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Dorfplatz Diskussionsforum Politik / Dorfplatz /

Too big to fail ???

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felixkohl
Mitglied
#1 ° Gesendet: 10.06.2010 21:18 ° Bearbeitet von: felixkohl
Wie oft hörten wir diese Maxime.

Gibts denn ein to big to fail? Nein.
Eine freie Marktwirtschaft setzt Konkurrenz voraus.
Konkurrenz schafft nun mal nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer.
Was nun, wenn ein Verlierer besonders gross ist?
Primär werden viele Mitarbeiter getroffen. Das schmerzt.
Sekundär wird eine Region getroffen (Arbeitslose und Steuerausfall). Das schmerzt auch.
Doch bringen wir die Zeitdimension ins Spiel.
Wie in der Natur, in der evolutionären Geschichte auch, wurden leere (ökologische) Nischen (z.B. nach Katastrophen) rasch von neuen Mitspielern besetzt.
Eine Grossbank, ein grosses Technologieunternehmen, ein grosses Transportunternehmen oder ein Pharmagigant sind ja längst nicht die einzigen potentiellen Arbeitgeber.
Jede Branche ist gekennzeichnet von vielen Mitbewerbern.
Wo allso der grösste ausfällt, werden die kleineren Nachziehen und nicht nur die Kunden sondern auch die (ehemaligen) Mitarbeiter übernehmen.
Schliesslich sind die meisten Grosskonzerne auch nicht organisch gewachsen sondern duch Merges, Zukäufe oder Aufkäufe.
Die Verantwortlichen und die Marketingabteilung wird nicht müde zu betonen, dass sie ja "so viiiiielen" Menschen Arbeit verschaffen.
Das kann bedingt zutreffen, aber sie haben lediglich die Konkurrenzfirmen aus dem Markt geworfen und besetzen nun denselben mit mehr oder weniger denselben MitarbeiterInnen.

Warum also diese Angst? Ein Zusammenbruch eines Grossunternehmens ist kurzfristig eine Katastrophe - kurzfristig.
Wenn die Politik sich aus Angst vor diesem Eventualfall jedoch erpressen lässt, gelangt sie im Strudel von Verpflichtungen, AdHoc-Entscheidungen (anstelle von strategischen Entscheidungen) und letztlich auch von Mitschuld.

Ein Poster (weiss leider nicht mehr wer) schrieb hier vor ca. drei Monaten einen besonders weisen Satz: "Wer die Freiheit zugunsten der Sicherheit aufgibt, verliert beides."
Das gilt langfristig auf persönlicher wie auch auf sozial-politischer Ebene.
Behalten wir die Freiheit.

Dieselben Gedanken lassen sich übrigens auch auf die unberührbaren "Top-Manager" übertragen.
Jahrelang wurden sie behandelt und gehandelt wie Halbgötter und ihre Gehälter und Boni wuchsen zum Himmel - ignorierend, dass die Wirtschaftshochschulen, die KMUs und andere fortlaufend neue, kluge Köpfe generierten und generieren.
Man hielt (und hält) aber lieber an den bekannten Köpfen.
Die konkurrierenden Konzerne buhlten über Headhunterbüros um die paar Dutzend Köpfe, sei es für die Geschäftsleitung oder den VR.
Noch schlimmer. Die Köpfe sassen gar in etlichen Verwaltungsräten und man konnte letztlich gar nicht mehr auseinander halten, welcher Betrieb von wem geführt wurde. Filz!
In den grossen Finanzinstituten wurde nun der Beweis erbracht, - und ich sage dies ohne Genugtuung, Schadenfreude oder Neid - dass sie ihr Geld nicht wert waren.
Einige wurden per Zufall hochgespült, andere kämpften sich mit Raffinesse und Ellbogen hoch und einige - zugegeben - sind wirklich gut.
Markt auch hier! Sonst haben wir eine sonderbare Variante der "Planwirtschaft". Die Aktionäre und die zum Teil zudienenden Politiker sollten zur Einsicht kommen, dass es nicht den/die Alleinseligmachenden gibt. Neue folgen, schlechtere aber auch sicher bessere. Die Durchlässigkeit gegen unten, gegenüber jüngeren und neuen sollte wieder spielen.
Zocker
Mitglied
#2 ° Gesendet: 10.06.2010 22:34
felixkohl

