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Kreditkrise noch schlimmer als befürchtet

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seabass
SVP Parteisoldat
#11 ° Gesendet: 06.03.2008 21:23 ° Bearbeitet von: seabass
Je höher der Zins/Gewinnpotential, dessto höher das Risiko, eigentlich eine Binsenweisheit. Der Grund das Banken oder auch Private Risiken eingehen, ist eben auch desshalb, dass es auch gut gehen kann. Zum Beispiel hat das Geschäft mit sogenannten Junk Bonds (Anleihen mit geringer Bonität) relativ gut funktioniert. Auch die Anleihen von Drittweltländern und Schwellenländer hat grosse Erträge gebracht. Immer wenn viel Geld, respektive eine hohe Liquidität vorhanden ist, muss (das meint man zumindest) unbedingt investiert werden. Es widerspricht vermutlich dem menschlichen Naturell und dem Druck der Renditeerwartungen (auch Gier genannt) einfach Liquidität halten zu können und zu warten. Offensichtlich bevorzugt man fallende Kurse in Kauf zu nehmen, statt ein Geschäft zu verpassen. Ebenfalls ist es bezeichnend, dass es viel mehr Haussier statt Baissier gibt. Das Banken oder Unternehmen Risiken eingehen, gehört zu Geschäft, da dürfen auch Fehler passsieren. Es ist einfach eine Frage vom Mass und der Art und Weise, wie Risiken behandelt werden. Man muss aber auch ganz nüchtern im Zusammenhang bei der UBS sehen, dass rund 21 Millarden in den Sand gesetzt wurden (vorerst, es sind ja nur Rückstellungen) und ein Reinverlust von 4,5 Milliarden ausgewiesen worden ist. Das bedeutet, das die Differenz, also rund 16 Milliarden in einem anderen Bereich verdient wurden. Insofern ist die UBS natürlich immer noch eine Cash Cow und steht auf gesunden Beinen.
Es ist auch zu bemerken, dass der Verlustbereich (21 Millarden vom Investment Banking) zum Teil ein Zubringer vom Gewinnbereich (16 Milliarden vom Private Banking) darstellt. Man kann also nicht das Investment-Banking einfach streichen und glauben, der Private Banking Bereicht wächst so weiter wie bisher.
cristiano
Mitglied
#12 ° Gesendet: 07.03.2008 16:43
Für die Bosse der Unterwelt und der Oberwelt gilt das gleiche: Geht es gut, ist man ein Held. Geht es in die Hosen, ist man ein Krimineller. Diese Ansicht ist zwar rechtlich falsch (es kommt auf die Tat und nicht auf den Ausgang der Tat oder den Menschen an), aber eben Tatsache.
Zocker
Mitglied
#13 ° Gesendet: 08.03.2008 14:41
@seabass

Ebenfalls ist es bezeichnend, dass es viel mehr Haussier statt Baissier gibt.

Was willst du mit diesem Satz genau sagen?
seabass
SVP Parteisoldat
#14 ° Gesendet: 08.03.2008 14:51
@Zocker

Es liegt vermutlich im menschlichen Naturell zu glauben, dass es immer aufwärts geht. Man springt eher auf einen fahrenden Zug auf, als man diesen verlässt. Die Angst eine Chance zu verpassen ist grösser als bei einem Geschäft etwas zu verlieren. Die Märkte werden regelmässig aufgeblasen und kann knallt es wieder. Ich muss manchmal schmunzeln, wenn ich in einem Kommentar von einer Liquiditäts-Hausse lese. Nur dies zeigt doch schon, dass spekuliert wird und nicht makro-/mikroökonimische begündete Annahmen als Entscheidung dienen. Es wird viel zu wenig antizyklisch investiert.
Der durchschnittliche Börsenteilnehmer (nicht der Vollprofi) kauft eher einen Call, statt das er einen Put shortet. Wieso nicht Aktien kaufen durch das andienen von Puts?
Zocker
Mitglied
#15 ° Gesendet: 08.03.2008 21:54
@seabass

