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Dorfplatz Diskussionsforum Politik / Dorfplatz /

Von der Utopie als statischem Zustand

 
Philister
Mitglied
#1 ° Gesendet: 17.05.2010 21:28 ° Bearbeitet von: Philister
felixkohl:
- Einführung von Modellen mit staatl. garantiertem Basislohn (für alle Menschen) plus Leistungslohn (für die Ehrgeizigen) - Dieses Denkmodell taucht immer wieder auf (schon Erich Fromm beschreibt dieses in "Haben und Sein").

Ideen wie diese sind es Wert, drüber nachzudenken. Und für einmal will ich mich auch begeistert und idealistisch zeigen ;-)

Vater des Gedankens jedenfalls, ist die Ansicht, dass dem Zweck des Geldes u.a. mit technologischen Fortschritt, zunehmend die Bedeutung und Existenzberechtigung abhanden kommt.

Sprachlich, empirisch, hat Geld seine Bedeutung im Wesentlichen durch seinen Bezug auf das natürliche, und dem Zweck gewonnen. Im ersten Schritt als gemünztes Geld, im zweiten Schritt als Wiederspiegelung von knappen Ressourcen, die rationiert werden mussten.

Das monetäre System ersetzte auch den direkten Austausch von Gütern und Arbeit, was mühsam, resp. effizienter schien.

Doch - auch heute, gibt es kein globales, monetäres System. Heute, so wie eh und je, müssen Objekte und Arbeit gegen Güter und Dienstleistungen ausgetauscht werden.

Geld, als einst sinnvolle Übergangslösung, die zunehmend obsolet und kontraproduktiv wird.

Geld hat neben der verfälschten Wiedergabe von Ressourcen auch keinen wirklichen Bezug zur Produktions- und Leistungskapazität.

Die heutigen Einschränken erleben wir vor allem wegen dem Konstrukt Geld. Nicht, weil Ressourcen knapp wären. Der Zugang dazu, der ist knapp.

In einer Rezession ist die Welt noch immer die gleiche, und doch haben die Leute auf einmal nicht mehr die Kraft, sich etwas zu kaufen. Wir produzieren keine Güter, keine Häuser, keine Lebensmittel auf der Basis menschlichem Bedarfs. Der Zweck ist längst zum Selbstzweck verkommen.

Mangel und menschliches Leid erzeugend - obsolet, sind dabei allein die Spielregeln.

Man verfügt dieser Tage über die notwendigen technologischen Mittel, die eigentlich die edelsten Hoffnungen und Träume vergangener, sozialer Vordenker greifbar erscheinen liessen.

In einer Umgebung der Rationierung jedoch, wo in Tat und Wahrheit nicht rationiert werden müsste, arbeitet Technologie nicht für den Menschen, sondern gegen ihn.

Die gängigste aller Handelswaren, das ist ein Menschenleben.

Wo sinnvoll rationiert wird (oder sollte...), ist fraglich, und inwieweit die Abbildung durch Geld dem noch gerecht wird. Wie weit wir von diesem grundlegenden Gedanken ohnehin entfernt sind, muss im Rennen um Kurse kaum noch erwähnt werden.

Der ökonomische Tunnelblick ergebt sich aus dem stetig wachsenden Bedarf an Beschäftigung, dem wachsenden Kapitalstock, und dem Fortschritt an Technologie.

Unsere Gesellschaft wird - wenn - nicht an ungestillten Grundbedürfnissen zugrunde gehen, sondern im notwendigen Luxus, und der stetig aufs Neue erfordlichen Schaffung neuer Märkte und neuer Nachfrage, der Besinnungslosigkeit, ersticken.

Die Liste an notwendigen Produkten, die eigentlich kein Mensch braucht, ist endlos.

Die Zuckerbrote und Karotten dieser Welt, denen gedankenlos hinterhergerannt wird, bis tief in die Verschuldung hinein, sind im Grunde nebensächlichster Art - Chief Executive Officer, Farbfernseher, Auto, Villa, Boot, Baum, Vielweiberei, und weiss was ich noch alles.

Gedankenkraft

Ideen wie die von felixkohl erwähnte, wären wohl Wegbereiter für eine bahnbrechende Art des Umdenkens.

Vorstellbar wäre, dass mit derartigen Schritten in eine Richtung geführt würde, wo Neid auf Erfolg, Schönheit und Stärke umschwenken könnte, auf das Edle, Hilfreiche und Gute.

Ein Paradigmenwechsel, in dem die smithsche unsichtbare Hand, die wahren Tugenden profitabel machen würde. Jene Tugenden, die eigentlich unbezahlbar, und doch wertlos sind.

Liberal, mit kommunistischem Schafspelz. Eigentlich interessant, wie unvertreten die These ist. Oder ist sie derart offensichtlich falsch, dass nur wenige drauf reinfallen? ;-)

Der Mangel an Authentizität, den viele an der Politik bemängeln, und spüren - der kommt daher, dass der ökonomische Druck die Kraft hat, noch aus dem Stärksten ein Fähnchen im Wind zu machen. Und; machen wir uns nichts vor, dieser Druck hat in den letzten hundert Jahren unverhältnismässig zugenommen, wie die Staatsverschuldungen deutlich machen.

