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Agnostiker/innen und Atheisten, Atheistinnen in der Schweiz

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Ockham
Mitglied
#51 ° Gesendet: 20.11.2009 21:07 ° Bearbeitet von: Ockham
Pia:
Man bildet eine Meinung aufgrund von Fakten, von Belegen, schreibst du ja selbst. Trotzdem hätten Meinungen nichts mit Belegen zu tun.

(Ich klink mich mal einfach hier in die Diskussion ein.)

Es wäre schön, wenn "man" sich die Meinung aufgrund von Fakten bilden tät. Nur ist das nicht immer oder gar selten der Fall - teilweise auch gar nicht möglich. Eine Meinung kann man sich auch über eine Analogie oder rein via Vorurteile bilden. Oder man zieht als meinungsbildende "Quelle" bloss die Meinung(skundgabe) einer anderen Person heran ("Dä Blocher hed immer rächt.") respektive übernimmt eine "gängige" Meinung aus einem bestimmten "Druck" heraus, z.B. aus einem "Gruppenzugehörigkeitsbedürfnis" oder gar aus der Werbung.

Punkto Meinung ist das alles aber nichts Verdammenswertes. Je einfältiger/unkritischer/"simpler" eine Person ist, desto weniger wird sie, diese Meinung selber hinterfragen oder durch (weitere) Fakten bestätigt haben wollen. Erst aber, wenn die Person die Meinung als Tatsache "definiert" und dann daraus Folgen zieht/Konsequenzen fordert/Ursachen ableitet, bildet sich ein Konfliktpotenzial.

Im Weiteren: Wem es gelingt, seine Meinungskundgabe mit Fakten zu stützen der wird bessere Chancen habe, andere von seiner Meinung zu überzeugen und macht die "Idee" stärker gegenüber Zweifeln respektive Gegenmeinungen.
Pia
Mitglied
#52 ° Gesendet: 21.11.2009 00:02
Ockham:
Es wäre schön, wenn "man" sich die Meinung aufgrund von Fakten bilden tät. Nur ist das nicht immer oder gar selten der Fall - teilweise auch gar nicht möglich. Eine Meinung kann man sich auch über eine Analogie oder rein via Vorurteile bilden. Oder man zieht als meinungsbildende "Quelle" bloss die Meinung(skundgabe) einer anderen Person heran ("Dä Blocher hed immer rächt.") respektive übernimmt eine "gängige" Meinung aus einem bestimmten "Druck" heraus, z.B. aus einem "Gruppenzugehörigkeitsbedürfnis" oder gar aus der Werbung.

Okay, das verstehe ich, also sozusagen die Beschreibung von Dynamiken, die zu sog. Meinungen führen können, die uns wohl alle mal betreffen können.

Ockham:
Punkto Meinung ist das alles aber nichts Verdammenswertes. Je einfältiger/unkritischer/"simpler" eine Person ist, desto weniger wird sie, diese Meinung selber hinterfragen oder durch (weitere) Fakten bestätigt haben wollen. Erst aber, wenn die Person die Meinung als Tatsache "definiert" und dann daraus Folgen zieht/Konsequenzen fordert/Ursachen ableitet, bildet sich ein Konfliktpotenzial.

Weiss jetzt nicht genau, wie das mit dem Konfliktpotential gemeint ist. Konflikte mit anderen oder sich selbst?

Ockham:
Im Weiteren: Wem es gelingt, seine Meinungskundgabe mit Fakten zu stützen der wird bessere Chancen habe, andere von seiner Meinung zu überzeugen und macht die "Idee" stärker gegenüber Zweifeln respektive Gegenmeinungen.

