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Bottellon: Heuchlerische Empörung von Medien und Politik

Unter den Namen Euro 08, Fasnacht, Silvester, Zürifäscht, Dorfchilbi und noch vielen weiteren, sind “Massenbesäufnissen” völlig ok. Doch wenn eine neue Form des Protests (gegen überhöhte Getränkepreise) aus Spanien unter dem Namen “Bottellon” in die Schweiz überschwappt, fühlen sich Medien und Politik plötzlich als selbstverpflichtete Hüter der Moral und treiben einen, zugegebenermassen etwas naiven, Jugendlichen als Sau durchs Dorf. Gefundenes Fressen für Blick-”Journalisten” welche im Sommerloch offenbar nichts besseres zu schreiben haben. Auch die Politik reagiert sofort. Die angeblich Sozialdemokratische Zürcher Stadträtin Esther Maurer prüft wie die ach so liberale (!!!) Zürcher FDP sofort Verbote (Einschränkungen der Freiheit) für “Getränkepreisproteste”.

Sehr schön bringt Kurt Imhof (Soziologieprofessor) im Tagi diese heuchlerische Doppelmoral zum Ausdruck:

Das Problem ist nicht das Massenbesäufnis. Sondern die Empörungsgemeinschaft der Massenbesäufnisskandalisierer.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Mittwoch, 20. August 2008 in der Rubrik Gesellschaft, Zürich und zu den Stichwörtern , , , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

9 Kommentare zum Artikel “Bottellon: Heuchlerische Empörung von Medien und Politik”

  1. dryueh am 20. August 2008 um 14:01

    Na ja, als treibende Kraft hinter dem “Thema” habe ich den Tagi empfunden. Es ist ja wohl klar, dass wenn die tagelang darüber berichten, früher oder später einer auf die Idee kommt, sowas auch zu tun. Zumal sie ja immer noch dazugeschrieben haben, es sei nicht verboten.

    Aber eben, nach dem Rauchen kommt jetzt das Saufen dran. Was für eine beschissene Gesellschaft. Die Lungenliga hats geschafft, nun ist die Leberliga an der Reihe. Null Lebenslust, nur Prävention, Vorsicht und Verbote. Und die pseudoliberalen von der FDP voran. Man fasst es nicht, unsere Rechte werden schneller abgebaut als man schauen kann. Ist alles in allem ja eigentlich nichts neues.

  2. Sandro am 20. August 2008 um 14:04

    Naja, die “Leberliga” sofern man das Blaue Kreuz so nennen darf, sieht das offenbar deutlich gelassener als die Liberalen…

  3. thunderbird am 21. August 2008 um 17:23

    Der Tagi blamiert sich mit der primitiven Berichterstattung jeden Tag aufs Neue. Zweimal schon wird über einen Anlass, der noch nicht mal stattgefunden hat, auf der Titelseite berichtet. Als gäbe es keine grösseren Probleme auf der Welt…

    Den Lehrbetrieb des Organisators zu kontaktieren finde ich absolut unterste Schublade.

  4. systembruch am 21. August 2008 um 21:17

    so als mini info hab gehört dasn paar einen generator und boxen organisieren wollen und mit ner sogenannten linken front dort antraben tönnt gut könnte aber auch böse enden hoffe es mal nicht das es kommen wird das etwas passiert ne disco oder ein konzert ist indirekt auch ein massenbesäufniss oder sehe ich das falsch??

  5. Al_K am 22. August 2008 um 12:58

    Dass die Medien gleichgeschaltet sind und dauernd nur Müll schreiben ist ja nichts neues. Auch dass sich die Lügenpartei der FDP darum drängelt sofort wieder unter dem Deckmantel der Freiheit neue Verbote zu schaffen wundert mich nicht mehr gross.
    Wetten dass die meisten Politiker nicht mal mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich wie Päpste anmassen uns vorschreiben zu wollen, was wir nicht essen, trinken oder rauchen dürfen? KONSUM und PROFIT sind nun mal die höchsten Werte unserer Gesellschaft geworden..

