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NEIN zur AVIG - Revision / Sozialabbau auf dem Buckel der Schwächeren - einmal mehr !

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swiss
Mitglied
#1 ° Gesendet: 22.08.2010 19:25 ° Bearbeitet von: swiss
Sozialabbau auf dem Buckel der Schwächeren – einmal mehr !


Ein halbes Jahr ist es her, seit das Volk den gieriegen Rentenklauern eine klare Antwort gegeben haben. Die Wirtschaftskrise trifft die jüngeren und die älteren Menschen besonders hart. Die Sozialhilfe ist nicht da um Mängel bei der Arbeistverteilung zu regulieren. Während Wirtschaftskrisen hat die Arbeitslosenkasse immer Defizite gemacht, dies ist einfach normal. Die neue ALV- Revision ergäbe nur eine langjährige „Baustelle" mit weiterem Sozialabbau Absichten. Ein Millionnär mit einem Einkommen von 90 Millionen Franken bezahlt nur lächerliche 0.01 %, ein normaler Arbeiter 2,2 %, so eine Ungerechtigkeit. Sie zeigt auf, wie die Arbeitslosenkasse schnell saniert werden könnte, würde man diejenigen zur Kasse beten, die wirklich Riesenvermögen haben. Ein klares NEIN zum Bürgerlichen Angriff auf unsere Sozialwerke. Die Abzocker haben uns die Krise eingebrockt, nicht die schwächsten in unserem Lande !
Loser
Mitglied
#2 ° Gesendet: 03.09.2010 21:15 ° Bearbeitet von: Loser
AdiB
Mitglied
#3 ° Gesendet: 04.09.2010 11:41 ° Bearbeitet von: AdiB
Die ALV-Abstimmung ist brisant, und es ist schade, dass das Bundesrats-Wahltheater die eigentlich essentielle Diskussion völlig verdrängt...

Bei dieser Abstimmung ist man gezwungen, Farbe zu bekennen: links oder rechts. Unbeschränkte Einkommensanhäufung für die, die bereits schon besitzen, oder aber eine möglichst gerechte (Um)verteilung des Wohlstands - darum geht es, und um nichts anderes. Für jemanden wie mich, der gerade in wirtschaftlichen Fragen gerne den Kompromiss sucht, ist diese Entscheidung um so schwieriger...
Der Ansatz, die ALV "beidseitig" - also durch neue Einnahmen wie auch durch weniger Ausgaben - zu sanieren, ist sicher richtig und grundsätzlich die gerechteste Lösung. Nur sollte die konkrete Ausgestaltung des Sanierungspakets auch fair sein, d.h. alle möglichst gleich betreffen. Dazu bräuchte es ein pragmatisches, und kein ideologisches Vorgehen. Diesbezüglich ist die geplante Revision wirklich fraglich:
-Wieso werden Topverdiener 100%ig geschont? Es verlangt ja niemand Abgaben nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit - sprich Progression - aber wenigstens 1% ALV für alle (vom armen Schlucker bis zum Millionär) würde m.E. schon drinliegen...

-Wieso konzentrieren sich die Kürzungen auf bestimmte Gruppen und insbesondere Junge? Wenn schon, müssten Leistungen für alle gekürzt werden...Wenn man sich die Argumentation von economiesuisse und co. anhört, stösst man vor allem auf unbelegte Vorurteile und Kaffeesatzlesen, warum Junge und Studienabgänger angeblich nicht die gleichen Leistungen verdient hätten wie der Durchschnittsarbeitnehmer. Es wird von Fehlanreizen und von Missbrauch gesprochen, ohne dass dies irgendwie belegt werden kann. Völlig ausgeblendet wird m.E., dass es heute kaum noch ein Stellenangebot gibt, bei dem nicht "mehrjährige Berufserfahrung" verlangt wird - da kann man noch so lange behaupten, Junge seien im Schnitt weniger lange arbeitslos, ich glaube das ehrich gesagt nicht.

