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Dorfplatz Diskussionsforum Politik / Dorfplatz /

Politikverdrossenheit

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Philister
Mitglied
#1 ° Gesendet: 12.05.2010 21:18 ° Bearbeitet von: Philister
Zur Diskussion um die EU

Weiter ausgedehnte Regierungen und supranationale Institutionen werden kommen, es fragt sich nur, ob durch Konsequenz, oder Konsens.

Je länger die Gesellschaft die geradezu offensichtlichen Ausreden wie etwa der Steuerhinterziehung schluckt, um so weiter werden sich die lustigen Karruselle drehen.

Der Vergleich stimmt auf mehreren Ebenen - was politisch vorgesetzt wird, das kann meist nur noch als Infotainment genossen werden.

Die geradezu infantile Ausflucht in die Verwischung von Prioritäten, durch jede Menge Lärm, das macht ohnmächtig.


Die Erfahrung zeigt: Aus der Krise heraus, aus Konsequenz - wie man es immer wieder sieht.

Jedes Mal aufs Neue wird erklärt, man müsse die Krise, den grossen Crash fürs Erste mit der Wiederherstellung der alten Bedingungen beginnen.

So, dass auch ja erneut gecrasht werden kann - anders, aber doch irgendwie ganz ähnlich. Die ewige Wiederkehr des Gleichen.

In dieser argumentativen Todesspirale bewegt sich auch die EU mit ihrer Währungsunion - mit ihren geplanten, schärferen Richtlinien. Sie rechtfertigt jede neue Intervention mit einer bereits bestehenden, noch dümmeren Intervention.

Als ununmstösslichen Notwendigkeitsgrund, beruft man sich auf sich selbst. Und so häuft er sich, der Schuldenberg.

Der Prozess der sogenannten Geldschöpfung endet in Schulden, eine Art ökonomische Knechtschaft, wenn man so will.

Wie alle hier festgestellt haben, scheint es keinen anderen Ausweg zu geben, als den ökonomischen Tunnelblick - thats why.

Man muss sich irgendwie schon ernsthaft fragen, was hier NICHT orchestriert wäre. Wenn man immer wieder beobachten muss, wie Löcher gebuddelt werden, nur um sie danach wieder zuzuschaufeln, - da kann man nur noch auf wenig andere Schlüsse kommen.


Oder aber man gesteht einfach ein, dass Macht korrumpiert, und absolute Macht, korrumpiert absolut.

Give me control of a nation's money and I care not who makes the laws- Die EZB winkt mit dem Zaunpfahl


Darum braucht es das ebenbürtige Gleichgewicht, das auch eingeschränkt sein soll. Doch - wo ist es wirklich noch ebenbürtig?

Die eingeschränkten Kompetenzen, die Regierungsmitglieder in Staaten mit starkem Souverän erdulden müssen, ist für jeden solchen lästig.

Jeder Politiker ist der dringenden Versuchung ausgesetzt, mehr Kompetenz erlangen zu wollen, nichtmal in zwingend böser Absicht. Denn man hat schliesslich den Masterplan im Sack ;-)


Grosse Bevölkerungsanteile haben in der Hinsicht wohl längst aufgegeben, da wird nicht dagegengehalten - man muss sich nur mal die Wahlbeteiligung reinziehen.

Bei der letzten Europawahl blieben 57 Prozent der deutschen Bevölkerung zu Hause.



Achse des Guten:
Ist es übertrieben, von einem Legitimationsproblem zu sprechen?

Nein.


Nicht-Wähler sind ein Nicht-Thema

Achse des Guten:
Das Interesse am Parlament würde womöglich wieder wachsen, wenn die Abgeordneten tatsächlich nach ihrem Gewissen abstimme dürften. Die Haltungen zu großen politische Fragen verlaufen quer zur Parteizugehörigkeit. Kriegseinsätze der Bundeswehr, Kinderbetreuung, Gentechnik, Datenschutz, Steuersenkungen und andere wichtige Fragen sind innerhalb der Parteien umstritten. Warum also nicht echte Wortgefechte führen, statt Scheinkämpfe bei denen das letztendliche Abstimmungsverhalten schon vorher festgelegt wurde. Parlamentsdebatten könnten spannend sein, hätten die Redner eine reale Möglichkeit, einzelne Abgeordnete der Gegenpartei auf ihre Seite zu ziehen. Bei ethisch brisanten Fragen wie Abtreibung ist der Fraktionszwang doch auch aufgehoben, wodurch das Niveau der Argumentation steigt.