    Vermutlich werden die Medien aber auch dazu verwendet, diese Thematik solange zu dramatisieren, bis das Thema ‘Jugendalkoholismus’ einen wichtigen Platz im ‘Sorgenbarometer’ einnimmt. Damit könnte man das eh praktisch schon entmachtete Parlament einmal mehr mit Banalitäten beschäftigen um sie davon abzuhalten etwas massgebendes in den wichtigeren Belangen (wie zum Beispiel in der Finanzpolitik) zu tun.

    ..Hoffentlich gehen diese Bottellons auch sauber über die Bühne. Man stelle sich nur mal die Inszenierung der Dramatik in den Zischtigs-Club Sendungen vor, wenn wirklich mal jemand bei einem solchen Anlass sterben würde..

  6. klara k. am 26. August 2008 um 17:02

    Dabei gehts doch wieder nur um Ablenkung. Die Schweiz hat ganz andere Probleme. Leider leiden mal wieder die Jungen am meisten unter den kranken Ideen der neoliberalen Deppen.

    In der Schweiz zwingt das Sozialamt seit einiger Zeit die Bedürftigen zu sogenannter “Freiwilligenarbeit”. Sonst werden die Leistungen bis tief unter das Existenzminimum gekürzt. Das ist der Anfang der Perversion und ein klares Indiz der Entzivilisierung der Schweiz. Wie um Himmels Willen kann man jemanden zur Freiwilligenarbeit zwingen?
    Und dieser Staat nennt sich liberal. Und meint damit doch nur die Freiheit des Ausbeuters, zu tun und lassen, was immer ihm beliebt.

    Man sollte sich mal fragen, weshalb die Jungen das Bedürfnis nach saufen haben.

  7. buchi am 31. August 2008 um 10:58

    Ich weiss nicht, wer von Euch alles schon mal an einem Samstagabend in einen kleinen Dorf irgendwo in der Schweiz an einen Waldrand gegangen ist? Wer das schon mal gemacht hat, weiss das Botellons auf dem Land eigentlich an jedem Freitag und Samstagabend die Dorfjugend eine Botellon veranstaltet (dort allerdingsmangels Alternativen). So kann festgestellt werden, dass das Neue an Botellons eigentlich nur der Faktor ist, dass die Mobilisierung übers Internet läuft und das trinken der selbstmitgebrachten Getränke in der Stadt stattfindet. Die die Stadtjugend sagt sich nun wahrscheinlich, warum sollen wir uns nur an Orten betrinken, wo wir noch Eintritt bezahlen und für ein Bier etwa 5.- bis 10.- Fr. die Jugendlichen finden, wenn sie sich am Wochenende eh nur betrinken wollen, können sie das an einer Botellon billiger haben.

  8. David am 1. September 2008 um 17:31

    Ich muss sagen Botellons sind nichts besonderes, besonders das von diesem Wochenende in Zürich nicht. Es ist doc hviel schöner in einem kleine Kreis an den See zu sitzen, als mit 2000 anderen und der Absicht sich zu betrinken? Das Problem, das sich jetzt gezeigt hat, ist dass gewisse Leute ihrne Dreck nicht wegräumen und die Beherrschung verliern und Polizei wie Sanitäter attackieren…. Es ist bedenklich…. Doch meine Generation sauft wohl aus der Langeweile und dem Desinteresse unserer Geselschaft also müsste man dort mal anfangen.

  9. Thomas am 6. September 2008 um 16:38

    Die heutigen Jugendlichen saufen nicht einfach aus Langeweile oder Desinteresse an der Gesellschaft, sondern weil das gemeinsame Trinken von Alkohol eine Möglichkeit zum geselligen Zusammenkommen bietet, die zudem einen enthemmenden Effekt hat. Das war und ist bei den Generationen vor ihnen nicht anders. Am Sechseläuten sollen sich unter den Zünftern ja ebenfalls grässliche Szenen abspielen. Das einzige Problem am Botellón ist das Littering, und dort muss man ansetzen – nicht bei irgendwelchen Gesinnungsschnüffeleien, was Jugendliche nicht dürfen sollen, was ihre erwachsenen Vorbilder ohnehin schon immer getan haben. Das ist nun wirklich eine heuchlerische Empörung sondergleichen. Auch der Protest gegen die Abzockerei durch erhöhte Getränkepreise ist völlig legitim.

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