Blocher will das Krankenkassenobligatiorium abschaffen

Wiedersprüchliches im Tagi-Interview mit Christoph Blocher. Zuerst sieht er kein Bedürfnis für eine Obligatorische Krankenversicherung, einen Satz später sagt er über die (obligatorische) AHV: “Sie ist zwar eine Zwangsversicherung, aber jeder spart für sein Alter. Die AHV würde ich zuletzt antasten.“ Genau das gilt doch auch für die Krankenkasse: “Sie ist zwar eine Zwangsversicherung, aber jeder spart für seine Krankheit“. Aber Herr Blocher möchte lieber Amerikanische Verhältnisse schaffen und die ärmsten Mitbürger von der lästigen Krankenkassenpflicht befreien.
Weiter will er beim Bund 30% Einsparen, wie das? Antwort: “Erinnern Sie sich an 1990? Damals war es auch schön, oder?”
Und noch ein Beispiel seiner Rückwärtsgewandtheit: “Man muss nicht ständig bilateral verhandeln. Wenn man Probleme hat, muss man diese miteinander lösen. Das halten wir seit 700 Jahren so”. Herr Blocher, in diesen 700 Jahren haben sich viele Kantone erfolgreich (und höchstwahrscheinlich gegen erbitterten Wiederstand der SVP) zu einem Ganzen zusammengeschlossen. Diese Entwicklung geht nun weiter, der Fortschritt heisst “Europa”… Na, Groschen gefallen?

Er hat ja noch ziemlich viele andere Dinge gesagt, unser lieber BRB. Die Spitze der Lustigkeit finde ich aber:
Die Landwirtschaft muss von vielen staatlichen Barrieren befreit werden, damit der Bauer freier handeln und günstiger produzieren kann.
Ich glaube dazu braucht es keinen Kommentar…
Warum braucht es dazu keinen Kommentar? Haben Sie Ahnung betr. landwirtschaftlichen Zahlungen in der EU? Und kennen Sie die Zahlungen in der CH? Ich besitze selbst einen Ackerbaubetrieb von 250 ha in Frankreich.
Also die Zahlen:
Frankreich (Europa plus minus 10%):
Flächenprämien (direktzahlungen) pro ha: 380 EURO
Prämie Brachland: 400 EURO
Preis Weizen (Brotweizen)je nach Markt(pro tonne) 110 Euro
Schweiz:
Flächenprämie pro ha: 1′800 CHF
Prämie Brachland: 3′800 CHF
Preis Weizen (Brotweizen) 650 CHF pro tonne
Das heisst: Ein mittelland bauer mit 60ha Acker kriegt an Direktzahlungen (ohne Brache) 108′000.– CHF. Nun produziert man ja noch. Bei einem durchschnittlichen Ertrag (Weizen) von 6t pro ha macht dies (6t X 60 ha = 360 t) 234′000 CHF Bruttoertrag. Da die CH-Bauern rund 40% mehr für Saatgut, Dünger, Maschinen, Abschreibungen etc. als EU-Bauern zahlen müssen kommen wir auf einen Kostenblock pro ha von 1′000 EURO/ha. Das heisst: 60ha mal 1′000 EURO = 60′000 EURO = rund 100′000 CHF. Summa sumarum sieht die Rechnug so aus:
Direktzahlungen: 108′000.–
Bruttoertrag:234′000.–
Kosten: 100′000.–
Nettoetrag: 242′000.–