Hier Werben?

Der Presserat hat kein Bock auf eine Eingabe

Aufgrund des schockierenden Artikels über die Meistgelesenste Schweizer Tageszeitung, habe ich mir gedacht, das interessiert doch sicher den Schweizer Presserat. Denn dieser ist gemäss seiner Webseite, zuständig für derlei unlauteres:

Der Schweizer Presserat steht dem Publikum und den Medienschaffenden als Beschwerdeinstanz für medienethische Fragen zur Verfügung.

Dazu habe ich die Folgende Email an den Presserat geschickt:

Guten Tag Presserat

Hiermit möchte ich eine Eingabe machen, damit der Presserat die
Werbemethoden der Zeitung mit den meisten lesern der Schweiz, 20
Minuten, unter die Lupe nimmt. In einem Artikel in meinem wirklich
unabhängigen Weblog habe ich die offensichtlichen Verfehlungen dieser
Zeitung aufgelistet:

http://www.ignoranz.ch/item/eine-zeitung-welche/

Darin sind unter Anderen folgende Verfehlungen aufgelistet:
1) Nicht gekennzeichnete Werbung, die als “Leserberatung” vorgegeben
wird. Details finden Sie hier:
http://pendlerblog.blogspot.com/2005/09/unsere-dermatologin.html oder
klare Werbung hier:

http://pendlerblog.blogspot.com/2005/07/saab-monatsabo.html

2) Redaktioneller Artikel, welcher ganz klar als Werbung identifiziert
werden kann:

http://pendlerblog.blogspot.com/2005/09/hoppla.html

3) Falsche Bilder/Bildlegenden:

http://pendlerblog.blogspot.com/2005/06/ressort-das-merkt-doch-niemand.html

4) Nicht gekennzeichnete PubliReportagen der SBB:

http://pendlerblog.blogspot.com/2005/09/schweizerische-bundesbahn.html

http://photos1.blogger.com/blogger/245/854/1600/05_09_14sbb.jpg

Im Sinne ihres Zieles, eine verbesserte öffentlichkeitsarbeit zu machen
(http://www.presserat.ch/11120.htm) wäre es vielleicht grad super mit
diesem Beispiel voranzugehen. Bitte gehen sie dieser Sache nach, viele
Menschen können diese Berichte nicht als Werbung identifizieren.

Freundliche Grüsse
Sandro Feuillet

Ps: Ich habe ihnen bereits über das Internetkontaktformular geschrieben,
habe leider bisher noch nichts gehört, ist dieses ausser Betrieb?

Doch ich musste mit erschrecken feststellen, dass dies den Presserat garnicht interessiert. Wie sonst könnte er mir eine dermassen ablehnende Antwort zukommen lassen:

Sehr geehrter Herr Feuillet

Bezugnehmend auf Ihre Eingabe weise ich Sie darauf hin, dass Beschwerden an
den Presserat schriftlich unterzeichnet per herkömmlicher Post an folgende
Adresse zu richten sind: Schweizer Presserat, Postfach 201, 3800 Interlaken.
Die Beschwerdeschrift sollte den Sachverhalt zusammenfassen und zudem angeben
welchte Punkte der “Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und
Journalisten” bzw. der zugehörigen Richtlinien nach Auffassung des
Beschwerdeführers verletzt worden sind. Weiter sind Kopien der beanstandeten
Medienberichte beizulegen. Die reglemenatrischen Grundlagen
(Geschäftsreglement, “Erklärung”, Richtlinien zur “Erklärung”) sind auf
unserer Website www.presserat.ch abrufbar.

Mit freundlichen Grüssen

Martin Künzi, Sekretariat Schweizer Presserat

Ich habe darauf verzichtet, dem Herrn Künzi mitzuteilen, dass ich nur über beschränkte Ressourcen in meiner Freizeit verfüge und desweiteren bereits genug Hobbies habe. Es verwundert mich jedoch, dass keinerlei Goodwill seitens des Presserates rüberkam, die könnten ja bei solch harsträubenden Fällen auch mal von sich aus aktiv werden. Eine Verbesserung in der Öffentlichkeitsarbeit ist auf jeden Fall nicht zu erkennen.