Das Problem bei einer Bank ist, dass sie nicht nur eine Dienstleistung verkauft. Eine Bank muss auch in ihrem ureigensten Interesse zur Glaubwürdigkeit des Geldsystems beitragen. Denn eine Bank lebt von einem Versprechen, das sie eigentlich nicht einhalten kann. Sie hat jedem Kunden versprochen, dass er unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist, sein Geld wieder abheben kann. Den Fall dass dies alle Kunden gleichzeitig machen wollen, darf es nicht geben. Denn dieser Fall, so zeigt die Geschichte, bringt alle anderen Banken auch ins Straucheln, die mit der Pleitebank verbandelt sind. Und bei der UBS wären die Folgen weltweit und nicht überschaubar. Im Bankensystem gäbe es einen Herzstillstand und kein Blut (Geld) flösse mehr in den Adern, so wie es nach der Lehmanpleite der Fall war.

Dass unsere Wirtschaft auf der Funktion beruht, dass die Leute Vertrauen in die Banken und in die Stabilität des Geldes haben, gehört auch zu unserer Marktwirtschaft. Wenn eine Bank dieses Vertrauen erschüttert, dann funktioniert die Marktwirtschaft auch nicht mehr richtig.

Somit muss der Staat eine Bank wie die UBS retten, will er nicht die gesamte Wirtschaft gefährden. Hier geht es nicht nur um ein paar Arbeitsplätze bei den Banken, sondern auch um den gesamten Werkplatz. Und weil die Grossbanken das wissen, rechnen sie auch mit der Staatsgarantie und riskieren was das Zeug hält, denn Risiko gibt Gewinne und eventuelle Verluste trägt auch der Steuerzahler sonst geht ihm der Werkplatz flöten.
gumbyman
Mitglied
#3 ° Gesendet: 11.06.2010 00:01
Zocker:
muss der Staat eine Bank wie die UBS retten, will er nicht die gesamte Wirtschaft gefährden

Das ist genau der springende Punkt. Und genau da hat der Staat m.E. nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht solche Klumpenrisiken für die ihm anvertrauten Menschen bzw. die Volkswirtschaft zu verhindern.

Die marktwirtschaftliche Freiheit hört da auf, wo der Staat Nachteile für die Bürger sieht. Deshalb verhindern z.B. Wettbewerbshüter, dass Mobilfunkanbieter solange fusionieren bis nur noch einer übrigbleibt. Weil Anbieter- oder Nachfrager-Monopolen der Volkswirtschaft direkt schaden. "Too-big-to-fail"-Banken sind ein übergrosses, unkalkulierbares Risiko für die Volkswirtschaft und gehören deswegen zwingend zerschlagen bzw. filettiert und in einzelne kleinere Einheiten aufgeteilt, die im Notfall Konkurs gehen dürfen.

Ist m.E. eine reine Frage der Staatsräson; Entweder werden die Grossbanken aufgeteilt, oder sie liefern eine "Versicherungsprämie" an den Staat ab für die faktische Staatsgarantie die sie dann geniessen. Es ist nicht Aufgabe des Staates, Risiken privater Gewinne durch Steuergelder abzusichern.

g.
Zocker
Mitglied
#4 ° Gesendet: 11.06.2010 17:07
Die Kantonalbanken zahlen auch für die Staatsgarantie. Warum sollen das die Grossbanken nicht auch können?
Entsprechend dem Risiko, das die Grossbanken veranstalten, werden sie zur Kasse gebeten. Ob und wie dann noch das Investmentbanking rentabel ist, kann jede Grossbank selbst entscheiden.

Natürlich ist es nicht die Aufgabe des Staates eine Versicherung für das Zocken zu sein. Aber wenn sich die Grossbanken die Risiken unbedingt behalten müssen, dass soll die Versicherung bezahlt werden.
cse
Mitglied
#5 ° Gesendet: 11.06.2010 20:36
Stell die vor, Migros schliesst von einem Tag auf den anderen alle Filialen.
Ockham
Mitglied
#6 ° Gesendet: 11.06.2010 22:20
Ganz ehrlich - die UBS hätte einen Crash vollkommen verdient. Den Ökonomen mal zu zeigen, wie die knallharte Marktwirtschaft à la „the weakst link" funktioniert, wäre nur zu schön gewesen. Eine UBS-Pleite wär für mich auch völlig belanglos: Ich habe (schon sehr lange) kein Konto (mehr) bei der UBS. Oder wie pflege ich zu sagen: „Ein anständiger Bürger hat sicherlich KEIN Konto bei der UBS oder CS."

