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CO2 – Das teure Gut

Der Ausstoss von CO2 ist in der EU so teuer geworden, dass für die Unternehmen Umweltschutz ein Kostenfaktor wurde.

Der europäische Handel mit CO2-Emissionsrechten begann erst vor 14 Monaten und erlebte einen unerwarteten Aufschwung. 2005 wurden Rechte für 362 Millionen Tonnen mit einem Wert von 7,2 Milliarden Euro gehandelt. 20 Euro kostete es also im Durchschnitt, wenn ein Unternehmen eine Tonne des Treibhausgases mehr ablässt, als ihm zusteht. Und gleich viel kann ein Unternehmen kassieren, wenn es die Kyoto-Vorgaben erfüllt.
Der Preis für eine Tonne CO2 verfünffachte sich von 6 Euro im Januar 2005 bis auf 29 Euro im Sommer. Die Nachfrage stammte vor allem von den grossen Stromproduzenten, die in der EU – im Gegensatz zur Schweiz – im grossen Umfang fossile Primärenergien einsetzen. Die Elektrizitätswirtschaft ist mit Abstand der grösste Emittent des Treibhausgases, das zur Erderwärmung beiträgt.
Preistreibend wirkten sich 2005 die Witterung in den kalten Wintermonaten und danach die steigenden Öl- und Gaspreise aus. Auf diese beiden Faktoren, die auch die Energiemärkte prägen, würden sich über 90 Prozent der Preisfluktuationen von Emissionsrechten zurückführen lassen, wie Analysten der auf den Emissionshandel spezialisierten Beratungsfirma Point Carbon berechnet haben. Für sie ist dies eine erfreuliche Feststellung, denn einen von politischen Einflüssen freien Markt für Emissionsrechte zu schaffen, sei ja das Ziel der EU gewesen, sagten sie an einem Kongress mit über 1200 Vertretern von Unternehmen, Behörden und Umweltverbänden in Kopenhagen. (Tages-Anzeiger)

Da tut sich doch was. Wer hätte gedacht, dass die Diskussion so schnell zu greifbaren Ergebnissen führt. Natürlich beklagen sich die Unternehmen jetzt, sie seien in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt. 4 von 10 Grossemittenten beziehen das Treibhausgas jetzt schon als Kostenfaktor in ihre Erfolgsrechnung ein. Damit die Unternehmen aber wirklich zu Investitionen gezwungen würden, müsse die Tonne CO2 40 Euro kosten.
Dass sich aber umweltschonendes Geschäftsgebaren lohnt, haben wir in diesem Forum hier schon nachgewiesen.

Nun stellt sich aber das Problem, dass der Kyoto-Vertrag 2012 ausläuft. Bis dahin muss eine global verbindliche Nachfolgeregelung getroffen worden sein, die auch China und die USA mit einbezieht. Well, Bush regiert noch bis 2008, seine Nachfolgerin wird, da die Auswirkungen des Klimawandels in den nächsten Jahren noch manifester sein werden, die Augen vor der Realität nicht mehr verschliessen werden können.

Wir können in Anbetracht der Tatsache, dass die heute emittierten Treibhausgase erst in 15 bis 30 Jahren klimaaktiv werden, nur darauf hoffen, dass der Zug noch nicht abgefahren ist. Und die neuen Studien zeichnen ein düsteres Bild …
(Pirelli)

Dieser Artikel wurde von Pirelli am Samstag, 4. März 2006 in der Rubrik Umwelt und zu den Stichwörtern , , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

13 Kommentare zum Artikel “CO2 – Das teure Gut”

  1. driv3r am 4. März 2006 um 18:01

    Toll. Und am Schluss zahlts einfach der Konsument, weil die Strom/Gasrechung steigt. Treffen tuts wie immer die, welche eh schon knapp dran sind. Dafür konnten ein paar Schreibtischhengste ihre feuchten Öko- und Abzockträume realisieren. Herzliche Gratulation.

  2. quadour am 4. März 2006 um 21:32

    Die Meinung von driv3r ist so typisch. Sinngemäss: wenn wir etwas für Umweltschutz tun wollen, steigen die Preise und die Leidtragenden sind die sozial Schwachen oder “das Volk”, ergo wollen wir keine Umweltschutzmassnahmen. Da die Politiker, welche ihren Job lediglich aufgrund ihrer Wahl ausüben diesen Zusammenhang genau kennen, hat auch keiner von diesen Damen und Herren den Mut, beispielsweise den Benzinzoll zu erhöhen. Was würde wohl dann im “Blick” stehen.
    Lieber Rauchverbote einführen und Rassenlisten für Hunde einführen. Viel einfacher.

  3. quadour am 4. März 2006 um 21:44

    Die Schweiz hat das K. Protokoll unterschrieben. Dass die Einhaltung dieses Vertrages absolut unmöglich sein wird, war den verantwortlichen Personen damals doch sonnenklar. Die Schweiz wird dieses Abkommen nicht einmal ansatzweise erfüllen können, das hört man jeden Tag im Radio.
    Die USA haben diesen Vertrag nicht unterschrieben, eben weil sie wussten, dass sie ihn nicht einhalten können. Und dass im Falle der Nichteinhaltung aufgrund des Justizsystems jeder Bürger mit zig Milliarden gegen die Regierung klagen kann. Deshalbt haben die USA das Abkommen nicht ratifiziert. Das ist doch viel ehrlicher als dass was die Schweizer machten, oder?