So sehr der Einzelne sie beschwört, die guten Tugenden, so oft auch der Wille da ist, so sehr man gegen Millionäre und Machtballung sein mag - wenn man die Chance hätte, einer zu werden, kann in der Regel für nichts garantiert werden.

Wo die Gedankenkraft stark ist, da, wo der Mensch hinschaut, da führt es ihn auch hin. Das Lenken eines Gefährts ist für den Grundgedanken des Manifestierens wohl die einfachste aller Plausibilitätsüberlegungen.

Glück ist damit kein Zufall - jeder ist zum Schmied berufen.

Jedenfalls - ja, ich bin ne Tratschtante, die auch weitermacht, wenn keiner mehr zuhört: Das monetäre System begünstigt bestimmte Eigenschaften, bestimmte Blickwinkel.

So etwa das als typisch geltende Hamstern; Wo man auch hinkommt, die Raffgier, die findet man überall.

Prinzipiell geht man davon aus, dass der Nächste ebenso handeln wird. Der Unterschied besteht lediglich im Grad der Unverfrohrenheit, und der Mittel.

Ist man an Grundversorgung gewohnt, besteht kein Anlass, sich die Taschen vollzustopfen. Die selbe Logik erklärt die Schaffung von Kriminalität durch deren Bekämpfung.

Auf die Spitze getrieben würde der Ansatz wohl am ehesten die Onkel Dagoberts und Ellbögler dieser Welt eindämmen. Eine wahre Lösung wäre es, die schrittweise Annäherung zur ressourcenbasierten Ökonomie.

Die einzig jetzt schon sichere Einschränkung für die Zukunft der Menschheit wird jene sein, die sie sich selbst auferlegt.
felixkohl
Mitglied
#2 ° Gesendet: 18.05.2010 19:18 ° Bearbeitet von: felixkohl
@Philister

ja, ich bin ne Tratschtante, die auch weitermacht, wenn keiner mehr zuhört:

..habe sogar weitergelesen ;-)

Viele Themen, die Du ansprichst. Und sie gehören bestimmt vernetzt - insbesondere auch jene psychologischer Natur, die im politischen Kontext gerne ausgeschaltet werden.

Als überzeugter Darwinist kann ich ein paar Betrachtungen mit meinem Modell der "Statuspyramide" ergänzen.
Auch wenn ein Grossteil der Bevölkerung heute einen Luxus geniesst, den es nie zuvor in der menschlichen Geschichte gegeben hat, so interessiert es den den Mann (und die Frau richtet ihr Augenmerk danach), wo er letztlich in dieser Pyramide steht.
Was vordergründig eine irrationale Verhaltensweise zu sein scheint

(Chief Executive Officer, Farbfernseher, Auto, Villa, Boot, Baum, Vielweiberei, und weiss was ich noch alles.)

bedeutet doch letztlich sich ÜBER andere erheben zu können, dabei spielt es keine Rolle ob es das Pferd ist oder der Masserati.
Damit ist man eine, zwei oder drei Stufen höher als die anderen in der Pyramide. Und hätte jeder zuunterst seinen Masserati, so muss sich der darüber schleunigst was besseres einfallen lassen.

Alle grossen Weltreligionen waren und sind darin bestrebt, dieser Haltung Einhalt zu gewähren. Denn zu viele "Wölfe" schaden der Gemeinschaft. Sie tollerierten kompromissbereit, die Einsetzung eines Alphatiers (sprich Kaiser, König etc. und privilegierter Oberschicht) aber hielten eine gewisse Balance.
Bescheidenheit als Tugend ja sogar als heilmachende Haltung ("Es kommt eher ein Kamel durch ein Nadelör als ein Reicher ins Paradies")
Die jüdisch-christliche Tradition, vor allem aber in den muslimischen Kulturen war es aber noch möglich auch als Nichtadeliger aufzusteigen.
Im Hinduismus wird die soziale Verteilung jedoch gar mit dem Kastensystem zementiert.

Die Demokratisierung nach der französischen Revolution brachte nicht nur Stimmrecht bzw. Miteinscheidungsrecht für alle. Wer mitreden kann, darf nun auch seine eigenen Forderungen einbringen.

Nun wo diese Autoritäten obsolet geworden sind (und die Aufklärung ist eine Befreiungsbewegung und keineswegs eine Autorität) gibts kein Halten mehr. Philosphische Grundsätze bezüglich eine "gute Lebensführung" waren/sind nicht nachhaltig genug. Dem Egoisten in jedem Individuum liegt nun der Weg frei, sein Glück zu suchen oder es gar etwas unverschämter zu fordern (wie Du das weiter oben schön formulierst).
Es liegt nun in der Natur der Sache, dass nicht alle reich sein können...oder noch besser, dass alle "reichER" sein können - schliesslich ist Kapital eine Metapher für Status (in der Pyramide). Nicht die einzige, aber eine sehr wichtige.