Was mich echt ankotzte, ja zutiefst anwiderte, waren die Wirtschafts-Wixer, welche nach Jahrzehnte des eisernen Grundsatzes „der Staat darf sich in die freie Marktwirtschaft NICHT einmischen ", plötzlich verkündeten, dass es eine absolute Selbstverständlichkeit sei, dass der Staat die UBS nun rette.

However:

Würde eine UBS „pleite" gehen, hiesse dass ja nicht, dass am Ende (bei der Aufteilung) nicht noch etwas rausspringt. Die Schuldigen & ihre Mittäter (respektive die sie Gewährenlassenden) wären am Ende sicherlich nicht ohne Kohle dagestanden. Ha, die wissen sich schon (juristisch) abzusichern. Die Dummen wäre hingegen die kleinen Kunden und vielen KMUs gewesen. Ruin um Ruin - eine gewisse Kettenreaktion. Will man das wirklich für unsere Gesellschaft?
Da steckt der Haken. Die UBS ist leider eine Bank - spielt also mit den Kohlen von anderen. Der Domino-Effekt wäre wirklich verheerend gewesen. Das ist der einzige, aber für mich dennoch entscheidende (legitime) Grund, die UBS zu retten.

Allerdings der grosse Fehler ist der, dass der Staat praktisch einfach so bezahlt hat. Es hätten knallharte Forderungen und Bedingungen gestellt werden müssen, welche komplett verhindern, dass ein solches dreistes Desaster noch einmal passieren kann. Die UBS ist völlig offensichtlich zu gross respektive ohne genügende staatliche Kontrolle. Die freie Marktwirtschaft hat - gesellschaftlich gesehen - gravierend versagt - respektive hat unerwünschte Ausmasse angenommen. Ende Feuer. Das heisst nicht völlige Planwirtschaft als Ziel, aber dennoch sollte den Ökonomie-Puristen damit die Fresse bis auf Weiteres gestopft worden sein. So sollte man meinen. Aber gefehlt.

Aktuelle Verhalten/Haltung der Ökonomie-Oberschläulis: Jetzt wo alles/vieles sich wieder weitgehend normalisiert hat, soll auch alles weitergehen wie vorher und der Staat soll sich nun wieder gefälligst raushalten: "Freie Marktwirtschaft, aber hallo!"
Zudem sendet man mit der Ausstellung eines Persilscheins klar falsche Signale an die Wirtschaft, die nur allzu gern kalkulativ ins Risk-Management einbezieht: „Der Staat ist unsere Versicherung - frank und frei. Let's gamble!"

Es gibt sodann Tage, wo ich den UBS-Crash rückblickend doch angenehm fände. Die Welt würde sich weiter drehen, die Sonne stets wieder aufgehen und keiner würde daran sterben. Aber die oligarchischen Geldsäuen würde (zumindest teilweise) von ihren eigenen Grundmaximen verlocht und ihr Spielplatz geplättet. Zu schön wär's - irgendwie. Und jeder, der (DIREKT) durch die UBS direkt Geld verlöre, wäre ja selber schuld - schliesslich war er kein „anständiger Bürger", sondern wollte gierig vom Trog des Geldsauentums mitfressen.

Gute Nacht ihr Bürger und Schweine!
felixkohl
Mitglied
#7 ° Gesendet: 12.06.2010 02:29
@Zocker

..die Folgen weltweit und nicht überschaubar..

Die Dummen wäre hingegen die kleinen Kunden und vielen KMUs gewesen. Ruin um Ruin - eine gewisse Kettenreaktion. gem. Ockham

Dieser Einwand ist richtig. Leider.

@gumbyman

Die marktwirtschaftliche Freiheit hört da auf, wo der Staat Nachteile für die Bürger sieht. Deshalb verhindern z.B. Wettbewerbshüter, dass ... der Volkswirtschaft direkt schaden.

