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Die Fakten über die Jugendgewalt

In einem Interview im Tagi redet Olivier Guéniat, Chef der Neuenburger Kriminalpolizei, Klartext über die Jugendgewalt. Sehr lesenswert!

Das Departement Blocher sagt, die schwere Jugendgewalt habe zugenommen. «Stimmt nicht», entgegnet Olivier Guéniat, Chef der Neuenburger Kriminalpolizei.
Guéniat wirft Medien und Politikern vor, sie hätten in der emotional geführten Debatte über gewalttätige Jugendliche «jede Verhältnismässigkeit verloren». Es sei willkürlich, die Jugendlichen – oft in Verbindung mit der Ausländerfrage – aus dem Kontext einer in der Gesellschaft allgemein höheren Gewaltbereitschaft herauszugreifen.

Einen Teil der Massnahmen gegen Jugendgewalt, die einerseits Justizminister Christoph Blocher und anderseits Exponenten der Zürcher SP vorgeschlagen haben, hält der Kripo-Chef für unzulässig, untauglich oder Wahlpropaganda. Im Gespräch beteuert Guéniat, er habe mit Parteipolitik nichts zu tun. Ihm sei «als Kriminologe und Humanist» daran gelegen, die Diskussion über straffällige Minderjährige zu versachlichen.

Einige Auszüge aus dem Interview:

Als Bundesrat Blocher Ende Juni ein Massnahmenpaket gegen die Jugendgewalt in die Vernehmlassung schickte, schrieb sein Departement: Die Praktiker gehen einhellig davon aus, dass die Schwere der Jugendgewalt zugenommen hat. Teilen Sie diese Auffassung?

Nein – aus dem oben erwähnten Grund: Die Grundthese ist falsch. Ich will die Gewalt von Jugendlichen nicht verharmlosen. Aber ich stelle die Proportionen richtig: Der Anteil der Minderjährigen an allen Tatverdächtigen hat seit Anfang der 1980er Jahre eindeutig abgenommen (siehe Grafik). Wenn man ständig über die Jugendgewalt redet und schreibt, entsteht der Eindruck, dass sei ein Problem von nationaler Bedeutung. Das stimmt nicht. Man benutzt die Jugendkriminalität, um Ausländerpolitik zu machen. Das ist keine Kriminologie mehr, sondern Politik in einem Wahljahr.

Um ein verlässliches Bild der schweren Jugendgewalt zur erhalten, muss man jene Fälle heranziehen, wo Gerichte unbedingte Gefängnisstrafen wegen schwerer Delikte ausgesprochen haben. Zwischen 1999 und 2005 pendelte ihre Zahl zwischen 210 und 330. Das entspricht zwei bis drei Prozent der 14 000 Jugendstrafurteile pro Jahr. In nur zehn Fällen verhängten Jugendrichter 2005 in der Schweiz Gefängnisstrafen von mehr als sechs Monaten. Wenn die Schwere der Gewalttaten wirklich zugenommen hätte, hätten die Richter häufiger härtere Sanktionen ausgesprochen. Das ist nicht der Fall.

Ich bitte darum, vor dem Publizieren allfälliger Postings erst das ganze Interview zu lesen.

Dieser Artikel wurde von Pirelli am Montag, 30. Juli 2007 in der Rubrik Politik und zu den Stichwörtern , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

