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Die Zürcher SP wird (endlich) grün

Töne die normalerweise aus der Fraktion der Grünen zu hören sind, gabs am Montag im Zürcher Kantonsrat von der SP: “2000-Watt Gesellschaft”, “Atomausstieg”, “Minergie”, “Erneuerbare Energien” und noch mehr wird plötzlich aus dem roten Block gefordert.

Wie im Tagi von heute zu lesen ist, haben die Roten am Montag neun Vorstösse zu grünen Themen eingereicht:

Bei den Gebäuden fallen rund 45 Prozent des Energieverbrauchs an, wie Kantonsrätin Monika Spring sagte. Der Kanton hat 2000 für kantonale Neubauten den Minergiestandard eingeführt, räumte vor zwei Jahren aber ein, dass es den strengeren Minergie-P-Standard brauche, um die klimapolitischen Zielsetzungen zu erreichen. [..] Mit einer parlamentarischen Initiative will die SP den rechtlichen Rahmen der EKZ so ändern, «dass sie zu einem allgemeinen Energieversorgungsunternehmen werden, das unabhängig vom Atomstrom funktioniert», wie Kantonsrat Ruedi Keller sagte. [..] Und mit einer Motion wird der Regierungsrat aufgefordert, die nötigen Gesetzesvorlagen und Kreditanträge zu unterbreiten, damit der Kanton innert dreissig Jahren die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft erreicht.

Fragt sich einfach, wie konsequent denn der grüne Gedanke innerhalb der SP wirklich ist. In der Stadt Zürich hört ja der gute Wille der SP schon beim 22. September auf. Anstatt einen wirklich ökologischen Tag ohne Autos, wählt man lieber den Multialibitag. Aber für den Anfang mal nicht übel…

Dieser Artikel wurde von Sandro am Mittwoch, 29. November 2006 in der Rubrik Allgemein und zu den Stichwörtern , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

14 Kommentare zum Artikel “Die Zürcher SP wird (endlich) grün”

  1. fragenspeck am 29. November 2006 um 15:10

    Das Problem ist wohl eher, dass die Grünen nur noch rot sind – wie wenn das die Voraussetzung für nachhaltige Politik in allen Bereichen wäre… Wenn schon grün, dann lieber Gurken als (Wasser-)Melonen!

  2. Chevy am 29. November 2006 um 15:46

    Ich mag mich an eine Studie der ETH erninnern, da hiess es allerdings das es mit 2000 Watt pro Kopf nichts wird vor 2050.
    Ich finde die 2000 Watt sowiso irreführend, denn einer der 200 Watt während 24h bezieht berbraucht mehr Energie als einer der für nur 1h 2000W bezieht.

    Für die die sich 2000 Watt nicht vorstellen können:
    500 gramm trockenes Buchenholz Verbrennen und die Abwärme entspricht 2000 Watt Heizleistung.
    Gleichzeitig werden ca. 3.2 m3 Luft verbraucht)

  3. bostitch am 29. November 2006 um 17:39

    Wirklich interessant – hiess es nicht kürzlich, die Grünen legen bei den Wahlen immer mehr zu?
    Aber egal, je mehr Kämpfer gegen die Klimaerwärmung, desto besser.

  4. mk am 29. November 2006 um 19:40

    @Chevy:

    Was ist denn das für ein Argument gegen die 2000-Watt-Gesellschaft? Hättest Du lieber die Bezeichnung 172.8MJ/Tag-Gesellschaft? Oder vielleicht die 63GJ/Jahr-Gesellschaft?

    Ein besseres Bild von 2000 Watt gibt es meiner Meinung nach z.B., sich 20 dauernd brennende 100-Watt-Glühbirnen vorzustellen.

  5. ninatest am 29. November 2006 um 21:46

    Das beginnt ja schon super: “Bei den Gebäuden fallen rund 45 Prozent des Energieverbrauchs an.”
    Was heisst Energieverbrauch? Wir reden hier doch v.a. von fossilen Energien wie Öl. Und da ist der Verkehr zu 90% zuständig. Und der wächst in rasantem Tempo, überall auf der Welt, insbesondere in Asien. Was ist hier der Input der SP?

  6. stefan am 30. November 2006 um 21:19

    Die SP glaubt halt, grüne Politik sei jetzt der neue Trend, weil in den USA der kalifornische Gouverneur Schwarzenegger mit seiner grünen Politik fast als einziger Republikaner keine Federn lassen musste (in den Gouverneurswahlen).
    Die US-Verhältnisse sind aber nicht so ohne weiteres auf die Schweiz übertragbar. Die Schweiz spart schon viel länger als die USA. Bis vor ein paar Jahren waren Energiesparen und sorgfältiger Umgang mit natürlichen Resourcen noch ein Fremdwort in den USA gewesen. Eine Domäne von “Spinnern” auf dem Campus der Universitäten. Das hat sich erst seit ein paar einschneidenden Ereignissen geändert. Beispielsweise durch den tagelangen Zusammenbruch des nationalen Hochspannungsnetzes vor ein paar Jahren. Und die kalifornischen Versorgungskrisen. Es wird aber auch immer mehr amerikanischen Durchschnittsverbrauchern bewusst, dass sie durch ihren hohen Konsum von Erdölprodukten der kriegerischen Politik der Administration Bush Vorschub leisten. Sie begreifen allmählich, dass die USA sich ihre verschwenderischen Umgang mit natürlichen Resourcen nicht mehr lange leisten können wird,
    dass am Ende dieser Entwicklung der endgültige Einsturz der amerikanischen “Leadership” stehen wird.