Gutes Beispiel.

Die Konsequenz ist:

gem. Zocker
Entsprechend dem Risiko, das die Grossbanken veranstalten, werden sie zur Kasse gebeten.

gem. Ockham
Allerdings der grosse Fehler ist der, dass der Staat praktisch einfach so bezahlt hat. Es hätten knallharte Forderungen und Bedingungen gestellt werden müssen, welche komplett verhindern, dass ein solches dreistes Desaster noch einmal passieren kann.

Sehe ich auch so. Deutschland war beispielsweise hier konsequenter.
In der Schweiz liegt historisch eine Art Demutshaltung gegenüber den Finanzinstituten vor.

@Ockham

Aktuelle Verhalten/Haltung der Ökonomie-Oberschläulis: ...

Sehr "böse" - aber in der Sache völlig zutreffend.
Habe auch längst kein Konto bei UBS oder CS.


Diese Punkte zeigen, dass die ganze "Bonus-Debatte" eigentlich ein Scheingefecht ist.
Es ist lediglich ein einzelner Aspekt, welcher gewisse (CEO-)Verhalten fördert.
Die politischen Parteien versagen hier auf der ganzen Linie. Unsere VolksvertreterInnen sind nicht im Stande ein sinnvolles Massnahmenpaket zu schnüren oder zumindest aufzugleisen - bis es wieder kracht.

Die traditionelle bürgerliche Fraktion CVP und FDP verhält sich wie ein Vasall der Grossfinanz. Banken, Banken und blanker... verkennend, das die Schweiz traditionell auch ein Technologieland ist, dass wir auch ganz andere Potentiale haben.
Allerdings kriegten sie dafür auch die (politische) Quittung.
Die SVP lenkt ab und betreibt eine intransparente, "volksnahe" und gleichzeitig pseudoliberale Politik, setzt die politische Agenda und verschiesst politische Nebelpetarden.
Die SP enttäuscht durch Polemik und wenig Konzept. Ebenso hat man das Gefühl, sie sei grundsätzlich gegen alles was zur "Wirtschaft" gehört. In der öffentlichen Perzeption hat sie die Anliegen der ArbeitnehmerInnen und der unzähligen "seriösen" Wirtschaft (inkl. dem Gros der KMUs) längst verraten. Sie betreibt ein bisschen Neofeminismus, ein bisschen Öko mithin auch Wirtschafts- und Verkehrsbashing, Gebührenfetischismus und ein bisschen Multi-Kulti. Glücklicherweise unterstützt sie noch sozial Schwache.
Viele "Büezer" und ehemalige Büezer (Rentner) kehren "ihrer" Partei den Rücken und wählen SVP. Diese hat - im Gegensatz zur SP - teils die charismatischeren (bauernschlauen) Politiker.
Damit liefern sich Arbeitnehmer, KMUs und Rentner ihren Schlächtern aus und verhelfen den Oportunisten aus anderen Parteien an die Macht.
Zocker
Mitglied
#8 ° Gesendet: 14.06.2010 21:05
Nun ist die PUK zur UBS vom Tisch. Wen interessiert es, ob und wie die FINMA oder der Bundesrat Merz von der UBS beeinflusst wurden.

Die Bürgerlichen schützen nicht nur Merz und die FINMA sondern auch die Finanzierungsquelle ihrer Parteien. Dass daraus ein Interessenskonflick erwächst, ist eine boshafte Unterstellung.

Die Grossbanken sollen ruhig weiter die Schweiz regieren, denn die nächste Krise kommt bestimmt. Dann werden sich wieder viele Bürgerliche am Kopf kratzen und lamentieren und sie werden wieder zahlen.
leonforte
Mitglied
#9 ° Gesendet: 15.06.2010 18:09
Zocker:
und sie werden wieder zahlen.

du übersiehst einmal mehr die tatsache, dass wir mit den ubs papieren eine milliarde verdient haben ..... bezahlt hat also bis jetzt noch kein steuerzahler, sondern eher erhalten!
driver
Mitglied
#10 ° Gesendet: 15.06.2010 18:42
leonforte:
du übersiehst einmal mehr die tatsache, dass wir mit den ubs papieren eine milliarde verdient haben

realisierte Gewinne oder Buchgewinne?
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