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Das wirtschaftliche Potenzial des Umweltschutzes

Umweltschutz · Neue Zahlen belegen: Der volkswirtschaftliche Nutzen des Umweltschutzes übersteigt die Kosten deutlich – obwohl diese hoch sind.

Einsprachen von Verbänden gegen neue Möbelmärkte und Einkaufszentren, Proteste gegen Umzonungen wie in Galmiz – was liegt näher, als den Schweizer Umweltschutz als Wirtschafsverhinderer anzuprangern?
Tatsächlich ist der Umweltschutz aber mehr ein Wirtschaftsförderer als ein -verhinderer.
Allein der volkswirtschaftliche Nutzen geht in die Milliarden. So beläuft sich der Wert der Umweltschutzausgaben von Privaten und Unternehmen auf 6,7 Mrd Fr. pro Jahr. Dies sind 1,6% des Schweizer Bruttoinlandproduktes. Und es gibt im Umweltschutzbereich laut Mohr 61 000 Vollzeitstellen. Summiert man die Verwendung der Arbeits- und Kapitaleinkommen des Ökosektors, also die wirtschaftlichen Folgeeffekte, dazu, wächst der Betrag auf 17,1 Mrd Fr. Hinzu kommen Umweltschutzgüter im Wert von 1,4 Mrd Fr., welche die Schweiz jährlich exportiert. Dies entspricht 12 500 Vollzeitstellen. (Handelszeitung)

Als hätten wir es nicht immer schon geahnt: Auch der neoliberalen Leier, dass Umweltschutz nur koste, aber nix bringe, kann locker entgegengehalten werden. Dies hat das Bafu bereits letzten Sommer an einer Tagung nachgewiesen.

Milliardenkosten eingespart

Auch betriebswirtschaftlich fällt die Bilanz positiv aus. Mit Umweltschutzmassnahmen können die Abfallmenge, der Schadstoffausstoss und der Energie- oder Rohstoffbedarf einer Firma kostenwirksam reduziert werden.
Ein Nutzen aus dem Umweltschutz resultiert auch in Form verhinderter Kosten. Arthur Mohr, Leiter Abteilung Ökonomie und Forschung im Bafu, nennt die Luftreinhaltung als Beispiel. “Mit einer Luftbelastung auf dem Niveau von 1970 wären die Gesundheitskosten im Jahr 2002 1 Mrd Fr. höher gewesen.” Dies entspräche 0,2% des Bruttoinlandprodukts. Dank Umweltschutzmassnahmen konnten von 1970 bis 2002 Gesundheitskosten von insgesamt 16 Mrd Fr. vermieden werden.
Nebst dem direkt messbaren Profit generiert der Umweltschutz durch die verbesserte Lebensqualität auch indirekten wirtschaftlichen Nutzen. Davon profitiert etwa der Tourismus, aber auch der Wirtschaftsstandort Schweiz. (Handelszeitung)

Die WOZ brachte es letzten Sommer schön auf den Punkt. Und sprach auch das Verbandsbeschwerderecht an:

Die Bauwirtschaft trägt etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über 422 Milliarden Franken bei. Und vom BIP kann höchstens ein halbes Promille mit dem Verbandsbeschwerderecht in Verbindung gebracht werden. Das Verbandsbeschwerderecht ist also nicht relevant für das Wachstum der Schweizer Wirtschaft.

Aus den USA kommen unerwartet positive Zeichen: General Electric startete 2005 eine Umweltschutzinitiative.

Ob da unser Klimarappen reicht?

Dieser Artikel wurde von Pirelli am Dienstag, 14. Februar 2006 in der Rubrik Umwelt und zu den Stichwörtern , , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

8 Kommentare zum Artikel “Das wirtschaftliche Potenzial des Umweltschutzes”

  1. fragenspeck am 15. Februar 2006 um 13:54

    Wenn dem so ist, warum hat “die Linke” dann Angst vor marktwirstchaftlichen Regelungen? Ignoriert sie, was du da schreibst?

  2. Pirelli am 15. Februar 2006 um 14:17

    Welche Angst?
    Und welche marktwirtschaftlichen Lösungen?