Dafür hat der Pendlerblog (20min Watchblog) reagiert und alle derzeit bekannten Firmen aufgelistet, welche bei 20 Minuten, nicht als Werbung gekennzeichnete “Werbefläche” kaufen. Es sind dies:

  • Knorr
  • Nivea
  • Nokia
  • Saab
  • Siemens
  • SBB
  • Suisse Toy

Denken Sie doch daran, wenn Sie das nächste mal einkaufen. Diese Firmen wollen Sie verarschen, oder?

Dieser Artikel wurde von Sandro am Montag, 26. September 2005 in der Rubrik Allgemein und zu den Stichwörtern , , , , , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

11 Kommentare zum Artikel “Der Presserat hat kein Bock auf eine Eingabe”

  1. sense am 26. September 2005 um 14:29

    erbsenzähler *g*

    das man in einer _gratis_zeitschrift nur werbung zulesen kriegt sollte eigentlich jedem klar sein, oder?

  2. Mister IGS am 26. September 2005 um 15:14

    “Weiter sind Kopien der beanstandeten
    Medienberichte beizulegen.”

    Schade, diese Artikel hat wohl niemand aufbewahrt. Eine Rüge des Presserates würde der 20min mal gut tun.

  3. vanderzocht am 26. September 2005 um 16:30

    un solang dass dass un das noch nich geklärt sin in der deutschen schprache.. fickt euch doch alle selber ins kni.. odr so.. wi die katharina..

    ich sschreyb wi ick will.. sapperlott..

  4. AlphaPapaGolf am 26. September 2005 um 16:43

    Sandro, wenn du nach Interlaken schreibst, pass auf dass der Brief nicht im Mystery-Park landet.
    Aber so tönt es halt von den Bürokraten retour, die sich partout nicht von ihren Sesseln bewegen wollen.
    Ich will nicht bös sein, aber hoffe dennoch, die nächste Ueberflutung möge diesen sturen Affen in den Thunersee spülen.

  5. thomas.me am 27. September 2005 um 12:23

    sandro, dein blog erfüllt doch die journalistischen ansprüche selber nicht, die du von 20min verlangst. oder hast du gut recherchiert über die zielsetzungen und formalitäten des presserats, bevor du deine “eingabe” gemacht hast?

  6. Sandro am 27. September 2005 um 12:50

    Öhm, ich betreibe ein Blog und nicht eine Zeitung. Die (kommerzielle) Werbung ist ausserdem klar als solche deklariert. Und als Staatsbürger der Schweiz erwarte ich vom Presserat, dass er auf derleib begründeten Verdacht von selber aktiv wird. Alles andere Riecht nach Filz…

    Ausserdem steht in Artikel 7 Absatz 1 folgendes:

    Ein Verfahren vor dem Schweizer Presserat wird durch Einreichung einer Beschwerde an das Sekretariat oder durch Beschluss des Plenums des Schweizer Presserates eröffnet.

    Da steht nix von SnailMail, oder kannst du mir den Absatz zeigen? Die wollen bloss den Amtsschimmel raushängen, weil das nach Arbeit aussieht. Die Fakten sind klar.

  7. Sandro am 27. September 2005 um 12:53

    Ok, im Artikel 8 steht, dass man eine Kopie dazulegen muss (allerdings steht nicht da, dass man die auf totem Holz und als Hartkopie einreichen muss. Ich habe bloss eine Referenz zur elektronischen Kopie (verfügbar im Pendlerblog als eingescannte Artikel) eingereicht. Ein guter Paragraphenreiter kann das natürlich als Formfehler hindrehen.

    4) Mit der Beschwerdegründung ist eine Kopie des beanstandeten Medienbeitrags in Text und/oder Ton bzw. Bild einzureichen

    Ich bleibe dabei, der Presserat hat kein Bock auf ein Verfahren. Sonst wäre er jetzt von sich aus tätig geworden.