-Nach den Infos des Pro-Kommitees würde es mit der vorgelegten Revision 14(!) Jahrte dauern, bis das Schuldenloch gestopft wäre. Da kann man sich schon fragen, ob es nicht effizientere Lösungen gäbe und vielleicht eben doch die Ideologie (und gewisse Lobbys) einer solchen Lösung im Weg gestanden war...
AdiB
Mitglied
#4 ° Gesendet: 04.09.2010 11:56
leonforte
Mitglied
#5 ° Gesendet: 04.09.2010 12:22
AdiB:
Wieso werden Topverdiener 100%ig geschont? Es verlangt ja niemand Abgaben nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit - sprich Progression - aber wenigstens 1% ALV für alle (vom armen Schlucker bis zum Millionär) würde m.E. schon drinliegen...

eine ziemlich falsche vorstellung die du hast. die alv ist eine reine versicherung. deine topverdiener werden wie alle anderen auch 0.2% auf ihren 126'000.- einkommen mehr bezahlen müssen. sie erhalten aber im eintretensfall auch nicht mehr als dieses versicherte einkommen von 126'000.-. die alv ist keine umverteilungsmaschine, sondern eine versicherung, was viele linke übersehen. ich zahle einen anteil auf meinem einkommen und kann dieses dafür versichern. über 126'000.- gibt es die versicherung nicht mehr und damit entfällt ethisch und moralisch die notwendigkeit noch etwas zu bezahlen.
AdiB
Mitglied
#6 ° Gesendet: 04.09.2010 13:26
leonforte:
die alv ist keine umverteilungsmaschine, sondern eine versicherung, was viele linke übersehen.

Das würde ich bestreiten. Die ALV ist eine staatliche Sozialversicherung, und deshalb nicht einfach so mit einer privaten Versicherung gleichzusetzen. Bei Sozialversicherungen sind zwar die Leistungen beschränkt, gleichzeitig aber ist garantiert, dass grundsätzlich jeder, ob arm oder reich, gesund oder krank, leistungsfähig oder nicht, mindestens zu einem kleinen Teil versichert ist, ob er nun will oder nicht. Für diese Garantie - und nicht nur für die Leistung als solche - ist dann auch jedermann beitragsplichtig. Dabei soll(te) es nicht nur darum gehen, einfach sein eigenes Risiko zu decken, sondern bis zu einem gewissen Grad auch das Risiko der anderen. So lautet das Prinzip zumindest... Die ALV ist zwar nicht eine "Umverteilungsmaschine" par excellence wie die AHV und soll sie auch nicht sein, deshalb aber noch lange keine "reine Versicherung" wie das die Befürworter behaupten.

Allerdings bin ich auch der Meinung, dass es bei der bevorstehenden Abstimmung eigentlich nicht um eine Grundsatzreform über die Organisation und Funktionsweise der ALV geht. Ich sagte auch, es geht nicht um eine neue Steuer, um Progression. Aber da nunmal jeder Arbeitnehmer versichert ist, soll sich auch jeder an der Sanierung beteiligen, und das möglichst gleichmässig. Eine ungleiche Verteilung der Lasten, wie sie hier offenbar vorgesehen ist, die nur auf Mutmassungen und Annahmen beruht, lehne ich ab.
Klar profitieren Gutverdienende relativ betrachtet weniger von der ALV als Ärmere, und deshalb ist es grundsätzlich auch gerechtfertigt, dass sie relatv betrachtet weniger einzahlen. Aber ein bisschen Solidarität, ein bisschen Umverteilung kann man sich in einem reichen Land wie der Schweiz m.E. leisten...
Loser
Mitglied
#7 ° Gesendet: 04.09.2010 14:42
AdiB:
damit entfällt ethisch und moralisch die notwendigkeit noch etwas zu bezahlen.

Nein, tut sie nicht, hier gilt das Solidaritätsprinzip. Wenn wir schon für den Scheiss der Banken aufkommen müssen, sollen die Topverdiener auch gleich wie wir belastet werden.