Für die Mehrzahl der heutigen Parlamentarier brächten solche Reformen jedoch nur Nachteile. Die Chancen, dass sich im gewohnten Trott des Parteinstaates etwas ändert, sind daher denkbar gering. Nichtwähler bleiben ein Nicht-Thema. Außer es werden noch mehr – oder eine neue Partei holt sie ab.

Meine Rede.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/das_wahre_walerge bnis/
Zocker
Mitglied
#2 ° Gesendet: 12.05.2010 21:29
Philister:
Wie alle hier festgestellt haben, scheint es keinen anderen Ausweg zu geben, als den ökonomischen Tunnelblick

Ich zähle mich längst nich zu diesen allen.

Wegen dem, dass in der Öffentlichkeit nur der angebliche ökonomische Tunnelblick kommuniziert wird, heisst das noch lange nicht, dass alle Leute diesen haben müssen. Solange jedoch die Spielergebnisse der Fussballiga mehr interessieren wie die Politik, solange haben es die Reichen und Mächtigen viel leichter bei der Ausbeutung. Brot und Spiele --- schon den Römern bekannt.
Philister
Mitglied
#3 ° Gesendet: 12.05.2010 21:57
Zocker:
Wegen dem, dass in der Öffentlichkeit nur der angebliche ökonomische Tunnelblick kommuniziert wird, heisst das noch lange nicht, dass alle Leute diesen haben müssen.

Nun, Kommunikation hin oder her - was zählt, ist letztlich, was getan wird. Daran gedenke ich zu messen.

Zocker:
Brot und Spiele --- schon den Römern bekannt.

Wahre Worte.
Zocker
Mitglied
#4 ° Gesendet: 12.05.2010 22:15
Philister:
was zählt, ist letztlich, was getan wird.

Nur derjenige der Leidensdruck hat oder etwas verdient wird etwas tun. Der Habenichts kennt nur Leidensdruck und der muss gewaltig sein, bevor er den Arsch hebt. Also wird nichts getan was die Reichen und Mächtigen freut.
Ockham
Mitglied
#5 ° Gesendet: 12.05.2010 22:17
Ich handhabe das Thema Nichtwähler ganz nüchtern:

Nichtwähler sind KEINE Protestler - weder gegen die zur Verfügung stehenden Alternativen noch gegen das praktizierte System an sich. Nichtwähler sind „Mir-egal"-Wähler. ICH zähle die Nichtwähler daher ganz einfach zur Gewinnerseite (prozentual und quantitativ.) Offensichtlich geht es den Personen zumindest so gut, dass es ihnen nicht darauf ankommt, wer gewählt oder was wie abgestimmt wird. Das Ergebnis - so schätzen sie - wird ihren Lebensstandard und ihre Lebensweise nicht wirklich beeinflussen können.

Wer effektiv gegen die zur Verfügung stehenden Alternativen ist, aber für das praktizierte System ist, der legt leer oder ungültig ein. Wer gegen das praktizierte System an sich ist, soll sich gefälligst erheben: Revolte, Terror oder was auch immer praktizieren.

Nichtwählen ist im demokratischen System eine Wohlstands-Erscheinung, ja gar Luxus.
Philister
Mitglied
#6 ° Gesendet: 12.05.2010 22:35
Das hat durchaus seine Richtigkeit, ändert aber nichts daran, dass sich beispielsweise die Nicht-Wahlbeteiligung an der EU von anfangs knapp 30% auf 57% hoch änderte. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Mitgliedsstaaten, übergreifend.

Das ist nicht einfach nur der reinste Zufall. Es ist nicht verfehlt, von einem Legitimationsproblem zu sprechen.

Ockham:
Das Ergebnis - so schätzen sie - wird ihren Lebensstandard und ihre Lebensweise nicht wirklich beeinflussen können.

Wohl viel eher, dass es gleichgültig ist, wem man seine Stimme gibt.

