Natascha:
Tja, das Cover ist nicht von der Weltwoche. Wo sind jetzt die Empörten, welche feststellen, dass alle Negerkinder zum Töten ausgebildet sind?
Es geht ja nicht um das Coverbild an sich, sondern um den Kontext. Die Titelzeile spricht von "Raubzügen". Das Bild soll offenbar diese "Raubzüge" möglichst drastisch symbolisieren. Nur findet man dann im eigentlichen Artikel nichts von bewaffneten Raubüberfällen, an denen Kinder beteiligt sind, sondern "nur" etwas über Trickdiebstähle, Bettler und Prostituierte.
Deswegen muss sich Köppel die Frage gefallenlassen, weshalb er die Leser mit einem solchen Bild in die Irre führt. Warum konnte kein Motiv verwenden, das eindeutig im Zusammenhang steht mit den Text? Weshalb musste er mit dem Foto überhaupt faktenwidrig suggerieren, dass Romakinder bewaffnete Raubüberfälle begehen, und zwar wie es scheint, von sich aus, alleine (wo sind denn die Erwachsenen Anstifter?)? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Weltwoche wolte gleichzeitig Aufmerksamkeit erregen und Ressentiments schüren.
Zudem: Ein eindeutig als solcher erkennbarer Kindersoldat wie auf dem Foto oben ist etwas anderes als ein Romajunge mit Pistole, von dem man nicht genau weiss, weshalb er mit der Waffe posiert. Von Kindersoldaten weiss man einfach, dass sie missbraucht werden. Hingegen symbolisiert das Romabild in diesem Kontext für mich vor allem das Vorurteil, dass "Zigeuner" von Natur aus (also schon als Kleinkind) verroht, dreckig und gewalttätig seien. Der Kleine wird offensichtlich als Täter, und nicht als Opfer dargestellt (auch wenn dies nicht der ursprünglichen Intention des Fotografen entspricht).
Dass das Bild den Missbrauch von Kindern symbolisieren soll, ist nichts als eine billige Ausrede. Auf diese Idee kommt man schlicht nicht, wenn man den Artikel noch nicht gelesen hat, und das weiss Köppel ganz genau. Dafür hätte er den angeprangerten Missbrauch bereits in der Titelzeile erwähnen müssen.
Aber es ist interessant, wie die gesamte Empörung einmal mehr offenbar genau ins Konzept der Weltwoche-Macher passt. Die Rechtfertigungen wirken stereotyp und einstudiert, als hätte man sich genau darauf vorbereitet, was passieren wird. Genau wie schon bei der Hetze gegen die Welschen und gegen Hildebrand.
Es scheint, dass all diese Titelstorys darauf angelegt sind, Empörung hervorzurufen, damit man in der Folge die immer gleiche These propagieren kann: Die "Wahrheit" werde zugunsten einer falschen Harmonie angeblich unterdrückt und die "wahren Helden", welche endlich das Tabu brechen, gnadenlos verfolgt. Dabei wird faktisch das Gegenteil erreicht: Die Öffentlichkeit wird eingeschüchtert, wenn sie nicht der Meinung der Rechten ist, und zugunsten einer falsch verstandenen, viel zu einseitig gegen Minderheiten und staatliche Institutionen gerichteten "Streitkultur" wird unnötig Unfrieden gestiftet.