Gelingen:
Vielleicht über Jahrhunderte hinweg. Die Meinung, dass es nicht die Sonne ist, die sich bewegt, sondern die Erde, und dass die Erde keiner Scheibe gleicht, auch nicht unbedingt das Zentrum des Universums ist, brauchte viele Anläufe und wissenschaftliche Belege. Sicher war die Meinung, die "man" wahrnahm (Sonne geht auf und unter), nicht unmenschlich.
abc def
Mitglied
#53 ° Gesendet: 21.11.2009 13:30
Pia:
nicht die Sonne ist, die sich bewegt, sondern die Erde, und dass die Erde keiner Scheibe gleicht, auch nicht unbedingt das Zentrum des Universums ist, brauchte viele Anläufe

Viele VERBOTENE Anläufe! Die Kirche hatte ja längst beschlossen, was die einzig echte "Wahrheit" ist. Ebenso wie unser Staat die echte "Wahrheit" zu Armenien einfach "beschlossen" hat.
Das Problem ist: Wahrheit kann man nicht beschliessen. (Relative) Wahrheit ist das, was sich im ständigen Wettbewerb der Argumente und Gegenargumente bewährt. Wer die Gegenargumente verbietet, dem geht es nicht um Wahrheit sondern um Macht.
Pia
Mitglied
#54 ° Gesendet: 21.11.2009 17:43
abc def:
Viele VERBOTENE Anläufe! Die Kirche hatte ja längst beschlossen, was die einzig echte "Wahrheit" ist. Ebenso wie unser Staat die echte "Wahrheit" zu Armenien einfach "beschlossen" hat.
Das Problem ist: Wahrheit kann man nicht beschliessen. (Relative) Wahrheit ist das, was sich im ständigen Wettbewerb der Argumente und Gegenargumente bewährt. Wer die Gegenargumente verbietet, dem geht es nicht um Wahrheit sondern um Macht.

Ich sehe keinen Skandal darin, wenn der sog. Staat das Leugnen von Völkermorden, vor allem das öffentliche und gezielte Verbreiten, untersagt. Das ARG wurde zudem unter demokratischen Regeln angenommen, durch konkrete Stimmbürger/innen, nicht einfach durch einen diffusen, abstrakten Staat.
abc def
Mitglied
#55 ° Gesendet: 21.11.2009 19:24
Pia:
Ich sehe keinen Skandal darin, wenn der sog. Staat das Leugnen von Völkermorden, vor allem das öffentliche und gezielte Verbreiten, untersagt. Das ARG wurde zudem unter demokratischen Regeln angenommen

Dann wirst du dich aber auch damit abfinden müssen, wenn die demokratische Mehrheit irgendwann das Leugnen des christlichen Gottes (wieder) verbietet.
Pia
Mitglied
#56 ° Gesendet: 21.11.2009 20:17
abc def:
Dann wirst du dich aber auch damit abfinden müssen, wenn die demokratische Mehrheit irgendwann das Leugnen des christlichen Gottes (wieder) verbietet.

Da sehe ich kaum einen Zusammenhang zu historischen Tatsachen und Belegen wie z.B. zu Völkermorden. Und ob bei deinem eher absurden Beispiel überhaupt noch von Demokratie die Rede sein könnte, bezweifle ich.
abc def
Mitglied
#57 ° Gesendet: 21.11.2009 22:11
Pia:
Und ob bei deinem eher absurden Beispiel überhaupt noch von Demokratie die Rede sein könnte, bezweifle ich.

Na also! Ich bezweifle es nicht. Ich sage: Natürlich hätte das mit Demokratie nichts zu tun! Demokratie kann nicht heissen, dass die Mehrheit die MEINUNG der Minderheit verbieten kann. Genau das passiert aber auch im Fall Armenien.
Ja, es gibt Belege für einen Völkermord an den Armeniern. Gemäss türkischen Angaben gibt es auch diverse Belege, die diese These nicht stützen.
Eine Diskussion darüber ist in der Schweiz illegal. Man kann/darf sich also keine eigene Meinung bilden. Das ist ja auch nicht nötig, der liebe Staat weiss was wahr ist und was nicht...
Pia
Mitglied
#58 ° Gesendet: 21.11.2009 23:01
abc def:
Na also! Ich bezweifle es nicht. Ich sage: Natürlich hätte das mit Demokratie nichts zu tun! Demokratie kann nicht heissen, dass die Mehrheit die MEINUNG der Minderheit verbieten kann. Genau das passiert aber auch im Fall Armenien.
Ja, es gibt Belege für einen Völkermord an den Armeniern. Gemäss türkischen Angaben gibt es auch diverse Belege, die diese These nicht stützen.
Eine Diskussion darüber ist in der Schweiz illegal. Man kann/darf sich also keine eigene Meinung bilden. Das ist ja auch nicht nötig, der liebe Staat weiss was wahr ist und was nicht...