    Wenn wir bedenken, dass Mercedes zum Beispiel bereits Mitte der 70er die NO2-Problematik beim Dieselmotor erkannt hat und sich 1981 den Harnstoffkat patentieren liess in der Annahme, die Politik würde schnell reagieren und Mercedes hätte so einen Wettbewerbsvorspung, dann aber die Autobranche so stark lobbyierte, dass vom NO2 bis heute kaum die Rede ist und Mercedes also auf den Einbau des Kats verzichtete – wo spielt da der Markt?

    Du musst deine Frage etwas präzisieren. Also nenne Beispiele für die Angst und mögliche marktwirtschaftliche Lösungen, bitte.

  3. driv3r am 15. Februar 2006 um 15:06

    “die Politik würde schnell reagieren”

    “wo spielt da der Markt?”

    Wie es scheint hat Pirellilein eine sehr interessante Vorstellung vom Markt. Was Sie meinen ist nicht Markt und Wettbewerb, sondern staatliche Eingriffe und Regulierungen in diese, um eine Nachfrage für etwas zu erzwingen, für das ohne Staatseingriff gar keine Nachfrageseite vorhanden wäre. So etwas nennt man Planwirtschaft und nicht Marktwirtschaft, und an diesem Konzept sind vor nicht allzulanger Zeit schon ganz andere gescheitert. Dies nur als kleine Ergänzung.

  4. Georg Meier am 15. Februar 2006 um 15:56

    Ich wiederhole es nochmals: Rechtssicherheit ist die Grundlage für einen fairen florierenden Wettbewerb! Wenn die Freiheit des Einen der Schaden des Anderen ist und dieser nicht abgegolten wird, spricht man von einer rechtlichen Lücke. Dies ist bei den krebserregenden Abgasen der Fall.
    Dass gerade die strammsten “Rechten” den Rechtsstaat untergraben und die Willkür schützen, hätte ich nicht erwartet.
    In der Polit-Skala siedle ich Leute wie fragenspeck + drive3r ganz links bis anarchistisch an. Sie schädigen die Marktwirtschaft und den Rechtsstaat zugleich.

  5. driv3r am 15. Februar 2006 um 21:44

    “In der Polit-Skala siedle ich Leute wie fragenspeck + drive3r ganz links bis anarchistisch an. Sie schädigen die Marktwirtschaft und den Rechtsstaat zugleich.”

    Da muss ich aber jetzt wirklich lachen.

    1. Ziehen Sie sich mit Ihren Kommentaren doch nicht ins Lächerliche.
    2. Wen Sie wo wie ansiedeln ist schlussendlich (glücklicherweise) nicht von Belang.

  6. Pirelli am 16. Februar 2006 um 03:58

    Ach, Driv3rello, wenn nur nicht immer das Dogma so mit dir durchginge …

    Wirtschaft ist ohne Staat nicht denkbar. Und da so wenige der von dir derart geschätzten Bosse ihre Eigenverantwortung wahrnehmen, kann die Wirtschaft ohne staatliche Regulative nicht funktionieren. Das hat mit Planwirtschaft nichts zu tun. Nur schon das Erstellen der Infrastruktur ist Staatsaufgabe.

    Vielleicht vergleichen wir es mit dem von dir ebenfalls so geschätzten Strassenverkehr? Der Staat baut die Strassen. Damit auf diesen aber überhaupt gefahren werden kann, brauchts klare Regeln. Ein recht eigentlicher Eingriff in die Freiheit des einzelnen Fahrers, könnte man meinen – aber wie sähe es auf den Strassen aus, gebe es nicht das Regulativ des Strassenverkehrsgesetzes? Stell dir eine Stadt ohne Verkehrsampeln vor: Nichts ginge mehr. Nun müssen die Spielregeln für den Verkehr laufend angepasst werden, es gibt immer mehr Fahrzeuge, also auch immer mehr Regeln. Seit gut zwanzig Jahren ist der Umweltschutz verstärkt zum Thema geworden (aufgrund der Realität, und nicht weil die bösen Grünen den Autoblochern alles verbieten wollen oder gar neidisch sind), also müssen auch hier Regulative geschaffen werden.

    Diese Spielregeln entsprechen durchaus der Nachfrage der Strassenbenützer, denn ohne sie (oder wenn sich die Autöler nicht grösstenteils dran hielten) würde an ein Fortkommen nicht mehr zu denken sein. Auch nicht im neuen Cayenne, by the way.

