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Der Üetliberggipfel ist unter Naturschutz zu stellen

Das heute im Kantonsrat behandelte Postulat (PDF) verlangt, den Üetliberggipfel komplett unter Naturschutz zu stellen. Dieses Thema ist brandaktuell. Aus dem heutigen Tagi:

Die ausserparlamentarische Kommission, welche beim Bundesamt für Umwelt angesiedelt ist, rüffelt zudem die seit 1985 auf dem Uetliberg-Gipfel vorgenommenen Umbauten harsch: Alle diese Veränderungen seien nicht vereinbar mit den für das Gebiet Uto Kulm formulierten Schutzzielen des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler, und sie seien in der Summe eine «schwere Beeinträchtigung». Die Kommission moniert auch, dass sie bei diesen baulichen Erweiterungen nicht einbezogen worden sei.

(Quelle: Uto Kulm: Illegale Bauten sofort prüfen)

Ich habe dazu heute im Rat das folgende Votum gehalten:

Der Üetliberggipfel Uto Kulm ist nicht nur ein Gebiet des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, es ist auch ein Wildschutzgebiet, ein Wahrzeichen von Zürich und eines der beliebtesten Naherhohlungsgebiete der Lärm- und Smog-geplagten Zürcher Bevölkerung.

Doch auf dem Kulm herrscht heute, mit Unterstützung der Standortgemeinde, ein König. Der Kulm-König setzt sich immer wieder über geltende Gesetze hinweg. So baut er nicht nur immer wieder illegale Gebäude, nein er nimmt sich sogar gelegentlich das Recht heraus, sich allein per Helikopter in sein Reich fliegen zu lassen. Dies neben den vielen bereits in früheren Geschäften behandelten, natürlich immer mit Emissionen verbundnenen und meist unnötigen Autofahrten auf die Kulm. Dies ist nur ein Beispiel der massiven Übernutzung des Üetliberggipfels.

Mit dem Postulat 149/2006 haben die UnterzeichnerInnen den Regierungsrat ersucht, das Gipfeltableau mit Aussichtspunkt und Südwesthang bis Gratstrasse komplett unter Naturschutz zu stellen.

Der Regierungsrat hat, mit Hinweis auf das laufende Verfahren zur Richtplanänderung und dem damit einhergehende Gestaltungsplan, das Postulat zur Ablehnung resp. nichtüberweisung empfohlen. Doch während dieses langwiehrigen politischen Prozesses baut der König auf dem Kulm munter weiter während die Erholungssuchenden und die Wildtiere auf Erholung und Schutz warten müssen.

Dieses Vorgehen, so ist der heutigen Presse zu entnehmen, wird auch von der Eidg. Natur- und Heimatschutzkommission scharf kritisiert.

Daneben gibt es viele Einwände welche in der vom Regierungsrat erwähnten Richt- und Gestaltungsplanrevision aller Voraussicht nachkein Gehör finden werden. So ist auch nach der Revison zulässig:

  • Nach heutigem Recht nicht bewilligungsfähige Bauten nachträglich zu legalisieren
  • Den geschützten Felsen zu Verschandeln und Verschalen
  • Neue und bestehende Nutzungsmöglichkeiten wie ein zweites Aussenrestaurant, eine Bar, Events mit Absperrung des Plateaus
  • Helikopterlandungen auf dem Plateau sowie eine gegenüber heute beninahe verdreifachter Motorfahrzeugverkehr

Dies alles zu Lasten der Ruhe und erholung suchenden Bevölkerung, der Wildtiere und der Umwelt

Die bestehenden Nutzungen des Kulms beschränken und beschneiden ausserdem die freie Zugänglichkeit des Aussichtsplateaus Uto Kulm massiv und reduzieren die kostenlose Aussichtsmöglichkeit. Sie passen nicht in die mehrfach geschützte Landschaft und führen zu Lärm- Luft- und Lichtverschmutzung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte sie eindringlichst und im Interesse der Stadtzürcher Bevölkerung, im Interesse der heutigen und zukünftigen Touristen sowie den Wildtieren, das Postulat zu überweisen und den wunderschönen Gipfel von Zürich unter Naturschutz stellen zu lassen.

Das Postulat wurde unterstützt von :
Grüne/AL, SP, GLP, EVP

Abgelehnt haben:
SVP, FDP, EDU

Abstimmungsergebnis:
Postulat wurde an den Regierungsrat überwiesen mit 79 zu 77 Stimmen (1 Enthaltung). Ein Erfolg auf der ganzen Linie!

Dieser Artikel wurde von Sandro am Montag, 12. Januar 2009 in der Rubrik Zürich und zu den Stichwörtern , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

12 Kommentare zum Artikel “Der Üetliberggipfel ist unter Naturschutz zu stellen”

  1. Behemoth am 12. Januar 2009 um 11:47

    In den Jahren seit ich in Zürich wohne musste ich leider festellen, dass der Uetliberg immer mehr verbaut wird und sich Herrn Fry Hotellerie immer mehr ausbreitet. War schon lange nicht mehr da oben, weil ich da leider nichts finde, was auch nur anähernd mit Erholung zu tun hat. Der Platz, der einem zur Verfügung steht, wenn man nicht im Restaurant (übrigens überteuert und schlechter Service) was kosumieren will, wird immer knapper. Halte zwar die Forderung, den Gipfel unter Naturschutz zu stellen, für ewas radikal, aber es scheint, dass der Bauwut Frys kaum mit anderen Mitteln beizukommen ist.

