Atomindustrie soll sich künftig selbst kontrollieren
In der Schweiz wird die Aufsicht über die Atomkraftwerke neu geregelt: Das Aufsichtsgremium soll künftig von der Bundesverwaltung unabhängig sein. Atomkraftgegner sehen die Neuordnung allerdings kritisch.
Mit einem neuen Gesetz zur Aufsicht über die Atomkraftwerke will der Bundesrat ein internationales Übereinkommen erfüllen. Es schreibt vor, dass die Aufsichtsbehörden von jenen Stellen getrennt sein müssen, die sich mit Nutzungs- und Wirtschaftsaspekten der Kernenergie befassen.
Zur Umsetzung dieser Vorgabe soll die Hauptabteilung für die Sicherheit von Kernanlagen (HSK) aus dem Bundesamt für Energie (BFE) ausgegliedert und, unter dem Namen Nuklear-Sicherheitsinspektorat (ENSI), rechtlich verselbständigt werden.Abschaffung der kritischen Instanz
Im gleichen Schritt soll die Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen (KSA) abgeschafft werden, wie dem Gesetzesentwurf zu entnehmen ist. Ein zweites Gremium sei überflüssig, begründet das BFE den Schritt.
Im Kernenergiegesetz, das vor dem Hintergrund atomkritischer Initiativen entstanden war und vor erst einem Jahr in Kraft trat, war die Notwendigkeit der Kommission noch bekräftigt worden. Der KSA als beratendem Organ des Bundesrates war die Aufgabe zugewiesen worden, Fragen der Sicherheit zu prüfen, den Betrieb der Kernanlagen zu verfolgen und zu Bewilligungsgesuchen Stellung zu nehmen.
Wenig Verständnis für Abschaffung
Dass die Expertenkommission nun abgeschafft werden soll, ist insbesondere für atomkritische Kreise unverständlich. Man sei zwar mit der KSA nicht immer einig, sagt Bernhard Piller von der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES), doch zeichne sie sich zumindest durch eine gewisse Unabhängigkeit aus.
Die HSK dagegen setze sich aus ehemaligen Geschäftsleitungsmitgliedern von Atomkraftwerken zusammen. Mit der Ausgliederung der HSK aus der Verwaltung sei es nicht getan: «Diese Massnahme allein garantiert keine Unabhängigkeit», so Piller. (Tages-Anzeiger)
Im Zuge der Diskussionen um den Klimawandel wähnt sich die Atomindustrie wieder im Aufwind – und begeht bewusste Irreführung der Bürger. Kernkraft sei CO2-neutral, wird uns vorgegaukelt. Dabei verschweigt uns die Industrie aber, dass das Uran nicht vom Himmel fällt – und dass die Vorräte endlich sind. Zurzeit deckt die Kernkraft 7 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Wenn dieser Anteil stabil bleibt, reicht das Uran noch 65 Jahre. Hinzu kommt die Umweltzerstörung bei der Förderung:
Völlig ausgeblendet wird in der Diskussion auch die massive Umweltzerstörung, die mit der Gewinnung von Uran einhergeht. Nur ein kleiner Teil der Uranvorräte liegt in Lagerstätten mit hoher Konzentration. Beim Abbau von Uranvorräten mit geringerer Konzentration wird unverhältnismäßig viel Natur zerstört. Genau um diese Lagerstätten geht es aber bei einer Ausweitung der Abbaukapazitäten von Uran. (Quelle)
Ganz zu schweigen davon, dass weltweit immer noch keine Lösung für die Endlagerung in Sicht ist. Wir schaffen nicht mal den Transport von Erdöl ohne immer wiederkehrende Unfälle mit drastischen Folgen für die Umwelt. Wie wollen wir da höchstgiftige Abfälle über mehrere Zehntausend Jahre im Griff haben?
(Pirelli)

Auch interessant ist die Frage, wie man unsere Nachkommen in etwa 10’000 Jahren vor den strahlenden Endlagern warnt. Werden diese noch unsere Schrift und Sprache verstehen? Siehe dazu http://gebsn.twoday.net/stories/958395/.
Diese Frage ist tatsächlich interessant, danke für den Link.
Als George Bush vor einiger Zeit vollmundig ankündigte, die Amis würden wieder auf den Mond fliegen (wünschen wir uns ihn nicht alle dorthin?), wurde bekannt, dass sie noch über fünf komplette Apollo-Sets verfügen. Nur haben sie es versäumt, Soft- und Hardware sowie das Wissen zu deren Bedienung zu konservieren – die Raketen werden nie mehr fliegen.
Und es ist noch nicht mal 40 Jahre her, dass die Dinger im Einsatz standen.
Das Problem kommt früher. Und zwar folgender massen :
Das Bedienungspersonal der Kernkraftwerke (Ingenieure, Techniker und übriges Fachpersonal) kommt in die Jahre und wird pensioniert. Nachwuchs ist nicht in genügender Quantität zu sehen.
Müssen wir damit rechnen dass Frisöre und Aushilfskellner in Zukunft in den Kraftwerken ungeschickt herumhantieren?