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Ernährung

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Philister
Mitglied
#1 ° Gesendet: 17.05.2010 11:19
Ein wunderschönes Thema.

Ernährung ist heute zur Religion geworden. Füher lauerte die Sünde hinter der Schlafzimmertür - heute lauert sie hinter der Kühlschranktür.

Wer den Glaube an das Heil durch angeblich gesunde Ernährung anzweifelt, ruft genauso ungläubiges Staunen hervor, wie einst der Zweifel an der Jungfrauen Geburt. Früher die Kirche, heute die Ernährungspäpste.

Die Unterschiede in der Physiologie sind gross. Jedem bekommen gewisse Nahrungsmittel schlechter, oder besser. Wenn also eine allgemein gültige Ernährung propagiert wird, handelt es sich dabei zwingend um Scharlatanerei.


Interessant ist hierzu auch die paradoxe Einsicht, die sich in Amerika langsam selbst bei den offiziellen Stellen breit macht - nämlich dass die Zunahme von Fettleibigkeit auch eine Folge jahrzehntelanger, massiver low-fat-Kampagnen war.

Viele Studien belegen, dass wenn eine Gruppe von Leuten ihre Nahrungszufuhr begrenzt und ganz bewusst gegen den eigenen Appetit kämpft, dann sind diese Leute im Durchschnitt ein Jahr später dicker, als wenn sie das nicht gemacht hätten.

Die gesundheitlichen Folgen sind zum Beispiel Gallenstein, ein ca. 20 fach erhöhtes Risiko Essstörungen zu erliegen, Diabetes, Osteoporose, Herzinfarkt. Eigentlich müsste man Frauenzeitschriften mit dem Hinweis 'Abnehmen gefährdet Ihre Gesundheit' versehen.

Man kann sich fragen, ob es überhaupt einen Ernährungsratschlag gibt, an den man sich halten kann. Eine interessante Theorie lautet: Der Mensch findet heraus, was gut für ihn ist, in dem er nicht darüber nachdenkt.

Ein Beispiel erläutert, dass die Probleme erst mit dem Nachdenken beginnen. Beginnt man etwa über seinen eigenen Gang nachzudenken, wird man garantiert stolpern.

Seinem Körper Dinge vorzuschreiben, die er selbst erledigt, geht meistens schief.

Viele Menschen glauben etwa, sie brauchten bloss Zucker durch Süssstoff ersetzen, und schon hätten sie die Kalorienzufuhr reduziert. Nur sind die Dinge nicht so einfach.

Sobald die Zunge etwas Süsses registriert, hat der Körper die Erwartung, dass er jetzt Zucker bekommt. Darum schüttet er innerhalb von neunzig Sekunden etwas Insulin aus. Wenn dann aber kein Zucker kommt, weil's bloss Süssstoff war, macht sich das Insulin über den Restzucker her, den es im Blut noch vorfindet. Dann sinkt der Blutzuckerspiegel, und Sie bekommen einen Hunger, der viel stärker ist, als wenn Sie statt des Light-Produkts gar nichts gegessen hätten. Im Endeffekt nehmen Sie mehr Kalorien zu sich.
Das ist auch der Grund, wieso genau die gleichen Süssstoffe, die beim Menschen als Schlankmacher angepriesen werden, seit über zehn Jahren als Masthilfsmittel für Schweine zugelassen sind. Können Sie in der Futtermittelverordnung der EU nachlesen.


Eine Theorie lautet, dass zwischen dem, was uns schmeckt, und dem, was wir essen sollten, kein Unterschied besteht. Soll heissen, wenn man etwa Ratten die Geschmacksnerven durchtrennt, fressen sie immer noch genau das, was sie physiologisch brauchen.

Geruch und Geschmack scheinen bloss Indikatoren zu sein, die dem Bauch anzeigen, welche Stoffe er als Nächstes zu verdauen hat.

Lehm:
Wer sich umwelt- und tierfreundlich ernähren will, isst kein Fleisch. Auch Fische bestehen übrigens daraus. Wertvolle Proteine hole ich mir lieber aus Getreide und Hülsenfrüchten, zusammen gekocht.