Aus dem Kommentar

Eine gut schweizerische Sozialversicherungsrevision scheint sich dadurch zu definieren, dass sie lediglich die nächste Revision vorbereitet. Der Bundesrat wollte 2002 für die dritte ALV-Revision das sogenannte Solidaritätsprozent beibehalten, weil klar war, dass sonst die Arbeitslosenversicherung schnell wieder defizitär würde. Die bürgerlichen Parteien kippten die permanente Solidaritätsabgabe auf hohen Löhnen, bekannten sich aber dazu, die Sozialbeiträge zu erhöhen, wenn die ALV wieder in Schieflage geraten sollte. Dieser Fall ist eingetreten. Wird das Versprechen jetzt gehalten? Selbstverständlich nein.
felixkohl
Mitglied
#8 ° Gesendet: 04.09.2010 19:21
Diese Obstruktion gegenüber sanften AHV- oder ALV Beitragserhöhungen kann ich schlicht nicht verstehen.
Es ist mir klar, dass Besserverdienende das eher trifft. Im ganz oberen Segment ist es mir ein Rätsel.
Mir fehlen schlicht die Worte warum Solidarität immer seltener wird.
Jene die dagegen lobbiieren ignorieren wohl, dass nur ein Wohlfahrtsstaat auch ihren ureigenen Interessen entgegen kommt.

Selbstverständlich bin ich auch gegen Verschwendung - von Steuergeldern, von Sozialversicherungsgeldern. Und hier liesse sich noch einiges machen.

Im Quartier wo ich arbeite, sehe ich grosse Not. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges.
"Ältere" Arbeitslose, meist in besten physischen Konditionen, ausgestattet mit den besten kognitiven Fähigkeiten und erst noch reich an Erfahrung, sollen gedemütigt werden, weil sie nicht mehr angestellt werden?

Bei den ganz jungen Arbeitslosen kann ich einen Verlängerung der Wartefrist durchaus noch akzeptieren....

Zur Vorlage:
Habe bereits brieflich ein NEIN abgestimmt.
gumbyman
Mitglied
#9 ° Gesendet: 05.09.2010 00:18
Da die ALV obligatorisch und nicht freiwillig ist, hat sie ebenso den Charakter einer Steuer wie den einer Versicherung. Deshalb wäre es auch mehr als nur angebracht, die volle Lohnsumme mit einem Abzug zu belegen, und nicht nur die "versicherten" max. 126000; ein bisschen Solidarität von den Boni-Fritzen wäre schon angesagt angesichts dessen, dass ihre Goldesel "solidarisch" vom Steuervolk gerettet wurden.

felixkohl:
"Ältere" Arbeitslose, meist in besten physischen Konditionen, ausgestattet mit den besten kognitiven Fähigkeiten und erst noch reich an Erfahrung, sollen gedemütigt werden, weil sie nicht mehr angestellt werden?

Das ist in der Tat unmenschlich und unnötig. Zumal die Kosten ja nur verlagert werden: Wer von der ALV zuwenig zum Leben hat oder ausgesteuert ist, landet bei der Sozialhilfe. Die Kosten sind deswegen nicht "reduziert", nur "umgebucht".

felixkohl:
Habe bereits brieflich ein NEIN abgestimmt.

Ich NOCH nicht ;-)

g.
Bünzli
Mitglied
#10 ° Gesendet: 05.09.2010 01:25
AdiB:
Das würde ich bestreiten. Die ALV ist eine staatliche Sozialversicherung, und deshalb nicht einfach so mit einer privaten Versicherung gleichzusetzen. Bei Sozialversicherungen ...

Du benutzt da ein Wort dessen Bedeutung dem Sozialvorsteher vollkommen fremd ist.
Ich bin sich du hast schon erraten welches Wort ich meine.

Für alle anderen, ja, die die es grundsätzlich mit sozialistisch "verwechseln", das Wort heisst "sozial".
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