2 Kommentare zum Artikel “Die Fakten über die Jugendgewalt”

  1. iris am 16. September 2007 um 20:25

    Einige Gedanken zum Thema Jugendgewalt

    Jugendgewalt, ein in letzter zeit viel diskutiertes Thema. Die Presse ist voll von Artikeln über mögliche Ursachen und halbherzigen Lösungsvorschlägen. Dazu kommt noch, dass diese hitzige Diskussion gerade im Wahljahr 2007 zu einem verdächtig günstigen Zeitpunkt kommt.
    Ich möchte Sie nicht langweilen, indem ich wiedergebe, was in den vielen Zeitungsberichten zu diesem Thema gesagt wird sondern ich möchte einfach meine persönliche Meinung vertreten, die einerseits auf meinen persönlichen Erfahrungen bzw. auf Berichten von Freunden, sowie auf Medienberichten basiert.
    Grundsätzlich gibt es immer noch verschiedene Ansichten dazu, ob sie die Jugendgewalt wirklich so drastisch verschlimmert hat, wie in den Medien berichtet wird oder ob es sich nicht um ein leider schon langjähriges Problem handelt, welches immer schon bestand aber nicht so stark von der Öffentlichkeit verfolgt wurde.
    Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gab es im Jahr 2006 um 50% mehr Anzeigen gegen Jugendliche Gewalttäter als im Vorjahr. Eine meiner Meinung nach wirklich erschreckende Zahl, die ich gar nicht anzweifeln möchte. Auch was ich in meinem sozialen Umfeld mitbekomme. Es ist keine Seltenheit mehr wenn jemand erzählt, dass er am Wochenende irgendwo grundlos zusammengeschlagen wurde. Traurigerweise muss ich jetzt sagen, dass fast immer wenn es um dieses Thema geht, vor allem Ausländer als Täter genannt werden.
    Also muss ich ganz klar sagen, dass in meinem Umfeld Gewalt zu einem Problem geworden ist, das man nicht mehr ignorieren kann. Meiner Meinung nach hat es zumindest in Luzern und Umgebung mehr Jugendgewalt gegeben hat als noch vor einigen Jahren.
    Die Statistik gibt mir in dieser Hinsicht klar Recht. Von Leuten, die allerdings direkt mit jugendlichen Gewalttätern arbeiten, hört man laut der Sonntagszeitung allerdings, dass es nicht mehr Fälle von Jugendgewalt gab als normalerweise, es seien einfach einige sehr erschreckende Einzelfälle gewesen.
    Ob es sich nun um ein zweckmässig überspitztes Thema für Wahlkampfgründe ist oder ob wir ein von unserer Gesellschaft verursachtes Jugendproblem zu bewältigen haben oder nicht, da müssen sie alle zu einer eigenen Meinung kommen.
    Ich glaube, dass es sich um ein ernstzunehmendes Thema handelt, zu welchem bisher noch keine meiner Meinung nach guten Lösungsvorschläge gebracht wurden.
    Damit kommen wir gerade zu meinem nächsten Thema, die Massnahmen, die SP und SVP ergreifen möchten.
    Von linker Seite aus möchte man das Haftalter tiefer setzen, damit man auch unter 15 jährige ins Gefängnis stecken kann. Dazu muss ich sagen, diese Idee erscheint mir lächerlich. Wenn man unter Umständen mit 16, 17 schon einen Gefängnisaufenthalt hatte, was für Optionen bleiben einem dann noch?
    Welcher Betrieb nimmt einen Lehrling, der wegen Prügeleien gesessen hat?
    Abgesehen davon hört man immer, dass Gefängnisse die grössten Verbrecherschulen seien. Wenn man seine Strafen abgesessen hat, weiss mehr über illegale Dinge denn je und hat keine wohl kaum die Möglichkeit sich eine berufliche Zukunft aufzubauen. Es kommt in diesem Fall eine junge, perspektivenlose Person, die eigentlich noch in der Entwicklungsphase ihrer Persönlichkeit sein sollte, aus dem Gefängnis.
    Ich könnte es beinahe nachvollziehen wenn so Jemand wieder kriminell oder gewalttätig würde.
    Aus diesem Grund glaube ich, dass sich diese Massnahme eher kontraproduktiv auswirken würde, zum Glück ist es bisher nur ein Vorschlag.
    Und nun zur Ausschaffungs-Initiative, die Lösung des Jugend- und auch allgemein des Gewaltproblems für die SVP. Natürlich ist für Christoph Blocher klar, dass es sich bei der Jugendgewalt um ein Ausländerproblem handelt, ein reines Ausländerproblem selbstverständlich.
    Die Lösung: Ausschaffen und zwar mit der ganzen Familie. Wer kriminell wird hat kein Recht in diesem Land zu bleiben.
    Solche Ideen lehne ich grundsätzlich ab, wir sind doch alle nur Menschen, wie ich finde, die gleichen Rechte haben. Wenn man also kriminelle Ausländer ausschaffen will, dann sollte man mit den kriminellen Schweizern genauso verfahren, das wäre wiederum fair.
    Laut Herrn Blocher sollen sogar Ausländer, die wegen eines Ladendiebstahls verhaftet werden, ausgeschafft werden. Ich nehme zwar an, dass ein so radikales Gesetz nie durchkommen wird oder ich hoffe es zumindest schwer.