Der menschliche Verdauungstrakt ist einfach gebaut. Mit schnell verfügbarer Energie treiben wir unsere Gehirne an. Wenn Ernährungsfachleute die Rückkehr zu Körnern und Rohkost empfehlen, dann sollten sie als erstes ihr Grosshirn gegen zwei Meter Dickdarm eintauschen ;-)
Loser
Mitglied
#2 ° Gesendet: 17.05.2010 18:02
Philister:
Der menschliche Verdauungstrakt ist einfach gebaut. Mit schnell verfügbarer Energie treiben wir unsere Gehirne an. Wenn Ernährungsfachleute die Rückkehr zu Körnern und Rohkost empfehlen, dann sollten sie als erstes ihr Grosshirn gegen zwei Meter Dickdarm eintauschen ;-)

Da bin ich Deiner Meinung, dieses Vegetariergehabe ist eine Sache der persönlichen Einstellung, nicht die der Gesundheit. Seit der Mensch laufen kann, jagt er Tiere um sich zu ernähren, sucht aber auch Beeren, Wurzeln, Kräuter usw. Dieses Geschiss geht mir schon lange auf den Geist, dennoch achte ich darauf, woher mein Fleisch kommt und jeden Tag ess ich es auch nicht, sondern dann, wenn ich (mein Körper) lust darauf haben.
agathon
Mitglied
#3 ° Gesendet: 18.05.2010 10:40
Philister:
Ernährung ist heute zur Religion geworden. Füher lauerte die Sünde hinter der Schlafzimmertür - heute lauert sie hinter der Kühlschranktür.

Ein sehr gutes Thema! – Ernährung ist zur Religion geworden, "gesunde" Produkte zum Fetisch gewisser Menschen.

Und dazu gehört auch das sogenannte "Körperbewusstsein" - als dürfte der Körper nicht einfach glücklicher, zufriedener Körper sein. Nein, er muss trainiert, bearbeitet und operiert werden: Wie wenn man ein Rennpferd wäre, dass mit einem menschlichen Hirn ausgestattet worden wäre. Während jedoch die wohlleibigen Scheichs sich mit ihren Rennpferden schmücken, hat das abendländisch-bürgerliche Individuum den Eindruck, es müsse stattdessen seinen Körper zur Schau tragen: Nach dem Motto: Seht mal, was ich da habe!
Und es ist bezeichnend, dass der Körper, den man zeigen will, ein asketischer Körper zu sein hat: möglichst schlank, durch regelmässige Übungen traktiert, hart im Nehmen und Entbehren.

Was ist der heutige Körperkult anderes als ein Zeichen der Lustfeindlichkeit? Ja selbst im Bett muss der Körper Höchstleistungen erbringen! Sollte man Sex nicht geniessen, wie eine Flasche Wein oder ein Schachtel Luxemburgerli?
Battou
Mitglied
#4 ° Gesendet: 18.05.2010 11:30
Philister:
Wer den Glaube an das Heil durch angeblich gesunde Ernährung anzweifelt, ruft genauso ungläubiges Staunen hervor, wie einst der Zweifel an der Jungfrauen Geburt. Früher die Kirche, heute die Ernährungspäpste.

Ein gesunder Geist gehört in einen gesunden Körper - oder so.
Philister:
Die Unterschiede in der Physiologie sind gross. Jedem bekommen gewisse Nahrungsmittel schlechter, oder besser. Wenn also eine allgemein gültige Ernährung propagiert wird, handelt es sich dabei zwingend um Scharlatanerei.

Das kann ich so nicht unterschreiben. Es werden ja eher Ernährungsmodelle propagiert. Wenn also jemandem Poulet oder Nüsslisalat nicht bekommt, gibt es genügend gleichwertige Alternativen.
Philister:
Interessant ist hierzu auch die paradoxe Einsicht, die sich in Amerika langsam selbst bei den offiziellen Stellen breit macht - nämlich dass die Zunahme von Fettleibigkeit auch eine Folge jahrzehntelanger, massiver low-fat-Kampagnen war.

Das überrascht nicht sonderlich. Fett ist nicht halb so "böse", wie oft behauptet, sondern wird vom Körper sehr wohl benötigt. Sie Atkins Diät.
Philister:
Viele Studien belegen, dass wenn eine Gruppe von Leuten ihre Nahrungszufuhr begrenzt und ganz bewusst gegen den eigenen Appetit kämpft, dann sind diese Leute im Durchschnitt ein Jahr später dicker, als wenn sie das nicht gemacht hätten.

