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Gerechtigkeit

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gumbyman
Mitglied
#301 ° Gesendet: 04.02.2012 23:56
cristiano-safado:
nämlich nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den USA Steuern bezahlen.

Ich kenne den Fall nicht, aber dass eine (echte) Doppelbesteuerung natürlich nicht rechtens sein kann ist auch klar. Dass es aber Gründe geben kann, verschiedene Teile von Einkommen /Vermögen von verschiedenen Staaten zu besteuern, das kann ich mir vorstellen. Entscheidend ist einfach, dass nicht dasselbe von zweien besteuert wird...

cristiano-safado:
Doppelbesteuerungsabkommen

...und dadurch ist es ja i.d.R. auch so geregelt.

Dass es Subjekte gibt, welche zwar von den Annehmlichkeiten der Zivilisation profitieren möchten, aber diese nicht mit dem von der Gemeinschaft vorgesehenen Beitrag mittragen wollen (Steuern), das widerspricht immer der Gerechtigkeit. Da bescheisst nämlich einer, indem er bewusst gegen die von allen (oder mindestens einer qualifizierten Mehrheit) akzeptierten Regeln verstösst, aber weiterhin mitspielen will.

Quasi "mein Vorteil ja, mein Beitrag nein". Und das sind für mich ganz einfach Sch****typen, sonst nichts. Genauso wie kleine Gauner und Halunken, die andere Leute über den Tisch ziehen.

g.
cristiano-safado
Mitglied
#302 ° Gesendet: 05.02.2012 07:28 ° Bearbeitet von: cristiano-safado
@gumbyman

Ich kenne den Fall nicht, aber dass eine (echte) Doppelbesteuerung natürlich nicht rechtens sein kann ist auch klar.
Natürlich kennst Du den Fall nicht, Du kennst ja meine Schwägerin nicht :)

Und noch etwas anderes (Zitat aus meinem posting aus einem anderen Forum): Einnahmen/Gelder werden immer erst im kommenden Jahr in der Steuererklärung angegeben und versteuert. Das gleiche gilt auch in den USA. Die Steuererklärung für das vergangene Jahr muss in den USA jeweils bis zum 15. April abgeschickt werden. Unterschied: Bei uns erhält man eine Steuerrechnung; in den USA muss man gleichzeitig mit der Steuererklärung einen Check schicken, der die Steuer begleicht. Die zeitliche Verschiebung zieht für in der Schweiz wohnhafte Amerikaner Probleme nach sich, da diese nur die Differenz zwischen CH-Steuer und US-Steuer an die USA abliefern müssen. (In den USA ist zum Beispiel die Einkommenssteuer höher als hier; sie bewegt sich je nach Einkommen zwischen 10% und 35%). Das führt dazu, dass man im ersten Jahr in zwei Ländern jeweils die volle Steuer bezahlen muss. Danach wird in Amerika für die kommenden Jahre jeweils die zuviel bezahlte Steuer angerechnet. (Es gibt einfach für die im ersten Jahr zuviel bezahlte Steuer nie Geld zurück).

Die zentrale Frage stellt sich jedoch, ob wir unsere Banken zwingen wollen, eine Weissgeldstrategie zu fahren oder nicht. Sicher wäre dies zum grossen Nachteile unserer Banken gegenüber den Banken, die keine Weissgeldstrategie fahren, u.a. eben auch der Banken in den USA.
Zocker
Mitglied
#303 ° Gesendet: 05.02.2012 16:54
cristiano-safado:
Die zentrale Frage stellt sich jedoch, ob wir unsere Banken zwingen wollen, eine Weissgeldstrategie zu fahren oder nicht. Sicher wäre dies zum grossen Nachteile unserer Banken gegenüber den Banken, die keine Weissgeldstrategie fahren, u.a. eben auch der Banken in den USA.

Sicher müssen wir die Banken zwingen eine Weissgeldstrategie zu fahren. In den meisten Staaten Europas müssen die Banken mit Weissgeldstrategien leben und leben dabei gut. Und wir sind keine Grossmacht und können unsere Banken wie man gerade sieht,nicht verteidigen wie die USA. Und so bedrohen die angegriffenen Banken immer wieder unseren Werkplatz den wir auch zu verteidigen haben. Für die Schweiz kann es nur gesund sein, wenn der Bankensektor auf ein vernünftiges Mass schrumpft auch wenn es momentan Anpassungsprobleme geben sollte. Das grösste strukturelle Defizit aller Länder hat England mit einem weit überdimensionierten Bankensektor mit einem vernachlässigten Werkplatz und grossen zwangsverstaatlichten Banken. Dieses schräge Wirtschaftsmodell wollen wir der Schweiz nicht zumuten nur damit ein paar Banker mit kriminellen Geldern Gewinne optimieren können.