Macht wird einigen teilweise in die Wiege gelegt, andere müssen diese sich schwer erarbeiten (was durchaus Bewunderung evoziert) oder sie wird dank cleveren Netzwerken, einschleimen und anderer zweifelhafter Methoden erreicht.

Unsere Kids sehen ihre schönen und reichen Idole im TV, in den Magazinen, in den Gratiszeitungen usw. und möchten auch dazu gehören. Am Liebsten per "direttissima".
"You can get it if you really want" von Desmond Dekker wird hier etwas falsch verstanden. Mit Neurolinguistischer Programmierung (NLP) redet man sich ein, für Besseres geschaffen zu sein und mehr erreichen zu können.

Männer. Ihre Machtbessesenheit wird honoriert. Joschka Fischers Frauen, Ospels Frauen, Jürg Marquards Frauen, Opernhausintendan Perreiras fast 40 jahre jüngere Frau und viele weitere Frauen an der Seite von Promis etc. können das bestätigen (zugeben würden sie es nie :-)

Frauen. "Weil ich es mir Wert bin", "Ich will so bleiben, wie ich bin.
Ich find' mich gut, so wie ich bin. Meine Art zu leben."
Sie fordern dass sich die Balken biegen. Gleicher Lohn (ist OK), gleiche Rechte (ist OK), Sorgerecht für Kinder (ist nicht OK), Kittag, den Zuchthengst, Jugendlichkeit (schade, wurde ich nicht plastischer Chirurg), Fun, Karriere...und wenn die Umgebung im männlichen Haifischbecken unangenehm wird, legen viele den Schalter um auf das schwache, weibliche Geschöpf, das es zu schonen gilt.
Astrid von Friesen, Esther Vilar oder Alice Schwarzer sprachen von einer anderen Emanzipation.

Da rangeln wir uns dumme, testosterongetriebene Männer in dieser hohen Pyramide und verschleissen mehr Energie und Ressourcen wie Hirsche in der Brunft (allerdings nicht nur einmal im Jahr) und die Weiber tanzen ringelrum um die Pyramide und wählen da und dort aus.
Und es werden weitere "Platzhirsche" gezeugt und gezüchtet. :-)

Die Ressourcen, die Du ansprichst, metaphorisch der Boden unter den keilenden Rivalen, wird kaputt getrampelt und langfristig auch viele Lebensgrundlagen.
Zocker
Mitglied
#3 ° Gesendet: 19.05.2010 16:49
felixkohl:
Da rangeln wir uns dumme, testosterongetriebene Männer in dieser hohen Pyramide und verschleissen mehr Energie und Ressourcen wie Hirsche in der Brunft (allerdings nicht nur einmal im Jahr) und die Weiber tanzen ringelrum um die Pyramide und wählen da und dort aus.
Und es werden weitere "Platzhirsche" gezeugt und gezüchtet. :-)

Du beschreibst den Zustand der Macht- und Promiwelt. Was für traurige Wichte sind doch diese Promis und reampenlichtgeilen Typen. Wer es so dringend nötig hat, von der Menge beachtet und bejubelt zu werden, der hat bereits einen Flick ab. Welche Verrenkungen sind doch diese Leute bereit zu machen, nur damit der Hampelmann den sie speilen ankommt.

Es braucht wenig Hirn zu erkennen, das eben das Prominentsein nicht erstrebenswert ist und nur die Dummheit sieht dies anders.
All jene die es nicht nötig haben prominent zu sein bzw. ohne Gram darauf verzichten, haben die Promis bereits weit überholt.
gods president
Mitglied
#4 ° Gesendet: 24.05.2010 20:28 ° Bearbeitet von: gods president
Die Beschreibung der Statuspyramide erinnert mich an das sogenannte Alpha-Männchen bei den Löwen, wo das Ganze ja auch abgekupfert ist. Nur, objektiv betrachtet müsste in Frage gestellt werden, ob das von Weibchen umlagerte Männchen wirklich ein Alpha-Männchen ist. Ausserhalb streunen ja etwas mutigere Männchen und Weibchen durch die Gegend und sichern das Revier ab. Der sogenannte Alpha-Löwe könnte krank sein und möchte nicht Beute werden, da mit der Körpergrösse zu wenig wendig und zu auffällig. Er ist der Pascha der sozialerweise von den andern ernährt wird dafür, dass er diese nicht in Gefahr bringt. Dass er bleibt, dafür sorgen die Weibchen.

Ich habe es eher mit der Bedürfnispyramide, dieses objektive Beispiel der Löwen spricht dafür, dass es der Natur ideal entspricht. Wenn du ein Sicherheitsbedürfnis hast, informiere dich unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnispyramide
http://www.ignoranz.ch/forum/4_4079_3.html#msg181635
http://www.ignoranz.ch/forum/11_3761_0.html
felixkohl
Mitglied
#5 ° Gesendet: 24.05.2010 20:54
@gods president

Die Maslowsche Bedürfnispyramide bezieht sich auf das Individuum.
Meine Statuspyramide auf den sozialen Kontext.
 
 

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