Ist das so?
Philister:
Man kann sich fragen, ob es überhaupt einen Ernährungsratschlag gibt, an den man sich halten kann. Eine interessante Theorie lautet: Der Mensch findet heraus, was gut für ihn ist, in dem er nicht darüber nachdenkt.

Den gibt es, meiner Meinung nach sehr wohl. Und zu dem eben zitierten bzw. restlichen Teil deines Posts kann ich nicht zustimmen.

So wie ich die Sache sehe, ist bei den meisten Übergewichtigen Personen entweder fehlendes Wissen oder (öfters) fehlende Disziplin schuld.

Sport - weniger und gesünder Essen - genug schlafen

Übergewichtige treiben aber nicht gerne Sport (und damit meine ich nicht zwei mal die Woche 30 Minuten auf den Hometrainer), essen nicht gerne weniger (bzw. versuchen es nur halbpatzig) und schlafen tut heute ja eh niemand mehr genug (sag ich jetzt mal so).

Philister:
Eine Theorie lautet, dass zwischen dem, was uns schmeckt, und dem, was wir essen sollten, kein Unterschied besteht.

Dann würde ich mich nur noch von Schokolade und Burger King ernähren. Ich denke, auf die Folgen davon muss ich nicht näher eingehen.

Ich stimme dir aber zu, dass der Diätenwahn bisweilen übetrieben wird bzw. missverstanden wird (und, wie gesagt, es für eine Diät eiserne Disziplin braucht). Viel mehr sollten Ernährungsumstellungen propagiert werden, aber auch das muss man wollen. Hier sind viele Frauenzeitschriften aber leider völlig fehlleitend...

Es scheint mir, als hättest du dich (noch nicht) besonders tief mit dem Thema auseinandergesetzt, aber ich persönlich finde die folgenden Publikationen super: http://www.dr-moosburger.at/publikationen.php
Er räumt mit einigen Mythen auf (lokale Fettverbrennung oder dass Kreuzheben/Kniebeugen schädlich seien) und schreibt auch sonst sehr interessante Beiträge.
Philister
Mitglied
#5 ° Gesendet: 18.05.2010 11:59
Battou:
Ist das so?

Ja, müsste nun selbst auf die Suche gehen, aber es sind mehrere Studien, die das belegen.

Ich bin eigentlich mehr denn je der Überzeugung, dass Gewichtsfragen wenig mit dem Essen selbst zu tun haben. Wenn Essen dafür verantwortlich wäre, dass man dicker wird, müssten die ernährungstechnischen Ratschläge der letzten 40 Jahre, die millionenfach ausprobiert wurden, wirksam gewesen sein. Wir sehen aber: es hat nicht funktioniert.

Interessant ist auch die Wahrnehmung des Durchschnittsgewichts, das hat sich nämlich im Grossen und Ganzen nicht geändert, während den letzten vierzig Jahren. Geändert haben sich die Normen.

Dicke Kinder werden seit 1997 jedoch immer dicker - unter anderem darum 'sieht' man immer mehr Dicke. Interessanterweise fällt das zusammen mit dem Beginn von Diät Kampagnen. Aber ob ein Kind wirklich übergewichtig ist, kann nicht durch Multiplizieren von ein paar Zahlen herausgefunden werden.

Es ist eigentlich erstaunlich. Es gibt pummelige, lange, schlanke, kurze Menschen - bei grossen Menschen sagen wir auch nicht, dass wir diese nun kürzer machen müssen, weil es eine Reihe von Krankheiten gibt, die bei grossen Menschen häufiger auftreten.

Wenn ein Experte behaupten würde, er habe herausgefunden, dass die Schuhgrösse 38 die gesündeste sei, und darum müssten jetzt alle Schuhgrösse 38 tragen, würde man ihn für verrückt halten.

Ein gutes Beispiel ist etwa die Aussage, man sollte drei Liter Wasser am Tag trinken. Ein Beispiel, wie man mit Ratschlägen Menschen umbringen kann. Diese Empfehlung hat nicht wenige Todesfälle verursacht.

Viele Aussagen der Ernährungswissenschaft, sind höchstens vorwissenschaftlich, und dahinter steckt wieder einmal eine ganze Industrie, die vom Ganzen profitiert.

Battou:
Dann würde ich mich nur noch von Schokolade und Burger King ernähren.