    Es gibt schliesslich so viele Gründe, weshalb eine Person Kriminell werden könnte, die unter gewissen Umständen zu verzeihen wären. Ich spreche hier allerdings eher von einem Ladendiebstahl oder einem Einbruch aus Existenzängsten zum Beispiel und nicht von schweren Gewaltdelikten oder anderen schweren Kriminellenhandlungen
    Grundsätzlich finde ich, dass jeder der Reue zeigt, eine zweite Chance verdient hat, auch wenn er einmal auf die schiefe Bahn geraten ist. Es kann gar nicht so einfach sein ein Problem wie die Jugendgewalt einfach damit zu lösen dass man alle gewalttätigen jungen Ausländer ausschafft. Schliesslich könnte man auch nicht alle DJBobo-Fans mit allen CDs die es gibt des Landes verweisen, nur weil man ein Problem mit dieser Musik hat. Es würde nämlich gar nichts nützen, weil es eine Trotzreaktion auslösen würde, der Schwarzmarkt würde blühen und die Musik würde weiterhin gehört werden.
    Dieser Vergleich ist vielleicht etwas weit her geholt aber er zeigt doch was ich damit meine. Die Ausschaffungs-Initiative würde das Problem nur örtlich verlagern und eine Protestreaktion auslösen.
    Genauso wenig wie man einfach sagen kann es handelt sich nur um ein Ausländerproblem. Schlagzeilen die Ausländer anprangern sind schliesslich attraktiver, als wenn man hört, dass sich die Jugendlichen des eigenen Landes genauso prügeln.
    Ich finde das zeigt doch, dass der SVP nicht wirklich daran gelegen ist das Problem mit der Jugendgewalt zu lösen, höchstens es zu verschieben oder den Wahlkampf anzuheizen.
    Ich finde es immer schade wenn die heutige Jugend so schlecht dasteht, wie ein Haufen perspektiveloser, gewalttätiger und nutzloser Haufen. Schliesslich ist das nicht so. Erstens gib es sicher viele junge Menschen die etwas aus sich machen oder zumindest auf dem Weg dazu sind und zweitens leben wir heute in einer schwierigen Zeit: der Konsumdruck ist gewaltig, die Umwelt wird verschmutzt, Kriminalitäts- und Arbeitslosenraten sind hoch. Ich möchte damit in keiner Weise rechtfertigen, dass jugendliche gewalttätig werden, aber ich verstehe sehr gut weshalb man sehr frustriert über die eben genannten Probleme sein kann. Frust, Unverständnis von Seiten Erwachsener gemischt mit dem Leichtsinn und der Übermut der Jugend, da hat man schnell einen starken Problem-Cocktail.
    Ein weiterer Faktor ist auch, dass Gewalt immer Gegengewalt verursacht. Wer Angegriffen wird, der schlägt zurück und ist dann vielleicht wenn er einmal provoziert wird auch gewaltbereiter. Leider liegt der schöne christliche Grundsatz von wegen auch noch die andere Wange hinhalten, nicht mehr im Trend.
    Zum Abschluss möchte ich sagen, dass wir die Lösungen nicht in härterer Bestrafung sondern in der Prävention suchen müssen. Man müsste irgendwie erreichen, dass es für Jugendliche keine so offensichtlichen Gründe mehr gibt, gewalttätig zu werden. Aber einen konkreten Vorschlag wie man das machen könnte habe ich leider nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das Tragen einer Schuluniform am Besten schon in der Primarschule einen Beitrag zur Integration von Kindern aus ärmeren oder Eingewanderten Familien leisten würde. Es gäbe dadurch wenigstens äusserlich keine Unterschiede mehr und das Gefühl von Einheit und Zugehörigkeit würde gefördert. Vor allem wären die Kinder nicht dem immer stärker werdenden Konsumdruck bezüglich der Kleidung ausgesetzt.
    Dies wäre natürlich nur ein Schritt verantwortbaren Ergebnis kommt.auf dem Weg zur Lösung dieses Problems, aber wenigstens einer in die meiner Meinung nach richtige Richtung.
    Ich hoffe einfach, hinsichtlich der Wahlen, dass sich jede und jeder Gedanken macht zu diesem Thema und hoffentlich zu einem

  2. sudsy am 16. September 2007 um 21:13

    iris@ die innerschweiz ist eine traditionelle rechtsextreme hochburg
    die bürgerlichen schüren gewalt in grossem ausmass; die diffamierung von ausländer ist die ursache wenn es schwierigkeiten gibt;
    geht besser selber hinter eure Bücher !
    indem du diese nazis noch ernst nimmst zeigst du selber welchen geistes kind du bist.
    es ist eklig wie ihr euch von lügenpropaganda einvernahmen lässt. heuchlerisch auf das demagogengeschiss einzugehen. eure probleme
    sind selbstgebraut. du kannst z.b. Feigel googlen und lesen was sache war und leider noch ist. talentierte menschen werden zu rassistischen zwecken marginalisiert. Ihr seid
    das Problem , Innerschweizer !

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