Die Diskussion darüber ist in der Schweiz nicht illegal. Warum du Leugnung von Völkermorden mit "Meinung" und "Freiheit" verbindest, weiss ich auch nicht. Vielleicht hast du einfach ein Konzept von Freiheit, das Freiheit absolut setzt. Dann würde ich aber gerne von dir wissen, wie du absolute Freiheit in anderen Situationen siehst, wo es nicht um die Leugnung von historischen Tatsachen wie Holocaust oder "seinem" Vorbild, dem Völkermord an den Armeniern damals, geht. Regelmässig benutzt du "Staat" für ausgesprochen zynisch wirkende Sätze. Wenn du "Staat" so hasst, warum gehst du überhaupt noch wählen oder abstimmen, schliesslich ist es auch der "Staat", der das alles organisiert? Was willst du eigentlich?
abc def
Mitglied
#59 ° Gesendet: 22.11.2009 13:18 ° Bearbeitet von: abc def
Pia:
warum gehst du überhaupt noch wählen oder abstimmen

Seltsame Frage. Aus genau demselben Grund, warum ich für die Meinungsfreiheit bin: Ich will einen DEMOKRATISCHEN Staat.
Es ist aber eine notwendige Grundvoraussetzung für Demokratie, dass jeder eine eigene Meinung haben darf, seine Meinung öffentlich äussern darf, und eine Diskussion der verschiedenen Meinungen stattfinden kann. Und zwar öffentlich!
Hinter verschlossenen Türen geht derweil die wissenschaftliche Diskussion zu Armenien weiter.
http://www.nzz.ch/nachrichten/international/eine_gemeinsame_geschichte _schreiben_1.688128.html
Wohlgemerkt: Das ist kein Kongress irgendwelcher Spinner. Es sind angesehene türkische und armenische Historiker, die sich bemühen, gemeinsam die "Wahrheit" zu erforschen.
Wären die Sitzungen öffentlich, wären die Teilnehmer nicht in der Lage, völlig frei Ideen zu postulieren und zu prüfen.Die Öffentlichkeit darf diese Ideen niemals erfahren. Das Bundesgericht hat entschieden, was in der Schweiz als wahr gilt. Türkische Gerichte haben entschieden, was in der Türkei als wahr gilt. Die historische Wahrheit interessiert beide nicht mehr.
Pia
Mitglied
#60 ° Gesendet: 22.11.2009 22:03
abc def:
Das Bundesgericht hat entschieden, was in der Schweiz als wahr gilt. Türkische Gerichte haben entschieden, was in der Türkei als wahr gilt. Die historische Wahrheit interessiert beide nicht mehr.

Das (Desinteresse) würde ich denen nicht unterstellen.


abc def:
Ich will einen DEMOKRATISCHEN Staat.

Offenbar mit einem Konzept von Freiheit, das grenzenlose Freiheit verspricht. Das funktioniert nicht mal auf der Strasse, höchstens in der Werbung. Geisterfahrer sind auch da eine Gefahr für sich und andere. Ja, ich will auch einen demokratischen Staat, aber wer öffentlich und systematisch Völkermorde verleugnet, muss in so einem Staat mit Einschränkungen rechnen, auch wenn das Köppel und Co. so extrem nervt.
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