Ein Körper, der bewegt wird, verlangt nicht dauernd nach Schokolade und Burger, zumindest meiner nicht ;-)
Battou
Mitglied
#6 ° Gesendet: 18.05.2010 13:51
Philister:
Ja, müsste nun selbst auf die Suche gehen, aber es sind mehrere Studien, die das belegen.

Ich denke, du kannst dir die Suche sparen:
http://www.zeit.de/2006/46/Ernaehrung
Wissenschaftler und Diätgurus verwirren uns mit unzähligen Ernährungsweisheiten. Nur drei sind belegt.

Sehr lesenwert. Der letzte Absatz fasst das Ganz schön zusammen:
Drei Sätze reichen Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster, um die zeitlosen Wahrheiten gesunder Ernährung zu formulieren: »Esst weniger. Bewegt euch mehr. Und esst reichlich Obst und Gemüse.« Damit lassen sich keine Diätbücher verkaufen. Im Gegenteil, es macht die meisten davon überflüssig.

Philister:
Ich bin eigentlich mehr denn je der Überzeugung, dass Gewichtsfragen wenig mit dem Essen selbst zu tun haben. Wenn Essen dafür verantwortlich wäre, dass man dicker wird, müssten die ernährungstechnischen Ratschläge der letzten 40 Jahre, die millionenfach ausprobiert wurden, wirksam gewesen sein

Bitte? Gewicht hat wohl alles mit Ernährung zu tun (mal von ganz besonderen körperlichen Voraussetzungen und phsychischen Faktoren abgesehen).
Der Körper benötigt Energie, Essen ist Energie. Wird mehr Essen reingeschaufelt, als verbraucht, lagert es der Körper ab. Wird mehr Energie verbraucht, als zugeführt, baut der Körper Reserven ab (Fettpolster und Muskeln).
Bewegt sich der Mensch, werden die Muskeln zum Wachstum angeregt, welche dies durchgenügend Proteinzufuhr und Regeneration (Schlaf) auch tun.

Aber wie du selber schon gesagt hast, hat es in den letzten 40 Jahren sowohl im Ernährungsbereich als auch im Sport viele Irrtümer und Mythen gegeben (Sit-Ups verbrennen Fett gezielt am Bauch). Low-Fat ist einer davon. Low-Carb kann auch einer sein.

Philister:
Aber ob ein Kind wirklich übergewichtig ist, kann nicht durch Multiplizieren von ein paar Zahlen herausgefunden werden.

Wieso nicht? Zugegeben, der BMI ist überholt (demnach wären Muskelpackete nämlich schnell übergewichtig), aber es gibt andere Indikatoren, auf die man Zurückgreifen kann um zu bestimmen, ob jemand übergewichtig ist, oder nicht.
Dass die Kinder dicker werden, ist auch nicht weiter verwunderlich. Zucker ist allgegenwärtig (ich sehe immer mehr Kinder mit Energydrinks rumlaufen), Heinz Kinder Ketchup hat immer noch mehr Zucker drin, als ein normales von Coop, Fast Food ist eine nette Alternative zum selberkochen, Konsolen ersetzen das Spielen im Wald usw. usf.

Philister:
Es ist eigentlich erstaunlich. Es gibt pummelige, lange, schlanke, kurze Menschen - bei grossen Menschen sagen wir auch nicht, dass wir diese nun kürzer machen müssen, weil es eine Reihe von Krankheiten gibt, die bei grossen Menschen häufiger auftreten.

Erstens mal kann man auf die eigene Körpergröse keinen Einfluss nehmen (ausser in der Jugend ausgiebig zu kiffen), zweitens sind die Auswirkungen von Fettleibigkeit in der überwiegenden Mehrzahl. Ich persönlich weiss, dass sich ein fitter Körper viel besser anfühlt, als ein untrainierter (oder eben übergewichtiger, wobei ich da nur vermuten kann, aber wohl nicht so schlecht ligen kann). Gegen Übergewicht kann man im Normalfall (sprich, ausser bei Stoffwechselstörung oder bitterer Armut) aktiv vorgehen, es braucht "nur" Zeit und einen starken Willen.
Ich selber bin nicht dafür, analog dem Anti-Rauchertum gegen Fettleibige vorzugehen (falls du darauf mit diesem Thread abzielst), aber Übergewicht mit genetischen Gegebenheiten gleichzusetzen ist lächerlich.
Philister:
Ein gutes Beispiel ist etwa die Aussage, man sollte drei Liter Wasser am Tag trinken. Ein Beispiel, wie man mit Ratschlägen Menschen umbringen kann. Diese Empfehlung hat nicht wenige Todesfälle verursacht.

