EU plant Begrenzung des CO2-Ausstosses
Grosse Panik bei den deutschen Autoherstellern – die EU-Kommission diskutiert, den CO2-Ausstoss bei Neuwagen ab 2012 auf 120 g/km festzulegen. Dies, nachdem sich die Autoindustrie keinen Deut um ihre Zusage zur freiwilligen Reduktion gekümmert hat. Gerade die deutschen Marken zeichnen sich nach wie vor durch zu hohen Verbrauch aus. Die Kisten müssen ja auch immer grösser und schwerer werden, Komfortfeatures wie die unzähligen Elektromotoren, Sitzheizungen, Klimaanlagen und so weiter steigern den Verbrauch und das Gewicht.
Nun laufen die Autohersteller Sturm gegen die EU-Pläne – und sogar die Gewerkschaften schliessen sich ihnen an: Bis 65’000 Arbeitsplätze seien gefährdet! Unzumutbarer Eingriff in die industrielle unternehmerische Freiheit!
Aber weshalb eigentlich? Der Toyota Prius machts vor: Ein komfortabler Mittelklassewagen mit allen nötigen Komfortfeatures – und einem CO2-Ausstoss von 104 g/km. Weitherum herrscht Konsens über die Notwendigkeit der CO2-Reduktion, der Verkehr zeichnet weltweit für rund ein Drittel der Emissionen verantwortlich. Warum sollte es also nicht möglich sein, in der einigermassen grosszügigen Frist von 5 Jahren Hybridsysteme vorzuschreiben? Nicht nur, dass die Technik existiert und sich bereits vieltausendfach bewährt, sie wird auch fortlaufend weiterentwickelt. Von den alternativen Treibstoffen und den rasenden Fortschritten bei den Elektromobilen ganz zu schweigen. Und wenn sie in jedem neuen Modell vorgeschrieben ist, spielt der Preisunterschied keine Rolle mehr, abgesehen davon, dass die schiere Masse der Produktion die Gestehungskosten massiv verringert.
Und weshalb sollten Arbeitsplätze gefährdet sein? In Österreich sind die Umwelttechnologien die am schnellsten wachsende Branche überhaupt, 35’000 Arbeitsstellen wurden in kürzester Zeit geschaffen.
Ich muss mich wirklich wundern über die Blockadehaltung der Industrie, über die Visionsarmut und das selbst auferlegte Denkverbot.
FAZ
Wirtschaft und Klimawandel
Alternative Treibstoffe und Antriebssysteme

Da muss ich mich doch ein bisschen wundern. Natürlich ist es sehr wünschenswert, wenn versucht wird, die Spritfresser möglichst einzudämmen. Aber eine fixe Begrenzung auf 120g/km? Und das in fünf Jahren? Toyota und Honda haben mindestens 10 Jahre an ihren Systemen gearbeitet, bis sie die heutige Seriereife hatten, welche auch gestattet, damit noch Geld zu verdienen. Honda verdient überigens mit den Hybriden immer noch nicht wirklich, zu gering sind die Stückzahlen.
Und was ist mit weiter verbesserten Antrieben, welche mit noch viel weniger Sprit auskommen? Wo bleibt da der Anreiz zur Weiterentwicklung?
Der Ansatz geht zwar in die richtige Richtung, aber mit den falschen Mitteln. Das Verbrauchen von Benzin muss einfach viel teurer werden, sodass die Leute freiwillig verbrauchsarme Fahrzeuge wählen, weil sie so sparen können. Und wer dann halt – warum auch immer – eines mit grossem Verbrauch wählt, muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen für den Betrieb.
Bei so einem platten Verbot ist hingegen die (teilweise berechtigte) Opposition sicher, und es kann ganz bestimmt nicht durchgesetzt werden – also, was bringt’s?
g.
Ich gehe in zwei Punkten nicht mit dir einig:
- Ich brachte den Hybrid als ein Beispiel für eine erfolgreiche Benzin sparende Technologie. Weshalb sollte ihr Bestehen die Entwicklung anderer Antriebe hemmen? Im Gegenteil: Eine in Aussicht gestellte CO2-Obergrenze würde R&D bei allen Antriebstypen beflügeln. Konsultiere dazu bitte den dritten Link.
- Auch nicht einig gehe ich in deiner Bewertung des Hybridmarkts:
Das Prognose-Institut B & D Forecast rechnet für 2010 mit einem Absatz allein in Amerika von 1,2 Millionen Hybriden, 7 Prozent des unterstellten Gesamtmarktes von 17 Millionen Autos gegenüber erwarteten rund 250.000 Autos (Anteil 1,4 Prozent) in diesem Jahr. Fünf Jahre später soll der Absatz 3 Millionen Hybridautos erreichen, womit der Anteil am stagnierenden Gesamtmarkt fast 18 Prozent erreicht und damit das Gros der von B & D Forecast weltweit erwarteten mehr als 5 Millionen Verkäufe darstellt, mit je 1 Million Stück in Europa und Japan. Gefördert werde der Absatz durch steigende Benzinpreise. Zudem müsse der Hybrid nicht gegen das vorhandene Vorurteil des Diesels ankämpfen.