Wenn du die Statistiken und Graphiken zu Indices und Börsen betrachtest, dann siehst du sehr gut, dass es mindestens 2/3 der Zeit aufwärts und nur 1/3 der Zeit abwärts geht. Schon allein diese Tatsache gibt dem Haussier recht. Und wenn du Timingversuche für das Shortgeschäft anstellst und statistisch auswertest, so wirst du eine Streuung finden, die sehr gut den Zufall repräsentiert. Und auch diese Tatsache spricht für den Haussier und wenn du grosse Volumina anlegen willst dann bist du immer der Haussier und verwendest den Put nur als Versicherung.

Falls du je Baissier spielen willst so steht dir sehr wenig Zeit zur Verfügung um das Geld wirklich anzulegen.
seabass
SVP Parteisoldat
#16 ° Gesendet: 08.03.2008 22:01 ° Bearbeitet von: seabass
@Zocker

Das ist mir schon klar. Die Frage ist ob ein permanentes Engagement immer nötig ist. Vielfach habe ich das Gefühl, man handelt unter Druck bei hoher Liquidität und legt auf Teufel komm raus an. Damit meine ich eben, dass die Angst grösser ist ein Geschäft zu verpassen, als einem Geschäft zu verlieren. Das hat sicher etwas mit dem Performance Druck der Vermögensverwalter zu tun. Auch das sehe ich einen Grund für die Fehlentscheidungen bei den Subprime Geschäften.

Hast du im übrigen Anhaltspunkte, wieviele Calls/Put verfallen und wieviele tatsächlich ausgeübt werden?
Zocker
Mitglied
#17 ° Gesendet: 09.03.2008 20:24
@seabass

Ich unterstelle dass die wenigsten Optionen ausgeübt werden. Via Option einzukaufen heisst auch noch die Optionsprämie bezahlen zu müssen. Das macht nur Sinn wenn grössere Aktienpakete im Spiel sind die beim Transfer den Kurs beeinflussen. Auch die Gewinnsicherung via Option kommt eher nur für grössere Aktienbestände in Frage und kostet auch die Optionsprämie.
Es ist ja auch klar, dass die Optionen nur für den Optionswriter rentieren und für alle anderen Verluste bringen, es sei denn die einen oder anderen Glückstreffer.

Das Problem an den Börsen ist doch, dass eine ständig wachsende Liquidität nach guten (sicher und rentabel) Anlagen sucht. Man muss froh sein, das Geld rentabel in sicheren Werten unterbringen zu können. Dass dabei sichere Werte wie die UBS die Hälfte verlieren können wird natürlich nicht mit eingerechnet. Dass das Casiono Börse heute einem bestimmten Teil der Realwirtschaft auch Finanzmittel entzieht, merken vor allem die KMU.
seabass
SVP Parteisoldat
#18 ° Gesendet: 11.03.2008 20:03 ° Bearbeitet von: seabass
Wie kam es zur Immobilienkrise?


Die heutige Krise hat ihre Ursprünge bereits am Anfang des Jahrzehnts. Seit Anfang 2001, verstärkt aber nach dem 11. September, hatte die US-Notenbank eine Politik der niedrigen Zinsen betrieben. Nach den Terroranschlägen sollte so eine Panik verhindert werden. Die Notenbank behielt ihre Niedrigzinspolitik allerdings auch bei, als es der Wirtschaft in den USA längst besser ging. Zwischen Anfang 2001 und Mitte 2003 sanken die Zinsen von 6,5 auf ein Prozent, erst Mitte 2004 begann die Fed, die Zinsen Schritt für Schritt zu erhöhen. Über Jahre hinweg war Geld also billig – und viele Amerikaner griffen zu. Vor allem der Traum von den eigenen vier Wänden rückte plötzlich auch für Menschen in greifbare Nähe, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Die Folge: Die Nachfrage nach Häusern stieg schneller als das Angebot, die Immobilienpreise explodierten.

