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Agnostiker/innen und Atheisten, Atheistinnen in der Schweiz

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Pia
Mitglied
#41 ° Gesendet: 19.11.2009 00:59
abc def:
Eine Meinung ist die in einem Menschen bestehende subjektive Ansicht bzw. Einstellung zu Zuständen, Ereignissen oder anderen Personen. (Wikipedia) Vereinfacht kann man sagen: Praktisch jede Äusserung ist eine Meinungsäusserung.
"Nazi-Arschloch" ist - absolut offensichtlich - eine Meinung.

Dann aber wäre Meinung nicht etwas, das es zu schützen gilt, eher wertlos.

Dieter Nuhr in einer Kabarettveranstaltung zum Thema Meinungsäußerung: „Viele haben das mit der Demokratie nicht so richtig begriffen. Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss aber nicht. Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal die Fresse halten. Ist mir ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht."

http://de.wikipedia.org/wiki/Meinung#Wissenschaft
Lehm
Mitglied
#42 ° Gesendet: 19.11.2009 09:39 ° Bearbeitet von: Lehm
Pia:
Ach je, der Atheist bezeichnet den Agnostiker als Feigling... Nun, da würde es mich nicht wundern, wenn der Agnostiker keine Lust hat, mit einem Atheisten zu reden, Desinteresse (oder "Apathie") nach einer Beschimpfung ist kein Makel.

So unrecht hast du nicht. Vorsichtig zu sagen, "ich weiss es nicht", ist eine gesicherte Position. Allerdings auch eine langweilige, wenn sie einfach so bestehen bleibt. Es ist zwar heute kaum beweisbar, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ähnlich, wie nicht bewiesen werden kann, dass es auf anderen Planeten "Leben" gibt oder das All unendlich ist. Aber wir sind mit Sinnen ausgestattet, die es uns erlauben, zumindest vorläufige Wahrheiten als Basis für unser Dasein anzunehmen. Meine Sinne, Augen, Ohren etc. sagen mir, dass es keinen Gott gibt, also geh ich einstweilen davon aus. Sollte ich einem begegnen, ihn also z.B. riechen, hören oder gar sehen, würde ich meine Meinung ändern. Gläubige nehmen nun also offenbar bereits heute einen Gott wahr und denken daher, dass es ihn gibt. Angesichts solcher Wahrnehmungen kommen mir allerdings Zweifel, weil ich sie selbst nicht erlebe und auch nicht nachvollziehen kann, entweder, weil ich meine Sinne anders auswerte oder weil mir ein Sinn für die Wahrnehmung dessen fehlt, was die Gläubigen Gott nennen. Ich finde es daher nicht naheliegend, an Gott zu glauben. Es ist z.B. viel wahrscheinlicher in meiner Wahrnehmung, dass die Schweiz bald der eU beitritt. Deshalb glaube ich das, weiss es aber natürlich nicht. Deshalb sage ich aber nicht dauernd, dass ich nicht wisse, ob die Schweiz der EU beitrete, sondern ich sage, dass ich glaube, dass die Schweiz der EU beitritt.
Thomas
Mitglied
#43 ° Gesendet: 19.11.2009 12:36
Pia:
Jemand, der sagt, dass er wisse, dass es Gott nicht gibt, ist für mich ein Atheist. Jemand, der sagt, er könne rein wissentlich und rational weder ein- noch ausschliessen, dass es Gott nicht gibt oder gibt, glaube aber nicht an ihn, ist für mich ein Agnostiker.

Dann darfst du mich jetzt einzuordnen versuchen. Ich weiss nicht, ob es einen Gott gibt, aber es ist mir auch gleichgültig. Trotzdem interessiere ich mich für Religionen. Ich praktiziere aber nicht. Ich bin (ausser wenn es um Musik geht) nicht in Kirchen anzutreffen. Ich bete nicht und pflege auch sonst keine Rituale, die irgendwelchen Religionen zuzuordnen wären.

Lehm:
So unrecht hast du nicht. Vorsichtig zu sagen, "ich weiss es nicht", ist eine gesicherte Position. Allerdings auch eine langweilige, wenn sie einfach so bestehen bleibt.