  4. mess-anger am 4. März 2006 um 22:30

    Wenn eben “der Konsument” nicht zahlen soll, müssen eben andere bezahlen: Versicherte (höhere Prämien), Betroffene (unversicherte Schäden), Wirtschaft (Zerstörung der Infrastruktur etc.).
    Da sollte man doch besser dem Verursacherprinzip folgen.
    Zum Kyoto-Protokoll: Das Problem mit der Umsetzung gibt’s in vielen Ländern (z. B. Kanada, da war gerade was in der Zeitung). In der Schweiz wird eben alles durch Lobbying blockiert (siehe Klimarappen) in den USA wirkte das Lobbying halt schon während den Verhandlungen.

  5. Georg Meier am 5. März 2006 um 05:26

    Mehr Energieffizienz schafft mehr Arbeitsplätze.

  6. Rudolf am 5. März 2006 um 09:47

    @driv3r
    Aus Dir spricht die Stimme des Neiders: Der Endverbraucher zahlt immer den Marktpreis. Nur die Lenkung des Marktpreises (=Einbeziehung der externen Kosten)zwingt den “homo ökonomikus” nach Alternativen suchen (freie Güter wie gesunde Luft, sauberes Wasser sind nicht unbeschränkt vorhanden). Wenn sich die Masse ein Gut immer weniger leisten kann, ändert sich das Angebot von selbst. Nichts von abzocken: wenn du knapp dran bis, löse Dein persönliches Problem vielleicht mit Weiterbildung. Suche Alternativen!
    Rudolf

  7. driv3r am 6. März 2006 um 01:34

    “@driv3r
    Aus Dir spricht die Stimme des Neiders: Der Endverbraucher zahlt immer den Marktpreis. Nur die Lenkung des Marktpreises (=Einbeziehung der externen Kosten)zwingt den “homo ökonomikus” nach Alternativen suchen”

    Da haben wir ein fundamental-unterschieldiches Verständnis von Ökonomie. Für mich ist es eben genau kein Markt mehr, welcher die Interessen der Individuen widerspiegelt, wenn der Staat überall dermassen dreinpfuscht und alles zureglementiert. Das ist Planwirtschaft.

    “Nichts von abzocken: wenn du knapp dran bis, löse Dein persönliches Problem vielleicht mit Weiterbildung. Suche Alternativen!”

    Es geht mir nicht nur um mich persönlich. Aber ich kenne Leute bei denen das Geld knapp ist und dies obwohl Sie hart schuften und Steuern zahlen.

    Und das letzte was diese noch gebrauchen können sind zusätzliche Belastungen, nur damit sich pressegeile Politiker und “Wissenschaftler” sinn- und wirkungslose Umweltschutzprogramme wie eben zum Beispiel das absurde und zum Scheitern verurteilte Kyoto-Theater leisten können.

  8. Rudolf am 6. März 2006 um 13:18

    @driv3r
    Dass Du die Marktgesetze ignorierst, lässt mich schliessen, dass Du es besser weisst.
    Der Staat setzt Leitplanken.
    Du meinst wahrscheinlich die working poor. Die haben in ihrem Leben ganz sicher etwas entscheidendes falsch gemacht.
    Rudolf

  9. felixkohl am 6. März 2006 um 22:53

    “Der Staat setzt Leitplanken”
    Auch Marktwirtschaft braucht Staat. ;-)

    Das Prinip finde ich gut. Nur…
    Beim Kyotoprotokoll sollten ALLE Staaten mitspielen. Insbesondere die USA sind die grössten Emitenten. Danach China. Ansonsten leiden wieder einmal Betriebe, die z.B. in Europa unter eh schon teureren Konditionen produzieren (z.B. Löhne.

    Nebenbei bemerkt. Kernenergie, da CO2-frei gewinnt wieder an Aufschwung, trotz weitgehend ungelöster Endlagerprobleme, trotz Ängste vor Gau. Die Axpo in der Schweiz rüstet politisch schon auf.

  10. Rudolf am 6. März 2006 um 23:04

    Meine persönliche Lösung:
    Energie sparen: 22km tägl. zu Fuss gehen, Velo wöchentlich benutzen, Max. eine Tankfüllung = 60L pro Monat fürs Auto, Bahnfahren, Stromsparlampen, Stromspar-PC!
    Rudolf

  11. driv3r am 6. März 2006 um 23:11

    Rudolf, und wohin gehst du in der Urlaub wenn hierzulande mal wieder alles kalt, verhangen, vernebelt und verregnet ist?

  12. Rudolf am 8. März 2006 um 13:17

    Ich fahre mit der Bahn ins Engadin oder Tessin zu einer Wanderwoche.
    Rudolf

  13. sense2 am 8. März 2006 um 13:46

    mist, bei mir ist eine Tankladung 120 Liter…
    Darf ich jetzt nur noch einmal halben tanken? :D

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