Philister Mitglied
#10 ° Gesendet: 18.03.2010 20:05 ° Bearbeitet von: Philister |
Die Frage, ob Multiethnisierung zu Aufständen und Revolution führt, find ich persönlich ziemlich spannend. Meine persönliche Schlussfolgerung lautet eher dahingehend, dass die Vermischung der Völker auch verhindern könnte, dass es so weit kommt. Wie man das wertet, die Frage scheint mir letztlich ausschlaggebend.
Um der Sache wirklich auf den Grund zu gehenreichen kurzfristige Vergleiche nicht - da muss man tiefer schürfen. Jedenfalls; schon in der Antike war die Multiethnisierung ein effektives Mittel, um besiegte Völker dauerhaft zu unterwerfen. Ein bekanntes und aktuelles Beispiel liefert Stalin - seine Zwangsdeportationen.
Als eine der elementarsten Voraussetzungen für Revolutionen gilt die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft. Zum Umsturz der alten Ordnung verbünden sie sich vorübergehend, weil sie mit dem bestehenden Zustand unzufrieden sind. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse bringt nach der heutigen politikwissenschaftlichen Revolutionstheorie keine zustande.
Kulturelle Differenzen hingegen: um auf der Ebene Einigkeit resp. eine gemeinsame Identität zu erzielen, muss mehr überwunden werden, und vermutlich ein weitaus höherer Leidensdruck herrschen. Das Gleichnis vom Frosch im sich langsam erhitzenden Wasser drängt sich auf.
Kulturelles Profil äussert sich mit Forderungen, die mit anderen Nationen unvereinbar sind - frei nach Homi Bhabhas Konzept der Hybridität.
Oder anders gesagt: Identitätsstiftend ist die Abgrenzung vom Andern. Bei Massenimmigrationen werden immer soziale und kulturelle Verhältnisse aus dem Herkunftsland importiert, weil jedes geistig gesunde Volk seine Identität und Kultur schützt.
Die Folge: Paralellgesellschaften, gemeinschaftsschädigendes Verhalten und Gruppenegoismus. Abgesehen von primitivsten Grundbedürfnissen bestehen nur noch gemeinsame Sonderinteressen. Abgesehn davon dass die einzelnen Gruppierungen gegeneinander ausgepielt werden und Minderheiten die Möglichkeit erlangen, die angestammte Allgemeinheit zu überwinden, sinkt damit drastisch die Chance, dass ein Umstand für mehrere Schichten und Gruppen störend genug ist/wird, um gemeinsam dagegen vorzugehn.
Die alten Staatsverfassungen zielten insbesondere auf die Bildung der Sitten ab, weil von dieser gemeinsamen Triebfeder ihre ganze innere Stärke abhing.
Reiche wie die von Yao, Krischna oder Moses leben noch heute, zwar verstümmelt, aber in allen ihren Gliedern. Neuere Reiche sind Zweckgemeinschaften, aufgebaut auf Geld oder Staatskünsten. Die Entwicklung der Völker des Altertums sind dahingehend aufschlussreich, aber wohl auch je nach Neigung entsprechend zu interpretieren, auch weil die ganze Thematik nicht grade reichlich unterfüttert ist.
Ethnisch geschlossene Völker, so kann man aus der Vergangenheit schliessen, können weder durch das Grosskapital noch durch politische Interessen anderer Nationen dazu gebracht werden, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln. Musterbeispiel dazu findet sich im Versuch der Einführung der blossen Sitte des mongolischen Haaescherens in China.
Staaten, die aus ihrer Wurzel erwuchsen konnten überwältigt werden, aber die Nation überdauerte.
Der Gedankengang mag manchen Leuten vielleicht widerlich erscheinen. Ich meine jedoch - das eigentliche Opium des Geistes, das ist alles, was die Denkkraft fesselt.
Nunja - vielleicht ist die Schlussfolgerung auf Abwegen, jedenfalls nicht über Zweifel erhaben, das ist ohnehin Prämisse. Ob die Entwicklung sogar zu begrüssen wäre - die Meinung hätte ich auch gern vertreten.
In Zeiten wo mehr als nur Randständige offene Zweifel an ihrer Regierung laut werden lassen, die Zahl an Nichtwählern und deren unterschwellige Botschaft lassen mich auf anderes schliessen. Die Ohnmacht scheint sich damit noch ein Stück zu verdeutlichen. Die Frage nach dem Leidensdruck drängt sich wieder auf.
Für mich und viele andere ist zumindest eines klar: In einer heilen Welt, in der leben wir nicht. Ohne Zweifel wird auch weiterhin Notwendigkeit zur Revolution bestehen, in welchem Teil der Welt auch immer - und sei es nur auf geistiger Ebene. |