  2. Behemoth am 12. Januar 2009 um 14:19

    Nachtrag: Was ich bei der ganzen Geschchte am wenigsten verstehe ist, wieso da überhaupt soviel gebaut werden konnte ohne Genehmigung. Was haben denn die Zürcher Behörden da gemacht, bzw. nicht gemacht?

  3. Sandro am 12. Januar 2009 um 14:39

    Der Uto Kulm ist nicht auf Stadtgebiet, sondern Stallikon… ;-)

  4. Behemoth am 12. Januar 2009 um 14:47

    Sorry, das vergess ich immer wieder. Trotzdem müsste es ja auch in Stallikon Leute in der Gemeindeverwaltung geben, die eigentlch dafür sorgen sollten, zu überprüfen, was wo wie gebaut wird, oder nicht?

  5. Rico am 13. Januar 2009 um 16:37

    Grundsätzlich für einmal einverstanden mit dir, Sandro, obwohl ich anderer politischer Herkunft bin als Du. Und so ging es wohl noch ein paar andern Kantonsratsmitgliedern, sonst wäre die Überweisung nicht zustande gekommen.

    Die Forderung mag im Moment wirklich etwas überrissen sein, aber man muss ja zu Beginn mehr fordern, um dann nach Zugeständnissen beider Seiten zu dem zu kommen, was man wollte.

    Ich bin vor 40 und 45 Jahren oft auf dem Üezgi gewesen, bei Tag und bei Nacht. Und jetzt vor einem Jahr zum ersten Mal wieder. Die Diskussionen in der Presse verfolge ich natürlich seit Jahren mit Kopfschütteln.

    Nicht einverstanden bin ich mit Behemoth und der Bemerkung, es gebe da nichts, was mit Erholung zu tun hätte. Egal von welcher Seite man kommt: Der Marsch durch den Wald hinauf ist Erholung pur (wenn nicht gerade eine Völkerwanderung stattfindet, aber da kann Herr Fry ja nur wenig dafür). Aber man sollte natürlich nicht nur die paar Meter vom Bahnhof zum Kulm hinauf gehen, sondern den ganzen Weg! Es gibt Dutzende davon!

    Trotz Grossandrang (2. Januar 08) habe ich übrigens den Service im Restaurant als zwar “zackig”, aber den Umständen entsprechend freundlich erlebt und nicht teurer als anderswo.

    Mini Meinig.

  6. Behemoth am 13. Januar 2009 um 17:07

    “Trotz Grossandrang (2. Januar 08) habe ich übrigens den Service im Restaurant als zwar “zackig”, aber den Umständen entsprechend freundlich erlebt und nicht teurer als anderswo. ”

    Naja, das war ja nur ene nebensächliche Kritik. Ich störe mich eher daran, dass eine Privatperson, Herr Fry, den Gipfel quasi monopolisiert hat und die Behörden ihn seit Jahren gewähren lassen.

  7. Rico am 13. Januar 2009 um 17:09

    Da bin ich einverstanden mit Dir.

  8. agathon am 13. Januar 2009 um 22:30

    Super Sache @Sandro! Vielen Dank! – Ich gehe ein-zwei Mal pro Jahr auf den Uetliberg und konnte nie verstehen, wie man es zulassen konnte, dass ein Naturdenkmal mitten im Naherholungsgebiet in eine reine Geldmaschine verwandelt wurde. Ich persönlich finde Herrn Fry’s Machenschaften selbstherrlich und respektlos gegenüber der Stadtbevölkerung (und gegenüber der Umwelt sowieso.)

  9. Kommunista am 14. Januar 2009 um 06:39

    Wir sollten uns darüber freuen, dass es auf dem Ueltiberg mit dem Uto Kulm ein attraktives Hotel mit einem innovativen Hotelier (Giusep Fry) hat und nicht ständig kleingeistig versuchen jegliches Unternehmertum, auf welches wir gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten angewiesen sind, abzumurksen.

    Die Verhinderer der Nation sind die Grünen und der VCS. Menschen brauchen Lebensraum und keine Naturschutzreservate, die von irgendwelchen Kommissionären selbstherrlich dazu ernannt wurden. Es gibt Leute, die wollen sich ein Denkmal setzen indem sie ein Naturschutzgebiet erzwingen. Diese Leute glauben dann auch noch, dass sie der Menschheit damit einen Dienst erwiesen haben. So naiv sind die.

  10. Rico am 14. Januar 2009 um 08:49

    Ich bin ja nun wirklich alles Andere als ein Linker oder ein Kommunista, aber da muss ich etwas sagen dazu.
    Es geht ja nicht darum, ein Naturschutzgebiet zu erzwingen. Es ist eins, es gibt Bauverbote etc. usf, Verbote und Gebote, über die sich jemand einfach hinwegsetzt in der Annahme, es werde hinterher alles sanktioniert.

    Wenn Du der Meinung bist, jeder sollte machen können, was er will (Bauen wie und wo er will z.B.), dann nenn Dich Anarchista oder so.

  11. agathon am 14. Januar 2009 um 13:33

    @ Kommunista

    VCS und Grüne habe gar nichts gegen Hotels und Hoteliers. Im Gegensatz zu Lehrbuch-Liberalisten wie dir interessieren sie sich aber durchaus auch, wo ein Hotel zu stehen kommt. – Wenn man dem Herrn Fry übrigens nicht regelmässig auf die Finger schaut, hat Zürich bald ein Alpamare oder eine Dauer-Chilbi auf seinem Hausberg. – Das wäre für dich ja sicher OK: Hauptsache “Liberalismus” (den du offenbar nicht ganz begriffen hast.)

  12. Sandro am 18. Januar 2009 um 13:14

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