Pirelli Blog Autor
#3 ° Gesendet: 22.02.2006 12:42 ° Bearbeitet von: Pirelli |
Ich mit dir einig, dass das Rauchen zu lange überall selbstverständlich war. Trotzdem wehre ich mich aus verschiedenen Gründen gegen eine Ausweitung der Rauchverbote.
Erst eine Kritik an deiner Logik: Wenn du schreibst, die Wirte würden nichts tun, weil es keine Kohle bringt, treibst du einen Nagel in den Sarg deiner Argumentation. Wie gross kann dann das Bedürfnis nach rauchfreien Lokalen sein? Bei den 25- bis 45-Jährigen wollen nur 48 Prozent eine Ausweitung der Verbote. Diese Gruppe macht aber den Löwenanteil der Beizenbesucher aus. Wäre das Bedürfnis derart gross, meinst du nicht, wir hätten längst mehr rauchfreie Lokale?
Dann vergiss nicht: Rund ein Drittel der Schweizer Erwachsenen sind RaucherInnen. Das ist eine beachtliche Minderheit. Die Art, wie sie jetzt, weil es halt trendy ist, überall gehundet wird, widerspricht durchaus der Weise, wie wir in aufgeklärten Gesellschaften mit Minderheiten umgehen. Ferner sind ein weiteres Drittel der sich als nichtrauchend Bezeichnenden in Tat und Wahrheit GelegenheitsraucherInnen. Das sind die Leute, die in den Ausgang gehen, weil dort ihre rauchenden Kumpels sind und sie auch rauchen dürfen.
Bei den über 45-Jährigen ist der Anteil der VerbotsbefürworterInnen grösser. Aber umso kleiner ist hier der Anteil derjenigen, die in Beizen gehen. Meine Eltern zum Beispiel würden bei jeder Umfrage sofort Ja zu mehr Verboten sagen, das ändert aber nichts daran, dass sie maximal alle drei Monate einmal auswärts essen gehen.
Dann sehen wir in allen Ländern mit ausgebautem Beizenrauchverbot dieselben Folgen: Viele Beizen gehen zu. Und zwar nicht, weil die Raucher nicht mehr kämen, sondern weil die Nachbarn den Lärm der vor der Tür Versammelten (Raucher wie Nichtraucherinnen!) nicht aushalten. Laut ZDF betraf das im Herbst 2005 z.B. bereits 200 Nachtlokale in New York. In Italien stieg der Erdgasverbrauch messbar an, weil die Lokalbesitzer den Rauchern "funghi" vor die Tür stellten, das sind die pilzförmigen Aussenheizungen. Und auch hier häufen sich die Lärmklagen.
Wie wird das wohl in der traditionell intoleranten Schweiz aussehen?
Die Heiligen Krieger wider den Tabak kommen dann mit eigenartigen Statistiken: So sei das Rauchverbot in Irland kein Problem, die Restaurant würden mehr Essen und Wein und weniger Bier verkaufen. Nur sind zwei Drittel der irischen Lokale Pubs, die gar kein Essen und kaum Wein verkaufen. Wie soll das aufgehen? Laut meiner Bekannten in Dublin gingen allein in ihrem Quartier bereits drei Pubs zu.
Gemäss SonntagsZeitung gingen in Irland übrigens die Atemwegserkrankungen beim nichtrauchenden Gastropersonal nur um knapp 10 Prozent zurück.
Ich bin durchaus für die Wahlfreiheit. Aber sie soll auch die Raucher einschliessen. In den Lokalen, in denen ich verkehre, beträgt der Raucheranteil unter Gastig wie Personal fast 100 Prozent. Ein Verbot wäre die reine Schikane.
Also Ausweitung der Nichtraucherzonen Ja, aber ein komplettes Verbot entspränge reiner Hysterie und könnte nur als faschistoid bezeichnet werden.
Übrigens ist auch in der Schweiz nicht nichts passiert. Auch bei uns dürfte die Passivrauchbelastung in den letzten zehn Jahren ähnlich stark zurückgegangen sein. Und was den angeblichen Rückgang bei den Rauchenden angeht (aktuelle Werte in Italien: unter 5 Prozent) - jeder Mensch hat das Recht, sich selbst zu schädigen. Sonst müssten wir zum Beispiel Wintersport (etliche Tausend schwere Unfälle jede Woche) sofort verbieten. |