Insomniac Mitglied
#1 ° Gesendet: 12.03.2008 18:02 |
ich habe vor einer woche eine email an meine gemeindeverwaltung geschrieben, dass ich für meinen zivilschutz-wk im juni aufgrund studium und prüfungsvorbereitungen keine zeit habe. heute kam eine mail zurück, dass sie mit dem kreiskommandanten gesprochen hätten und ich nur zwei von vier tagen kommen müsse...
auch wenn zwei tage eigentlich nicht schlimm sind, zumal es eh in der ersten woche der semesterferien sein wird, habe ich ein grundlegendes problem mit der ganzen einberufungspraxis beziehungsweise wehr-/schutzdienstpflicht. ich entschuldige mich bei all jenen, die ins militär müssen und wk's während dem studium haben, die werden sich wohl gerade grün und blau ärgern ab einem der wegen zwei tagen zivilschutz ein drama macht... doch was mich immer wieder höllisch ärgert an zivilschutz/militär ist die tatsache, dass es nur für männer gilt! täglich liest man über nicht vollständig erfüllte gleichberechtigung, dass frauen noch immer weniger verdienen, irgendwelche ungerechten verteilungen der geschlechter in bestimmten berufen vorherrschen etc. dabei sind frauen gesetzlich mittlerweile in absoult allen belangen gleich- beziehungsweise überberechtigt (rentenalter z.b.). männer aber sind vom gesetzt durch wehr-/ersatzpflicht höchst offiziell benachteiligt, nicht-gleichberechtigt (frauen dürfen aussuchen, männer müssen gehen) und dadurch offiziell diskriminiert, doch irgendwie scheint das niemanden zu stören oder schlicht keinem aufzufallen... ich frag mich teilweise ob die meisten leute das schlicht nicht realisieren oder ob viele männer diese tatsache einfach verdrängen, da es, vorsichtig ausgedrückt, weniger in der natur der männer zu scheinen liegt sich selbst als opfer darzustellen...
wenn ich meinen text so durchlese kommt er mir selbst fast schon irgendwodurch lächerlich vor, wie gesagt ist man es sich als mann einfach weniger gewohnt sich zu beklagen. tatsache ist aber, dass das wehrpflichtgesetz in völligem widerspruch mit dem gleichstellungsartikel steht.
meine frage: hat jmd eine idee oder erfahrung mit zivilschutz-verweigerung aufgrund des gleichstellungsparagraphen? was sagt meine gemeindeverwaltung, wenn ich ein mail mit dem einem link zum gleichstellungsparaphen zurückschick und schreibe, dass ich demzufolge dieselbe behandlung wie eine frau verlange??
hat schonmal wer beim gleichstellungsbüro angerufen und gesagt, er hätte einen marschbefehl im briefkasten, da wolle ihn eine organisation aufgrund seines geschlechts zu zwangsdienst verpflichten, da müsse sich das büro aber dringend einschalten da klarer fall von geschlechtsdiskriminierung?
das thema beschäftigt mich übrigens schon seit über einem jahr (als ich den marschbefehl zur rekrutierung erhalten hab) mehr oder weniger stark. ich hab stunden damit verbracht, mir diskussionen dazu in internetforen durchzulesen, ich gehe daher davon aus alle argumente, die die eingeschlechtige wehrpflicht rechtfertigen, zu kennen. das hauptargument, frauen kriegen kinder, zählt für mich nicht, da es sich um eine frei entscheidung und nicht um eine pflicht handelt. frauen, die keine kinder kriegen, zahlen keinen kinder-krieg-ersatz...
ich hoffe, dass mich der eine oder andere versteht... es geht mir einfach grundsätzlich darum, dass die wehr- und schutzpflicht unserer verfassung so völlig widerspricht, sich aber keiner darum schert. ich sehe in diesem zusammenhang nicht ein, weshalb ich zwei tage meiner semesterferien opfern soll und mir so einen nachteil gegenüber dem "benachteiligten" geschlecht einhandeln soll...
wenn ich mir meinen text durchlese hab ich das gefühl, die worte irgendeiner verbissenen feministin zu sehen, nur diesmal in die entgegengesetzte richtung ^^
kein schönes gefühl, und genau deshalb hab ich das thema auch oft versucht zu verdrängen, es für mich so zurechtzulegen, dass es mich nicht mehr aufregt. doch aus irgendeinem grund ärgert es mich einfach so sehr, dass ich da gern was unternehmen würde. blind akzeptierte ungerechtigkeiten ärgern mich zwar generell, jedoch nie in dem ausmass wie bei diesem thema... wahrscheinlich liegt es daran, dass ich selbst betroffen bin und zudem glaube ich, dass man sich als mann gegenüber einer frau extrem ungern als benachteiligt und somit "schwächer" fühlt... |