Quelle
wenns nichts mehr anderes gibt wie hybride dann verdienen die firmen auch dran…
kein thema, 129 sollten ok sein und sind möglich, alles andere ist einfach panisches rumgeheule welches man nicht ernstnehmen sollte…
Ein paar Anmerkungen:
1. Der Prius mag eine technische Meisterleistung sein, aber er ist auch arg untermotorisiert. Offensichtlich ist es also mit dem heutigen Stand der Technik nicht möglich, ein Fahrzeug mit guten Fahrleistungen und einem C02-Ausstoss von unter 120g/km zu produzieren.
2. Der Prius ist ein ziemlich kleines Auto und unterbietet die 120g/km nur knapp. Die Produktion von wesentlich grösseren Fahrzeugen wäre nicht mehr möglich, ohne dass die Fahrleistungen ins Lachhafte absinken.
3. Die deutsche Automobilindustrie verdient das meiste Geld mit grossen und/oder grosszügig motorisierten Modellen und nicht mit untermotorisierten Sparbüchsen. Daher würde eine solche drakonische Beschränkung die Ertragslage katastrophal verschlechtern und die Schliessung von mehreren Werken und Verluste von zehntausenden von Arbeitsplätzen erscheint als durchaus plausible Folge.
4. Fünf Jahre entsprechen in der Automobilindustrie vielleicht knapp einem Modellzyklus und sind somit alles andere als grosszügig!
5. Da (vorbehältlich eines technologischen Quantensprungs) nach der Einführung einer solchen Beschränkung nur noch Fahrzeuge mit schwachen Fahrleistungen oder dann sehr kleine und leichte Fahrzeuge neu zugelassen werden dürften, würden bereits zugelassene leistungsstarke Fahrzeuge vermutlich viel länger als heute üblich im Verkehr bleiben. Dies wird die Verkäufe der Automobilindustrie mit Sicherheit negativ beeinflussen, wobei dies teilweise wohl durch den erhöhten Bedarf an Ersatzteilen ausgeglichen würde. Auch hätte eine solche längere Einsatzdauer von älteren Fahrzeugen negative Auswirkungen auf die lokale Luftqualität.
“Und weshalb sollten Arbeitsplätze gefährdet sein?”
Das problem ist, dass die auflagen nur für europäische autos gelten würden, was natürlich ein imenser nachteil auf dem weltweiten markt wäre. In weiten teilen der welt ist der CO2 ausstoss schlicht schnurz, da wäre man nicht bereit einen aufpreis zu bezahlen und würde andere hersteller berücksichtigen.
Die duchschnittliche entwicklungszeit eines autos ist knapp 60 Monate. Selbst wenn man die entsprechende (hybrid)technologie serienreif zur verfügung hätte wäre es für einen hersteller wie Mercedes wohl unmöglich, sämtliche varianten sämtlicher modelle geichzeitig neu zu aufzulegen.
Weil ein VW Golf weniger kostet als so ein grosses Ding ?
@Pirelli
Ich sag’ Dir warum die fortlaufende Verbesserung gehemmt würde: weil der Anreiz immer *relativ* zum bestehenden Verbrauch sein soll. Will heissen: ein Kleinwagen, der z.B. 115g/km ausstösst würde der Norm genügen und würde nicht weiter verbessert. Obwohl mit einer billigen Start/Stopp Automatik in der Stadt nochmals 25% (!) Ersparnis drinliegen würden.
Eine Familienkutsche mit 7 Plätzen hingegen wäre nur mit gewaltigem Aufwand unter die 120g/km zu drücken – ist das sinnvoll? Ich denke nein. Hinter das Ziel, den Verbrauch drastisch zu senken, kann ich mich problemlos stellen. Hingegen eine fixe Obergrenze find’ ich einfach sinnlos.
Bezüglich Hybridmarkt streiten sich die Geister, nach dem jüngsten Spritpreis-Taucher sieht’s nicht mehr so rosig aus (v.a. USA). Was ich eigentlich sagen wollte: die Entwicklung von THS (Toyota) und IMA (Honda) plus die entsprechende Ausrüstung für Serie-Fertigung waren schweineteuer. Prius als absoluter Marktleader kommt langsam in den Bereich wo er rentiert. Honda als “ewiger Zweiter” hat hingegen die Kosten noch längst nicht amortisiert. Nun stelle man sich vor, alle anderen Hersteller müssten ebenfalls Kosten in ähnlicher Höhe aufbringen und im dannzumal heiss umkämpften Markt amortisieren. Das wird echt nicht einfach, innerhalb von 5 Jahren, ehrlich.
@driver
Bist Du überhaupt schon mal Prius gefahren? Die Aussage “arg untermotorisiert” ist arg übertrieben. Im unteren Geschwindigkeitsbereich ist der Hybrid einem Benziner (mit nominal gleich viel kW) deutlich überlegen, da merkst Du das gewaltige Drehmoment des E-Motors schön. Es gab mal Zeiten, da galt 0-100 in etwa 10s als ziemlich flott, wahrscheinlich sind wir heute einfach zu verwöhnt und verlieren das Augenmass…
Also damit niemand glaubt, ich sei jetzt zur “Freiheitspartei” übergelaufen: *starke* finanzielle Anreize für verbrauchsarme Fahrzeuge (wie auch immer ausgestaltet) find’ ich sehr gut. Aber dermassen angreifbare Hauruck-Aktionen wie diese hier sind m.E. kontraproduktiv, deshalb bin ich dagegen, nicht weil ich das Ziel nicht unterstütze.
g.
Interessanter Artikel zum Thema:
http://www.nzz.ch/2007/04/05/wd/articleF1T7X.html