Man muss ja schon ein Idiot sein, wenn man gegen die USA antreten will, um ihnen Steuergelder abzunehmen. Solange sie dies dulden mag man unbeschadet davonkommen, wenn sie sich jedoch wehren, dann schaut man sehr schnell sehr alt aus, was der Fall Wegelin beweist. Die Frage ist nicht ob die USA rechmässige Mittel einsetzen oder nicht, sondern lediglich ob die Mittel wirksam sind und das sind sie sicher.

Übrigens das Rechtsempfinden dem Nationalismus unterzuordnen ist keine gute Eigenschaft und bringt auch keine nachhaltigen Vorteile.
cristiano-safado
Mitglied
#304 ° Gesendet: 05.02.2012 18:05
@Zocker

Solange sie dies dulden mag man unbeschadet davonkommen, wenn sie sich jedoch wehren, dann schaut man sehr schnell sehr alt aus, was der Fall Wegelin beweist.
ich glaube nicht, dass die Wegelin NUR deswegen an die Raiffeisen verkauft wurde, weil sie ins Visier der US-Ermittler gekommen ist. Uebrigens, nicht die Wegelin, sondern die Notenstein wurde an die Raiffeisen verkauft. Und hier (angeblich) auch nur das nicht-US-Geschäft http://de.wikipedia.org/wiki/Wegelin_%26_Co. Ich bin allerdings sehr skeptisch über diesen Kauf durch die Raiffeisen. Denn ich glaube nicht, dass die US-Behörden das einfach so fressen werden. Und nach verschiedenen Medien-Meldungen sind offensichtlich auch nicht alle Bankkunden lupenrein. Unter anderem sind auch 220 Kunden US-Bürger http://www.bilanz.ch/news/raiffeisen-chef-kunden-der-neuen-notenstein- werden-geprueft

Die Frage ist nicht ob die USA rechmässige Mittel einsetzen oder nicht, sondern lediglich ob die Mittel wirksam sind und das sind sie sicher.
Ich glaube eben nicht, dass die so wirksam sind, wie hier die meisten befürchten. Ich glaube vielmehr, dass die Amis auf die bisher, unter anderem bei der UBS gezeigte Angst der Politiker vertrauen. Die UBS war wohl nur ein Testfall der ihnen gezeigt hat, dass sie sich gar nicht auf eine Globallösung einzulassen brauchen. Mit Einzellösungen, also bei jeder Bank kassieren, holen sie weit mehr. Darum habe ich bis jetzt immer eine viel härtere Haltung unserer Politiker vermisst. Nicht nur gegenüber den USA, sondern auch gegenüber Deutschland und auch bald gegenüber Frankreich. Diese Länder warten doch auch nur ab, wie sich unsere Politiker jetzt im Fall USA verhalten.
Zocker
Mitglied
#305 ° Gesendet: 06.02.2012 13:32
cristiano-safado:
Darum habe ich bis jetzt immer eine viel härtere Haltung unserer Politiker vermisst. Nicht nur gegenüber den USA, sondern auch gegenüber Deutschland und auch bald gegenüber Frankreich. Diese Länder warten doch auch nur ab, wie sich unsere Politiker jetzt im Fall USA verhalten.

Wenn du nur die Banken betrachtest so magst du Härte für machbar ansehen. Wir haben jedoch eine Wirtschaft die nur zu einem Teil aus Banken besteht. Die Exportwirtschaft die 60% unserer Wirtschaft ausmacht kann die Schweiz nicht mit Härte verteidigen. Da sind nur intelligente verhandelte und nicht erpresste Lösungen möglich. Denk an den Flughafen Zürich, wie man sich stark gefühlt hat und heute nicht nur eine schlechtere Lösung geschluckt hat sondern auch noch weitere schlechtere Lösungen anstehen. Glaubst du wirklich dass jemand in der Schweiz die heilige Kuh Bankgeheimnis fahrlässig geschlachtet hat. Der Druck von aussen war zu gross, auch wenn wir den nicht unmittelbar wahrnehmen.

Die Möglichkeit die Schweiz unter Druck zu setzen ist riesig. Die möglichen Strategien dagegen sind oft nur grosse Retorik für die eigene Bevölkerung. Die Schweiz ist nirgendwo in der Lage Sanktionen auszuüben ohne sich nicht selbst erheblich zu schaden. Die Schweiz ist zu klein und als Exportland genau jenem böhsen Ausland ausgeliefert, das uns auch Druck machen kann. Konfrontation ist eine sehr kurzsichtige Strategie.

