Ein überzeugtes Ja zur Heroinabgabe
Am Beispiel der etwas kruden Argumentation von Herrn W. Ostermeier möchte ich meine tiefe Überzeugung für die Heroinabgabe illustrieren:
Im Artikel auf politlog.ch, welcher offenbar keine Kommentare zulässt (trotz Formular) führt Herr Ostermeier einige etwas seltsame Argumente ins Feld:
… zumal die Drogenszene sich einfach von der offenen Szene in eine Untergrundszene mit grossem Verwahrlosungspotenzial verwandelt hat und somit nur noch schwerer überschaubar und kontrollierbar ist.
Also war die Drogenszene früher, mit Platzpitz und Letten “besser überschaubar und kontrollierbar”? Ziemlich zynisch eine solche Aussage… Ich vermute, Herr Ostermeier war damals nie vor Ort. Ich habe die Schreckensbilder selber gesehen, als ich dort zur Schule ging. Möchte sowas nicht nochmals sehen.
Die Beschaffungskriminalität, die geringe Anzahl von erfolgreichen Abstinenzen und auch die Kosten bleiben Schwerpunkte, die eine Zustimmung zu dieser unausgewogenen und mit Schatten behafteten Drogenpolitik verunmöglichen.
Ich verstehe nicht, was das Argument der Beschaffungskriminalität hier zur Sache tut. Wenn das Heroin an die Schwerstkranken gratis abgegeben wird, und sie es nicht beim Dealer um die Ecke beschaffen müsssen, gibt es ja logischerweise WENIGER Beschaffungkriminalität. Wie kommen Sie dazu, hier eine Erhöhung zu sehen?
Und ausserdem näme mich wunder, wieso die Kostenrechnung, z.B. für die Repression, für den Tourismus (schöne Bilder vom Platzpitz und Letten sind prima Werbung für die Schweiz) hier als Argument aufgeführt werden sollte. Ich bezweifle dies stark.
Auch frag ich mich, ob Herr Ostermeier einen erfolgreichen Entzug höher gewichtet als einige Schwerstabhängige, die wenigstens überleben mit den Staatsdrogen… Hätten Sie lieber weider mehr Tote, so wie früher? Dafür ein paar mehr erfolgreiche Entzüge? Auch dies dünkt mich sehr zynisch.
Ich als junger Zürcher, der die Hölle Platzpitz und die Hölle am Letten mit eigenen Augen gesehen hat, gibt es nur eins, die Erfolgreiche Heroinabgabe mit einem deutlichen JA zu unterstützen.
Edit:
Offenbar wurde mein Kommentar wegen eines technischen Problems nicht veröffentlicht. Habe die entsprechende Stelle deshalb durchgestrichen.

Natürlich ist die “ärztlich kontrollierte Heroinabgabe” zu unterstützen. Alles andere ist unverantwortlich. Jedoch wird sich dieses Problem immer mehr selber lösen, da es schlicht und einfach praktisch KEINE Neueinsteiger im Heroinbereich mehr gibt.
Das heutige Problem fokussiert sich primär und immer mehr auf andere Drogen, zum Beispiel Kokain. Wir müssten im Prinzip bereits über diese Abgabe reden oder Lösungen finden.
Jetzt werd ich Euch mal erzählen, wie das in Wirklichkeit so ist mit dem Heroin.
Ich war damals aktiv dabei am Platzspitz und später am Letten, wisst ihr, und natürlich Heroinabhängig. Vom Feinsten. Dann hab ich aber dank Methadon den Ausstieg geschafft, und ich kann Euch sagen, hätte ich damals offiziell Heroin gekriegt, ich wäre heute noch drauf. Garantiert. Deshalb: kontrollierte Heroinabgabe ist kontraproduktiv, believe me! Methadon ist da die eindeutig bessere Alternative.
@ WernieX
Erstmal gratuliere ich dir zu dieser starken Leistung. Das schafft nicht jeder!
Aber genau da liegt eben auch das Problem. Eine komplett repressive Drogenpolitik führt leider nicht zu einem Verschwinden des Konsums, solange Leute da sind, die praktisch alles machen (würden), damit sie an die Drogen kommen. Deshalb ist eine (kontrollierte, wie du auch schreibst) Heroinabgabe durchaus vorteilhaft, sie verhindert (zumindest teilweise) Kriminalität, Elend und Krankheitsverbreitung. Man darf aber nicht einfach Heroin verschenken, sondern muss eben das Ganze sehr kontrolliert an Leute abgeben, die eine Entzugstherapie momentan einfach nicht schaffen.
Ich möchte mich WernieX mit seiner Aussage anschliessen da auch ich den Ausstieg nur mit Methadon geschafft habe aber auch gibt es zu sagen das nicht alle gleich sind. Ich würde die kontrollierte Abgabe für schwerstabhängige die schon alles probiert haben sofort unterschreiben wenn die Realität nicht eine andere Sprache sprechen würde. Ich verkehre heute noch in der Gassenküche Luzern und der ” Stoff” beisst mich schon lange nicht mehr, aber ich sehe dafür sehr genau was abgeht in der Szene und es stellt mir dabei die Haare auf.
Z.B. Heroinabgabe an gut 20jährige die noch nie eine Therapie oder sonstiges in Anspruch genommen haben und das sind keine Einzelfälle. Zudem beinhaltet diese Abtimmung bei weitem nicht nur die Abgabe, sondern auch die sehr wünschenswerte Ueberlebenshilfe. Wie diese jedoch im konkreten Fall Gk. Luzern aussieht kann ich nicht unterschreiben. Der errichtete Fixerraum wäre ja das eine, der anliegende Kokain-Base -sprich Konsumraum sprengt aber alle Grenzen. Da wird gedealt- aufgekocht und geraucht und das alles unter dem Deckmantel ” Ueberlebenshilfe”. Die Gassenküche ist zur offenen geduldeten Drogenszene mit 4 Wänden geworden – selbst der mittagliche Koks-Tourismus läuft auf Hochtouren.
Geholfen ist aber noch niemandem- viele sind Obdachlos und hätten dringend Hilfe nötig. Zuden argumentiert man mit der wiederkehrenden Szene wie Letten oder Platzspitz, aber wo sind denn die Leute jetzt? wenn man bedenkt das es laut Statistik 25000 Heroinabhägige in der Schweiz gibt, jedoch nur 1300 in der Abgabe sind.
Es tut mir wirklich leid für diese 1300 wenn es abgelehnt würde aber diese Machenschaften kann ich nicht unterstützen, weil ich genau weiss von welchen Substanzen ich rede und Ueberlebenshilfe für mich anders aussieht als das Gift zu Gunsten einer sauberen Schweiz zu Teillegalisieren.
Uebrigens wären diese Zustände zu meiner Drogenzeit für mich das Paradies auf Erden gewesen — aber auch mein Tod !