  8. thomas.me am 27. September 2005 um 14:35

    Hinter deiner Argumentation steht eigentlich ein Vorwurf an den Presserat, er nähme seine Aufgabe nicht wirklich ernst. Das mag stimmen, aber gehst du nicht von einer falschen Vorstellung aus? Der Presserat ist weder unabhängig noch hat er irgendeinen staatlichen Auftrag. Er ist eine private Selbstregulierungsorganisation, die zum Ziel hat, durch massvolle öffentliche Selbstkritik das Image der Branche aufzupolieren und vor allem staatliche Eingriffe zu verhindern. In diesem Licht betrachtet, ist es logisch, dass der Presserat gerne an publikumswirksamen Einzelfällen demonstriert, wie ernst er seine Aufgabe nimmt, hingegen bei der Verurteilung der schleichenden Verbreitung fragwürdiger Praktiken in allen Medien äusserst zurückhaltend ist. Er wird nicht ernsthaft die Hand beissen, die ihn füttert.

    Du schreibst ein Blog, keine Zeitung? Frage: Warum soll ich ein Blog lesen, das es mit der journalistischen Sorgfalt so genau nimmt wie, sagen wir z.B. 20 Minuten? Was bringt mir ein Blog, das mich anlügt oder die Menschenwürde anderer Leute verletzt? Die “Pflichten und Rechte der Journalisten” sind ja nicht völlig aus der Luft gegriffen, es geht um Glaubwürdigkeit. Das Schöne an Blogs ist ja, dass du schreiben kannst was du willst, aber ich glaube, dass du langfristig nur ernstgenommen wirst, wenn du ähnliche Standards befolgst wie die Leute, die dafür ausgebildet sein sollten, für andere zu schreiben.

  9. Sandro am 27. September 2005 um 14:52

    Wieso du diesen Blog lesen sollst?

    1. Mich füttert KEINE Hand resp. ich verkaufe keinen Werbeplatz, ergo muss ich bei meinen Artikeln nicht darauf schauen, dass meine Werebepartner nicht abspringen. (Siehe die Swisscomstory) Ich bin unabhängig und nicht erpressbar. (natürlich füttert mich eine Hand, aber die hat mit diesem Medium nix zu tun.)

    2. Ich bin kein Journalist. Ich bin ein politisch interessierter Schweizerbürger nicht mehr, nicht weniger. Ich beobachte die Politik und die “alten” Medien und schreibe meine Meinung dazu hier auf, mit der Absicht, dass darüber diskutiert wird.

    3. Ich bin offen für Kritik, dies zeigt auch dieser Thread. Mich kann man öffentlich innerhalb meines Mediums (inhaltlich) kritisieren.

    4. Ich belege meine Aussagen und Behauptungen mit Hyperlinks auf andere Medien / Quellen.

    Und bitte klär mich auf, wo ich die “journalistische Sorgfalt” verletzt habe. Ich werde sofort eine öffentliche Gegendarstellung publizieren. Ohne Konkursandrohung.

  10. thomas.me am 27. September 2005 um 15:06

    Ich behaupte nicht, dass du die journalistische Sorgfalt verletzt hast, das war hypothetisch gemeint. Ich finde dein Blog und seine Ausrichtung interessant, vielleicht gerade deswegen, weil offenbar gewisse Richtlinien eingehalten werden. Darum bleibe ich bei meiner Behauptung: Du bist auch ein Journalist, weil du für andere Leute schreibst und von ihnen (automatisch, unbewusst) mit den Massstäben gemessen wirst, die sich Journalisten setzen. Blogger sind Journalisten!

  11. seenia am 28. September 2005 um 08:18

    hallo thomas
    du findest also dass man in blogs schreiben kannst was du willst, und journalisten nicht?? dann schau mal die ganze brondby-fcz geschichte an, da haben die journalisten auch geschrieben was sie wollen, ohne ein einziger fan zu befragen, der vor ort war… da ist jede ausbildung für die füchse… soviel zu “Pflichten und Rechte der Journalisten”. die werden schon lange nicht eingehalten…

    vieleicht wäre es teilweise sogar besser die journis würden sich nicht in der zeitung verstecken, sondern ihre eigene meinung kundtun, und zwar ganz offiziell! so wie es sandro eben auch tut…

Kommentar verfassen

Sie müssen eingeloggt sein um Artikel zu kommentieren.

Werbung

Twitter Beiträge

Ähnliche Artikel

Facebook

Rubriken

Stichwörter

Das Politik Forum ist CO2 neutral

Neuste Kommentare

Archiv