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Blocher macht die Schweiz zur Ich-AG

Ein Gastbeitrag von Hugo Stamm, Redakteur Tages Anzeiger

Blocher macht die Schweiz zur Ich-AG. Seit Wochen beherrscht nur eine Frage die öffentliche Diskussion: Wie ist das Befinden des Herrn Blocher heute?

Er und seine SVP-Mannen – Frauen sind dort eine vernachlässigbare Minderheit – malen den Untergang der Schweiz an die Wand, falls ihre Partei am Sonntag nicht zulegt oder Blocher im Dezember abgewählt wird.

Die apokalyptische Stimmung ist offenbar ansteckbar. Die SVP-Parlamentarier zittern vor der Bundesratswahl und verneigen sich wie vor einem Guru: Sie fürchten den heiligen Zorn des grossen Meisters, sollte die Bundesversammlung ihn vom Thron stossen. Heilsbringer Blocher hält seine Leute auf Trab.

Die Ausmasse des vereinnahmenden Syndroms dokumentiert die FDP am Trefflichsten. Sie lässt sich von Blocher und seinen Mannen wie Lakaien vorführen und verbal prügeln. Trotzdem versichert die Junior-Partei in vorauseilendem Gehorsam Blocher, ihn wieder zu wählen.

Doch Gemach. Die SVP-Bäume wachsen nicht bis zur Decke des Bundeshauses. Die Macht der Blocher-Partei ist kleiner, als der Wahlklamauk vermuten lässt. Mit einer Millionenkampagne, der Angst vor dem drohenden Untergang und der Stilisierung Blochers als Heilsbringer prügelt die SVP ihre Anhänger an die Urne. Und kommt trotzdem nicht auf 30 Prozent. Da die übrigen Parteien ihre Wähler nur halb so gut mobilisieren können, sinkt der effektive Anteil der SVP wohl gegen 20 Prozent. Das reicht noch lange nicht, um die Schweiz in ein Einparteiensystem umzuwandeln.

Auch das Begehren der SVP, den Bundesrat vom Volk wählen zu lassen, könnte ein Schuss ins eigene Knie werden. Umfragen zeigen, dass Blocher an zweitletzter Stelle rangiert (Quelle: Tagi vom 11.10.). Seine Wahl wäre also noch nicht gesichert. Und wer weiss: vielleicht finden die FDP-Parlamentarier zu ihrer Würde zurück und hecken einen Geheimplan aus und verweigern Blocher in letzter Sekunde die Stimme. Das wäre dann eine positive Ignoranz. Dann hätte auch die Schweiz eine Revolution.

Dieser Artikel wurde von Sandro am Freitag, 19. Oktober 2007 in der Rubrik Politik und zu den Stichwörtern , , , veröffentlicht. Sie Können mit diesem Link RSS 2.0 die Kommentare mittels Feed beobachten. Sie können einen Kommentar anfügen, oder einen Trackback von Ihrer Seite senden.

7 Kommentare zum Artikel “Blocher macht die Schweiz zur Ich-AG”

  1. eDemokratie.ch » Blog Archive » Die SVP ist nicht wählbar! – Ein Wahlkampf-Pamphlet am 19. Oktober 2007 um 14:35

    [...] Links – «Blocher macht die Schweiz zur Ich-AG» Hugo Stamm auf ignoranz.ch – «Xenophobic brinkmanship and popular misconceptions about Switzerland’s political system, right-wing extremism and racism in the run-up to the Swiss elections» kommunikationsblog.ch vom 16.10.2007 – «Demokratie am Rande des Nervenzusammenbruchs» Spiegel online vom 11.10.2007 – «Die weißen und die schwarzen Schafe» Telepolis vom 9.10.2007 – «Immigration, Black Sheep and Swiss Rage» The New York Times online vom 8.10.2007 – «Fremdenhass weich verpackt» Financial Times Deutschland vom 4.10.2007 – «Roger Schawinski interviewt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli» Video-Interview auf weltwoche.ch vom 4.10.2007 – «roger de weck: und auch er muss nach worten suchen. eine nächste charmeoffensive» (((rebell.tv))) vom 19.6.2007 [...]

