rlarsson:
Die Abwahl Metzlers war eine logische Konsequenz (Fakt) der vorangegangenen Wahlen. Die SVP wurde als stärkste Partei bestätigt und die CVP verlor Stimmen. Es war klar, dass die SVP Anspruch auf einen zweiten Sitz im Bundesrat hatte und die CVP einen abgeben musste. Die Abwahl von Blocher war jedoch eine Schweinerei, weil die geprellte (CVP) mit der Niederlage nicht leben konnte und bis heute nicht kann, und die SP seit diesem Datum auf SVP-Bashing macht.
Die Abwahl von BR Metzler war der eigentliche "Sündenfall". Es war in der CH-Geschichte bis da noch nie vorgekommen, dass ein BR-Mitglied rein aufgrund der Parteienarithmetik, ohne persönliches Verschulden, abgewählt worden war. Das war eine folgenschwere Provokation,die die SVP hätte berücksichtigen müssen. Deshalb war nicht die Abwahl von Metzler, sondern die Retourkutsche 2007 konsequent. Dazu kommt, dass Blocher durch seine Arbeit, sprich durch persönliches Verschulden, das Vertrauen im Parlament verloren hat, was m.E. ein legitimerer Grund als der reine Parteienproporz ist, um in einer Personenwahl (!) jemanden nicht wiederzuwählen. Wir haben eben nicht eine parlamentarischen Mehrheitsdemokratie, wo das Parlamentswahlergebnis einen direkten Einfluss auf die Regierungszusammensetzung hat. Es entspricht der Schweizer Tradition, dass die Regierungszusammensetzung "träge" und persönlichkeitsorientiert ist und sich nicht kurz- sondern langfristig ändert. Sprich: Parteien dürfen (zusätzliche oder neue) Sitzansprüche geltend machen, aber eben nur dann, wenn sich Vakanzen ergeben und eine Partei notorisch und klar übervertreten ist. Ausserdem sollten Kandidaten präsentiert werden, die in Parlament und Volk über alle Lager hinweg geachtet sind, sprich: keine Arena-Parteisoldaten und/oder Parteiführer ,und schon gar nicht mit der Drohung, eine Nichtwahl des Kandidaten habe einen Gang in die Opposition zur Folge.
Der Anspruch der SVP ist m.E. klar gegeben, doch die SVP sollte sich endlich mit den (ungeschriebenen) Regeln unseres Systems abfinden und deshalb entweder jetzt gegen die übervertretene FDP antreten, oder warten bis EWS zurücktritt. Alles andere sind ungerechtfertigte Rachespiele und/oder Machtgehabe, das nicht unserer Tradition entspricht.
Dazu wäre es von Vorteil, wenn die SVP das Kapitel "Blocher" endlich abhaken würde. Die CVP spricht ja auch nicht mehr ständig über Ruth Metzler. Die ganze Geschichte zeigt einfach, wie dominant der Guru Blocher in der SVP nach wie vor ist und dass die Parteistrategen derart auf ihren St. Christophorus fixiert sind, dass sie sich überhaupt keine Alternative zu ihm vorstellen können. Das ist nicht die beste Voraussetzung für die Zukunft... Die SVP sollte sich endlich von der Vorstellung lösen, sie könne den Zustand von 2004-2007 wiederherstellen. Dafür ist es jetzt definitiv zu spät.