Das ist irgendwie alles ein bisschen an den Haaren herbeigezogen...
Philister:
Viele Aussagen der Ernährungswissenschaft, sind höchstens vorwissenschaftlich, und dahinter steckt wieder einmal eine ganze Industrie, die vom Ganzen profitiert.

Das stimmt leider sicherlich. Aber man kann sich seine Quellen auch aussuchen (sprich, Publikationen eines Sportwissenschaftlers oder das neuste Frauenklatschheft).
Philister:
Ein Körper, der bewegt wird, verlangt nicht dauernd nach Schokolade und Burger, zumindest meiner nicht ;-)

Meiner schon. Schon seit ich klein war... Und, möchte man diesen Forschern glauben, hat dies auch einen Wissenschaftlichen Hintergrund: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2010-03/essen-fett-sucht
Siehe Lateinamerika, wo der Einzug von Fastfoodketten eine echte Übergewichtswelle ausgelöst hat.
Lehm
Mitglied
#7 ° Gesendet: 18.05.2010 14:44
Philister:
Der menschliche Verdauungstrakt ist einfach gebaut. Mit schnell verfügbarer Energie treiben wir unsere Gehirne an. Wenn Ernährungsfachleute die Rückkehr zu Körnern und Rohkost empfehlen, dann sollten sie als erstes ihr Grosshirn gegen zwei Meter Dickdarm eintauschen ;-)

Nun ja, auch der gesunde moderne Mensch verdaut Körner und Rohkost ganz gut, möglicherweise erst nach einer Angewöhnungszeit. Körner können ansonsten gemahlen und gebacken, Rohkost gekocht werden, das ist alles kein Problem. Vegetarische Ernährung ist denn auch nicht vorab aus gesundheitlichen, sondern aus ethischen Gründen vorzuziehen. Das meiste Fleisch wird auch heute noch auf eine Art produziert, die einem den Appetit verschlagen würde, wäre man dabei. Aber selbst der Biofreilandbauer muss sein niedliches Kälbchen töten (lassen). Warum also wegen einer kurz dauernden Gaumenfreude Tierleid in Kauf nehmen? Tierproduktlose Ernährung ist einfach und schmackhaft.
felixkohl
Mitglied
#8 ° Gesendet: 18.05.2010 19:57
@Philister und alle anderen

Interessanter Fred.
Ernährung ist ein Modethema.
Mit der Verheissung gesunder Ernährung oder gutem Sex (seihe Agathon) lässt sich viel Geld verdienen.

Fakt ist, dass die Ernährungswissenschaften noch sehr jung sind und viele Fachleute in den Haaren liegen.

Das Thema wird umso komplizierter, je mehr wir die sozialen Verquickungen berücksichtigen.
Ernährung ist noch vor der Sexualität ein notwendiges Grundbedürfnis des Menschen. Tiere (z.B. Hunde und Vögel) lassen sich mit Hilfe von Nahrungsbrocken konditionieren bzw. dressieren.
Sogar der Kuss wird von gewissen Wissenschaftlern als abgeleitetes Futtergeschenk betrachtet ("Ich teile die Nahrung in meinem Mund mit Dir"). Die männliche Amsel schenkt dem Weibchen einen Wurm und überwindet die eigenen egoistischen Triebe.

Ernährung und Psyche.
Anorexie, Bullimie, Fettsucht (Adipositas), Alkoholismus etc. sind Störungen der Ernährung, deren Ursachen in einer kranken (oder leidenden) Seele liegen.

Ernährung und Stoffwechsel.
Nicht alle Menschen haben gleiche Bedürfnisse an die Ernährung. Die Inuit in den nördlichsten Gegenden der Erde müssen, dürfen sich anders ernähren als Menschen in Indien oder Ostafrika.
Der Stoffwechsel hat sich sogar evolutionär angepasst.
Das schönste Beispiel ist die Laktoseintolleranz in Kulturen ohne Milchwirtschaft.