  2. Helvetia staunt | Bürger-Herold am 19. Oktober 2007 um 14:51

    [...] Hugo Stamm schreibt heutebei ignoranz.ch in einem Gastbeitrag, “Blocher macht die Schweiz zur Ich-AG”. Diese Einschätzung ist durchaus berechtigt. Zu Beginn des Wahlkampfes hatt der “Bürger-Herold” allerdings nicht ganz diesen Eindruck. [...]

  3. Rotesocke am 22. Oktober 2007 um 00:36

    Kommentatoren wie Sandro bzw. Hugo Stamm sei dank.

    Die SVP ist im Hoch und die SP im tiefen Fall. Die SVP hat Hochrechnungen zufolge neu 62 Sitze im Nationalrat, soviel hatte eine Partei seit 1919 nicht mehr! Stimmenanteil in Prozent: 28.8%!!! Die SP hat verloren und liegt neu unter 20%!!! Tja, der Politikstil der Genossen wurde offenbar ganz und gar nicht goutiert.

    Leider haben die Grünen hinzugewonnen. Dies dürfte an der Klima-Angstmacherei liegen. Sie hetzen ja schon seit Jahren und machen den Leuten Angst wegen der Klimerwärmung. Dabei ist 99% von dem Müll den sie dem Volk vorlügen wissenschaftlich nicht haltbar.

  4. pipo am 22. Oktober 2007 um 10:47

    Super Kommentar. Hast du ernsthaft das Gefühl, dass tausende Wissenschaflter auf der Welt als einziges Ziel im Leben verfolgen, den Menschen etwas vorzulügen. Das ist einfach nur lächerlich. Du solltest dich mit Themen auseinandersetzen, bevor du einfach so dahinlaberst. 99% soll wissenschaftlich nicht haltbar sein, dass ich nicht lache.

    Das dumme ist nur, dass Theorien und Szenarien von Wissenschaftler x-fach von anderen Wissenschaftlern überprüft werden, bevor diese überhaupt publiziert werden und du etwas davon lesen kannst. Wobei ich das nach deinen Äusserungen stark bezweifle. Leider ist das bei deinem Geschwätz leider nicht der Fall.

    Du bis wohl an einer SVP-Diktatur interessiert, oder?

  5. thomas.me am 23. Oktober 2007 um 15:10

    SVP-Angstmacherei wie sie in diesem Blog und im Tagi alltäglich zu lesen ist dürfte ein wichtiger Grund sein warum immer weniger Leute die Linken ernst nehmen. Man beginnt ernsthaft zu denken, das diese Leute wirklich keine eigenen Ideen haben.

    Die Grünen haben wenigstens ein klar erkennbares Thema, deshalb gingen sie auch gestärkt aus den Wahlen hervor.

  6. wasser am 26. Oktober 2007 um 19:33

    Würde mich interessieren wie viele SVP WählerInnen und SympatisantInnen in diesem Forum sich wünschen, dass die SVP irgendwann mehr als 50% Stimmenanteil hat und die Schweiz nach Ihrem Ideal umbilden kann?

  7. UDS am 25. November 2008 um 22:00

    Also es soll einmal gesagt und möglichst allen klargemacht werden:
    Die SVP hat keinen Anspruch mehr auf einen Bundesratssitz! Dafür gibt es verschieden Gründe.
    1. Wenn eine Partei Ihre beiden Bundesräte hinauswirft, ohne dass diese sich etwas zu schulden haben kommen lassen, warum sollen sie einen Neuen bekommen?
    2. Wenn eine Partei lauthals bekannt gibt, dass sie von nun an in der Oposition agieren will dann soll sie es auch bleiben. Und nicht alle Nase lang die Richtung wechseln zwischen Regierungspartei und Oposition.
    3. Wenn die SVP unbedingt einen Kanditaten nominiert, welcher vom Parlament abgewählt wurde dann ist das reine Zwängerei.
    Also! Warum den Willen der SVP nicht respektieren (sie WILL ja gar nicht kooperiene) und sie im Regen stehen lassen?

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