Überhaupt jene doofen Banken, die es 2008 nicht begriffen haben, dass nur eine Weissgeldstrategie gefahren werden kann, haben es verdient gestorben zu werden. Denn sie haben sich als unfähig erwiesen, sich schnell genug neuen Situationen anzupassen. Denen würde ich auch nie mein Geld anvertrauen. Wenn das Know How der Bank nur darin besteht ein Geschöfsmodell mit Steuerfluchthilfe zu betreiben, dann ist das eindeutig zu wenig. Diese Institute müssen vom Markt verschwinden, denn sie bieten keinen echten Nutzen.
cristiano-safado
Mitglied
#306 ° Gesendet: 06.02.2012 17:03 ° Bearbeitet von: cristiano-safado
@Zocker

Es geht ja nicht nur um die Banken. Es geht um den Versuch der USA, in der Weltwirtschaft eine Vormachtsstellung zu erreichen. Das kontrollieren des Finanzplatzes ist dabei zentral. Um dies zu erreichen erpressen, befehlen und missbrauchen die USA Daten überall. Denk zum Beispiel an den Swift, oder an die Handelsembargos http://www.sonntagonline.ch/ressort/wirtschaft/2098/ und jede Software, die in Amerika hergestellt wird, muss einen "diskreten" Zugang für den Staatsapparat haben. Es ist wirklich ein Wirtschaftskrieg im Gange. Allerdings, m.E. werden die USA trotz all ihrer Machenschaften und Bemühungen China nicht mehr überholen.
Zocker
Mitglied
#307 ° Gesendet: 06.02.2012 21:24
cristiano-safado:
Es geht um den Versuch der USA, in der Weltwirtschaft eine Vormachtsstellung zu erreichen.

Die USA hat eine Vormachtstellung allein wegen des riesigen Marktes (Konsumenten mit gleicher Sprache). Die USA ist quasi eine Binnenwirtschaft ca. 70% des BIP wird durch den Konsum abgedeckt. Eine solche Binnenwirtschaft kann die Schweiz nie sein.
Dazu hat die USA ein handelbare offene Währung wie sie China mit dem Staatskapitalismus nie erreichen kann. China wird noch Jahre benötigen um die Wirtschaft vom Export auf den Binnenkonsum umzustellen. Solange das nicht geschafft ist, muss China exportieren und die Exporte durch Inflation teilweise selbst bezahlen.
Dazu ist die USA mit ca. 380 Millionen Einwohnern und ca. 14000 Milliarden BIP immer noch eine wesentlich grössere und effizientere Volkswirtschaft wie China. Dazu kommt, dass China mit Fehlinvestitionen im Bausektor zwar künstlich das Wachstum angeheizt hat jedoch jetzt auf 64 Millionen Wohnungen (= ganzen Stätden) sitzt die niemend mietet, weil zu teuer. Diese Immobilienblase stellt die Blase, die in den USA 2008 platze, in den Schatten. Dazu kommt dass die vermögenden Chinesen (über 50%) aus China auswandern wollen. Wer kann geht.

Über die Probleme in den USA sind wir noch besser informiert wie über die von China. Und China hat jedes Problem in Dimensionen wie es sie sonst niergends gibt. Und in China müssen die Probleme von Politikern (Machtapparat) gelöst werden, was meist mehr Versager gibt, wie wenn Private die Wirtschaft in der Hand haben.

Die USA hat Konkurrenz und die kommt wenn schon von Europa. Der Lösungsansatz den Europa für die Krise gewählt hat, ist ein anderer wie den der USA könnte jedoch auf die Länge erfolgreicher sein.

Wir sind nicht in einem Wirtschaftskrieg sondern im Wettbewerb mit den USA
Loser
Mitglied
#308 ° Gesendet: 06.02.2012 22:13
cristiano-safado:
Verlangen wir Schweizer von unseren Auslandsschweizern auch, dass sie hier Steuern bezahlen?

Nein, ist aber ihr gutes Recht, dies zu tun. Der Betroffene könnte ja seinen Pass abgeben. Ausserdem gibt es Firmen, die die Ausland-Amerikaner beraten, weil sie eine Menge abziehen können, schützt sie davor, zuviel zu bezahlen.
cristiano-safado
Mitglied
#309 ° Gesendet: 08.02.2012 15:55
Ausserdem gibt es Firmen, die die Ausland-Amerikaner beraten, weil sie eine Menge abziehen können, schützt sie davor, zuviel zu bezahlen.
Die können weniger abziehen als wir. Zudem kosten solche Berater immens Geld; meist in der Höhe saftiger Anwaltshonorare.
rawbee
Mitglied
#310 ° Gesendet: 08.02.2012 17:29
Kurzer Einschub zum Ursprungsthema:

Kann es eine umfassende Gerechtigkeit geben, dieses zentrale Ziel zahlreicher Bewegungen, Aufstände, Revolutionen von den arabischen Ländern bis hin zur Occupy-Bewegung? Ist so ein vollkommener Zustand überhaupt er­reichbar?

Nein, diese Fragen interessieren Amartya Sen nicht, denn sie führen nur in abstrakte Diskussionen über Definitionen und Konzep­te. Den Philosophen und Wirtschaftswissen­schaftler beschäftigen andere, praxisnähere Themen: Wie kann Ungerechtigkeit weltweit überwunden werden? Und was haben die gängigen Theorien bisher dazu beigetragen? Die «Idee der Gerechtigkeit», so seine Hauptthese, ist kein ethisch vollkommener Zustand, sondern ein Prozess zur Verbesserung der Lebensmöglichkeiten aller Menschen, für den öffentliche und rationale Diskussionen und aktives Engagement unabdingbar sind.


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