Die «Ich weiss nicht»-Position muss überhaupt nicht langweilig sein. Sich nicht zu entscheiden, kann viel nervenaufreibender (etwa so, wie wenn man mehrere Beziehungen gleichzeitig pflegt) und unsicherer sein. Dies besonders, wenn man die «Ich weiss nicht»-Position nicht mit einer «Ist mir egal»-Position kurzschliesst. Es gibt nämlich eine gelehrte Unwissenheit, wie sie Sokrates verkörpert. Man hat sich mit diesen Dingen intensiv auseinandergesetzt (und die Auseinandersetzung dauert noch an), kommt aber am Ende doch (immer wieder) zum Schluss, dass über die Dinge eigentlich nichts weiss.
Lehm
Mitglied
#44 ° Gesendet: 19.11.2009 14:09
Thomas:
Es gibt nämlich eine gelehrte Unwissenheit, wie sie Sokrates verkörpert.

Diese impiziert, dass man sich um Wissen zumindest bemüht. Die "ist mir egal"- Position ist nämlich wirklich ein Problem. Vielen ist es heute egal, ob sie liberal, sozial, grün oder was weiss ich nicht was sind. So ist es auch vielen Katholiken egal, ob sie katholisch sind oder sein wollen, ebenso den Reformierten etc. Darum treten die auch nie aus der Kirche aus, obschon oder gerade weil sie ihnen egal ist. Mir ist daher die vorläufige Wahrheit, also etwa die Ansicht, dass es mangels Anhaltspunkten weder einen Gott noch ein Spaghettimonster gibt, sympathischer. Die gelehrte Unwissenheit verleitet eben doch immer wieder zu Gleichgültigkeit.
abc def
Mitglied
#45 ° Gesendet: 19.11.2009 19:21
Pia:
Dann aber wäre Meinung nicht etwas, das es zu schützen gilt, eher wertlos.

Keine Ahnung wie du das meinst. Natürlich sind die meisten Meinungen völlig banal. Wenn man aber nur WICHTIGE Meinungen schützen will, stellt sich logischerweise wieder die Frage: Wer entscheidet, ob eine Meinung wichtig und schützenswert ist, oder nicht wichtig und nicht schützenswert? Eine solche Wertung wäre natürlich genau nicht der Sinn der Sache.

Wieso wollt ihr den absoluten Wahrheitsanspruch der Religion unbedingt durch einen absoluten Wahrheitsanspruch des Staats ersetzen? Wäre nicht die naheliegende Lösung, dass NIEMAND die absolute Wahrheit für sich beanspruchen kann?
abc def
Mitglied
#46 ° Gesendet: 19.11.2009 19:44 ° Bearbeitet von: abc def
Lehm:
Es ist zwar heute kaum beweisbar, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ähnlich, wie nicht bewiesen werden kann, dass es auf anderen Planeten "Leben" gibt oder das All unendlich ist.

Ähnlich? Nein. Das ist eine Schein-Analogie.
Die anderen Planeten und das Universum befinden sich im selben System wie wir. Sie sind zumindest theoretisch untersuchbar, erforschbar. (Das Universum übrigens ist vermutlich NICHT unendlich. Es hat eine Form und eine endliche Grösse, und es dehnt sich aus).
Das "Göttliche" (was auch immer man darunter versteht) ist aber definitionsgemäss etwas, was ausserhalb unserer "Welt" liegt.

Das sind also zwei völlig verschiedene Dinge:
- aus praktischen Gründen nicht wissbar
- PRINZIPIELL nicht wissbar (weil ausserhalb der Systemgrenzen)
Pia
Mitglied
#47 ° Gesendet: 19.11.2009 21:21
Lehm:
Die "ist mir egal"- Position ist nämlich wirklich ein Problem. Vielen ist es heute egal, ob sie liberal, sozial, grün oder was weiss ich nicht was sind.