  7. Exilant am 30. November 2006 um 21:19

    @Chevy

    Findest du Geschwindigkeitsangaben auch “irreführend”?

  8. gumbyman am 1. Dezember 2006 um 01:02

    @Chevy
    Mit dem Buchenholz musst Du nochmals über die Bücher: der *Energie-Inhalt* von 500g Buchenholz liegt bei etwa 2000 *Watt-Stunden* (7.2MJ) und verbraucht eine bestimmte Menge Luft – die dabei abgegebene *Leistung* (*Watt*) hängt von der Brenndauer ab (d.h. wie gross ist das Feuer / wie schnell brennt es ab). Und übrigens: weisst Du auch wieviel m3 Luft das Verbrennen von 500g Benzin oder Diesel verbraucht?

    @ninatest
    Du unterschätzt den Energieverbrauch von Gebäuden (inkl. Gewerbe, öffentliche Gebäude usw.) offenbar gewaltig: Heizung und Warmwasser fressen da locker schon mal halb so viel wie der gesamte Verkehr. Und vor allem: mit Wärmedämmung, Solarthermie, Holzheizungen u.ä. lässt sich bei Gebäuden relativ einfach und wirtschaftlich sehr viel Energie einsparen oder auf erneuerbar umstellen, und das bei sogar höherem Komfort. Das ist beim Verkehr bekanntermassen sehr viel schwieriger.

    Die 2000-Watt Gesellschaft ist halt einfach der einfachste Nenner, da geht’s mit Nichten und Neffen um plombierte Steckdosen oder sowas.

    Will heissen dass pro Kopf im *Durchschnitt* nicht mehr als 2kW verbraucht werden, bzw. die Schweiz mit einem *Durchschnitt* von z.B. 14GW auskommen soll, oder mit einem Jahresverbrauch von etwa 120 TJ. Da wärn dann alle Energieträger damit gemeint, und langfristig muss auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden, weil die anderen ja irgendwann erschöpft sein werden. Und aus heutiger Sicht ist es etwa realistisch/wirtschaftlich, pro Kopf ca. 2kW dauernd gewinnen zu können – so einfach ist das.

    Soweit ganz logisch, das einzige was ich nicht begreife: warum sollen diese einfachen Zusammenhänge nur von den Grünen verstanden werden dürfen? Man kann doch annehmen, dass es auch in anderen Parteien vernunftbegabte Menschen geben sollte…

    Und übrigens: die pöhsen Amis sind gar nicht so verpennt (jedenfalls nicht alle), mindestens in Kalifornien (leidet/litt unter Smog) gab es schon sehr früh ein sehr ehrgeiziges Luftreinhalte-Programm (http://en.wikipedia.org/wiki/California_Air_Resources_Board), das dann aber vom Bund unterhöhlt und gekippt wurde. Und die meisten privat gebauten oder erworbenen Elektrofahrzeuge gibt es – bei den Amis (ok, nicht pro Kopf, da liegt CH vorne ;-)

    g.

  9. fragenspeck am 1. Dezember 2006 um 15:08

    Die Grünen legen aus zwei Gründen zu:

    1. Aus einem Missverständnis: Viele Leute meinen, die Grünen seien etwa gleich oder weniger links als die SP. Das stimmt nicht, im Gegenteil: sie sind mehr links als die SP. Wenn dies klar wird, ändern sich auch die Wahlerfolge.

    2. Weil sie nicht in der regierung sind: Die Grünen werden nicht für alles verantwortlich gemacht.

  10. Exilant am 1. Dezember 2006 um 15:40

    @Speck (zu 1)

    Na ja, so viel linker sind die nun auch wieder nicht! Und spätestens seit der Gründung der schizophrenen Gurkenpartei ist wohl jedem der grün wählt klar wofür Grün steht!

  11. dennis am 27. Dezember 2006 um 02:18

    also ich muss speck vollkommen recht geben!

  12. Chevy am 26. April 2007 um 09:08

    Zitat von 20min:

    Die 2000-Watt-Gesellschaft sei eine schöne Vision, technisch mit mehr Energieeffizienz, Sparmassnahmen und neuen Technologien wahrscheinlich möglich, aber dennoch unrealistisch, sagte Ralph Eichler, Direktor des PSI, am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie. Die Menschen würden sich eben nicht immer ideal verhalten.

    Link:
    http://www.20min.ch/news/schweiz/story/14745663

  13. gumbyman am 27. April 2007 um 00:54

    Tja @Chevy,
    wo Du recht hast, hast Du recht: bei den heutigen Energiepreisen (externe Kosten werden ja nicht dem Verbraucher belastet) ist es natürlich “unrealistisch”, weil sich der Mensch nicht ideal, sondern rational-ökonomisch verhält.

    Verlagern wir aber (kostenneutral) Steuern auf die Energie und entlasten das Arbeitseinkommen (ist politisch machbar) oder erheben Lenkungsabgaben, verhält sich der Mensch immer noch rational-ökonomisch, und geht also sorgsam mit der Energie um.

    Ob wir 2050 bei 2000 oder 3000 Watt landen ist nicht so entscheidend – sondern dass der Weg dahin unverzüglich eingeschlagen und besonders umweltbelastende Energieformen drastisch verteuert werden.

    g.

  14. Loser am 18. Juli 2008 um 09:15

    Ob wir 2050 bei 2000 oder 3000 Watt landen ist nicht so entscheidend – sondern dass der Weg dahin unverzüglich eingeschlagen und besonders umweltbelastende Energieformen drastisch verteuert werden.

    Darüber können wir ja mal abstimmen !

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