Begrenzungsfaktor Mitglied
#1 ° Gesendet: 19.02.2010 10:32 |
Die Altstadt von Burgdorf verkommt mehr und mehr zu Geisterstadt. Die Geschäfte an der Schmiedegasse sind fast alle verschwunden und es fehlen eigentlich nur noch ein paar Tumbling Weeds und schon würde man sich in einer Geisterstadt wähnen wie im wilden Westen. Früher war In Burgdorf was los, doch jetzt ist der Goldrausch vorbei und die Musik spielt in Lyssach an der Shoppingmeile.
Wie konnte es soweit kommen, wo doch die Stadt so verzweifelt in die Entwicklung der Altstadt investiert? Mit einem Stadtmarketing will man die Altstadt beleben. Es wird versucht die Tradition der Wochenmärkte wieder zu beleben. En Suppenessen hier und eine Jazz Matinee da. Die Stadtpräsidentin strahlt uns wöchentlich aus allen Käseblättern entgegen und verkündet wie toll doch die Altstadt sei.
Doch der klinisch tote Patient wacht nicht auf aus seinem Koma. Während es in jahrelanger Arbeit nicht gelang die Altstadt zu beleben, hat IKEA es in der gleich Zeit geschafft ein abgetakeltes Industrieareal mit einer Disco von zweifelhaftem Ruf, einem zwielichtigen Puff und einem Schrottplatz in eine Familientaugliche Hochglanz Shopping-Mall zu verwandeln die Besucher aus dem Einzugsgebiet Biel, Neuchatel, Bern, Solothurn, Thun anzieht. Die Schoppingmeile wächst immer noch und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.
Im Vergleich zur Altstadt von Burgdorf dürfte es ungleich schwieriger gewesen sein den öden Acker in Lyssach zu „beleben", denn der Acker hatte keinerlei Infrastruktur vorzuweisen. Dennoch schlägt der Acker die Stadt gleich um mehrere Grössenordungen. Während die Shoppingmeile Umsatze in dreistelliger Millionenhöhe bringt, haben ein paar ewig gestrige Traditionalisten in der Altstadt immer noch nicht begriffen worum es geht und stellen in der halbleeren Schaufenstern des weg gezogenen Kaufhauses Strauss Vorschläge aus wie man die Altstadt beleben könnte.
Merkt denn keiner, dass ausser der Stadtpräsidentin (selber Ladeninhaberin) und der Lokalpresse, sich keine Sau mehr für einen Wochenmarkt interessiert? Wer will heute noch bei -10°C einkaufen gehen mit zwei quengeligen Kleinkindern im Schlepptau? Das Auto darf man auch nicht benutzen in der autofreien Altstadt, also muss man alles was einkauft kilometerweit schleppen. Außerdem, wer betritt freiwillig ein Geschäft in dem er scheinbar nicht willkommen ist? oder wenn der Ladeninhaber mürrisch und unfreundlich ist? Oft sind die Waren die man sucht nicht am Lager und müssen erst bestellt werden. Und das dümmste was eine Ladenbesitzerin machen kann, wie jüngst selber erlebt, ist sich über Kunden die ein Schnäppchen machen wollen beschwerden und sich mokieren, dass man sonst nie in den Laden komme. Game over!
Hat man noch nicht geschnallt, dass es für Mütter viel interessanter ist sich ihr Bälger für zwei Stunden im Kinderparadies von IKEA abzugeben und gemütlich eine (überaus preiswerte Tasse Kaffee zu schlürfen)? Ist es nicht offensichtlich dass der Kunde lieber mit dem Auto bequem in die Shopping Mall fährt, und dann aus einer enormen Vielfalt von Produkten in gepflegtem Ambiente bei überaus freundlichen und kompetenten Bedienung auswählt. Ist das so schwer zu begreifen?
Die Geschäfte der Burgorfer Altstadt können diesbezüglich nicht im entferntesten mithalten. Freundlich, kompetent, schnell, guter Service, gutes Ambienten, praktische Parkmöglichkeiten usw. , das sind die Attribute die man in Lyssach findet. In der Altstadt von Burgdorf hingegen findet man keinen Parkplatz, griesgrämige, unhöflich bis arrogante Ladenbesitzer die ihr Sortiment nicht auf den aktuellen Stand haben. Wenn man Glück hat so hat man zwischendurch nicht den Eindruck sich entschuldigen zu müssen, wenn man was kaufen will... |