Ernährung und Evolution.
Der Mensch 8und andere Primaten) stammt gem. Anthropologen von kleinen Insektenfressern ab. Die Menge an benötigtem Eiweiss etc. ist deswegen keineswegs erklärt. Die evolutive Radiation der Primaten ist zu breit.
Ausserdem passt sich der menschliche Verdauungstrakt evolutiv immer noch an.

Ernährung und Vielfalt.
Die meisten Konsumenten verkennen, dass viele Produkte, die in unserem Teller landen aus völlig anderen Erdenregionen stammen. Vor ca. 500 Jahren gabs keine Tomaten, keine Peperoni, kein Mais, keine Kartoffeln, keine Orangen, keine Zitronen und erst recht nicht viele tropische Obst- und Gemüsesorten.
Das ist einerseits schön und spannend - müsste (und wird wohl) aber auch in dem Studium einer optimalen Ernährung miteinfliessen.

Genetische Störungen.
Phenylketonurie, Fruktoseintolleranz, Galaktoseintolleranz etc.

Andere (nicht geklärte Störungen).
Zölialie

Endokrine Störungen.
Diabetes I und Diabetes II, Hyper- und Hypothyreose.

Medikamentös bedingte Störungen.
Kortisonbehandlungen (Glukokortikoide) und Cushing-Syndrom

Spezifische und multiple Lebensmittelallergien.
Eines der grössten medizin. Probleme des 21. Jh. im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen.

Nahrungsmitteltechnologie.
Sobald Nahrungsmittel verarbeitet werden, verliert man rach die Übersicht. Da wird eingemischt, verfärbt, enzymatisch behandelt...dass es einem bange wird.

Nahrungsmittel und Gentechnologie.
Neue Gene in Raps, Soja, Mais wecken nicht unbegründet Ängste beim Konsumenten.

Nahrungsmittelgewinnung und Ethik.
In der Tat macht es einen nachdenklich, wenn man bedenkt, dass 200000 Truthähne getötet und vernichtet werden, weil ein Fall von Vogelgrippe gefunden wurde....

Nahrungsmittel und Ökologie.
Raubfang in den Meeren, Treibnetzjagt, tiergerechte Haltung, Palmfarmen auf abgeholztem Regenwaldboden, Crevettenzucht in Mangrovenwäldern oder seichten, antibiotikabelasteten Dreckwasserlöchern in Asien....
Die Liste ist endlos.
Loser
Mitglied
#9 ° Gesendet: 18.05.2010 20:07
agathon:
Und dazu gehört auch das sogenannte "Körperbewusstsein" - als dürfte der Körper nicht einfach glücklicher, zufriedener Körper sein. Nein, er muss trainiert, bearbeitet und operiert werden: Wie wenn man ein Rennpferd wäre, dass mit einem menschlichen Hirn ausgestattet worden wäre.

Der Mensch ist eigentlich ein Rennpferd, der männliche Körper für die Jagd optimiert. Ausserdem weis man durch Studien, dass Frauen ihren Partner nach dem Körperbau aussuchen und dies unbewusst. Gut trainiert heisst gesund und das wiederum gesunde Gene für das Kind.

Lehm:
Vegetarische Ernährung ist denn auch nicht vorab aus gesundheitlichen, sondern aus ethischen Gründen vorzuziehen.

Das find ich mit Abstand das dümmste Argument der Vegetarier, die Natur ist da wesentlich grausamer. Hier wird bewusst verniedlicht, mit dem resultat von Tierschutzgesetzen, die man an einigen Stellen als nicht zweckentsprechend beurteilen muss.

Lehm:
Das meiste Fleisch wird auch heute noch auf eine Art produziert, die einem den Appetit verschlagen würde, wäre man dabei

Das stimmt hingegen wieder....
Lehm
Mitglied
#10 ° Gesendet: 19.05.2010 09:34
Loser:
die Natur ist da wesentlich grausamer.

Na und? Das heisst doch nicht, dass der Mensch sich ethisch nicht anspruchsvoller verhalten soll. Das ist es ja gerade, was den Menschen ausmacht bzw. ausmachen könnte. Tiere nicht zu quälen und nicht zu töten kann eine tiefe Befriedigung verschaffen. Andersrum verdrängen Fleischesser ihre Schuldgefühle. Das Steak im Supermarkt erinnert möglichst nicht an das Tier, von dem es stammt.
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