Du dehnst einfach die Position im Zusammenhang mit der Frage nach der Existenz oder Nichtexistenz Gottes auf andere Bereiche aus. Ich sehe da aber eigentlich keinen prinzipiellen Zusammenhang, warum Agnostiker auch sonst alles "egal" sein solle.

abc def:
Keine Ahnung wie du das meinst. Natürlich sind die meisten Meinungen völlig banal. Wenn man aber nur WICHTIGE Meinungen schützen will, stellt sich logischerweise wieder die Frage: Wer entscheidet, ob eine Meinung wichtig und schützenswert ist, oder nicht wichtig und nicht schützenswert? Eine solche Wertung wäre natürlich genau nicht der Sinn der Sache.

Ich erwarte schon, dass eine "Meinung" auch belegt und/oder begründet wird. Wie zum Beispiel bei: "Die Erde gleicht einer Scheibe." Du und andere definieren offenbar quasi alles, was gesagt wird, als Meinung, es scheint keine Kriterien zu geben, nach denen eine Meinung überprüft werden kann oder soll, da alles subjektiv ist und total relativ.
dryueh
Mitglied
#48 ° Gesendet: 20.11.2009 07:59
Pia:
Ich erwarte schon, dass eine "Meinung" auch belegt und/oder begründet wird.

Denk noch mal drüber nach. Eine Meinung muss eben nicht belegt werden, Fakten müssen, aber nicht Meinungen. Das ist ja das Wesen der Meinung, man bildet sie sich aufgrund der Fakten. Meinungen können daher so abstrus werden, wie Menschen unterschiedlich sind. Eine Meinung ist ja eben etwas ganz persönliches, wie kommst du also darauf, dass sie belegt werden sollte? Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten...

Mit Blick aufs ARG müssten konsequenterweise auch all die monotheistischen Religionen verboten werden, denn jenseits aller Sprüche stehen sie für den in ihren Augen einzigen Weg zu Gott und ins Paradies. Wäre es anders, könnten sie sich gleich einer anderen Religion anschliessen. Tun sie aber nicht. Im Kern sind monotheistische Religionen deshalb allesamt intolerant. Auch wenn sie sich zur Zeit ein anderes Mäntelchen umgehängt haben.

Was mir aber insgesamt Sorge macht ist der Vormarsch religiöser Ideen in Gesetz und Gesellschaft. Da diese im Kern intolerant sind und bei entsprechender Macht auch sofort wieder ihre eigene Ordnung durchdrücken würden, bin ich immer bereit, diesen eins ans Schienbein zu geben. (Was für mich btw der einzige Grund wäre, der Anti-Minarett-Initiative zuzustimmen, habs aber nicht getan. Anders sähe es aus, wenn alle Kirchtürme verboten werden sollten. Wobei eben, Verbote...)

Was auch klar sein sollte: Jeder, der in die Kirche geht, ist gesinnungsmässig näher an den Terroristen als an mir dran. Aus meiner (atheistischer) Sicht ist der massgebende Schritt der Glaube an Gott an sich, derjenige Schritt vom gemässigten Glauben zum radikalen Glauben ist verhältnismässig nur noch klein. Denn komischen Ideen hängen beide nach, der eine einfach radikaler als der andere.

Off-Topic: Wenn man gewissen ehemaligen Usern den Nazi anhängen will, müsste man andere, aktive, als Stalinisten umschreiben. Beides ist lächerlich.
Lehm
Mitglied
#49 ° Gesendet: 20.11.2009 11:08
abc def:
Das sind also zwei völlig verschiedene Dinge:
- aus praktischen Gründen nicht wissbar
- PRINZIPIELL nicht wissbar (weil ausserhalb der Systemgrenzen)

Ja, das leuchtet mir ein. Und Dank auch für die Weiterbildung.
Pia
Mitglied
#50 ° Gesendet: 20.11.2009 11:47
dryueh:
Eine Meinung muss eben nicht belegt werden, Fakten müssen, aber nicht Meinungen. Das ist ja das Wesen der Meinung, man bildet sie sich aufgrund der Fakten.

Das tönt aber etwas widersprüchlich. Man bildet eine Meinung aufgrund von Fakten, von Belegen, schreibst du ja selbst. Trotzdem hätten Meinungen nichts mit Belegen zu tun.
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