thunderbird:
Findet ihr auch, dass sich solche peinlichen Fehler in letzter Zeit häufen? Dass jede Zeitung möglichst schnell möglichst viel Infos auf der Website haben will, egal ob richtig oder falsch?
Sehr gutes Thread-Thema!
Geht es wirklich darum, möglichst schnell und viel auf der Website zu haben, oder nicht auch darum, dass gewisse Medien ihre Informations- und Aufklärungsauftrag missverstehen?
Ein Beispiel dafür gibt auch der gestrige Beitrag auf 10vor10 zum schlimmen Fall Lucie: Jedesmal wenn so etwas passiert, reagieren die Medien mit den immer gleichen Fragen: Hätten die Behörden die Tat verhindern können, haben sie Fehler begangen? Es ist ein ursprüngliches Verlangen der Leute für schlimme Taten rationale Erklärungen zu bekommen, die man beim Täter bestimmt nicht finden kann. (Bsp. für dieses Verlangen sind auch die Detektivfilme, in denen der Täter im Gegenteil nach einem selbstgewählten, rationalistischen Muster handelt, das es nun aufzudecken gilt.)
Ich glaube aber nicht, dass die Medien die Rolle der Detektive einnehmen sollten, weil sie schlicht und einfach nicht kompetent dafür sind. Und was bringt es, wenige Stunden nach einer Tat die Behörden aufs Korn zu nehmen, wenn diese gerade hochintensiv daran sind, den Fall zu klären. Ich finde, das ist ganz falsch verstandener Aufklärungsjournalismus, der hier betrieben wird: Wenn die Medien wirklich was Relevantes aufdecken, dann müssen sie natürlich berichten. Es kommt mir so vor, als gingen die Medien grundsätzlich davon aus, dass bei jedem Verbrechen von einem Wiederholungstäter oder einem Amok-Schiesser ein Fehler bei den Behörden zu finden sein muss. So dass sie alles auf Biegen und Brechen abklopfen, und weil das viel Arbeit ist und oft gar nichts bringt, überbietet man sich dann mit irgendwelchen schwachmatischen Thesen und Dokumenten. Dasselbe war beim Fall der Brasilianerin in Stettbach: Welcher ernsthaft Denkende war denn sofort bereit zu glauben, dass Nazi's oder gar die SVP in den Fall involviert waren. Ein Normaldenkender wartet doch, bis die Tatsachen sich in den Ermittlungen erhärtet haben: Das sollten die Medien auch wieder lernen.