Ockham:
Nichtwählen ist im demokratischen System eine Wohlstands-Erscheinung, ja gar Luxus.

Das ist Teil des Problems. Es braucht verdammt viel, bis ich mich heute noch aus meinem gemütlichen Sessel vor überdimensioniertem Fernseher erhebe, und meinen Ruf oder vielleicht sogar mein Leben in Gefahr bringe.

Zocker:
Nur derjenige der Leidensdruck hat oder etwas verdient wird etwas tun. Der Habenichts kennt nur Leidensdruck und der muss gewaltig sein, bevor er den Arsch hebt. Also wird nichts getan was die Reichen und Mächtigen freut.

Richtig. Gründe?

http://www.ignoranz.ch/forum/4_4051_0.html#msg178525
Pia
Mitglied
#7 ° Gesendet: 13.05.2010 00:47
Ockham:
Ich handhabe das Thema Nichtwähler ganz nüchtern:

Nichtwähler sind KEINE Protestler - weder gegen die zur Verfügung stehenden Alternativen noch gegen das praktizierte System an sich. Nichtwähler sind „Mir-egal"-Wähler. ICH zähle die Nichtwähler daher ganz einfach zur Gewinnerseite (prozentual und quantitativ.) Offensichtlich geht es den Personen zumindest so gut, dass es ihnen nicht darauf ankommt, wer gewählt oder was wie abgestimmt wird. Das Ergebnis - so schätzen sie - wird ihren Lebensstandard und ihre Lebensweise nicht wirklich beeinflussen können.

Wer effektiv gegen die zur Verfügung stehenden Alternativen ist, aber für das praktizierte System ist, der legt leer oder ungültig ein. Wer gegen das praktizierte System an sich ist, soll sich gefälligst erheben: Revolte, Terror oder was auch immer praktizieren.

Nichtwählen ist im demokratischen System eine Wohlstands-Erscheinung, ja gar Luxus.

Sehe und verstehe ich auch so.
razzar
Mitglied
#8 ° Gesendet: 13.05.2010 06:03
Ockham:
Nichtwählen ist im demokratischen System eine Wohlstands-Erscheinung, ja gar Luxus.

Ein deutscher Bekannter erklärte mir kürzlich sein Demokratieverständnis: "Es gibt keine echte Demokratie. Da ist alles geplant und durchdacht." Und die denken schon lange so. Also ich glaube nicht das es an einer Miregalstimmung liegt.
gods president
Mitglied
#9 ° Gesendet: 13.05.2010 10:24 ° Bearbeitet von: gods president
Dass sich die schweizerische Sozialdemokratie und und die Grüne Partei Schweiz öffentlich für einen EU-Beitritt ausspricht ohne landesintern die Bevölkerungsmehrheit bezüglich ihres Parteiprogramms hinter sich zu wissen, lässt vermuten, dass der EU-Beitritt Zufluchtsort für Unehrliche bedeutet. In beiden Parteien existiert eine starke Beitrittsgegnerschaft, welche anscheinend öffentlich noch nicht wahrgenommen werden konnte.

Mittlerweile kann sich die Grüne Partei Schweiz nicht mehr um das heisse Eisen EU-Beitritt drücken. Deren Präsident, Ueli Leuenberger, hat im Parteiblog selber mit einer sehr widersprüchlichen lächerlichen Argument die Pro-Haltung vertreten. Die Reaktionen blieben nicht aus, parteiintern gibt es Widerstand der Vizepräsidentin Aline Trede.

http://www.gruene.ch/web/gruene/de/mitmachen/mitdiskutieren_blog/bloge intraege_2010/februar/libyen-krise.html?mgnlLogout=true

http://www.gruene.ch/web/gruene/de/mitmachen/mitdiskutieren_blog/bloge intraege_2010/mai/oelkatastrophe.html

Ansonsten zur Unterhaltung http://www.ignoranz.ch/forum/4_4079_0.html
gods president
Mitglied
#10 ° Gesendet: 13.05.2010 10:27
Ich finde, das Experiment politische Mehrheit mit den Jungen Grünen sollte ausprobiert werden, bevor aufgehört wird zu wählen.

http://www.jungegruene.ch/
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