigt, ansonsten sind wir in den persönlichen Beziehungen zu den hier lebenden armen Menschen und bedürftigen Ausländern übergeizig. Unser rationeller Sinn schreibt uns vor, wir sollen immer auf unseren finanziellen Vorteil bedacht sein.
    Bei dem nachhaltigen Schwachsinn sind noch die ehrlichsten und zukunftswürdigsten Produkte die biologischen, aber auch hier sollte ein wenig umstrukturiert werden. Die Grünen und die Grünenmedien sollten die kleinen, übersichtlichen biologischen Familienbetriebe, Geschäftslokale und Restaurants fördern, aber keine Bio-Großhandelsunternehmen. Die kleinen Unternehmer könnten die Geschäftsräume, Restaurants und Biohöfe kreativ gestalten, was man auch als Kunstwerk betrachten könnte. Das wäre eine wesentlich bessere Kunst als die Spießer-Kunst. Die Volkskunst funktioniert schon lange, wird aber weder anerkannt noch gefördert, es wird sogar gegen sie vorgegangen, von der Spießerkunst und den Grünen, Grünenmedien usw.

    Warum?
    Aus Eifersucht?
    Oder ist ihnen nicht klar, was Kunst ist?
    Sollte man so etwas von Fachleuten anerkennen lassen?
    Dann bitte los, los!

    http://www.eselmist.at/forum

  11. Kassensturz vom 1.12.2009: schoggibraune Sklaven am 2. Dezember 2009 um 12:15

    [...] im Konsumentenalltag. An Empfehlungen fehlt es nicht, schon ein flüchtiger Blick auf die Website Ignoranz zeigt die Aktualität [...]

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