Hatten wir nicht ein ähnliches Szenario nach dem Börsenkrach 1987? Auch da stellten die Notenbanken der Wirtschaft billiges Geld zur Verfügung. Die Reaktion kam zwei Jahre später, mit einem Immobilienboom, einer inversen Zinsstruktur, Hypotheken bis 9 % und danach die grossen Wertberechtigungen auf Schweizer Immoblien.

Wenn eben die Notenbanken eine falsche Geldemengenpolitik machen, dann schenkt es ein.
krokodil
Mitglied
#19 ° Gesendet: 12.03.2008 23:19
@seabass, ach ja, natürlich sind die Banken NIE schuld, wenn sie faule Kredite vergeben ... auch handeln banken NIE kriminell, sondern das sind Kavaliersdelikte und wenn etwas schief läuft, dann gehen die Banken bei Väterchen Staat mehr Geld drucken. Und schuld sind die Banken nicht sondern der immer der pöse pöse Staat....

200 Milliarden werden als sogennante befristete Spritzen hineingepumpt

US-Börsen geben nach - Fed-Aktion vom Vortag verpufft
Einen Tag nach dem Höhenflug der Wall Street durch die Finanzspritzen mehrerer Zentralbanken überwogen wieder Zweifel, ob die Massnahme zur Überwindung der gegenwärtigen Krise ausreicht.

Der Ölpreis hat auf seiner Rekordjagd erstmals die Schwelle von 110 Dollar überschritten. Ein 159-Liter-Fass der Referenzsorte «Light Sweet Crude» wurde in New York für 110.20 Dollar gehandelt, mehr als je zuvor.
http://www.blick.ch/news/wirtschaft/oel-ueber-100-us-dollar-85851
Zocker
Mitglied
#20 ° Gesendet: 13.03.2008 12:24
Es ist jedem erlaubt das Märchen der unschuldigen Banken zu glauben.

Die Banken hatten in den 90Jahren bereits eine Immobilienkrise. Desshalb entstand auch die Idee, das Immobiliengeschäft (Risiko) auszulagern. Das wurde auch gemacht, in Form von eigenen Gesellschaften die die Hypotheken an die Häuslebauer verkauften. Diese Gesellschaften beschafften sich das notwendige Geld, indem sie die gesammelten Hypotheken von Ratingagenturen neu bewerten liessen und als Anleihe auf den Markt brachten. Diese Anleihen wurden nun von Hedgefonds usw. gekauft, wobei das Hypothekarrisiko auf die Anleihenkäufer überging.
Damit die Anleger diese Anleihen auch kaufen, wurden sie mit einem hohen Zinsversprechen ausgestattet und waren sehr attraktiv.

Die Banken bekamen billiges Geld von der Zentralbank und konnten den attraktiven Anleihen nicht wiederstehen. Die guten Zinsen auf hypothekengesicherte Kredite lockten und da alle diese Chanche nutzten musste es jeder tun.

Nun hatten die Banken genau wieder jenes Risiko eingekauft, das sie früher auslagern wollten.

Der Feher in der Kette bestand darin, dass die Jagt nach Provisionen bei der Vergabe und Bewertung der Hypotheken die Hauptrolle spielte und die Bewertung des Risiko zu kurz kam, da dieses ja weiterverkauft wurde. Diesen Fehler konnte man den Anleihen nicht direkt ansehen und die so harmlosen Banken stellten sich selbst ein Bein.

Die Behauptung die Zentralbank sei Schuld an der Krise, weil sie billiges Geld zur Verfügung stellte, ist leicht abwegig. Das billige Geld sollte und hat auch mitgeholfen die USA aus einer halben Rezession (2001) herauszuführen. Dass die Banken damit sich selbst Eier legen, war sicher nicht die Absicht der Zentralbank.
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