    Im sogenannt freien Markt, der doch im Wesentlichen von den Kartellabsprachen der Grossen geprägt ist (wie sonst könnte UBS 14 Mrd. Gewinn ausweisen, wenn der Wettbewerb spielte? Müsste nicht jede Firma ihre Preise stets nach unten anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?), verhält es sich kaum anders. Gäbe es nicht immer wieder staatliche Eingriffe, würden wir immer noch mit Contergan behandelt und mit DDT vergiftet. Nun ist gerade DDT bei uns geächtet, was aber Bayer nicht daran hindert, es weiterhin zu produzieren und in Indien zu verkaufen. Dort funktioniert die staatliche Kontrolle eben nicht.

    Krebs erregende Wandfarben, hormonaktive Substanzen in Sonnencrèmes, penisschrumpfende Weichmacher … die Liste liesse sich beliebig verlängern. Die Selbstkontrolle der Wirtschaft funktioniert nicht, ohne dauernde staatliche Eingriffe gäbs wohl bald keine Konsumenten mehr.

    Wenn du nun sagst, dass bei manchem (z. B. Harnstoffkats) gar ohne staatliche Intervention keine Nachfrage da wäre, weshalb hat dann Mercedes den Kat in Eigenregie entwickelt, als man die besondere Giftigkeit der Dieselabgase erkannte? Wärs dir wirklich recht, wenn wir noch mit bleihaltigem Benzin führen? Wenn deine Mutter während der Schwangerschaft vom wohlmeinenden Arzt Contergan bekommen hätte? Wenn jeden Tag irgendwo eine Chemiefabrik in die Luft flöge, weil keine Sicherheitsbestimmungen existierten oder keiner da wäre, der ihre Umsetzung kontrollierte? Wenn du in keiner Beiz einen Kartoffelsalat essen könntest, ohne Salmonellen mit nach Hause zu tragen, weil es keine Lebensmittelhygienevorschriften gäbe und keine staatlichen Kontrolleure? Was glaubst du, wie sicher dein Auto wäre?
    Denkst du nicht, dass in diesen Punkten die Nachfrage gross ist und dass es des Staates bedurfte, Standards durchzusetzen, weil sich die Industrie immer darum foutiert hat, wie sicher ihre Produkte sind?

    Auch “freie” Marktwirtschaft funktioniert nicht ohne staatlich gesetzte Rahmenbedingungen. Und wie viele Industriebranchen existieren überhaupt nur noch dank staatlicher Unterstützung? Keine einzige Fluggesellschaft zum Beispiel kann ohne Subventionen und Steuernachlässe überleben. Da seid ihr Wirtschäftler ja immer schnell mit der hohlen Hand parat.

    Item. In den den Schweizer Städten besitzen im Schnitt 50 Prozent der Haushalte kein Auto (Zürich 49,5, Luzern 52 Prozent – New York übrigens gar 74 Prozent), was glaubst du, wie gross die Nachfrage nach weniger Verkehr ist?

    Du solltest deine Dogmen vielleicht einmal an der Realität prüfen.

    Übrigens: Pirellino wär die linguistisch passende Verkleinerung. Das von APG vorgeschlagen Micheline gefiele mir aber durchaus auch. :-)

  7. Forum Politik » CO2 - Das teure Gut am 4. März 2006 um 15:49

    [...] Da tut sich doch was. Wer hätte gedacht, dass die Diskussion so schnell zu greifbaren Ergebnissen führt. Natürlich beklagen sich die Unternehmen jetzt, sie seien in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt. 4 von 10 Grossemittenten beziehen das Treibhausgas jetzt schon als Kostenfaktor in ihre Erfolgsrechnung ein. Damit die Unternehmen aber wirklich zu Investitionen gezwungen würden, müsse die Tonne CO2 40 Euro kosten. Dass sich aber umweltschonendes Geschäftsgebaren lohnt, haben wir in diesem Forum hier schon nachgewiesen. [...]

  8. Forum Politik » Umwelt hat Spitzenplatz im Sorgenbarometer - Doch immer noch zu viel Druck auf die Umwelt am 1. Juni 2007 um 12:22

    [...] Mauro Tuena ist nicht mehr tragbarSVP stellt Bortoluzzi als Huber-Nachfolger aufSVP-Gemeinderat Martin Burger spricht nur SchweizerdeutschSchweizer Asylpolitik im internationalen KreuzfeuerDas wirtschaftliche Potenzial des Umweltschutzes [...]

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